Alois Blumauer
Aloys Blumauer; anonymer Kupferstich.
Stammbuchblatt mit der Silhouette Blumauers

Aloys Blumauer, gelegentl. Alois Blumauer oder Johannes Aloisius Blumauer, (* 21. oder 22. Dezember 1755 in Steyr; † 16. März 1798 in Wien) war ein österreichischer Schriftsteller; seine Pseudonyme waren A. Auer und Aloys Obermayer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Schule und Studium

Blumauer war der Sohn des Gschmeidlers (Kleineisenwarenhändlers) Melchior Friedrich Blumauer und dessen Ehefrau Katharina. Die Familie lebte in Steyr in der Enge Gasse Nr. 2, wo der Vater auch sein Geschäft betrieb. Seit 1910 ist an diesem Anwesen eine Gedenktafel zu Ehren Aloys Blumauers angebracht.

Nach Absolvierung der Grundschule, wechselte Blumauer an das örtliche Jesuitengymnasium. Mit 17 Jahren erreichte Blumauer erfolgreich die Matura (Abitur) und sollte nun auf Wunsch seiner Eltern eine kirchliche Karriere einschlagen. Im Spätsommer 1772 ging er deshalb nach Wien und trat dort als Novize in die Societas Iesu ein. Bereits ein Jahr später, hob Papst Clemens XIV. mit der Bulle Dominus ac redemptor noster den Orden auf. Mit Wirkung vom 16. August 1773 stand Blumauer ohne Anstellung und Einkommen auf der Straße. Da es für ihn unmöglich war, in einem Kloster eines anderen Ordens unterzukommen, begann er an der Universität Wien Philosophie zu studieren.

Hauslehrer - Herausgeber - Zensor - Schriftsteller

Während dieses Studiums machte Blumauer die Bekanntschaft von Joseph von Sonnenfels, der ihm auch verschiedene Anstellungen als Hauslehrer vermittelte. Noch ungesichert ist, ob Blumauer sein Studium mit einem Abschluss krönte. Bereits als Student hatte Blumauer als Schriftsteller debütiert und wurde von der Kritik mit Karl Mastalier und Johann Denis verglichen. Nach eigenen Aussagen versuchte Blumauer in seiner Lyrik anfangs eher Gottfried August Bürger zu imitieren, als Mastalier, Denis oder andere zu übertrumpfen. Der Direktor der Hofbibliothek, Baron Gottfried van Swieten, wurde auf ihn aufmerksam und verschaffte 1780 Blumauer eine Anstellung in den Magazinen der Hofbibliothek.

Blumauers Freund Sonnenfels stellte ihm den Schriftsteller Joseph Franz von Ratschky vor, mit dem Blumauer dann in den Jahren 1781 bis 1794 den Wiener Musenalmanach herausgab. Mit diesem Almanach, den Ratschky 1777 begründet hatte, wurde die Tradition der Pariser Almancs des muses in Wien fortgeführt.

Als sein Gönner van Swieten 1782 auf Anordnung Kaiser Josephs II. die Censur-Commission reformierte, berief er Blumauer zum k. k. Bücher-Zensor; er blieb in dieser Position bis 1793. Da diese Behörde nur sehr halbherzig arbeitete, hatte Blumauer genügend Zeit für seine eigenen literarischen Arbeiten.

Seit Goethes Götz von Berlichingen war diese Thematik in Mode und so konnte Blumauer im November 1780 sein einziges Drama Erwine von Steinheim, am k.k. Nationaltheater zur Aufführung bringen. Die Premiere war ein sehr großer Erfolg und wurde von der offiziellen Kritik wie auch vom Publikum begeistert gefeiert. Der Stil des Stückes erinnert durchaus an den des Sturm und Drang, obwohl Blumauer dies immer abgestritten hatte, da er kein Freund dieser Richtung war.

Freimaurer

1781 wurde Blumauer Freimaurer. Er trat der im selben Jahr gegründeten Wiener Loge Zur wahren Eintracht bei, welche ab 1782 von Ignaz von Born als Meister vom Stuhl geleitet wurde. Blumauers Logenbrüder waren u. a. seine Schriftsteller-Kollegen Johann Baptist von Alxinger, Tobias Gebler, Gottlieb Leon, Joseph Franz von Ratschky, Joseph von Retzer und Joseph von Sonnenfels; allesamt dem Illuminatenorden angehörend, wie auch Blumauer selbst unter dem Ordensnamen 'Hermionius', wobei der Zeitpunkt seiner Mitgliedsaufnahme unbekannt ist.

Redakteur - Lyriker - Dramatiker

Zwischen 1782 bis 1784 war Blumauer der Chefredakteur der Wiener Realzeitung, in welcher aufklärerische, fast schon revolutionäre Ideen publiziert wurden. Diese Zeit war auch seine schöpferischste; u. a. entstand da sein - heute noch gelesenes Werk - Virgils Aeneis, travestiert. Im selben Jahr veröffentlichte er auch seinen ersten Gedichtband, der ebenfalls sehr erfolgreich war und mehrere Auflagen erlebte. Blumauers Aeneis wurde begeistert gelesen und auch gleich in viele europäische Sprachen übersetzt. Gerade bei diesem Werk bemerkt man Blumauers große Vorbilder auf dem Gebiet der Parodie und Travestie. Le Virgile travesty en vers burlesques (Paul Scarron), Pucelle d'Orleans (Voltaire) und auch Rape of locks (Alexander Pope) wären hier zu nennen.

Zwischen 1784 und 1786 betreute Blumauer die Zeitschrift seiner Loge Zur wahren Eintracht. Durch diese Tätigkeit wurde ihm in den Jahren 1787 bis 1789 immer wieder unterstellt, als Herausgeber des Wochenblatts Die Schwarze Zeitung zu fungieren. 1786 war er auch der Loge Zur Wahrheit beigetreten und wurde Redakteur des Wiener Journal für Freymaurer.

Ganz im Sinne der Reformen Kaiser Josef II. trat Blumauer in seiner Aeneis gegen die weltliche Macht der Kirche auf und forderte deren Erneuerung. Viele Anachronismen und Anspielungen auf damalige österreichische Zustände sind in dem Werk zu finden. Goethe soll sich, aber erst nach dem Tode Blumauers, über dessen Aeneis sehr abfällig geäußert haben, was auch daran liegen mag, dass Blumauer sich mit Goethe insofern anlegte, wie er dessen Werther in der Hölle den Richtern vorführen lässt, die ihn dann dem Teufel übergeben:

„D’rauf wurde dem Triumvirat
Herr Werther vorgeführt,
Und von dem höllischen Senat
Sehr scharf examiniert;
Die Herr’n votierten d’rauf, und da
Ward er bei unanimia
Dem Teufel übergeben.“

Im Gegensatz zu anderen Dichtern dieser Zeit, welche das Hohe und Hehre in ihren Gedichten und Balladen besangen, haben Blumauers Gedichte eher prosaischere Titel, wie Ode an den Leibstuhl, An den Magen, An die Langeweile, Lob des Flohs und vieles mehr.

Anlässlich seines Aufenthaltes in Wien segnete Papst Pius VI. die Menge vor dem Stephansdom. Blumauer nahm dabei seinen Hut nicht ab und rechtfertigte sich mit dem Bonmot „Ist der Segen gut, so geht er durch den Hut.“

Mozart und Blumauer

Mit seinem Zeitgenossen Wolfgang Amadeus Mozart hatte Blumauer einige Berührungspunkte. Mozart unterrichtete für einige Zeit die Ehefrau des Hofbuchdruckers und Verlegers Thomas von Trattner und Blumauer prangerte in seinen Schriften (speziell seinem "Aeneas") Trattner als Raubdrucker an, der dieser auch war.

Blumauer und Mozart lernten sich wahrscheinlich im Salon von Thomas von Trattner kennen. Nach heutigem Forschungsstand (2007) beschränkte sich aber ihre Zusammenarbeit nur auf das Lied Das Lied der Freiheit, bei dem Blumauer den Text und Mozart die Melodie beisteuerte.

Beide waren gut befreundet und unterstützten in ihrem künstlerischen Wirken die Aufklärung und Josef II., beiden litten, als noch unter Josef II. die Kontrolle des Staates verschärft wurde, und unter Leopold II. und Franz II. die Monarchie sich in einen Polizeistaat wandelte. Viele ihrer gemeinsamen Freunde wurden verurteilt, manche zum Tode.

Im Jahr 1785 ist eine gemeinsame Reise von Blumauer und Mozart nachgewiesen. Blumauer begleitete Mozart, der auf Einladung von Fürsterzbischof Colloredo nach Salzburg reiste. Bei dieser Gelegenheit besuchten sie auch Mozarts Vater Leopold.

Krankheit - Reisen - Buchhändler

Im Jahre 1785 heiratete Blumauers große Liebe Mimi, die Tochter Ignaz von Borns, nicht ihn, sondern einen italienischen Adeligen. Im selben Jahr noch begann Kaiser Joseph II., die Freimaurerei verbieten zu lassen und ihre Vertreter aus wichtigen Ämtern zu entfernen. In diesen Vorfällen liegen sicherlich die Ursachen für Blumauers Depressionen. In Folge davon erkrankte er an schwerer Wassersucht und war dem Tode nahe. Nur dank der Hilfe zweier befreundeter Ärzte überlebte er. Ab diesem Zeitpunkt begann er zu resignieren und sich aus allen Ämtern und Funktionen zurückzuziehen, auch sein politischer Kampfeswille erlosch.

Zwei Jahre später, einigermaßen genesen, unternahm Blumauer eine Reise nach Berlin und Weimar um Christoph Martin Wieland und Friedrich Justin Bertuch zu besuchen. Beide verehrte er sehr und wollte sie persönlich kennenlernen. Man kann annehmen, dass Wieland Blumauer ebenfalls geschätzt hat, da er - nach eigenen Aussagen - sich freute, diesen im nächsten Jahr wieder zu sehen.

Der Tod von Kaiser Joseph II. zog Veränderungen in vielerlei Hinsicht mit sich. Deshalb verließ Blumauer 1793 den Staatsdienst und übernahm die Gräffersche Buchhandlung, an der er seit 1787 beteiligt war. Ab dieser Zeit veröffentlichte er fast nur noch Bibliographien und Bücherverzeichnisse; seine große Zeit der Parodien war vorbei. Mit seiner Buchhandlung wie auch mit dem angeschlossenem Verlag ging er in Konkurs. Da es zu dieser Zeit auch noch keine rechtliche Absicherung des geistigen Eigentums gab, entgingen ihm die durch Nachdrucke fälligen Tantiemen.

Als unter Kaiser Franz II. 1794 die Verfolgung der Aufklärer, als "Wiener Jakobiner" verschrien, begann, wurde auch kurzfristig Blumauer verhaftet und verhört. In Wien wurden im Juli 1794 rund 30 Personen, allesamt ehemalige Kollegen, Logenbrüder oder Freunde Blumauers wegen angeblicher revolutionärer Verschwörung gegen den Kaiser verhaftet. Im Gegensatz vieler seiner Freunde, kam Blumauer jedoch - mangels an (meist fiktiven) Beweisen - frei. Andere wurden zu langjährigen Haftstrafen(wie Andreas Riedel) oder - wie Franz Hebenstreit zum Tode verurteilt.

Im Alter von 42 Jahren starb Aloys Blumauer am 16. März 1798 in Wien an Lungenschwindsucht. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof von St. Marx; die genaue Lage seines Grabes ist heute nicht mehr feststellbar.

Wirkung

Der Literaturhistoriker Friedrich Wilhelm Ebeling lobte 1869 in seiner Geschichte der komischen Literatur Blumauer und dessen Aeneis-Travestie und bezeichnete sie als einen der besten Texte in der komischen Literatur Deutschlands. Fast 130 Jahre später schreibt Klaus Dürrschmid 1997 in der Zeitschrift Literatur und Kritik: „… Aloys Blumauer kann gesichert als einer der wichtigsten Schriftsteller Österreichs im ausgehenden 18. Jahrhundert bezeichnet werden. Wir können mit Franz Grillparzer, der in seiner Jugend ein großer Freund und auch Nachahmer der Werke von Aloys Blumauer war, durchaus übereinstimmen: ‚Dieses Mannes Werk ist vielleicht das Beste, was je in dem Gebiet der Parodie emporgeblüht ist‘…“

Meyers Konversations-Lexikon würdigt in seiner vierten Auflage (1888-1890) Blumauers Schaffen zusammenfassend: „Sehr beliebt war einst seine Travestie von Vergils Äneide: Abenteuer des frommen Helden Äneas (Wien 1784, oft aufgelegt; mit Anmerkungen und Einleitung hrsg. von Grisebach, Leipz. 1872), deren komische Kraft in dem Gegensatz der modernen Verhältnisse zu denen des Altertums und in der scharfen Satire gegen die Auswüchse der modernen Bildung liegt. Derselbe burleske, auch das Rohe und Plumpe nicht scheuende Humor, der dieses Werk auszeichnet, geht als Hauptzug auch durch die übrigen lyrischen und erzählenden Gedichte Blumauers, die aber nicht selten ganz ins Triviale ausarten; nur wenige sind ernst und würdig gehalten.“

Werke

Werkausgaben

Aloys Blumauers gesammelte Werke. 3 Bände, Scheible, Stuttgart 1839

Monographien

  • Beobachtungen über Österreichs Aufklärung und Litteratur, Geyer, Wien 1970
  • Catalogue raissonné des livres rares et prétieux qui se trouvent chez Blumauer, Selbstverlag, Wien 1797
  • Lob des Flohs. Ausgewählte Gedichte, Hrsg./Nachwort Michael Serrer, Edition XIM Virgines, Düsseldorf 2001, ISBN 3-934268-12-9
  • Virgils Aeneis, travestiert, Edition Praesens, Wien 2005, ISBN 3-7069-0347-4

Zeitschriften

  • Wienerischer Musenalmanach, Gräffer, Wien 1775-1785
  • Wiener Musen-Almanach, Blumauer, Wien 1786-1796, [1797 nicht ersch.], 1802-1803
  • Neuer Wiener Musen-Almanach, Schaumburger, Wien 1798, [1799 nicht ersch.], 1800-1801

Literatur

  • Bärbel Becker-Cantarino: Aloys Blumauer and the literature of Austrian enlightment. Lang, Bern 1973, ISBN 3-261-01270-6.
  • Felix Bobertag (Hrsg.): G. Chr. Lichtenberg, Th. G. von Hippel und A. Blumauer. Sansyusya, Tokio 1974 (Repr. d. Ausg. Berlin 1890).
  • Nikolaus Britz: Aloys Blumauer und Wien. Kleiner literarischer Stadtführer. Bohmann, Wien 1968.
  • Hermine Cloeter: Zwischen Gestern und Heute. Wanderungen durch Wien und den Wienerwald. Schroll, Wien 1918.
  • Franz M. Eybl, Johannes Frimmel, Wynfrid Kriegleder (Hrsg.): Aloys Blumauer und seine Zeit. Winkler, Bochum 2007, ISBN 978-3-89911-077-7.
  • Paul von Hofmann-Wellenhof: Alois Blumauer. Literarhistorische Skizze aus dem Zeitalter der Aufklärung. Konegen, Wien 1885.
  • Helmut Perl: Der Fall Mozart. Aussagen über ein mißverstandenes Genie. Atlantis-Musikverlag, Mainz 2005, ISBN 3-254-00266-0.
  • Ludwig Pullirsch (Hrsg.): Aloys Blumauer, ein vergessener österreichischer Dichter. Denkmayer, Linz 2005, ISBN 3-902488-21-2.
  • Edith Rosenstrauch-Königsberg: Freimaurerei im josephinischen Wien. Aloys Blumauers Weg vom Jesuiten zum Jakobiner. Braumüller, Wien 1975, ISBN 3-7003-0088-3.
  • Hermann Schüttler: Die Mitglieder des Illuminatenordens 1776-1783/93. Verlag Ars Una, München 1991, ISBN 3-89391-018-2.

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