Alliteration

Die Alliteration (von lateinisch ad: „zu“, littera: „Buchstabe“) ist eine literarische Stilfigur oder ein rhetorisches Schmuckelement, bei der die betonten Stammsilben zweier oder mehrerer benachbarter Wörter den gleichen Anfangslaut (Anlaut) besitzen. In phonetisch geschriebenen Sprachen, in denen ein Laut nur eine Schreibweise hat, heißt dies dann auch eine Übereinstimmung der ersten Buchstaben von mehreren Wörtern.

Wo regelhafte Alliterationen dem Bau von Versen zugrunde liegen, spricht man von alliterativen Versen oder Stabreimen. Der Stabreim ist somit ein Sonderfall der Alliteration. Historisch gesehen tritt die Alliteration jedoch vor allem in freier Form auf. Im Formenschatz der Klangfiguren stellt sie sich neben Homöoteleuton (gleiche Wortenden) und Assonanz (gleiche Binnenvokale).

Tautogramme sind Sätze, bei denen jedes Wort mit demselben Buchstaben anfängt.

Die Alliteration kann die Zusammengehörigkeit miteinander verknüpfter Ausdrücke unterstreichen. Sie bewirkt aber insbesondere eine größere Einprägsamkeit, weshalb sie häufig in Werbetexten (z. B. „Spiel, Spaß und Spannung“ oder „Mars macht mobil“) und in pointierten Wendungen (z. B. „Land und Leute“ oder „veni vidi vici“) – auch in poetischen/literarischen Texten („Röslein, Röslein, Röslein rot“) – verwendet wird. Zudem strukturiert die Alliteration als Klangfigur den Text auf der phonologischen und musikalischen Ebene.

Inhaltsverzeichnis

In verschiedenen Sprachen

Die Alliterationen sind in Dichtung und Rhetorik vieler Sprachen weit verbreitet, hier nur ein paar Beispiele, beginnend mit dem Griechischen:

In der antiken Dichtung und Rhetorik

Heraklit drückt einen wesentlichen Gedanken seiner Philosophie so aus: „Πόλεμος πάντων μὲν πατήρ ἐστί(„Polemos panton men pater esti“ – „Der Krieg [kann auch im Sinne von Streit verstanden werden] ist der Vater aller Dinge“).

Auch die Römer hatten eine Vorliebe für Alliterationen. Cato ist berühmt dafür, dass er jede Ansprache im Senat mit „Ceterum censeo Carthaginem esse delendam(„Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden sollte“) beendete. Ein anderes berühmtes Beispiel ist CaesarsVeni vidi vici(„Ich kam, ich sah, ich siegte“).

In der germanischen Dichtung

Die Alliteration ist in der germanischen Versform des Stabreims zu einem strengen Prinzip entwickelt. Sowohl die nordische Edda als auch das altenglische Beowulf-Gedicht sind in alliterativen Metren abgefasst.

Der früheste Beleg eines germanischen alliterierenden Stabreims ist eine Aufschrift auf einem Goldhorn von Gallehus: „ek hlewagastiz holtijaz horna tawido“ = „Ich, Hlewagastiz, zu Holt gehörig, machte das Horn.“[1]

In der neuzeitlichen Dichtung

Am reichsten an Alliterationen ist wohl das finnische Kalevala, wo teilweise um der Alliteration willen auch sinnlose Worte verwendet werden. Auch sonst gibt es in der Finnischen Dichtung und Rhetorik eine starke Tradition von Alliterationen.

Auch im Deutschen finden wir Alliterationen häufig, in sehr vielen Dichtungen bis in die Gegenwart – von den germanisierenden Versuchen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ganz zu schweigen (Wilhelm Jordan: Da wallen und wogen die Wipfel des Waldes; Richard Wagner: Weia! Waga! Woge, du Welle, walle zur Wiege! Wagala weia! / Wallala weiala weia!). Die – in heutiger Rezeption oft empfundene – unfreiwillige Komik solcher Erscheinungen, die an die Stelle der einst beabsichtigten Steigerung eines nicht mehr zeitgemäßen Pathos tritt, wird in jüngerer Zeit ersetzt durch den Einsatz der Alliteration zur Verstärkung „freiwilliger Komik“:

Jens Sparschuh hat mit „Waldwärts“ einen „Reiseroman, von A bis Z erlogen“ (2004) erdichtet, der kapitelweise aus Kurzprosa in strikter Alliteration besteht und sich auch gut als Kinderbuch eignet. Alex Dreppec (2003) hat eine komplette, vielfach in Ausschnitten nachgedruckte Gedichtsammlung verfasst, die aus einem Gedicht pro Buchstabe und ausschließlicher Alliteration besteht (Ausschnitt aus „Bienenkönigin“: Bist bestenfalls bedenkenlos / Bedeckender Bekleidung bloß … / Bestaune bezaubernde Beinarbeit. / Bettlaken besudeln? / Bin bereit.). Diese Art und Weise des Einsatzes der Alliteration hat in jüngerer Zeit z. B. Eingang in Standardwerke deutschsprachiger komischer Lyrik gefunden (z. B. „Hell und Schnell“, herausgegeben u. A. von Robert Gernhardt).

Auch in der Alltagsrhetorik kommen Alliterationen häufig bei der Bildung von phraseologischen Zwillingsformeln vor (z. B. frank und frei, gang und gäbe, klipp und klar).

Innerhalb eines Wortes

Bei Wörtern wie Wirrwarr, Schnickschnack, Mischmasch, Zickzack, Krimskrams, Singsang und anderen beginnen beide Silben mit demselben Buchstaben, genauer gesagt mit demselben Anlaut. Oft ist die ganze Silbe verdoppelt – außer dem Vokal. Der Vokal der zweiten Silbe ist immer der Ablaut des Vokales der ersten Silbe. Darum nennt man diese Art von Wörtern alliterierend-ablautend. Manche dieser Wörter ahmen außerdem in ihrem Klang die Sache nach, die sie beschreiben, bzw. den Vorgang, den sie beschreiben (Lautmalerei/Onomatopoesie).

Intensiva unter Verwendung des Bindeglieds -itze-

Sonderformen der Alliteration innerhalb eines Wortes sind die Bildungen unter Verwendung der Bindesilben -itze-, die zur Eigenschaftsverstärkung in der Regel bei Farben verwendet werden und üblicherweise in süd- und westdeutschen Sprachräumen in Mundartvariationen zu finden sind. Die ursprüngliche Ableitung ist in dem Wort Blitz zu vermuten, der erste bzw. die ersten beiden Buchstaben vom Anlaut des Adjektivs wird/werden im Wort vorgestellt und mit dem Bindeglied -itze- verbunden. Beispiele:

  • blitzeblau
  • gitzegelb (verbildlich/vereinfacht wurde daraus: quittegelb)
  • gritzegrau
  • gritzegrün
  • ritzerot

Jenseits dieser Intensiva auf Farben findet man entsprechende mundartliche Wortbildungen bei anderen Eigenschaftsworten, beispielsweise

  • blitzeblank
  • britzebreit
  • klitzeklein

Blitzeblank ist hier als 'blitzend blank' zu verstehen. Eine analoge Alliterationen mit einem Substantiv (Anlaut + -itze- + Wort) ist der Hitzeblitz (aufbrausender Mensch), die regulär Bildung wäre Blitzeblitz. Um die Wiederholung des ganzen Wortes zu vermeiden, wurde auf den Anlaut verzichtet, später auf "Hitze" umgedeutet. [2]

In Werbung und Medien

Im Boulevardjournalismus, aber auch in Schlagzeilen anderer Medienbereiche, bedient man sich der Alliteration, um Vorgänge zu dramatisieren oder zu karikieren. Beispiele: „Prölls Partei piesackt Partner per Pisa-Prüfung“, „Roter Raser-Rambo“, „Baby-Beweis“, „Baby-Benz“, „Eis-Eltern“, „Hunger-Hund“, „Katzenkraft“, „Klum-Kugel“, „Schnitzel-Stefan“, „Suppen-Sylvie“, „Boxen-Blockade“, „Beach-Beauties“, „Klinsi-killt-King-Kahn“, „Tanga-Terror“.

Alliterationen werden auch gerne in Werbeslogans eingesetzt. Beispiele: „Geiz ist geil“, „Bigger, Better, Burger King“, „Kleidung clever kaufen bei Kik“, „Milch macht müde Männer munter“, „Ausstieg mit Augenmaß“.

Sowohl die Zweitidentitäten vieler Superhelden (Clark Kent, Peter Parker, Bruce Banner etc.) als auch die Bewohner Entenhausens aus den Disney-Comics in der deutschen Fassung haben zum Großteil alliterative Namen. Beispiele: Donald Duck, Dagobert Duck, Mickey Maus, Kater Karlo, Klaas Klever, die Drillinge Tick Trick und Track, Daniel Düsentrieb, Spongebob Schwammkopf.

Der italienische Süßwarenhersteller Ferrero brachte mit seinem Produkt Kinder-Überraschung, auch bekannt als „Überraschungsei“, verschiedene Serien von Sammelfiguren, deren Namen immer aus einer Alliteration gebildet wurden, auf den Markt. Beispiele: Teenie Tapsi Törtels, Happy Hippos, Crazy Crocos, Dapsy Dinos, Peppy Pingos, Drolly Dinos, Funny Fanten, Mega Mäuse.

Die Versionen der erfolgreichen Linuxdistribution Ubuntu haben Namen, die aus einem Adjektiv und einem Tiernamen bestehen, die jeweils mit dem gleichen Buchstaben beginnen. Beispiele: Warty Warthog, Hoary Hedgehog, Breezy Badger, Dapper Drake, Edgy Eft, Feisty Fawn, Gutsy Gibbon, Hardy Heron, Intrepid Ibex, Jaunty Jackalope, Karmic Koala, Lucid Lynx, Maverick Meerkat und Natty Narwhal.

Einzelnachweise

  1. Handlexikon zur Literaturwissenschaft. Rowohlt, 1978, Band 1
  2. Sprachwissenschaftliche Untersuchungen von Heinrich Tischner aufgerufen am 26. September 2011

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Alliteration – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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