Alliierte Besatzung Japans

Die Besatzungszeit in Japan begann nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Pazifik am 2. September 1945 und endete auf den Hauptinseln mit dem Inkrafttreten des Friedensvertrags von San Francisco am 28. April 1952. Die Vereinigten Staaten als ehemaliger Hauptgegner stellten den Großteil der Besatzer, dazu kamen britische Soldaten in deutlich geringerer Anzahl.

Inhaltsverzeichnis

Vorbereitungen

Am 8. August 1945 stellte die militärische Führung der USA die Pläne zur Durchführung der Operation Blacklist fertig. Darin wurde genau festgelegt, wie und mit welchen Truppenteilen Japan unmittelbar nach der Kapitulation zu besetzen seien. In der Folge wurde auch ein Plan zur administrativen Steuerung des besetzten Japan ausgearbeitet.

Der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, Harry S. Truman, der britische Premierminister Clement Attlee und der sowjetische Diktator Josef Stalin einigten sich darauf, wie die Besetzung des japanischen Imperiums durchgeführt werden sollte: Die Sowjetunion würde den nördlichen Teil der japanischen Provinz Chōsen (das spätere Nordkorea) und die Insel Sachalin verwalten, während die Vereinigten Staaten und Großbritannien für den restliche Besitz Japans (inklusive dem südlichen Teil der Provinz Chōsen, dem späterem Südkorea) verantwortlich sein würden.

Kapitulation und Besetzung

Obwohl das japanische Militär in den Monaten nach dem Beginn des Krieges gegen die Vereinigten Staaten und ihre Alliierten im Dezember 1941 einige Anfangserfolge hatte erzielen können, hatte sich das Kriegsglück mit zunehmender Länge des Krieges immer mehr zugunsten der Alliierten gewendet. Die militärische Lage Mitte 1945 schließlich war äußerst prekär. Die Amerikaner waren im April auf Okinawa, der Hauptinsel der Ryūkyū-Inseln gelandet, hatten die Insel nach zwei Monaten verlustreicher Kämpfe erobert und besaßen damit eine strategische Basis zu einer Invasion der japanischen Hauptinseln. Zudem war der erste Atombombentest erfolgreich verlaufen und die Sowjetunion würde gemäß der Vereinbarungen im August in den Krieg gegen Japan eintreten, was jedoch in Japan unbekannt war. Wie schon in Deutschland verlangten die Alliierten angesichts ihrer Überlegenheit folglich eine bedingungslose Kapitulation.

Am 26. Juli 1945 verabschiedeten die Anführer der Alliierten Mächte ohne Beteiligung der Sowjetunion in Potsdam die sogenannte Potsdamer Erklärung, die diese Forderung noch einmal untermauern sollte, doch die Reaktion der japanischen Regierung wurde von den Amerikanern als Zurückweisung interpretiert. Aus Sicht der Amerikaner stellte die Erklärung die letzte Warnung dar, bevor die Atombomben zum Einsatz kommen sollten. Diese, so hoffte man, würden die Kapitulation wesentlich beschleunigen und der Sowjetunion dadurch jede Grundlage für Forderungen entziehen, die eine Einflussnahme auf die spätere Besatzungspolitik zum Ziel hatten. [1]

Der japanische Außenminister Shigemitsu Mamoru am 2. September 1945 bei der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde an Bord der USS Missouri in der Bucht von Tōkyō; vor ihm stehend Lieutenant General Richard K. Sutherland, Chef des Stabes von General Douglas MacArthur

Nachdem die Atombomben am 6. und 9. August schließlich über Hiroshima und Nagasaki eingesetzt worden und die Sowjetunion am 8. August die Operation Auguststurm startete, den Angriff auf die Mandschurei, signalisierte die japanische Regierung nach Intervention von Tennō Hirohito schließlich am 10. August informell ihre Zustimmung zur Potsdamer Erklärung, unter der Bedingung, dass die Institution des Tennō unangetastet bleiben werde. US-Präsident Harry S. Truman ließ antworten, dass Hirohito im Amt bleiben dürfe, wenn dies dem „frei geäußerten Willen des japanischen Volkes“ entspreche [2]. Nachdem das Kabinett den Entwurf des Erlasses zur Beendigung des Krieges (大東亜戦争終結ノ詔書, daitōa sensō shūketsu no shōsho) gebilligt hatte, wurde am 15. August eine Radioansprache ausgestrahlt, in der Hirohito bekannt gab, dass seine Regierung die Bedingungen der Potsdamer Erklärung akzeptiere. Zusätzlich forderte er das japanische Volk auf, „das Unerträgliche zu ertragen“ und jeden „Ausbruch der Gefühle“ zu unterlassen. [3] Zuvor hatten noch einige Offiziere, die eine Kapitulation um jeden Preis verhindern wollten, gewaltsam versucht, die Ausstrahlung der Rede zu verhindern.

Noch am selben Tag gab US-Präsident Harry S. Truman bekannt, General Douglas MacArthur zum Supreme Commander for the Allied Powers („SCAP“, Oberster Befehlshaber der Alliierten Streitkräfte) zu ernennen. Schon am 19. August traf sich MacArthur mit Vertretern Japans in Manila, um sie über seine Pläne für die Besetzung zu unterrichten. Die japanischen Abgesandten baten darum, die Ankunft der ersten amerikanischen Einheiten auf japanischem Boden zu verzögern, doch MacArthur verweigerte dies. Das erste Vorauskommando, 146 Soldaten der 11. US-Luftlandedivision, wurde trotz einiger Sicherheitsbedenken am 28. August per Flugzeug zum Luftwaffenstützpunkt Atsugi in der Präfektur Kanagawa gebracht und war damit die erste militärische Einheit der Amerikaner, die auf japanischem Boden landete. Zwei Tage später traf auch MacArthur persönlich zusammen mit viertausend weiteren Soldaten in Atsugi ein.

Die offizielle Kapitulation wurde für den 2. September angesetzt und fand auf dem Schlachtschiff USS Missouri in der Bucht von Tōkyō statt. Auf japanischer Seite unterzeichneten Außenminister Shigemitsu Mamoru für die Regierung und General Umezu Yoshijirō für das Militär; für die Amerikaner unterschrieben Douglas MacArthur und Admiral Chester W. Nimitz. Zusätzlich wurde die Urkunde von Vertretern Großbritanniens, Frankreichs, der Republik China, der Sowjetunion, der Niederlande sowie der Mitgliedsstaaten des British Commonwealth unterzeichnet. Dies markierte den offiziellen Beginn der Besatzungszeit.

Im Zuge der Operation Blacklist genannten Besetzung Japans trafen bald weitere Soldaten ein, so dass Ende 1945 mehr als 350.000 US-Soldaten in Japan stationiert waren. Die offizielle Besatzungstruppe des Britischen Commonwealth bestand aus australischen, britischen, indischen und neuseeländischen Soldaten.

Oberste Priorität war es zunächst, ein Netzwerk für die Nahrungsverteilung aufzubauen, da aufgrund des Kollapses der japanischen Verwaltung und wegen der Zerstörung wichtiger Städte durch Bombenangriffe ein Großteil der Bevölkerung hungerte.

Nachdem ein derartiges Netzwerk aufgebaut worden war, das mehr als eine Million US-Dollar pro Tag kostete, wollte General MacArthur die Unterstützung von Kaiser Hirohito gewinnen. Zum ersten Mal trafen sich die beiden am 28. September 1945. Das Foto, auf dem sie zusammen zu sehen sind, ist eines der berühmtesten der japanischen Geschichte. Viele Japaner registrierten jedoch schockiert, dass der General seine Standard- und nicht seine Ausgehuniform trug, als er den Kaiser traf.


Ende der Besatzung

Rückgabe der Amami-Inseln 1953.

Das Ende der alliierten Besatzung Japans wurde im Friedensvertrag von San Francisco festgelegt, der am 8. September 1951 unterzeichnet wurde. Mit seinem Inkrafttreten am 28. April 1952 war Japan wieder ein unabhängiges Land.

Allerdings behielten die Vereinigten Staaten gemäß Artikel 3 des Vertrages die Treuhandverwaltung über eine Reihe von Inselgruppen. Die Besatzungszeit endete auf den Amami-Inseln 1953 und auf den Ogasawara-Inseln 1968. Mit der zwischen Richard Nixon und Satō Eisaku vereinbarten Rückgabe Okinawas 1972 haben die Westalliierten alle im Friedensvertrag vorgesehenen Gebiete wieder unter japanische Souveränität gestellt.

Literatur

  • John W. Dower: Embracing Defeat. Japan in the Wake of World War II. Norton u.a., New York u.a. 1999. ISBN 0-393-04686-9.
  • John W. Dower: Japan in War and Peace. Selected Essays. New Press, New York 1993. ISBN 1-56584-067-4.
  • Richard B. Finn: Winners in Peace. MacArthur, Yoshida, and Postwar Japan. University of California Press, Berkeley/Los Angeles 1992. ISBN 0-520-06909-9.
  • Grant Kohn Goodman: America's Japan: The First Year. 1945-1946. Fordham University Press, New York 2005. ISBN 0-8232-2515-1.
  • Michael Schaller: The American Occupation of Japan. The Origins of the Cold War in Asia. Oxford Univ. Press, New York u.a. 1987. ISBN 0-19-505190-4.
  • Winfried Scharlau: Der General und der Kaiser. Die amerikanische Besatzung Japans: 1945-1952. Hauschild Verlag, Bremen 2003. ISBN 3-89757-197-8.
  • Howard B. Schonberger: Aftermath of War. Americans and the Remaking of Japan, 1945-1952. Kent University Press, Kent, Ohio/London 1989. ISBN 0-87338-369-9.
  • Robert Wolfe: Americans as Proconsuls. United States Military Government in Germany and Japan, 1944 - 1952. Southern Illinois University Press, Carbondale u.a. 1984. ISBN 0-8093-1115-1.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. Michael Schaller: The American Occupation of Japan. The Origins of the Cold War in Asia, S. 15.
  2. Vgl. Michael Schaller: The American Occupation of Japan. The Origins of the Cold War in Asia, S. 17.
  3. Zitiert nach Winfried Scharlau: Der General und der Kaiser. Die amerikanische Besatzung Japans: 1945-1952, S. 14.

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