Alltag im christlichen Kloster
Klosterkirche Maulbronn

Der Alltag in den christlichen Klöstern des Mittelalters war stark strukturiert und geprägt von den Stundengebeten.

Am Beispiel des Zisterzienserklosters Maulbronn soll hier gezeigt werden, wie der Alltag der Mönche in etwa aussah.

Inhaltsverzeichnis

Personal

Das Personal des Klosters war in der Art eines Mönchsstaates stark hierarchisch gegliedert.

Abt

Dar Abt war das Oberhaupt der Abtei, der in freier Wahl von allen Ordensbrüdern gewählt wurde. (Im frühen Mittelalter wurde er allerdings auch häufig durch den König bestimmt.) Nach seiner Wahl war ihm jeder Klosterangehörige zu unbedingtem Gehorsam verpflichtet. Er vertrat das Kloster nach außen, schloss Verträge ab und entschied über Kauf und Verkauf von Klostergütern. Er unterstand staatsrechtlich nur dem Kaiser. Jedoch war er realpolitisch auch vom Bischof abhängig, in dessen Einflussbereich das Kloster lag. Seiner Willkür waren nur zwei Schranken gesetzt, die Ordensregel und das Generalkapitel. Das Kloster wurde jährlich vom Abt der Mutterabtei visitiert und einmal im Jahr versammelten sich alle Klostervorstände zur Generalsynode. Dort wurden die Klosterverwaltungen geprüft und untaugliche Äbte abgesetzt.

Prior

Der Prior wurde vom Abt ernannt. Er vertrat den Abt in seiner Abwesenheit und stand sonst dem inneren Dienst vor. Er stand an der Spitze der Klosterbrüder, mit denen er den Tageslauf teilte. Er leitete alle Versammlungen und verteilte die Tagesarbeit. Er war der Exerzitien-Meister und Seelsorger. Er nahm die Beichte ab und setzte Bußen fest.

Kellermeister (Cellerar)

Der Kellermeister war nach dem Prior der wichtigste Gehilfe des Abts. Er war der Klosterverwalter, durch dessen Hand alle Einkünfte gingen. Er stand an der Spitze der Laienbrüder (Konversen), die ihm Rechenschaft schuldeten. Um dieser Tätigkeit nachgehen zu können, genoss er Freiheiten wie die Laienbrüder und musste sich in Belangen, die seine Arbeit betrafen, nicht an das Schweigegebot halten.

Mönche

Die Mönche waren im Gegensatz zu den Laienbrüdern, den Konversen, in erster Linie für den Gottesdienst da. Die Laienbrüder waren nicht nur dienstlich, sondern auch räumlich von den Mönchen getrennt. Eine Scheidewand zog sich durch das ganze Kloster, das dadurch zu einer Doppelanstalt wurde. Während die Konversen jegliche Arbeit erledigten, die die Mönche in Kontakt mit der Außenwelt gebracht hätten, kümmerten sich die Mönche um Liturgie und geistige Arbeit. Sie waren in ihrem Tagesablauf nach der Charta Charitatis der Zisterzienser zum Lesen und / oder Schreiben verpflichtet, was den ungebildeten Konversen untersagt war.

Konversenmeister

Der Konversenmeister war der Exerzitienmeister und Seelsorger der Laienbrüder. Er leitete den Gottesdienst der Konversen, nahm ihnen die Beichte ab und besuchte die Handwerker in den Werkstätten, die Hirten auf dem Feld, die Meier und Winzer auf den Höfen.

Konversen

Die Konversen, oder Laienbrüder, waren ebenfalls eine Art Mönche, denn sie legten auch das Gelübde des Gehorsams, der Armut und der Keuschheit ab. Sie waren ebenfalls zum Schweigen, Beten, Singen und Fasten verpflichtet, unterschieden sich aber von den eigentlichen Mönchen durch Kleidung und Haartracht. Sie trugen statt des Habits ein ärmelloses Obergewand und bekamen auch eine andere Tonsur. Sie waren den Mönchen untergeordnet und durften nie Mönch werden. Ihre Hauptaufgabe bestand im Arbeitsdienst: sie dienten als Hirten, Winzer, Fischer und als Handwerker aller Art.

Tagesablauf

Der Tagesablauf der Mönche wurde durch die acht täglichen Andachten, die Horen, gegliedert, die der heilige Benedikt von Nursia den Mönchen vorschrieb.

Sie sollten mit Psalm 119 zu Gott sprechen: „Ich lobe dich des Tags siebenmal und mitten in der Nacht stehe ich auf, dir zu danken."

Die Mönche schlafen angekleidet auf Strohsäcken, während die ganze Nacht über ein Licht brennt. Um 2 Uhr weckt der Subprior durch ein Glockenzeichen die Brüder zur Vigil. Sofort erheben sich alle, um zu dem von drei Kerzen erleuchteten Herrenchor zu schreiten. Auf Vaterunser und Glaubensbekenntnis folgen Psalmen und Lobgesänge, dann spricht der Abt den Segen. Nach einem Wechselgesang setzten sich die Mönche zum Anhören von Abschnitten aus der Bibel oder den Kirchenvätern. Nach der vierten Lektion wird das Gloria angestimmt, dann folgen wieder Psalmen, bis ein Spruchvers zum Schlussgebet überleitet. Diese Vigilie kann bis zu drei Stunden dauern. Wenn noch Zeit übrig bleibt, so haben sich die Mönche im Kapitelsaal mit Lesen zu beschäftigen.

Bei Beginn der Morgendämmerung ruft die Glocke zur Mette, worin hauptsächlich Lobpsalmen gesungen werden. Dann tritt eine Pause ein. Unmittelbar nach Sonnenaufgang versammeln sich die Mönche zur Prim mit dem feierlichen Hochamt. Jetzt gehen die Mönche in den Kapitelsaal. Ein Priester liest eine kurze Predigt, dann ein Kapitel aus der Ordensregel. Danach werden die Namen derjenigen Mönche verlesen, die etwas zu büßen haben. Hierauf wird aller verstorbenen Brüder des Ordens und ihrer verstorbenen Verwandten gedacht. Endlich ergreift der Leitende das Wort und legt das verlesene Kapitel der Ordensregel aus. Dann geht er zur Abstrafung der Übertretungen über. Jeder Ordensbruder darf jeden anklagen. Dem Beschuldigten ist es aber verboten, am gleichen Tag mit einer Gegenanklage zu antworten. Hierauf werden die Geißelungen vollzogen. Der Büßer entkleidet sich bis zum Gürtel, und während er gepeitscht wird, ruft er: „Es ist meine Schuld, meine größte Schuld, ich will mich bessern!" Der Leitende bestimmt, wann es genug ist. Nun verneigen sich alle und entfernen sich. Nur wer beichten will, bleibt beim Prior zurück. Anschließend werden im Parlatorium die Weisungen zu den verschiedenen Tagesarbeiten erteilt, im Sommer ziehen viele Mönche aufs Feld, im Winter tritt dafür Hausarbeit oder das Lesen erbaulicher Schriften ein.

Genau zwischen Aufgang und Mittagsstand der Sonne ist die Terz, der vierte Gottesdienst. Wer keine Arbeit hat, beschäftigt sich mit Lesen frommer Bücher im Kreuzgang, bis zur Sext, dem Mittagsgottesdienst, an dem das Mittagessen im Herrenrefektorium anschließt. Die Ordensbrüder waschen sich an der Brunnenkapelle die Hände, dann tritt jeder still an seinen Platz. Der Prior läutet zu Beginn, bis der 51. Psalm in der Stille gebetet ist. Darauf spricht der ganze Chor „benedicite“, dann Halbchor gegen Halbchor das Gloria und Kyrie eleison; den Schluss bildet ein halblautes Vaterunser. Jetzt spricht der Wochenpriester: „Wir flehen, Herr, segne deine Gaben!“ Darauf bekreuzigen sich alle und nehmen Platz. Das Mittagessen besteht meistens aus Brei und Hülsenfrüchte, als Fleischspeisen sind nur Fisch und Geflügel gestattet. Außerdem erhält jeder Mönch täglich ein Pfund Schwarzbrot und einen halben Schoppen (0,27 Liter) Wein, der mit Wasser vermischt wird. Während des Essens ist Stillschweigen zu beachten. Gleichzeitig werden auf der Kanzel des Speisesaals Stücke aus der Bibel oder den Kirchenvätern, auch Teile einer Predigt vorgelesen. Wer spricht, dem wird der Wein bzw. das Essen weggenommen oder er wird körperlich gezüchtigt. Zum Schluss gibt der Prior ein Zeichen mit der Glocke, worauf sich alle erheben und gemeinsam einen Dankvers sprechen. Unter Absingen eines Psalms ziehen die Mönche paarweise zu einem Dankgebet in die Kirche.

Nach Beendigung aller Zeremonien haben die Mönche eine kurze Bettruhe und ziehen in Reih und Glied zum Schlafsaal. Nach dem Zeichen zum Aufstehen eilen sie zur Brunnenkapelle, um sich die Augen auszuwaschen.

Genau in der Mitte zwischen Mittag und Sonnenuntergang ruft die Glocke zur Non, die wieder in der Kirche mit Gebet, Hymnen, Psalmen und Vorlesungen gefeiert wird. Im Sommer geht es nun wieder zum Refektorium, wo unter allerhand Zeremonien das Bibere eingenommen wird, etwas Wasser, in das jeder auch etwas von seinem Wein gießen konnte.

Nun folgen wieder einige Stunden Arbeit bis zur Vesper, dem Abendgottesdienst. An diesen vorletzten Gottesdienst schließt sich ein kaltes Abendbrot, dann die Abendlektion im Kreuzgang. Dabei wird aus den Lebensgeschichten der heiligen Väter vorgelesen, auch aus Cassians Gesprächen über das Klosterleben. Danach ziehen alle in die Kirche zur Schlussandacht des Tags, dem Komplet, welche die Zahl der Horen komplett macht. Zum Schluss wird jeder im Vorübergehen vom Abt (oder Prior) mit Weihwasser besprengt und geht in den Schlafsaal. [1]

Quellennachweis

  1. Verkürzt aus: Gustaf Lang; Führer durch das Kloster Maulbronn

Literatur

  • Gustav Lang: Führer durch das Kloster Maulbronn. Brackenheim: Verlag Georg Kohl, 1959
  • Ulrich Knapp: Das Kloster Maulbronn. Geschichte und Baugeschichte. Stuttgart 1997.
  • Michael Toepfer: Die Konversen der Zisterzienser. In: Berliner historische Studien. Band 10. Berlin 1983.

Weblinks


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