Allstate (Auto)
Allstate (1952)

Der Allstate war ein PKW, der in den USA in den Modelljahren 1952 und 1953 von der Allstate Autozubehör-Kette des Kaufhauses Sears-Roebuck angeboten wurde. Der Wagen wurde von der Kaiser-Frazer Corporation in Willow Run, Michigan, (ab 1953: Kaiser-Willys Corporation in Toledo (Ohio), Ohio) hergestellt und basierte auf dem Kompaktwagen der Firma, dem Henry J. Es gab nur eine Karosserieform, eine 2-türige Fließhecklimousine in den Serien "Four" (A-230, A-330) und "Six" (A-240, A-340).

1952 gab es die Serie "Four" (A-230) als Modell "110 Basis" (1.395 USD (in heutiger Kaufkraft 11.635 USD)), als Modell "111 Standard" (für 1.486 USD (in heutiger Kaufkraft 12.394 USD) das Meistverkaufte) und als Modell "113 DeLuxe" (1.539 USD (in heutiger Kaufkraft 12.836 USD)). Die Serie "Six" (A-240) kostete als "114 Standard" 1.594 USD und als "115 DeLuxe" 1.693 USD. Ein Sechszylindermodell in Basisausstattung wurde nicht angeboten.

1953 gab es praktisch keine Veränderung im Aussehen der Fahrzeuge, aber die 1953er-Modelle wogen ganze 145 Pfund (65,7 kg) mehr als ihre Vorgänger von 1952. Die Allstate-Basismodelle wurden eingestellt und die Preise entscheidend erhöht: Von der Serie "Four" (A-330) kostete das Einstiegsmodell "210 Standard" 1.528 USD und das Modell "213 DeLuxe" 1.589 USD. Vom "Six" (A-340) gab es nur das besser ausgestattete Modell "215 DeLuxe" für 1.785, das sich in diesem Jahr am besten verkaufte.

Der Allstate entstand nach den Ideen von Henry J. Kaiser, der die Kaufhauskette Sears als weitere Möglichkeit der Vermarktung seines schlecht verkäuflichen Zweitürers Henry J sah, der 1950 eingeführt wurde.

Sears hatte bereits vorher, 1908 - 1912, versucht, Autos unter dem Markennamen "Sears Motor Buggy" zu verkaufen, und dies mit einigem Erfolg. Diese pferdelosen Kutschen waren "High-Wheeler"; sie sahen aus wie zweisitzige Pferdewagen mit großen Kutschenrädern. Diese Art Personenwagen war besonders in ländlichen Gebieten Anfang des 20. Jahrhunderts sehr beliebt, da ihre große Bodenfreiheit bestens für die schlammigen Landstraßen dieser Zeit mit ihren tiefen Wagenspuren geeignet war. Noch dazu war es die Landbevölkerung gewohnt, aus dem Sears-Versandhauskatalog zu bestellen; und der "Sears Motor Buggy" konnte zur nächstgelegenen Bahnstation geliefert werden, damals ein wichtiger Vorteil. Wie fast alle Waren von Sears wurden auch diese Autos von einer ganz anderen Firma hergestellt, die mit Sears sonst überhaupt nichts zu tun hatte.

Ursprünglich sollten die Allstate-Wagen auf der großen Kaiser-Bodengruppe entstehen, aber nach drei Jahren Verhandlungen zwischen Kaiser-Frazer und Sears-Roebuck wurde die Serienversion des Allstate am 20. November 1951 durch den Sears-Vertriebschef Theodore V. Hauser und den Verwaltungschef von Kaiser-Frazer, Eugene Trefethen angekündigt. Die dreijährige Verzögerung wurde teilweise durch die Händlerschaft von Kaiser-Frazer verursacht, die den Wettbewerb mit Sears fürchtete.

Der Allstate war im Wesentlichen ein Henry J, hatte aber einige Unterschiede: Allstate-Firmenzeichen auf Motorhaube und hinterer Abdeckung, eine bessere Innenausstattung aus Saran-Plaid oder bisweilen auch Leder oder weichem Vinyl, spezielle Radkappen, Hupenknöpfe und Instrumentenumrandungen, abschließbares Handschuhfach und abschließbare Kofferraumhaube, ein besondere Motorenfarbe (blau), luxuriöse Armlehnen und Sonnenblenden, überarbeitete Türschlösser und Schlüssel, besondere Rück- und Parkleuchten und - besonders bemerkenswert - einen einzigartigen Kühlergrill mit zwei Querstäben und eine Kühlerfigur in Form eines Düsenflugzeuges, die von Alex Tremulis gestaltet wurde, der von Tucker zu Kaiser-Frazer kam.

Das Standardinnenraummaterial des Allstate bestand aus eng gefalteten Papierstreifen, die miteinander verwoben und mit Kunststoff überzogen wurden, was sich als ebenso dauerhaft wie attraktiv erwies und Sitzbezüge unnötig machte. Sitzbezüge waren in den 1950er-Jahren extrem populär und viele wurden aus genau demselben Material hergestellt. Chevrolet verarbeitete in den Modellreihen Biscayne und Bel Air in den 1960er-Jahren ebenfalls diese Sitzbezüge.

Entgegen den frühen Henry J, die aus Kostengründen keine Kofferraumklappe hatten, waren die Allstate immer damit ausgestattet.

Autos der Serie "Four" hatten einen seitengesteuerten 2,2 Liter - Vierzylinder-Reihenmotor mit 68 bhp (50 kW); die Serie "Six" waren von einem ebenfalls seitengesteuerten 2,64 Liter - Sechszylinder-Reihenmotor mit 80 bhp (59 kW) befeuert. Beide Motoren wurden von Willys-Overland hergestellt. Ein Dreiganggetriebe gehörte zur Grundausstattung, ein Overdrive gab es gegen 104 USD Aufpreis.

Der einzige mechanische Unterschied zwischen Allstate und Henry J war die Ausstattung der Allstate mit Reifen, Rohren, Zündkerzen und Batterien der Sears-Marke Allstate mit eigener "Triple Guarantee"-Garantie.

Ursprünglich wurde der Allstate nur im Süden und Südwesten der Vereinigten Staaten angeboten. Der Verkauf sollte dann mit steigender Nachfrage auf andere Gebiete ausgeweitet werden. Die Standorte der Kaufhäuser, in denen der Allstate direkt angeboten wurde, waren: Baytown (Texas), Beaumont (Texas), Birmingham (Alabama), Dallas (Texas), Fayetteville (North Carolina), Houston (Texas), Jacksonville (Mississippi), Knoxville (Tennessee), Little Rock (Arkansas), Lubbock (Texas), Memphis (Tennessee), Norfolk (Virginia), Orlando (Florida), Phoenix (Arizona), Portsmouth (Virginia), Richmond (Virginia), Salt Lake City (Utah) und Waco (Texas).

Einige Sears-Kaufhäuser hatten wenigstens ein Exemplar vorrätig, die meisten Wagen wurden aber auf Bestellung von Kaiser-Frazer gebaut und dann an die Sears-Verkaufsstellen ausgeliefert. Kaiser-Frazer hatte seine Händler verpflichtet, auf Kundenwunsch die Kundendienste für die Allstate-Wagen durchzuführen. Viele Händler waren aber wenig erfreut, zusehen zu müssen, wie "ihre" Fahrzeuge von anderen Verkaufsstellen vertrieben wurden, besonders weil der Allstate eine bessere Ausstattung als der Henry J besaß und auch noch billiger verkauft wurde.

Sears vermarktete das Auto als "die billigste große Limousine auf dem US-Markt". Weil Sears jedoch keine Preisverhandlungen mit Allstate-Käufern führen wollte und vermutlich weil viele Leute sich scheuten, ein Auto im Kaufhaus zu kaufen, wo der Service als fragwürdig erachtet wurde, wurden in 2 Modelljahren nur 2.363 Allstate verkauft, bevor die Marke eingestellt wurde; 1.566 Stück 1952 und 797 Stück 1953. Kurz darauf stellte Kaiser auch den Henry J ein.

(Bemerkung: Das Fehlen von Preisnachlassprogrammen hatte sich für Sears schon früher als ernstes Verkaufshindernis beim Handel mit Graham-Bradley-Traktoren der Graham-Paige Motors Corp. in den späten 1930er-Jahre erwiesen.)

Weblinks

Quellen

  • Gunnell, John (Herausgeber): The Standard Catalog of American Cars 1946–1975, Kraus Publications (1987), ISBN 0-87341-096-3
  • Langworth, Richard M., Author: The Last Onslaught on Detroit, Princeton Publishing, Inc. (1975), ISBN 0-915038-04-8

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