Allgaeu
Bild:Karte_Allgäu.png
Lage des Allgäus in Deutschland
Der Grünten, „Wächter des Allgäus“
Typische Allgäuer Voralpenlandschaft: Siggenhauser Weiher bei Amtzell
Hopfen am See als Beispiel für einen vom Tourismus geprägten Ort

Das Allgäu ist eine Landschaft, die sich über den südlichen Teil des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben (Bayerisch-Schwaben), das äußerste südöstliche Baden-Württemberg sowie einige zu Österreich gehörende Grenzgebiete erstreckt. Es ist in der Gegenwart vor allem als Ferienregion und wegen einiger landwirtschaftlicher Produkte bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft des Namens

Nach einer Theorie leitet sich der Name Allgäu vom althochdeutschen „alb“ (Berg, Bergwiese) und mittelhochdeutschen „göu“ ab, was soviel wie Landschaft, Gegend, im übertragenen Sinn auch Herrschaftsbereich bedeutet. Eine andere These geht nicht davon aus, dass mit „gäu“ der „Gau“ gemeint ist, sondern dass die zweite Silbe von Ge-Äu kommt, also für mehrere Auen steht (analog wie mehrere Berge zum Ge-birge werden)[1]. In diesem Fall wäre die Bedeutung etwa mit „bergige Landschaft mit viel Wasser und Wiesen“ anzugeben.

Geologie

Die Allgäuer Berge und mit ihnen das gesamte Gebirge der Alpen sind Ausdruck eines Prozesses, der vor etwa 200 Millionen Jahren begann, als sich infolge gewaltiger plattentektonischer Kräfte im Erdmantel das Gebirge der Alpen aufzufalten begann und aus dem Urmeer Tethys der Meeresboden nach oben gedrückt wurde. Die Allgäuer Alpen sind aus unterschiedlichen Sedimentgesteinen aufgebaut, die sich überwiegend während des Erdmittelalters abgelagert haben. Siehe Allgäuer Alpen, Abschnitt Geologie.

Das Alpenvorland zwischen Lech und Bodensee ist dagegen ein von der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren geprägtes, aus Moränenwällen bestehendes Berg- und Hügelland. Dabei reichen die Moränenhügel des Lechgletschers bis in die Gegend des heutigen Kaufbeuren, die des Illergletschers bis zu einer Linie Legau–Bad Grönenbach–Obergünzburg und das Geschiebe des Rheingletschers findet sich bis in die Gegend von Leutkirch.

Ein Merkmal der Moränenlandschaft im Allgäu sind die in Mulden zurückgebliebenen Seen und Hochmoore, sowie die besonders im Westallgäu anzutreffenden Tobel.

Umgrenzung und Teilregionen

Das Allgäu hat keine streng definierte geographische Begrenzung, oft geht es fließend in die benachbarten Landschaften über. Insbesondere nach Westen und Norden ist dies der Fall. Hier wird von einem Grenzsaum gesprochen, der etwa in Höhe einer gedachten Linie liegt, die von Scheidegg im Landkreis Lindau über die alten Städte Wangen im Allgäu, Memmingen, Kaufbeuren bis nach Schongau am Lech reicht. In diesen Bereich können Begrenzungslinien nach verschieden Gesichtspunkten gelegt werden[2], die jedoch nur einen groben Anhaltspunkt für die Ausdehnung des Allgäus geben. Als Kriterien werden beispielsweise der siedlungsgeschichtliche Hintergrund, die geomorphologische Beschaffenheit des Geländes oder die landwirtschaftliche Bewirtschaftungsform (Milchwirtschaftsgrenze) herangezogen. Aber auch Sprache, Bauart und Lebensweise der Menschen können für eine solche Grenzziehung verwandt werden. Ebenfalls kann dabei die Niederschlagsmenge betrachtet werden, was in Zusammenhang mit der Lage unmittelbar vor dem Gebirge der Alpen und der Meereshöhe von über etwa 600 Metern steht, in der sich die Voralpenlandschaft des Allgäus befindet.

Im Süden ist die Landschaft durch den Hauptkamm der Allgäuer Alpen relativ eindeutig abgegrenzt. Nach Osten stellt der Flusslauf des Lech im Wesentlichen die Grenze dar, wobei im südlichen Ostallgäu der Bereich etwas nach Osten zu den Ammergauer Alpen hin ausgedehnt ist.

Gelegentlich herrscht Uneinigkeit darüber, welche Orte im Randbereich noch zum Allgäu zu zählen sind. Meist wird aus Gründen einer angenommenen Attraktivitätssteigerung vor allem in touristischer Hinsicht die Zugehörigkeit recht großzügig ausgelegt. Allerdings war der Begriff des Allgäus bereits im Laufe der Geschichte nicht statisch, sondern unterlag einer Wandlung. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts wurden als Grenzen des Allgäus der Bodensee, der Fluss Schussen, die Donau und der Lech angesehen.

Rauhenzell im Oberallgäu

Man unterscheidet heute die Teilregionen Ostallgäu, Oberallgäu, Unterallgäu und Westallgäu, wobei die so bezeichneten Gebiete mit Ausnahme des Westallgäus hinsichtlich der Ausdehnung überwiegend, jedoch nicht vollständig mit den Gebietskörperschaften der bayerischen Landkreise (Landkreis Ostallgäu, Landkreis Oberallgäu, Landkreis Unterallgäu) identisch sind, die seit der Gebietsreform im Jahr 1972 ebenso den Namen Allgäu tragen. Insbesondere zu den Landkreisen Ost- und Unterallgäu gehören einige Gebiete, die im Allgemeinen nicht zum Allgäu gezählt werden, so sind aus dem Landkreis Unterallgäu nur etwa 2 % dem Allgäu zuzurechnen. Auch ist der Begriff Unterallgäu erst mit der Gebietsreform erfunden worden. In keiner der alten Schriften ist von einem solchen Namen die Rede. Dagegen können zum Ostallgäu auch Orte aus dem oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau gezählt werden, und dem Oberallgäu werden Gebiete aus den angrenzenden österreichischen Bundesländern Vorarlberg und Tirol zugerechnet, wie das Kleine Walsertal, die Tiroler Exklave Jungholz und das Tannheimer Tal. Die Auffassung, dass dem Allgäu auch österreichische Gebiete angehören, ist jedoch teilweise umstritten.

Oft werden mit den Teilregionen nicht vorrangig die Landkreise gemeint, sondern unscharf abgegrenzte, ineinander übergehende landschaftliche Bereiche. In dieser Hinsicht wird mit Oberallgäu je nach Zusammenhang entweder nur das Gebiet der Allgäuer Alpen mit dem unmittelbaren Vorland verstanden, das etwa im ehemaligen Landkreis Sonthofen gelegen ist, oder aber auch sich bis zur Gegend etwas nördlich von Kempten ausdehnt. Das weiter nördlich von Kempten sich anschließende Hügelland wird heute als das Unterallgäu bezeichnet. Das im Osten des Allgäus an Oberbayern angrenzende Alpenvorland, etwa im Bereich der Flüsse Wertach und Lech wird Ostallgäu genannt.

Das Westallgäu gehört zum größeren Teil zu Baden-Württemberg (Württembergisches Allgäu). Es besteht aus Teilen des bayerischen Landkreises Lindau, sowie jenem Teil des württembergischen Landkreises Ravensburg, der bis zur baden-württembergischen Gebietsreform den Landkreis Wangen gebildet hatte.

Städte und größere Orte

Heutige Tourismusdefinition der Urlaubsregion Allgäu

Die Stadt Memmingen sowie der Markt Ottobeuren werden erst seit einigen Jahrzehnten dem Allgäu zugerechnet. Vor allem der Heimatpfleger Alfred Weitnauer plädierte hier für eine Zugehörigkeit, während in der älteren Literatur und vom Allgäu-Forscher Otto Merkt davon nicht die Rede ist. Die früher zum Illergau, dann zu Oberschwaben gehörenden Orte schmücken sich vor allem aus touristischen Gründen mit dem Titel im Allgäu. Diese Zugehörigkeit kann auch heute noch an den für Oberschwaben typischen Bauwerken und der Sprache gesehen werden.[3] Einen weiteren Sonderfall stellt die Stadt Mindelheim dar. In der Literatur überwiegend nicht zum Allgäu gerechnet, wurde sie 1972 im Zuge der Gebietsreform der Verwaltungssitz des neu gebildeten Landkreises Unterallgäu und gehört seitdem zumindest in dieser Eigenschaft zum Allgäu. Bad Wörishofen im Landkreis Unterallgäu gehört ebenfalls eigentlich nicht zum Allgäuer Landschaftsbereich, schmückt sich aus touristischen Gründen aber ebenfalls mit dem Titel im Allgäu.

Geschichte

Frühgeschichte (bis 8. Jahrhundert n. Chr.)

  • Etwa 500 v. Chr.: Beginn der keltischen Besiedlung im Gebiet nördlich der Alpen: Keltische Stämme (von den Römern Vindeliker – genauer Estionen und Likatier – genannt) wandern von Westen her ein.
Römische Provinzen
  • Etwa 15 v. Chr.: Die römischen Feldherrn Drusus und Tiberius unterwerfen die Kelten auch im Gebiet des heutigen Allgäu. Gründung einer offenen römischen Marktsiedlung auf dem Lindenberg bei Kempten (Cambodunum). „Cambodunum“ wird Garnisonsstadt. Das Allgäu gehört der römischen Provinz Rätien an.
  • 18 n. Chr.: Griech. Geograph Strabon erwähnt die Keltenstadt „Kambódunoum“ nördlich der Alpen.
  • 233 n. Chr.: Die germanischen Alemannen und Sueben durchbrechen erstmals den Limes und besetzen das Land beiderseits des Rheins bis zu den Alpen.
  • 233 und 259/60: Zerstörung der Römerstadt Cambodunum (Kempten).
  • 488: Die letzten regulären römischen Truppen verlassen auf Befehl Odoakers die Region. Mit ihnen emigrieren viele romanische Siedler nach Italien. Die Alemannen nehmen deren Platz ein und siedeln sich an. Einteilung des Gebietes in alemannische und suebische Gaue.
  • 536: Die Alemannen werden von den Franken unterworfen.
  • 771: Die alemannische Herzogstochter Hildegard wird zweite Gemahlin des Frankenkönigs und späteren Kaisers Karl des Großen.

Mittelalter (bis 17. Jahrhundert n. Chr.)

Rechts unten ist das ehemalige Albigauge/Allpengau/Allgäu im Herzogtum Schwaben zu sehen
  • 817: In einer St. Gallener Urkunde erste urkundliche Erwähnung des „Albigauge“ (später „Albigoi“)
  • 1079: Die Staufer werden Herzöge von Schwaben.
  • 11. bis Mitte 13. Jh.: Zeit der Welfen und Staufer.
  • 1268: Mit dem Tod Konradins, des letzten Staufers, Beginn der territorialen Zersplitterung. Der Bischof von Augsburg, der Fürstabt von Kempten, mehrere Reichsstifte, Reichsstädte, Grafen und Ritter werden Herren im Gebiet des heutigen Allgäu.
  • 1348: Wangen wird Reichsstadt.
  • 1365: Isny wird Reichsstadt.
  • 1488: Der „Schwäbische Bund“ wird als Vereinigung der schwäbischen Reichsstädte gegründet.
  • 1525: Bauernkrieg; Ausbruch im Kemptener Gebiet, geistiger Mittelpunkt in Memmingen; dort wurden die Forderungen der Bauern koordiniert, formuliert und als die Zwölf Artikel veröffentlicht; sie gelten als die erste Niederschrift von Menschenrechten in Europa.
  • 1527: Die Reichsstädte Kaufbeuren und Kempten bekennen sich zu Luthers Lehre.
  • 1533: Auflösung des Schwäbischen Bundes. Memmingen bekennt sich zur lutherischen Lehre.
Kempten, Kupferstich von Merian, um 1650
  • 1543: Die Mönche von Ottobeuren gründen auf Veranlassung des Kemptener Fürstabts Wolfgang von Grünenstein eine eigene Universität („Academia Ottemburana“).[4]
  • 1555: Augsburger Religionsfrieden.
  • 1632: Schwedische Truppen besetzen das Stift Kempten und zerstören Kloster und Kirche.

18. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg

Altes Allgäuer Haus in Lindenberg
  • 1711: Beginn der Bauarbeiten in Ottobeuren (Klosteranlage).
  • Ende 18. Jh.: Sogenannte Vereinödung im Allgäu erreicht ihren Höhepunkt.[5]
  • 1796: Einzug der französischen Revolutionsarmee in Memmingen und Kempten.
Flachsfeld, wie es im 19. Jhdt. verbreitet war, während der Blüte
  • 1803–10: Territoriale Neugliederung durch Napoleon. Der bayerische Kurfürst erhält den schwäbischen Besitz von der Donau bis zum Bodensee. Das Allgäu wird geteilt in einen württembergischen und einen bayerischen Teil.
  • 1808: Das bayerische Schwaben wird in drei Kreise aufgeteilt. Die Hauptstädte werden Ulm, Augsburg und Kempten.
  • 1818: Reichsstadt und Stiftstadt Kempten werden endgültig zu einer Stadt vereinigt.
  • 1847: Mit der Bahnstrecke Augsburg–Kaufbeuren wird das Allgäu an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Verlängerung des Schienenwegs 1852 bis Kempten, ein Jahr später bis Lindau.
Schloss Neuschwanstein
  • 1847: Caspar Honegger aus der Schweiz beginnt in Kottern, einem jetzigen Stadtteil von Kempten, mit der Errichtung einer mechanischen, durch Wasserkraft betriebenen Spinnerei und Weberei. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstehen weitere Fabriken zur Textilverarbeitung und im Maschinenbau.
  • 1921: Errichtung der „Allgäuer Butter- und Käsebörse“ in Kempten.
Schloss Zeil bei Leutkirch, 1907
  • 1943: Die Nationalsozialisten richten in einem Ortsteil der Gemeinde Durach das Außenlager Weidach des Konzentrationslagers Dachau ein.

1945 bis heute

  • 1945: Am Ende des Zweiten Weltkrieges wird das Gebiet des Allgäus von französischen und amerikanischen Truppen besetzt.
  • 1950: „Süddeutsche Butter- und Käse-Börse“.
  • etwa ab 1960: Verstärkte Technisierung in der Landwirtschaft und agrarpolitische Rahmenbedingungen durch die EG.
  • 1972: Gebietsreform. Landkreise und Gemeinden im bayerischen Teil des Allgäus werden neu gegliedert.

Wirtschaft

Der Tourismus stellt inzwischen einen Wirtschaftsfaktor dar, dessen Bedeutung in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen hat. Einen weiteren Wirtschaftsfaktor stellt die Landwirtschaft dar, wobei heute die Grünlandwirtschaft mit Milcherzeugung den Hauptanteil darstellen. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war im Allgäu der Flachsanbau verbreitet. Der Ausdruck vom „blauen Allgäu“ stammt aus dieser Zeit, der auf den blau blühenden Flachs zurückzuführen ist. Dieser wurde von den Leinenwebern zu Textilien weiterverarbeitet.

Im Zuge der Industrialisierung entwickelte sich daraus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die textilverarbeitende Industrie, die ihre Bedeutung am Ende des 20. Jahrhunderts wieder verlor. Eine weitere Branche, die im Gegensatz dazu bis heute im Allgäu vertreten ist, stammt aus dieser Zeit und ist der Maschinenbau. In einigen Orten entwickelten sich Spezialhandwerke, beispielsweise der Lauten- und Geigenbau in Füssen oder das Hutmacherhandwerk in Lindenberg, wobei das heute nur noch historische Bedeutung hat. Im Kaufbeurer Stadtteil Neugablonz siedelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Glasschmuckindustrie an.

Gegenwärtig gibt es im Allgäu eine überwiegend mittelständisch orientierte Wirtschaft in unterschiedlichen Branchen und Großbetriebe im Maschinenbau, in der Elektrotechnik und der Nahrungsmittelverarbeitung.

Gewässer

Fließgewässer

Durch das Allgäu erstreckt sich eine europäische Hauptwasserscheide, das bedeutet, dass ein Teil der Fließgewässer über Bodensee und Rhein zur Nordsee hin abfließen und ein Teil über das Flusssystem der Donau zum Schwarzen Meer. Zu letzterem Teil gehören als Nebenflüsse der Donau die Flüsse Iller und Lech, sowie als Nebenfluss des Lech die Wertach. Durch das Westallgäu fließen die Obere Argen und Untere Argen, welche in den Bodensee münden.

Seen

Eschacher Weiher

Als Hinterlassenschaft der letzten Eiszeit gibt es im Allgäu zahlreiche kleine und größere Seen. Zu den bedeutenderen gehören bei Immenstadt der Große Alpsee und im Ostallgäu der Hopfensee. Daneben gibt es noch einige künstlich angelegte größere Seen, wie den durch das Wasser des Lech aufgestauten Forggensee, den Rottachsee und den Grüntensee.

Ferner finden sich vor allem im Voralpenland, wie auch vereinzelt im Gebirge, unzählige kleinere Seen und Weiher. Zu den landschaftlich besonders reizvollen Beispielen zählen unter anderem der Weißensee, der Alatsee und der Niedersonthofener See, sowie als angelegte Staubecken der Eschacher Weiher und der Schwaltenweiher.

Berge

Bschießer und Ponten von Westen
Hauptartikel: Allgäuer Alpen

Im Süden ist das Allgäu alpin geprägt. Es besitzt den überwiegenden Anteil an der Gebirgsgruppe der Allgäuer Alpen und im südlichen Osten einen kleinen Anteil am Ammergebirge und im Westen am Bregenzerwald. Die höchsten Gipfel des Allgäus liegen im Zentralen Hauptkamm der Allgäuer Alpen. In einem Seitenkamm davon, der Hornbachkette, die in Tiroler Gebiet hineinragt, befindet sich nahe der Grenze zu Bayern der höchste Berg der Allgäuer Alpen, der Große Krottenkopf mit 2657 Metern Höhe. Der zweithöchste Gipfel, ebenfalls in Tirol gelegen, ist das Hohe Licht mit 2652 Metern. Viele Berge des Hauptkammes befinden sich direkt auf der deutsch-österreichischen Grenze.

In den Allgäuer Alpen liegen viele besonders markante Gipfel. Zu ihnen gehören der Hochvogel, die Trettachspitze, die Mädelegabel, der Widderstein und der Hohe Ifen. Ebenfalls dazu gezählt werden können die Höfats und der Schneck. Der Bereich dieser zwei Berge ist aufgrund ihrer Geologie einzigartig in den Ostalpen. Zudem sind Höfats und Schneck für ihren Reichtum an Gebirgsblumen berühmt.

Aufgrund der guten Erreichbarkeit durch die Seilbahn gehört das Nebelhorn zu den bekannten Bergen des Allgäus. Es eignet sich als Ausgangspunkt für viele Bergtouren. Das Haldenwanger Eck in der Nähe des Biberkopfes markiert den südlichsten Punkt Deutschlands. Ein großer Bereich der Allgäuer Alpen gehört zu den Naturschutzgebieten Allgäuer Hochalpen und Hoher Ifen.

Bei Wanderern sehr beliebt sind die Berge der Allgäuer Voralpen. Dazu gehören im Westen die Berge der Nagelfluhkette und im Osten der Grünten und das Wertacher Hörnle. Als Ausläufer der Alpen oder als Moränenhügel finden sich im Alpenvorland des Allgäus zahlreiche Berge mit mittelgebirgsartiger Ausprägung.

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Die Nordflanke der Allgäuer Alpen, die Tannheimer Berge und der Kamm des Falkensteins zwischen Füssen und Pfronten, mit dem Hopfensee im Vordergrund
Die Nordflanke der Allgäuer Alpen, die Tannheimer Berge und der Kamm des Falkensteins zwischen Füssen und Pfronten, mit dem Hopfensee im Vordergrund

Tourismus

Das Allgäu zählt ganzjährig zu den beliebtesten Touristenregionen in Deutschland. Die Natur- und Kulturlandschaft zieht hunderttausende Gäste jährlich an. Vor allem die Vielseitigkeit der Region wird geschätzt. Von Alpinsport über Wassersport sind zahllose Aktivitäten möglich. Das Allgäu ist darüber hinaus Deutschlands größtes Wintersportzentrum. Neben Alpinem Skisport und Eislauf ist auch Langlauf auf einem weit ausgedehnten Loipennetz möglich.

Basilika Ottobeuren im Landkreis Unterallgäu

Kunst und Kultur

Außerdem gibt es zahlreiche Sehenswürdigkeiten kultureller und kunstgeschichtlicher Art. Das weltweit bekannte Schloss Neuschwanstein befindet sich beispielsweise in dieser Region, auch wenn größtenteils nicht die Landschaft des Allgäus, sondern das Land Bayern damit in Zusammenhang gebracht wird. Ferner sind die in weiten Teilen noch erhaltenen historischen Altstädte von Memmingen und Wangen von touristischer Bedeutung, aber auch die Städte Isny, Füssen, Kaufbeuren und Kempten, sowie Ottobeuren mit seiner Klosterkirche.

Wurzacher Ried am Westrand des Allgäus

Landschaft

Eine wesentliche Rolle für den Tourismus spielt die Landschaft des Allgäus mit seinen Bergen, Seen und Naturdenkmälern. Besonders reich sind das Ober- und das Westallgäu damit ausgestattet. Als Beispiele aus dem Oberallgäu sind zu erwähnen der Grünten, auch als Wächter des Allgäus bezeichnet, der Blender bei Kempten, der Illerursprung und die Breitachklamm bei Oberstdorf, die Starzlachklamm bei Burgberg, die Sturmannshöhle bei Obermaiselstein und das Gottesackerplateau im Kleinen Walsertal. Im Westallgäu sind zu finden unter anderem der Schwarze Grat, die Scheidegger Wasserfälle, der Eistobel bei Isny und das Wurzacher Ried.

Eine umfassende Aussicht auf das Ostallgäu hat man vom Auerberg aus. Weitere Geotope im Allgäu sind der Lechfall bei Füssen und der Illerdurchbruch bei Altusried.

In den Allgäuer Bergen werden sowohl in den Sommermonaten als auch im Winter viele Arten von Berg- und Wintersport betrieben. Bergbahnen erschließen die hochalpinen Gebiete auch für Nichtalpinisten, z. B. am Tegelberg, Breitenberg, Nebelhorn, Fellhorn und dem Hochgrat.

Ferienstraßen

Burgruine Falkenstein im Ostallgäu

Folgende Ferienstraßen führen durch das Allgäu:

Reiseberichte verwenden gelegentlich die oft lobend gemeinte Formulierung „wie im Allgäu“. Sie taucht z. B. bei Landschaftsbeschreibungen Islands, Chiles, Südafrikas und Hessens sowie zu vielen anderen Gegenden auf.

Weitere touristische Ziele

Dialekt

Hauptartikel: Allgäuerisch

Im Allgäu wird – besonders von der mittleren und älteren Generation und besonders auf den Dörfern – vielerorts noch Dialekt gesprochen. Auch wenn alle im Allgäu gesprochenen Dialekte dem alemannischen Sprachbereich angehören und sich damit sprachlich nahe stehen, kann man nicht von einem gemeinsamen „Allgäuerisch“ sprechen. Während die Dialekte im Westallgäu und im südlichen Oberallgäu niederalemannisch sind und damit v. a. dem südlich benachbarten Vorarlbergischen nahe stehen, sind die Dialekte in der Mitte, im Osten und im Norden des Allgäus dem Schwäbischen zuzurechnen.

Spezialitäten der regionalen Küche

Die traditionelle Allgäuer Küche ist gekennzeichnet durch die Zutaten, die es in früheren, eher ärmlichen Zeiten in der Region ausreichend und billig gab. Das waren vor allem Eier, Mehl, Milch, Fett und Sauerkraut und was im Bauerngarten an Kräutern und Gemüse gewachsen ist. Dementsprechend gibt es ein breites Spektrum von Mehlspeisen und anderen einfachen Gerichten, bei denen die Materialkosten gering sind, die aber trotzdem gut schmecken und einen hohen Nährwert haben.

Krautspatzen

Einige Beispiele:

  • Süßspeisen:
    • Dampfnudeln
    • Zwetschgendatschi
    • Scheiterhaufen
    • Nonnafürzle (kleine Teigknödel in heißem Fett goldbraun gebacken)
    • Versoffene Jungfern (in schwimmendem Fett ausgebackene Teigstückchen, die anschließend mit heißem Most oder Wein übergossen werden)
  • Verschiedenes:
    • Brenntar oder Schwarz-Mus (Habermus mit gerösteten Kartoffeln)
    • Leberkäs
    • Katzegschrei (Rindfleischgröstl)

Bedeutsame Persönlichkeiten

  • Johann Jakob Herkomer (* 1648 oder 1652 in Sameister bei Roßhaupten; † 1717 in Füssen), Baumeister, Maler, Bildhauer und Stuckateur des Barock
  • Johann Georg Fischer (* 1673 in Marktoberdorf; † 1747 in Füssen), Baumeister des Barock
  • Johann Georg Specht (* 1720 in Lindenberg im Allgäu; † 1803), Baumeister und Architekt
  • Johann Althaus (* 1798 in Lauperswil im Emmental/Schweiz; † 1876 in Sonthofen), Sennermeister und Käsepionier
  • Carl Hirnbein (* 1807 in Wilhams; † 1871), Großbauer, Politiker und Begründer der Milchwirtschaft im Allgäu
  • Sebastian Kneipp (* 1821 in Stephansried; † 1897 in Wörishofen), Pfarrer und Hydrotherapeut
  • Ludwig Ganghofer (* 7. Juli 1855 in Kaufbeuren; † 24. Juli 1920 in Tegernsee), Schriftsteller und Erfinder
  • Otto Merkt (* 1877 in Kempten (Allgäu); † 1951 in Kempten (Allgäu)), Kommunalpolitiker und Heimatforscher
  • Peter Dörfler (* 1878 in Untergermaringen; † 1955 in München), Priester und Heimatdichter
  • Alfred Weitnauer (* 1905 in Kempten (Allgäu); † 1974 in Obergünzburg), Schriftsteller, Heimatpfleger, Historiker und Volkskundler
  • Michael Bredl (* 1916; † 1999 in Hindelang), Volksmusiker

Weitere mit dem Allgäu verbundene Personen, siehe Kategorie:Person (Allgäu)

Umgebung

Landschaftlich und sprachlich können auch Teile des benachbarten österreichischen Vorarlbergs (Kleinwalsertal) und Tirols (Außerfern / Bezirk Reutte) zum Allgäu gerechnet werden. Weitere Nachbarlandschaften sind der Bregenzerwald, die Bodenseeregion, Oberschwaben, Mittelschwaben und das bayerische Oberland mit dem Pfaffenwinkel.

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • Alfred Weitnauer: Bei uns im Allgäu, Verlag für Heimatpflege, Kempten (Allgäu)
  • Peter Nowotny: Fenster zum Allgäu, Verlag für Heimatpflege, Kempten (Allgäu)
  • Norbert Herrmann: Kempten und das Oberallgäu. Bilder aus der Geschichte der Stadt und des Landkreises. Verlag für Heimatpflege im Heimatbund Allgäu, Kempten (Allgäu) 1984 (Titel der 1. Auflage 1963: „Kempter Geschichtsbuch“)
  • Lydia L. Dewiel: Das Allgäu: Städte, Klöster und Wallfahrtskirchen zwischen Bodensee und Lech, DuMont, Köln 1985
  • Herbert Scholz: Bau und Werden der Allgäuer Landschaft, Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1995

Referenzen

  1. Alfred Weitnauer: Bei uns im Allgäu, Verlag für Heimatpflege, 5. Auflage, Kempten (Allgäu) 1965, Seite 38
  2. Heimatbund Allgäu e. V. Grenzsaum Allgäu
  3. siehe Bauernhof (Oberschwaben), Ferdinand Eggman: Die Geschichte des Illerthales. J.F. Ling, Ulm 1862. , Joachim Jahn und andere: Die Geschichte der Stadt Memmingen - Von den Anfängen bis zum Ende der Reichsstadt. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-8062-1315-1. , Ein Reisebericht von der schwäbischsten aller bayerischen Städte, Memmingen auf Spiegel.de, Memminger Zeitung vom 27. Januar 2009 - Seite 30 „Dialekt stiftet Identität“
  4. Die erste Universität in Bayerisch-Schwaben stand nicht in Augsburg Universität Augsburg
  5. Amt für Landwirtschaft und Forsten, Kempten (Allgäu)

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