Allwetterbad (Osterholz-Scharmbeck)

Das Allwetterbad in Osterholz-Scharmbeck ist ein modernisiertes Freibad und Allwetterbad − die erste Teleskophalle in Deutschland nach niederländischem Vorbild.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vorgeschichte

Nach der wirtschaftswissenschaftlichen Theorie hat ein Mittelzentrum wie Osterholz-Scharmbeck auch ein Schwimmbad bereitzustellen.

Die Anfänge des Badewesens reichen weit zurück. Die Hamme, Beek und die Lehmkuhlen in Settenbeck hatte man schon sehr lange als beliebte Badeplätze genutzt; für Nichtschwimmer standen der Scharmbecker Bach, der „Fankstaken“ in Osterholz und der Wienbeck in Lintel zur Verfügung. Die erste „künstliche“ Badeanstalt (Badestelle) entstand vor rund 125 Jahren im „Sandbecken-Bruch“ oberhalb von Gut Sandbeck, wo es einige Umkleidekabinen und sogar ein Sprungbrett gab.

1908 errichtet der Maurermeister Torbohm auf seinem Grundstück in der „Bördestraße“ eine Badeanstalt. Sie musste 1935 aus hygienischen Gründen schließen, da sie ihr Wasser direkt aus dem Scharmbecker Bach bezog.

1926 entstand an der Straße „Am Deich“ am alten Teich der „Röhrichtenschen Kornmühle“ eine Badeanstalt. Dieses Badehaus wurde durch eine britische Bombe am Anfang des Zweiten Weltkrieges zerstört und nicht wieder hergerichtet.

Das angehörige Badehaus mit massiven Wannenbädern und Brausen machte die Stadt als Eigentümer offiziell 1977 zu, nachdem es bereits längere Zeit außer Betrieb war.

Mit der Zunahme des Schwimmsports in den ersten Nachkriegsjahren musste man eine Lösung finden. Bei „Tietjens Hütte“ wurden deshalb zwei Pontons derartig verankert, dass eine abgesperrte Schwimmfläche von 50m x 10m entstand; die größere und bewachsene Uferfläche diente als Nichtschwimmerbereich. An Land traten bald Sanitär- und Umkleidebaracken hinzu. Die Badeaufsicht übernahm die DLRG-Ortsgruppe-Osterholz-Scharmbeck ehrenamtlich.

Bevor sich dieses „amtliche Provisorium“ zu einer richtigen Badeanstalt entwickeln konnte, musste es 1953 ebenfalls geschlossen werden, da sich die Wasserqualität der Hamme durch Kolibakterien verschlechtert hatte. Insbesondere für den aufstrebenden Schwimmsport war das regelrechte katastrophal; eine Versammlung des Bürgervereins bildete 1955 einen „Arbeitsausschuss Schwimmbad“, der eine Spendenaktion veranstaltete.

Bereits 1956 konnten auf dem erworbenen Gelände „Am Barkhof“ die Bauarbeiten beginnen und im Juni 1957 wurde das Freibad in Betrieb genommen, welches die Grundlage des heutigen Allwetterbades bildet.

Die Anlage ist auch nach heutigen Maßstäben als großzügig zu bewerten:

  • 50 Meter x 21 Meter breites Schwimmbecken (8 Bahnen)
  • angegliedertes Springbecken mit 10-Meter-Turm, 3-Meter-Brett und 1-Meter-Brett. Da sich die 10m Plattform unmittelbar über der 5m Plattform befand, war sie in der Regel; auch wegen der hohen Verletzungsrisikos; gesperrt.
  • Großes Nichtschwimmerbecken und kleines Planschbecken
  • 1000 m² Liegewiese

Um die Nutzungszeit des Freibades um zwei Monate auszudehnen, wurde 1967 eine Wassererwärmungsanlage eingebaut. Als Energielieferant dient das Blockheizwerk, das die umliegenden Schulen beheizt.

Trotz dieser Maßnahme kamen in den 70er Jahren Pläne zur Errichtung eines 25-Meter-Hallenbades auf. Allerdings fehlte die finanzielle Grundlage, da etwa 4,5 Millionen Deutsche Mark an Baukosten veranschlagt wurden. Eine derartige Schwimmhalle errichtete dann die Nachbargemeinde Hambergen.

Als Alternativ- und Übergangslösung wurde deshalb ab 1972 für 750.000 DM das 50-Meter-Schwimmbecken unter Ausschluss des Sprungturms im Winter mit einer weißen Traglufthalle (Volksmund: „Moby Dick“) überspannt. Für die Nichtschwimmer entstand ein kleines Becken im Kopfbereich der Traglufthalle.

Diese Lösung hatte einen Planungshorizont von zehn Jahren, erweiterten eine Sauna mit Wannenanlage und eine modernisierte Wasseraufbereitungsanlage das Umfeld. Die Pläne mussten allerdings beschleunigt werden, da im Spätherbst 1977 (Orkanherbst in Deutschland) ein Unwetter die Traglufthalle irreparabel beschädigte.

Allwetterbad

Am 14. März 1977 beschloss der Stadtrat den Bau einer beweglichen „Teleskophalle“ nach niederländischem Vorbild; Bürger der Stadt waren im Sommer 1978 zu einer Busfahrt in die Niederlande eingeladen, um eine derartige Konstruktion in Betrieb besichtigen zu können. Die dreiteilige Teleskophalle wurde 1979 errichtet; sie umspannt das Gebiet der alten Traglufthalle, den 10m-Sprungturm integrierte man in die Halle. Allerdings lässt sich die 10 Meter Plattform des Turms bei geschlossener Halle nicht benutzen, da die Hallendecke die Plattform nur etwa 1m überragt und die Geländer deshalb bei geschlossener Halle niedergelegt sind.

Da das alte Becken lediglich neu ausgemauert und der Wasserspiegel angehoben wurde, um den Wasseraustausch nun durch Überlauf zu gewährleisten, ergibt sich sogar die Notwendigkeit, bei Sprungwettbewerben den Wasserstand um etwa 10cm abzusenken.

Ausgliederung

Wegen der starken Kostenbelastung übergab die Stadt das Bad 1993 den Stadtwerken. Eine notwendige Renovierung des Beckens wurde genutzt, um es bis Mitte 1997 in ein „Spaßbad“ umzubauen. Allerdings stieß die Maßnahme auf größere Skepsis in der Bevölkerung; im Gegensatz zu den vorherigen Baumaßnahmen gab es diesmal keine Initiativen oder Befragungen der Bürger bzw. wurde um die Unterstützung geworben. Die Bauphase und damit Ausfallzeit lag bei fast zwei Jahren: das „ursprüngliche“ Freibad selbst hatte 13 Monate Bauzeit.

Es wurde eine drastische Preiserhöhung befürchte; außerdem würde ein wirtschaftlich defizitäres Bad letztendlich durch die Strom-, Gas- und Abwasserpreise subventioniert, so dass die Bevölkerung nicht nur erhöhte Eintrittspreise, sondern auch mehr an die Stadtwerke zu entrichten hätte.

Weitere Umbauten

Anfang der 2000er Jahre wurde der Turm auf 5m gekappt und der Ausbau weiter in Richtung eines kommerziellen Erfolges entwickelt. Das eigenständige 3m-Brett verschwand und lediglich drei 50m-Bahnen verblieben. Neubauten ersetzten die gesamten Vorbauten. Das bisherige Außenschwimmbecken für Kleinkinder wurde ersetzt; außerdem wurde ein Durchschwimmbecken errichtet, dass durch eine Tauchtunnel sowohl innen als auch außerhalb der Halle besteht. Das Kleinschwimmbecken war auf ähnliche Weise durch einen Tunnel -allerdings über Wasser- verbunden, der sich allerdings als unfallträchtig erwies und geschlossen wurde.

Um den Wellnessbereich zu stärken, wurde ein Kneippbecken und verschiedene Wassermassageplätze an diversen Plätzen der Becken integriert. 2006 musste auf Grund eines Unfalls die Springgrube saniert werden - ein Turmspringer hatte sich an der Übergangskante zum Schwimmbereich verletzt. Die Umbauten waren bisher kommerziell erfolgreich, haben jedoch den Standort als sportlichen Wettkampfstätte sehr stark eingeschränkt.

Zahlen

2008 besuchten 357.454 Gäste das Allwetterbad: 300.121 entfielen dabei auf den Schwimmbetrieb, wodurch der Rekord von 2003 gebrochen wurde. Gegenüber 2007 war dies eine Steigerung von 1,8 % (+ 5.909 Besucher). Davon waren 72.695 Teilnehmer sportlicher Gruppen, die das Allwetterbad als Sportanlage nutzen. Auf die Sauna entfielen 37.333 Besucher, was einer Steigerung von 2,7 % (+ 975) auf 2007 bedeutete. Die Anlage wurde 2008 von einem Schwimmmeister mit zwanzig weiteren Angestellten betrieben. Das in die Anlage integriertes Fitnessstudio „Balance“ wurde von 72.695 Besuchern frequentiert.[1]

Einzelnachweise

  1. Osterholzer Anzeiger vom 11. Januar 2009; S.4: „Sauna krönt die Jahresbilanz“

Literatur

  • Allwetterbad Osterholz-Scharmbeck: (Eröffnung 6. Dezember 1979) Osterholz-Scharmbeck 1979, Verlag Saade, Stadt Osterholz-Scharmbeck Hauptamt (Hrsg.)
  • Johann Segelken: Osterholz-Scharmbeck Heimatbuch. Verlag Saade, Osterholz-Scharmbeck 1987

Weblinks

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