Allgemeine Ortskrankenkasse Leipzig

Inhaltsverzeichnis

Gründung der Ortskrankenkasse Leipzig

Haupteingang des AOK-Gebäudes von Otto Droge (links hinter Bäumen ist das sog. Beamtenwohnhaus zu erkennen)
Blick ins Foyer des AOK-Gebäudes

Unmittelbar nach der Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung der Arbeiter im Jahr 1884 wurden die gewerblich Beschäftigten in den verschiedenen Gewerben zwangsversichert. So richtete der Rat der Stadt Leipzig 18 verschiedene Ortskrankenkassen und eine Gemeindeversicherung mit insgesamt 20000 Mitgliedern ein. Um diese Unüberschaubarkeit abzuschaffen, schlossen sich die Leipziger und die anderen deutschen Kassen zum Centralverband von Ortskrankenkassen im Deutschen Reich zusammen, der am 25. November 1884 in Leipzig gegründet wurde. In der Folge schlossen sich wiederum die im „Centralverband“ organisierten Leipziger Kassen am 1. Januar 1887 zur Gemeinsamen Ortskrankenkasse für Leipzig und Umgegend (später Allgemeine Ortskrankenkasse – AOK) zusammen. Ihr Sitz befand sich in der Weststraße 32 (heute Friedrich-Ebert-Straße) später 1890–1896 in der Alten Nikolaischule am Nikolaikirchhof.

Dr. Willmar Schwabe, Mitbegründer und Vorsitzender der AOK Leipzig von 1892–1904, kaufte 1895 Grundstücke in der Gellertstraße 7–9 und in der Querstraße 29 (Spamers Hof) zum Preis von 750000 Mark, wohin die Verwaltung der AOK umzog. Durch die Übertragung von drei Genesungsheimen in die AOK-eigene Dr. Willmar Schwabesche Heimstätten-Stiftung schuf er außerdem die Möglichkeit, dass sich AOK-Mitglieder erholen konnten. Diese Zuwendung und eine weitere, das der AOK von Dr. Rolf Ramdohr geschenkte Zanderinstitut zur Rehabilitation der AOK-Mitglieder, machte die Leipziger Ortskrankenkasse finanziell unabhängiger. So konnte sich der Kassenausschuss 1920 zur Ausschreibung für ein neues AOK-Gebäude entschließen. In die Zeit von Schwabes Vorsitz fiel außerdem die Verlegung des „Centralverbandes“ von Leipzig nach Dresden im Jahr 1903, dieser wurde dann 1911 in Hauptverband deutscher Ortskrankenkassen e. V. und 1923 in Hauptverband deutscher Krankenkassen umbenannt.

Neubau des Verwaltungsgebäudes

Für das neue Verwaltungsgebäude wurde der Wettbewerbsentwurf des Architekten Otto Droge angenommen. Die Errichtung des in der Willmar-Schwabe-Straße 2–4 / Ecke Frankfurter Straße (heute Jahnallee) gelegenen großzügigen neoklassizistischen Neubaus erfolgte 1922–1925. Droge realisierte, abweichend vom Entwurf, eine reduzierte immer noch monumentale Anlage (über 10000 m²) auf einem unregelmäßigen T-Grundriss. Er fand eine Lösung, die nicht zur Teilung der Achse Waldplatz – Stadtteilzugang Leipzig-Lindenau führte. Der Verwaltungsbetrieb mit täglich ca. 8000 Besuchern konnte am 5. Oktober 1925 aufgenommen werden. Zuvor erhielt schon am 15. August 1925 die neu entstandene Straße an der Giebelseite des Verwaltungsgebäudes den Namen des Mitbegründers und langjährigen Vorsitzenden Willmar Schwabe. Das weitgehend originale Hauptwerk des Art Déco in Sachsen steht heute unter Denkmalschutz. Die Seitenfront zur Jahnallee erstreckt sich über eine Länge von 117 Metern, an dem an der Giebelseite gelegenen Haupteingang befindet sich ein atriumartiger Vorbau mit rechteckigen neoklassizistischen Vorhof. Bauglieder aus Porphyrtuff kontrastieren mit dem ockerfarbenen Putz. Im Obergeschoss befindet sich eine dreischiffige Schalterhalle (2 Pfeilerreihen von je 68 Meter Länge für ursprünglich 72 Schalter) unter einer schweren Kassettendecke aus Stahlbeton. Auch die Eingangshallen und ein seitliches Treppenhaus sind erhalten.

Das Ende der AOK in der DDR

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration 1947 alle Krankenkassen zu einer einheitlichen Sozialversicherung zusammengefasst. Das bedeutete 1951 das Ende der AOK Leipzig. Das Gebäude diente fortan der Deutschen Hochschule für Körperkultur, zuerst 1952–1962 als Arbeiter-und-Bauern-Fakultät, dann 1963–1989 als Wohnheim, 1964–1965 wurde es umgebaut.

Wiedergründung der AOK Leipzig

Nach der Wiedergründung der AOK in der ehemaligen DDR im Jahre 1990 übernahm zuerst der AOK-Landesverband Rheinland die kommissarische Geschäftsführung, dann wurde zum 1. Januar 1991 die AOK Leipzig gebildet. Zu diesem Zeitpunkt wurden alle 540000 versicherten Leipziger, die nicht in eine Ersatzkasse gewechselt sind, automatisch Mitglied der AOK.

Die erste Geschäftsstelle der neuen AOK Leipzig konnte am 9. November 1990 in der Grimmaischen Straße 19 eröffnet werden. Dann erfolgte von 1990–1996 die Sanierung des alten AOK-Gebäudes, das dabei in die ursprünglichen Formen zurückgeführt wurde. Schon vor Abschluss der Sanierung, bereits am 2. Januar 1992, konnte dort der Betrieb wieder aufgenommen werden.

Im Jahr 1997 fusionierte die AOK Leipzig mit der AOK Chemnitz und der AOK Dresden zur AOK Sachsen.

Literatur

  • Thomas Adam: Allgemeine Ortskrankenkasse Leipzig 1887 bis 1997, Leipzig: Pro Leipzig 1999, ISBN 3-9806474-0-4
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen II. Die Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz. München: Deutscher Kunstverlag 1998, ISBN 3-422-03048-4, S. 542 f.

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