Alliaria
Knoblauchsrauke
Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata)

Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata)

Systematik
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütengewächse (Brassicaceae)
Tribus: Sisymbrieae
Gattung: Alliaria
Art: Knoblauchsrauke
Wissenschaftlicher Name
Alliaria petiolata
(M. Bieb.) Cavara & Grande

Die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), auch Knoblauchskraut, Lauchkraut, Knoblauchhederich genannt, ist eine in Europa weit verbreitete Pflanzenart. Sie gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Ihren Namen hat sie von dem Knoblauchduft, der beim Zerreiben der Blätter entsteht.

Inhaltsverzeichnis

Lebensraum

Die Knoblauchsrauke wächst wild in den meisten Teilen Europas und Westasiens und kommt stellenweise auch in Nordafrika vor. Sie ist eigentlich eine Pflanze der Laubwälder, gedeiht aber besonders gut in Gebüschen und Hecken sowie an Mauern und Wegrainen, in Gärten und auf Schuttplätzen (Ruderalstellen). Sie befindet sich dort häufig in der Gesellschaft von Brennnesseln. Wie diese schätzt sie frische, stickstoffreiche Lehmböden. Heute ist sie häufig auch in schattigen Parkanlagen und in Gehölzen im städtischen Raum zu finden.

Die Knoblauchsrauke ist auch in Nordamerika verbreitet und gilt dort als Neophyt, der sich invasiv verbreitet. Sie ist vermutlich durch europäische Siedler bewusst als Küchenkraut und Heilpflanze nach Nordamerika verschleppt worden (so genannte Ethelochorie).

Pflanzenbeschreibung

Habitus und Blatt

Knoblauchrauke im Randbereich von Gehölzen
Knoblauchsrauke an einem für sie typischen Standort

Die Knoblauchsrauke ist eine zwei- bis mehrjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 100 Zentimetern erreicht. Ihr Stängel ist schwach kantig und im unteren Bereich behaart, dort haben ihre gestielten, nierenförmigen Laubblätter einen gekerbten Rand, im oberen Bereich hingegen haben die kurzgestielten, dreieckigen Blätter eine unregelmäßige Zähnung.

Blütenstand und Blüte

Die Knoblauchsrauke blüht von April bis Juli. In einem endständigen, traubigen Blütenstand sitzen viele Blüten. Ihre weißen Blüten werden fünf bis acht Millimeter groß. Wie für Kreuzblütler typisch, sind die Blüten vierzählig. Kronblätter und Kelchblätter sind frei. Die Blüten besitzen sechs Staubblätter, von denen die zwei seitlichen deutlich kürzer sind. Am Blütenboden, am Grund der Staubblätter, sind ringförmig die Nektardrüsen angeordnet. Der Fruchtknoten ist grün und schlank und durch eine Scheidewand in zwei Fächer geteilt. Die Knoblauchsrauke bietet den Nektar, der sich an der Basis der Blüte sammelt, so frei zugänglich an, dass sich neben Bienen, Fliegen und Schwebfliegen auch Käfer als bestäubende Insekten einfinden. Die Knoblauchsrauke ist außerdem zur Selbstbestäubung in der Lage.

Frucht und Samen

Der bestäubte Fruchtknoten entwickelt sich zu einer Schote von drei bis sieben Zentimetern Länge. Die Schote ist dünn, im unreifen Zustand grün und mit nur zwei Millimetern Durchmesser nicht wesentlich dicker als der vormalige Blütenstiel. Sie enthält in jedem der zwei Fächer sechs bis acht Samen, die jeweils nur etwa drei Millimeter lang und ausgereift von schwarzbrauner Farbe sind.

Mit zunehmender Reife verändert sich aufgrund des dann stattfindenden Austrocknungsprozesses die Farbe der Schote von grün zu hellbraun. Ist die Schote voll ausgereift, reißen die beiden Fruchtklappen von unten nach oben allmählich auf und fallen schließlich ab. Die Samen werden dabei noch nicht verstreut. Sie sind mit kurzen Stielen an der Scheidewand der Schote befestigt.

Ausbreitungsbiologie

Die Knoblauchsrauke verbreitet sich überwiegend durch Semachorie. Werden die Stängel, an denen die Schoten schräg ausgerichtet hängen, durch Wind oder durch vorbeistreifende Tiere oder Menschen in Bewegung versetzt, lösen sich die ausgereiften Samen von der Schote ab und werden ausgestreut. Wie bei so vielen anderen Pflanzen ist dies jedoch nicht die einzige Ausbreitungsstrategie der Knoblauchsrauke. Bei Regen verschleimen die Samen und bleiben im Fell vorbeistreifender Tiere haften. Sie werden durch diese Strategie, die sogenannte Epichorie, über eine größere Distanz verschleppt als durch die Semachorie. Die vegetative Vermehrung wird über unterirdische Ausläufer und Wurzelsprosse sichergestellt.

Nutzung

Die Knoblauchsrauke hat im Mittelalter und der frühen Neuzeit eine gewisse Rolle als Gewürzpflanze gespielt und geriet, als Gewürze preisgünstiger und damit für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich wurden, als solche zunehmend in Vergessenheit. Ähnlich wie beim Bärlauch entdeckt die moderne Kräuterküche allmählich die Knoblauchsrauke in zunehmendem Maße wieder. Allerdings lässt sich die Knoblauchsrauke nicht so vielfältig verwenden wie der Bärlauch, da ihre Geschmacksstoffe flüchtiger sind.

Die Knoblauchsrauke als Heilpflanze

Die Knoblauchsrauke wurde früher zu Heilzwecken verwendet. Sie wirkt antiseptisch, leicht harntreibend und schleimlösend. Man sagt ihr darüber hinaus auch antiasthmatische Eigenschaften nach. In der Volksmedizin wurden aus den Blättern Breiumschläge zur Behandlung von Insektenstichen und Wurmerkrankungen hergestellt.

Verwendung als Gewürz

Im Mittelalter wurde die Knoblauchsrauke mit ihrem pfeffrig-knoblauchartigen Geschmack vor allem von der ärmeren Bevölkerung genutzt, die sich die teuren Gewürze nicht leisten konnte. Sie wurde im Mittelalter aus diesem Grund sogar in Gärten angebaut.

Zum Essen werden die Blätter von April bis Juni gesammelt. Der Engländer John Evelyn, der 1699 ein Kochbuch "Acetaria, a Discourse on Sallets" schrieb, nannte die Pflanze unter anderem "Jack-by-the hedge" – was als Hinweis auf ihre Häufigkeit zu verstehen ist – sowie "Alliaria" und "sauce alone". Des Weiteren wies er darauf hin, dass die Pflanze viele wertvolle medizinische Eigenschaften habe und "besonders von Leuten auf dem Lande als Salat gegessen werde, wo sie wild unter Bänken und Hecken wachse". Auch heute werden die jungen Blätter der Knoblauchsrauke in England noch häufig für Sandwichfüllungen verwendet.

Der scharfe Geschmack der Knoblauchsrauke ist auf ätherische Öle und das Glukosid Sinigrin zurückzuführen, das den Glukosiden ähnelt, die in anderen Mitgliedern der Kohlfamilie zu finden sind. Beim Kochen verflüchtigt sich allerdings der pfeffrig-knoblauchartige Geschmack. Knoblauchsrauke muss daher Speisen in rohem Zustand beigegeben werden.

Die moderne Kräuterküche hat die Knoblauchsrauke wiederentdeckt und mischt die feingehackten Blätter in Salatsoßen und Quark- oder Frischkäsemischungen. Darüber hinaus werden die geschmacksintensiven Blüten verwendet, um salzige Sorbets und Salate zu dekorieren.

Sonstiges

Die Knoblauchsrauke ist neben dem Wiesenschaumkraut eine wichtige Nahrungspflanze für die Raupen des Aurorafalters.

Literatur

  • Hansjörg Küster: Kleine Kulturgeschichte der Gewürze. Verlag C. H. Beck, München 1997, ISBN 3-4064-2025-7
  • Elisabeth Lestrieux, Jelena de Belder. Der Geschmack von Blumen und Blüten. Dumont Verlag, Köln 2000, ISBN 3-7701-8621-4
  • Angelika Lüttig & Juliane Kasten: Hagebutte & Co: Blüten, Früchte und Ausbreitung europäischer Pflanzen. Fauna Verlag, Nottuln 2003, ISBN 3-9359-8090-6

Weblinks


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