Allokution

Allokution (lat. allocutio „Ansprache“) bezeichnet generell eine förmliche Ansprache. Im diplomatischen Gebrauch ist es die Ansprache oder auch die Grußworte eines Botschafters an eine Versammlung. Die Allokution dient im Allgemeinen dazu, gezielt und genau anzusprechen was man aus bestimmten Anlässen gedenkt zu tun. Damit ist auch eine gewisse Form von Anordnungen an die „Versammelten“ verbunden. Letztlich soll im Prinzip Zweifel und Unstimmigkeiten beseitigt werden.

Inhaltsverzeichnis

Römisch-militärische Bedeutung

Der Begriff der allocutio wurde von den römischen Feldherren für die Ansprache der Kommandanten an ihre Truppe angewandt. Diese erfolgte vor oder während einer Schlacht, um die Kämpfenden aufzurütteln und auf ihre Pflichten hin zu ermahnen. Der Begriff wurde von den kirchlichen Autoritäten adoptiert und behielt noch jahrelang viel von seiner originalen Bedeutung, besonders wenn es um „den Kampf der Hl. Katholischen Kirche“ ging. Eine am 7. März 1853 bekannt gewordene Allokution über die Einrichtung von fünf Bistümern in den Niederlanden löste bei der mehrheitlich protestantischen Bevölkerung eine erhebliche Entrüstung aus. Staatsmann Johan Rudolf Thorbecke, der die Verhandlungen mit der Kirche geführt hatte, reichte in der Folge seinen Rücktritt ein. [1] Auch mit seiner Ansprache Iamdudum cernimus ging Papst Pius IX. auf den heftigen Kampf zwischen den konkurrierenden Prinzipien Wahrheit und Irrtum, Tugend und Laster, sowie Licht und Finsternis ein.

Päpstliche Ansprachen

In der heutigen Zeit wird die Allokution in der römisch-katholischen Kurie und dem Kardinalskollegium als eine Ansprache des Papstes zu einem kirchlichen oder politischen Thema verstanden. Mit ihr kann der Papst eine Exhortatio verbinden oder zu bestimmten Themenbereichen Stellung beziehen, aber auch Empfehlungen aussprechen. Die Ansprachen der Päpste [2][3] werden dokumentiert und teilweise veröffentlicht.

Einzelnachweis

  1. Niederlande. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 12, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, ‎ S. 0153. (Geschichte: 19. Jahrhundert) – Neueste Zeit
  2. Allokutionen von Papst Pius XI. Der Heilige Stuhl - Der Heilige Vater - Pius XI. - Ansprachen
  3. Allokutionen von Papst Pius XII. Der Heilige Stuhl - Der Heilige Vater - Pius XII. - Ansprachen

Quelle

Gerhard Wahrig (Hrsg.), Fremdwörterlexikon, Verlagsgruppe Bertelsmann/Mosaik Verlag, München, 1985

Weblinks


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  • Allokution — (lat., »Ansprache«), im röm. Kurialstil der Vortrag des Papstes im Kardinalkollegium über irgend eine wichtige kirchliche oder politische Angelegenheit. Eine solche A. soll in der Regel ein Prinzip oder ein Recht wahren. Die Allokutionen werden… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Allokution — (lat.), öffentliche Anrede, bes. des Papstes an das versammelte Kardinalskollegium …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Allokution — Al|lo|ku|ti|on 〈f. 20〉 Ansprache des Papstes an die Kardinäle über eine kirchl. od. polit. Angelegenheit [<frz. allocution „Ansprache“] * * * Allokution   [lateinisch »Ansprache«] die, / en, päpstliche Gelegenheitsansprache, eine offizielle… …   Universal-Lexikon

  • Allokution — Tiltale, henvendelse …   Danske encyklopædi

  • Allokution — Al|lo|ku|ti|on 〈f.; Gen.: , Pl.: en〉 Ansprache des Papstes an die Kardinäle über eine kirchliche od. politische Angelegenheit [Etym.: <frz. allocution »Ansprache«] …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Allokution — Al|lo|ku|ti|on die; , en <aus lat. allocutio »das Anreden«> päpstliche Ansprache, eine der Formen offizieller mündlicher Mitteilungen des Papstes …   Das große Fremdwörterbuch

  • Allokution — Al|lo|ku|ti|on, die; , en <lateinisch> (feierliche [päpstliche] Ansprache [an die Kardinäle]) …   Die deutsche Rechtschreibung

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