Alme (Brilon)
Alme
Stadt Brilon
Wappen der ehemaligen Gemeinde Alme (bis 1975)
Koordinaten: 51° 27′ N, 8° 37′ O51.4558333333338.6202777777778278Koordinaten: 51° 27′ 21″ N, 8° 37′ 13″ O
Höhe: 278–481 m ü. NN
Fläche: 35,72 km²
Einwohner: 1.834 (31. Dez. 2010)
Eingemeindung: 1. Jan. 1975
Postleitzahl: 59929
Vorwahl: 02964
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Lage der Ortschaft Alme innerhalb des Stadtgebiets von Brilon

Alme ist ein dörflicher Ortsteil der Stadt Brilon im nordrhein-westfälischem Hochsauerlandkreis, Deutschland. Die bis Ende 1974 selbstständige Gemeinde liegt an der Grenze zu Bad Wünnenberg und damit im Übergangsbereich von Sauerland und Paderborner Land. Mit 1.834 Einwohnern und einer Gemarkungsfläche von rund 35 km² ist Alme nach der Kernstadt der größte Ortsteil der Stadt Brilon. Etymolisch bedeutet „Alme“ etwa „unter den Ulmen“. Die Bezeichnung des Flusses lautet somit „Ulmenwasser“.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Quellteich der Alme

Das Dorf liegt am Rande der Briloner Hochfläche in einem welligen Hügelland. Die im südlichen Bereich der Ortschaft aus 104 Karstquellen entspringenden Alme durchfließt das Dorf in nordnordwestlicher Richtung und verlässt Richtung Büren die Gemarkung. Hier findet sich bei der Mündung der Nette mit 278 m ü. NN[1] der niedrigste Punkt der Gemarkung. Im Süden steigt das Gelände bis auf 481 m ü. NN[1] an. Dieser Punkt liegt östlich der Straße von Alme nach Wülfte. Im Westen liegen die bewaldeten östlichen Ausläufer des Arnsberger Waldes. Weitere ausgedehnte Waldgebiete finden sich im Norden und Osten der Gemarkung.

Benachbarte Ortschaften sind die Briloner Ortsteile Nehden im Süden und Wülfte im Südwesten. Im Nordwesten liegen die zu Büren gehörenden Ortschaften Harth und Weiberg. Im Norden liegt die Stadt Bad Wünnenberg und im Osten deren Ortsteil Bleiwäsche.[1] Von der rund 35 km² großen Gemarkungsfläche sind 20,91 km² Wald.

Ortsgliederung

Bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es im Gebiet der heutigen Gemarkung Alme drei selbstständige Gemeinden. Dies waren Ober- und Niederalme, sowie die adelige Gutsgemeinde Alme. Im Jahr 1928 wurden daraus die Gemeinde Alme gebildet. Im Zuge der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen wurde die Gemeinde Alme auf der Basis des Sauerland/Paderborn-Gesetzes zum 1. Januar 1975 ein Ortsteil der Stadt Brilon. Heute hat der Ort etwa 1870 Einwohnern und ist mit einer Gemarkungsfläche von rund 35 km², davon bestehen 20,91 km² aus Wald, der geographisch größte Ortsteil der Stadt Brilon.

Geschichte

Die Besiedlung der Gegend um Alme erfolgte etwa ab 2000 v. Chr., wie Funde von Spinnwirteln und Schalensteinen beim heutigen Hallinghausen, zwischen Alme und Bad Wünnenberg gelegen, belegen.

Die erste urkundliche Erwähnung datiert vermutlich aus dem Jahr 952. In einer Urkunde des späteren Kaisers Otto I. wird ein Ort namens „Almundoraf“ erwähnt. Die damalige sächsische Siedlung befand sich im Bereich der heutigen Pfarrkirche St. Ludgerus. Diese schenkte Wichburg von Geseke dem Frauenstift Geseke, das sie gemeinsam mit ihren Geschwistern Graf Hahold, Brun und Friedrich 946 gegründet hatte.

Südseite der Kirche

Eine erste Kapelle entstand 1003 im Bereich der heutigen Pfarrkirche als Eigenkirche. Mit Pfarrer Beilen wurde 1383 erstmals ein Pfarrer in Alme erwähnt. Vermutlich wurde die Pfarrei Hallinghausen nach Alme verlegt, nachdem der Ort zuvor bei einer Fehde zerstört wurde. In Hallinghausen wurde mit Conrad Dollenberg 1377 zum letzten Mal ein Pfarrer erwähnt.

Im Bereich des heutigen Guts Haus Tinne wurde 1325 eine Burg gebaut. Burg und Ortschaft wurden 1374 an die Edelherren von Büren der Wewelsburger Linie verpfändet. Diese verpfändeten beides 1380 an Johann von Schorlemmer dem Jüngeren und 1394 zur Hälfte an Hermann vom Alten Haus Padberg.[2] Nach dem Aussterben der Wewelsburger übernahm 1411 Erzbischof Friedrich von Köln die Burg Alme.[3] Sein Nachfolger Erzbischof Dietrich von Köln schloss 1415 einen Vertrag mit den Brüdern Gottschalk und Friedrich vom Neuen Haus Padberg, worauf Gottschalk seinen Wohnsitz nach Alme verlegte.[4]

1428 kaufte Godert von Meschede von den Herren von Thülen das Haus und Steinwerk mit allen dazugehörigen Gütern.[5] Diesem überließ Erzbischof Dietrich II. von Köln 1430 die Burg Alme als inzwischen „wüste Hofstätte“.[6] Fürs Jahr 1493 unterscheidet man erstmals zwischen den Häusern Ober- und Niederalme. Die Besitzungen gehörten den Vettern Gerd und Heinrich von Meschede gemeinsam. Gerhard von Meschede baute schließlich 1505 das Haus Niederalme. Reste dieses Baus sind noch heute im westlichen Teil des Herrenhauses von Schloss Alme zu erkennen.

In einem Grenzvertrag mit der Stadt Brilon einigten sich am 4. Mai 1525 die Herren von Meschede mit der Stadt über den Grenzverlauf:

Dat zieh nembtlich aenseit nedden an der Harlebecke, so vern als zieh de Almer marcke strect, darselvest eyn stein gesath up de eine zyet ein cruce, up de ander ziet eyn spaer, de Harlebecke heen an up den Burer wegh, dar de aver de Harlebecke geit, den Burer wegh up beß an den lutken Rumberen an de snehecruce, de dar up de westziden van wegen der van Brylen gehouwen, der vors(creven) van Messchede wapen, als nembtlich [sparen] an de oetziet, dergelicben denselven snehen beß up den neisten sypen, sich schnebet an de westziet an den Burer wegh, denselvigen sypen up de eggen des sypens, so dar de snehecruce unde spätren darlieh utwyset, am ende der snehe de besorgnisse und vorganck der boeme darselvest eyn stein gesät, up de eine syet eyn cruce, up ander ziet eyn spätre ...

Diese Vereinbarung lässt die Abhängigkeit von der jeweiligen Ortsherschaft erkennen, denn anwesend waren Brüder und Vettern derer von Meschede, die Stadt Brilon sowie adlige und bürgerliche Schiedsmänner. Von einer Beteiligung der Dorfbewohner ist nicht die Rede.[7]

Das Haus Oberalme teilte sich 1553 in ein Haus Oberalme und ein Haus Bruch.[8] Haus Oberalme übernahm die Familie von Wolmeringhausen, Haus Bruch kam an die Familie von Bodenhausen. Unter Josias von Wolmerighausen wurden beide Häuser wieder vereinigt. Über die Familien von Twiste und Hanxleden kam Friedrich Wilhelm von Gaugreben durch Heirat in den Besitz von Haus Bruch und durch Kauf in den von Haus Oberalme.[9]

Im Zuge einer Erbauseinandersetzung erfolgte 1589 die Teilung des Hauses Niederalme in ein altes und ein neues Haus Niederalme. Während das alte Haus im Besitz derer von Meschede verblieb, gelangte das neue Haus durch Heirat an die Familie von Holdinghausen.[9] Unter Einbeziehung älterer Teile der Burg Niederalme baute Dietrich Adam von Meschede 1744 das barocke Wasserschloss Alme. Mit dem Tod von Diedrich Adam von Meschede erlosch 1768 das Geschlecht derer zu Meschede. Dieser hatte seine zweite Frau Franziska Dorothea von Bruch als Universalerbin eingesetzt. Daran knüpfte er die Bedingung, dass nach deren Ableben der älteste Sohn seiner Tochter das Erbe übernehmen sollte.[10] So kam 1769 Theodor Werner Freiherr von Bocholtz in den Besitz.

„Das Haus Oberalme genannt die Tinne“[11] wurde 1775 von Friedrich Christian von Gaugreben an Ferdinand Freiherr von Bocholtz verkauft.[12]

Am 1. März 1733 wurde das politisch zu Kurköln gehörende Alme auch kirchlich dem Erzbistum Köln unterstellt. In der Bulle „de salute animarum“ wurde 1823 das Erzbistum Paderborn für das ehemalige Herzogtum Westfalen zuständig, nachdem 1816 dieses als Teil der Provinz Westfalen im Königreich Preußen aufging.

Im 19. Jahrhundert entstanden die 3 Gemeinden Niederalme, Oberalme und Gutsgemeinde Alme.

Nachdem 1861 in Alme eine Postexpedition II. Klasse eingerichtet wurde, bekam Alme mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Büren-Brilon 1901 auch einen Eisenbahnanschluss.

1912 wechselte erneut die Herrschaft in Alme. Franz Reichsgraf von Spee erwarb von den Grafen von Bocholtz deren Almer Besitzungen.

Am 30. September 1928 wurde aus den Gemeinden Nieder Alme, Ober Alme und dem Gutsbezirk Alme die Gemeinde Alme gebildet.[13] Diese wurde zum 1. Januar 1975 im Zuge der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen auf der Basis des Sauerland-/Paderborn-Gesetzes ein Ortsteil der Stadt Brilon.[14]

Wappen

Wappen der Gemeinde Alme
Blasonierung

In goldenem Feld unter rotem Sparren eine auf blauem gewellten Schildfuß schwimmende silberne Gans mit rotem Schnabel.

Beschreibung

Das Wappen wurde am 22. Januar 1955 genehmigt. Nach der Begründung führte das eng mit der Geschichte des Ortes verwachsene Geschlecht von Meschede den Sparrenschild im Wappen. Die Gans ist Sinnbild des Kirchenpatrons Ludgerus. Der gewellte Schildfluss deutet auf die Alme und die nahe gelegene Almequelle hin.[15]

Heutige Bedeutung

Alme ist als Unterzentrum zu bezeichnen. Wesentliche kennzeichnende Einrichtungen wie Kirche, Schule, Kindergarten, Selbstbedienungsgeschäft oder Sportanlagen versorgen nicht nur die Almer Bevölkerung, sondern werden zum Teil auch von den Einwohnern der Nachbarorte genutzt. Alme ist als Wohnsitzortschaft mit Landwirtschaft und Fremdenverkehr zu charakterisieren. Gewerbliche und handwerkliche Einrichtungen sowie Dienstleister spielen eine immer bedeutendere Rolle. 14 gut beschilderte Wanderwege mit einer Gesamtlänge von über 50 km laden zu ausführlichen und erholsamen Wanderungen durch die Almer Wälder ein.

Literatur

  • Alfred Bruns: Amt Thülen, Geschichte und Überlieferung. Brilon 1974.
  • Anton Fahne: Die Dynasten, Freiherrn und Grafen von Bocholtz nebst Genealogie derjenigen Familien. Köln 1857–1863.
  • Dr. Josef Grafe: Alme, Grenzort zwischen Kurköln und dem Hochstift Paderborn. Brilon 2001.
  • Albert K. Hömberg: Geschichtliche Nachrichten über Adelssitze und Rittergüter im Herzogtum Westfalen. Heft IV, Kreis Brilon I, Münster 1972.
  • Versch. Autoren: Alme, Grenzort zwischen Kurköln und dem Hochstift Paderborn. Beiträge zur Geschichte. Brilon 2002.
  • Dietmar Hölmer: 1050 Jahre Alme, 952 – 2002, Almundoraf – Alme, Alme 2003.

Einzelnachweise

  1. a b c Topografische Karte 1:25.000
  2. StA Münster Fstm. Paderborn, Urk. 900, Nr. 10 / Anton Fahne, Urkundenbuch Meschede Nr. 78 und 95
  3. Reinhard Oberschelp, Die Edelherren von Büren, Münster 1963, S. 54.
  4. StA Münster, Msc. II, 71, fol. 119 / G. Landau, „Beiträge zur Geschichte der Schlösser und des niederadelichen Geschlechts von Padberg,“ in: Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates, Band 17., Berlin 1835, S. 84f.
  5. Anton Fahne, Urkundenbuch Meschede Nr. 109
  6. Anton Fahne, Urkundenbuch Meschede Nr. 110
  7. Bruns: Inventar Brilon A Urk. 152
  8. Grafe, Die ehemalige Solstätte Brookhof, S. 32
  9. a b Hömberg, Rittersitze IV, S. 7f.
  10. Anton Fahne, Urkundenbuch Meschede Nr. 620
  11. Die Bezeichnung „Tinne“ ist erst 1701 belegt / Grafe, S. 23
  12. Anton Fahne, Bocholtz II, Urk. Nr. 641 / Hömberg, Rittersitze IV, S. 16
  13. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817 – 1967. Aschendorff, Münster (Westfalen) 1977, ISBN 3-402-05875-8.
  14. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  15. Eduard Belke, Alfred Bruns, Helmut Müller: Kommunale Wappen des Herzogtums Westfalen, Arnsberg 1986, S. 127 ISBN 3-87793-017-4

Weblinks


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