Alois Friedrich von Brühl
Aloysius Friedrich von Brühl

Alois Friedrich Graf von Brühl (* 31. Juli 1739 in Dresden; † 31. Januar 1793 in Berlin) war ein hoher Beamter in Polen und späterer Theaterschriftsteller im Kurfürstentum Sachsen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Er stammte aus dem im 18. Jahrhundert in den Grafenstand erhobenen sächsisch-thüringischen Adelsgeschlecht von Brühl und war der Sohn von Heinrich Graf von Brühl und Maria Anna, geb. Gräfin von Kolowrat-Krakowsky (1717–1762). Um die Macht des Vaters in Polen zu sichern, liess der seinen Sohn als Kind in den polnischen Adel (Szlachta) aufnehmen. Im Alter von elf Jahren wurde der begabte Alois von Brühl bereits zum Gouverneur (Starost) in Warschau ernannt, später bekleidete er die Position eines königlichen Mundschenks (1761-1763) und Krongeneralfeldzeugmeisters. Von 1763 bis 1788 war er General der königlichen Artillerie[1]. Der Vater schickte ihn oft auf diplomatische Missionen. Brühl wirkte sehr positiv auf die Entwicklung in Warschau und das Artilleriewesen. Nach dem Tod seines Vaters 1763 verlor er alle seine Staatsämter im Königreich Polen und im Kurfürstentum Sachsen. Die polnischen Ämter erhielt er nach dessen Krönung von Stanislaus II. August Poniatowski teilweise wieder zurück. 1776 gründete er eine Artillerieschule in Warschau. Auch war er karitativ tätig[2]. Während seiner Zeit in Warschau hielt er sich meist in seinem nördlich ausserhalb der Stadt an der Weichselböschung gelegenen Palais in Młociny (heute im Warschauer Stadtteil Bielany gelegen) auf. 1790 siedelte er von Warschau auf seine Herrschaft Pförten um. Hier widmete et sich verstärkt seiner Leidenschaft, dem Theater. Er schrieb für seine Pförtener Privatbühne zahlreiche Lustspiele, in denen er auch selbst als Schauspieler auftrat.

Alois Friedrich ..., polnischer Kronfeldzeugmeister, der sich durch Schönheit und Körperkraft wie als Maler, Mathematiker und Dichter auszeichnete

– Hellmuth Rößler, 1955,[3]

In erster, politisch motivierter Ehe war er mit Marianna Klementyna Potocka, der Tochter des Kiewer Woiwoden Franciszek Salezy Potocki[4] verheiratet. Die Hochzeit fand 1760 auf dem Potocki-Schloss in Krystynopol (heute: Tscherwonohrad) statt. 1780 heiratete er nach dem Tod seiner ersten Frau deren weitläufige Kusine Maria Teresa Potocka und nach derem Tod 1783 Josefa Christiana Anna Gräfin Schaffgotsch[5]. Aus der zweiten Ehe stammte ein Kind. Aus der Ehe mit Schaffgotsch stammte Friedrich August Graf von Brühl (1791-1856).

Józef Ignacy Kraszewski schrieb Anfang der 1880er Jahre einen historischen Roman über Brühl: Der Gouverneur von Warschau[6].

Werke

  • Theatralische Belustigungen, 5 Bände, 1785–1790

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. gem. Regionalne Stowarzyszenia Promocji Łomianek (Hrsg.), Ewa Pustoły-Kozłowska (red. Leitung), Z Burakowa do pałacu w Młocinach in: Spacerownik po Łomiankach, (spacer 2), S. 20ff. (in Polnisch)
  2. Jerzy Kowalczyk, Die Bedeutung des Wettinischen Königshofes für den kulturellen und künstlerischen Austausch, Sachsen in Polen - Polen in Sachsen in: Rex Rexheuser (Hrsg.), Die Personalunionen von Sachsen-Polen 1697-1763 und Hannover-England 1714-1837. Ein Vergleich, Harrassowitz, ISBN 3-447-05168-X, Wiesbaden 2005, S. 216
  3. Hellmuth Rößler, „Brühl, Heinrich, Reichsgraf“, in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 660-662
  4. Franciszek Salezy Potocki (1700–1772) war ein polnisch-lithauischer Magnat und Woiwode von Kiew
  5. gem. Neill Jeffaries auf Basis Brockhaus und DNB
  6. Originalausgabe: Starosta Warszawski (obrazy historyczne z XVIII wieku), deutsche Übersetzung von Kristiane Lichtenfeld, ISBN 3-7466-1311-6, Aufbau-Verlag, Berlin 2003

Literatur

  • Johann Georg Meusel: Lexikon der vom Jahr 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller. Band 1, 1802. S. 625–627 (GBS)
  • Hans von Krosigk: Karl Graf von Brühl, General-Intendant der Königlichen Schauspiele, später der Museen in Berlin und seine Eltern. Lebensbilder auf Grund der Handschriften des Archivs zu Seifersdorf. Mittler & Sohn, Berlin 1910
  • Juliusz Dudziak: "Alojzy Fryderyk von Brühl (1739 - 1793), Zielona Góra 2010

Weblinks


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