Allgemeinplatz

Gemeinplatz ist eine meist abwertende Bezeichnung für eine abgenutzte, unbezweifelte, aber nichts sagende und daher erkenntnisfreie Redensart oder Redewendung.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Nach allgemeiner Auffassung handelt es sich bei dem Begriff um eine Lehnübersetzung für lateinisch locus communis mit der Bedeutung „allgemeingültiger Satz“ oder „allgemein bekannter Ausdruck“; damit waren in der Antike auswendig gelernte Sätze gemeint. Die Datierung der Einführung in die deutsche Sprache reicht vom 15. Jahrhundert[1] bis in das 18. Jahrhundert. So soll Wieland diesen Begriff 1770 geprägt haben.

Andere Autoren vermuten einen Einfluss des englischen common place.[2][3]

Früher bezeichnete der Begriff Gemeinplatz einen Topos (griechisch τόπoς = Ort, Platz), das heißt einen immer wieder verwendbaren Gesichtspunkt und Kunstgriff in der Rhetorik. Für jeden vorliegenden Fall gibt es eine Reihe von Gesichtspunkten, die man beachten muss, wenn man seiner Vielschichtigkeit gerecht werden will. Das Auffinden dieser Gesichtspunkte erleichtert die von dem griechischen Philosophen Aristoteles begründete Topik: Diese geht davon aus, dass sich die unbegrenzte Zahl der Einzelfälle unter eine begrenzte Zahl allgemeiner Gesichtspunkte unterordnen lässt, und dass man also auch umgekehrt bestimmte Betrachtungs- und Darstellungsweisen auf eine Vielzahl von Einzelfällen anwenden kann.

Bewertung

Gemeinplatz wird nicht immer negativ gesehen: „Wortschablonen haben einen großen Vorteil: Sie erleichtern den Austausch über unsere inneren und äußeren Erfahrungen. Doch manchmal verselbständigen sie sich auch. Jeder von uns trägt seine geliebten Gemeinplätze mit sich herum und läßt seine Mitmenschen daran teilhaben.“[4] Da Sprache den Menschen nicht nur dabei hilfreich ist, neue Gedanken zu entwickeln und zu kommunizieren, sondern auch bei der Begründung und Weiterführung der sozialen Kontakte, lassen sich Gelegenheiten vorstellen, bei denen Gemeinplätze eine positive Funktion erfüllen (Pragmatik).

Flauberts Wörterbuch der Gemeinplätze

Bei der Recherche nach „Gemeinplatz“ stößt man schnell auf Flauberts Wörterbuch der Gemeinplätze. Diese deutsche Version ist eine Übertragung, keine Übersetzung, wie die Redaktion des Verlags im Vorwort ausführt. Im französischen Titel taucht „idées reçues“ auf, womit „überkommene Vorstellungen“ gemeint sind. Darunter gibt es auch Gemeinplätze, aber auch Klischees, Kalauer und Witze sowie zu „Volksdummheiten“ geronnene einstige Geistesblitze. Es handelt sich also keineswegs ausschließlich um eine Sammlung von „Gemeinplätzen“.

Beispiele

  • Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir.
  • Investitionen in die Bildung sind Investitionen in die Zukunft.
  • Software muss ausreichend getestet sein, damit sie möglichst fehlerfrei läuft.
  • Wenn der Showmaster einer Fernsehshow einem prominenten Gast die rhetorische Frage stellt, wie er das Publikum oder die Stadt einschätzt, dient dies nur als Aufhänger, um dem Gast die Gelegenheit zu geben, das Publikum oder die Stadt zu loben und zu bewundern. Eine solche Frage in einem Interview dient meist dazu, Gemeinplätze auszutauschen.

Synonyme

Synonyme für diesen Begriff sind: Allgemeinplatz, Alltäglichkeit, Banalität, Binsenweisheit, Plattitüde, Selbstverständlichkeit, Trivialität, Phrase.

Literatur

  • Gustave Flaubert: Wörterbuch der Gemeinplätze. Haffmans, Zürich 1998, ISBN 3-251-20280-4. (Originalausgabe: Dictionnaire des idées reçues. 1911.)
  • Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 2. Auflage. dtv, München 1993, ISBN 3-05-000626-9.
  • Eduard Kopp: Geliebter Gemeinplatz. In: Sonntagsblatt 1996. online
  • Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage. de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017473-1.
  • Hermann Paul: Deutsches Wörterbuch. Bedeutungsgeschichte und Aufbau unseres Wortschatzes. 10. Auflage. Niemeyer, Tübingen 2002, ISBN 3-484-73057-9.

Einzelnachweise

  1. Kluge, 2002, S. 344.
  2. Pfeifer, 1993, S. 421.
  3. Paul, 2002, S. 394.
  4. Kopp, 1996.

Weblinks


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