Alois Negrelli
Alois Negrelli, Lithographie von August Prinzhofer, 1845
Gschwendtobelbrücke in Lingenau, errichtet 1830
Die Münsterbrücke in Zürich, errichtet 1836–1838
Münsterbrücke und Kornhaus, errichtet 1838–1839

Alois Negrelli, Ritter von Moldelbe (* 23. Januar 1799 als Luigi Negrelli in dem Dolomitenort Fiera di Primiero, Trentino, damals zu Tirol, Kaiserreich Österreich, heute Italien; † 1. Oktober 1858 in Wien) war ein österreichischer Ingenieur und Pionier des Verkehrsbaus. Negrelli baute Straßen, Brücken, Eisenbahnlinien und einige wenige Kirchen in Österreich, Italien und der Schweiz, in der Schweiz war er Projektleiter für die erste Schweizer Eisenbahn, die Spanischbrötli-Bahn von Zürich nach Baden im Aargau.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach der Schule in Feltre trat er 1820 in die staatlichen Dienste in Tirol und Vorarlberg. Ab 1825 war er der Adjunkt des Bregenzer Kreisingenieurs. Dabei arbeitete er an der Rheinregulierung (Alpenrhein) mit, so dass er schnell auch über die Grenze der Habsburgermonarchie bekannt wurde und 1832 in die neugeschaffene Stelle des Wasserbau- und Straßeninspektors des Schweizer Kantons St. Gallen wechselte. 1836 bekam er in der Stadt Zürich den Auftrag zum Neubau der Münsterbrücke (1836–1838) über die Limmat, in Zusammenarbeit mit dem Zimmermeister Ferdinand Stadler, der das anspruchsvolle hölzerne Stützgerüst baute. Ebenfalls in Zürich verwirklichte er das Kornhaus (1838–1839), in unmittelbarer Nähe der Münsterbrücke.

Als Generalinspektor der Kaiser-Ferdinands-Nordbahngesellschaft baute Negrelli (in Abstimmung mit Gallus Jakob Baumgartner), 1842 bis 1848 zahlreiche Hochbauten der Bahn in Österreich-Ungarn, darunter die Strecke Wien-Olmütz. In Prag trägt heute noch eine Eisenbahnbrücke den Namen Negrelliho viadukt (Negrellibrücke). Zur gleichen Zeit klärte er für die Eidgenossen die Möglichkeiten für den Bau der ersten Eisenbahnverbindung und übernahm als technischer Leiter der Nordbahn den Bau des ersten Abschnittes von Zürich nach Baden. Diese allererste Schweizer Eisenbahn, an der der junge österreichische Ingenieur Negrelli auch maßgeblich mitwirkte ging unter dem Namen Spanisch-Brötli-Bahn in die Schweizer Geschichte ein.

Bereits ab 1836 beschäftigte er sich parallel mit der Planung des Sueskanals, ab 1857 war er der technische Direktor der Suezkanal-Gesellschaft, Ferdinand de Lesseps verschleierte lange Zeit erfolgreich die wahre Autorenschaft der Baupläne. Erst lange Zeit nach dem Tode Negrellis, als Lesseps im Dschungel von Panama an dem nächsten Kanalprojekt scheiterte, kam auch die Wahrheit über die wahre Urheberschaft der Sueskanalpläne ans Tageslicht.

Negrelli wurde in Österreich als Eisenbahnpionier hoch gefeiert. 1850 wurde Negrelli von Kaiser Franz Joseph für seine Verdienste mit dem Orden der Eisernen Krone III. Klasse ausgezeichnet und in den österreichischen Ritterstand erhoben.

Den Adelsnamen von Moldelbe wählte er selbst und das stieß damit auf Widerstand. Denn Luigi Negrelli, selbst gebürtiger „Welschtiroler“, wählte ganz demonstrativ ausgerechnet für sein österreichisches Adelsprädikat, das ihm die Donaumonarchie verleihen wollte, zwei böhmische Flussnamen, nämlich die Moldau und die Elbe. Als er dann noch die österreichische Politik in Lombardo-Venetien kritisiert, fiel er kurzzeitig in Ungnade, wurde danach aber dennoch vom Kaiser zum Generalinspektor der österreichischen Staatsbahnen ernannt.

Eisenbahnpionier und Planer des Suezkanales

In die Zeit seiner Ernennung zum Generalinspektor der österreichischen Staatsbahnen fallen die Planungsarbeiten zum Suezkanal. Der ägyptische Vizekönig Said ernennt ihn im Jahre 1857 nach Vorlage seiner Detailplanung zum Generalinspektor aller ägyptischen Kanalbauten. Die Eröffnungsfeierlichkeiten konnte Negrelli nicht mehr erleben, weil er am 1. Oktober 1858 an den Folgen eines Nierenleidens starb. Lesseps, der sich zuvor ausschließlich um die Finanzierung gekümmert hatte, übernahm ab dann das Projekt, nachdem er nach Negrellis vorzeitigem Ableben auf mysteriöse Art und Weise an die Originalpläne kam. Der Großteil der Originalpläne war angeblich nach einem Kondolenzbesuch Lesseps bei der Witwe Negrellis verschwunden.

In Bezug auf das Suezkanalprojekt schreibt Negrelli in „Die gegenwärtigen Transport- und Kommunikationsmittel Egyptens“ 1856:

Die Verbindung der beiden Meere mittelst eines maritimen Kanals ist demnach sowohl für die Entfaltung des Welthandels durch Abkürzung des Weges zwischen Europa und den am indischen Ozean gelegenen reichen Ländern der alten Welt, als auch für die Belebung der Küstenfahrt Egyptens, verbunden mit dem Aufblühen der inneren Wohlfahrt dieses gesegneten Landes, eine unbestreitbare Nothwendigkeit.:(eLibrary Austria Projekt (eLib Text – Auszug aus dem Werk))

Lesseps und Negrelli (Probleme über die Urheberschaft der Suezkanal-Pläne)

Dem Franzosen Lesseps kam das allerdings ganz recht, so konnte er sich nach dem Tod Negrellis als alleiniger Schöpfer und Erbauer des Suezkanals feiern lassen, dessen Pläne der Eisenbahnpionier aus den Alpen seit 1838 entwarf. So fuhr er an der Spitze einer langen Reihe von Schiffen an Bord des Schiffes L'Aigle (der Adler) mit der französischen Kaiserin Eugénie, die entfernt mit ihm verwandt war, sowie seinen beiden Söhnen Charles und Victor als Erster durch den Kanal. Verdis Oper Aida, die zur Eröffnung leider nicht rechtzeitig fertig wurde, wurde im Dezember in Kairo aufgeführt.

Der Historiker Ernesto Kienitz schrieb über das Verhalten Lesseps':

Es ist für den Charakter von Lesseps bezeichnend, dass er lange Zeit erfolgreich die wahre Autorenschaft der Baupläne verschleiert hat, indem er sich den Anschein gab, er wüsste nichts davon, dass andere schon längst sehr ernsthaft an den Entwürfen zur Durchstechung der Landenge von Suez gearbeitet hatten. Man mag über diese Skrupellosigkeit seines Charakters den Stab brechen; trotzdem ist es zu bewundern, dass Lesseps die sich ihm immer wieder in den Weg stellenden Schwierigkeiten besonders finanzieller und politischer Art überwand.

Lesseps und die Suezkanalgesellschaft mussten wahrlich logistisch viel leisten. So beschreibt diese kurze Passage die Probleme:

Die Bauarbeiten begannen am 25. April 1859 und dauerten über zehn Jahre. Alles Material, alle Werkzeuge, Maschinen, Kohlen, Eisen und jedes Stück Holz wurde aus Europa geholt. Die Zahl der Arbeitskräfte – überwiegend Zwangsarbeiter – betrug insgesamt 1,5 Millionen Menschen. 25.000 desertierten. 125.000 starben, hauptsächlich an der Cholera. Rund 291 Millionen Francs verschlang der Bau. Allein die Festlichkeiten zur Eröffnung sollen den Vizekönig 20 Millionen gekostet haben. Die höchsten Ausgaben – nämlich 8000 Francs täglich – verursachte übrigens der Transport von Trinkwasser, für den 1.800 Lastkamele ständig bewegt werden mussten.

Die Donaumonarchie, die selbst keine Überseekolonien besaß, verlor nach dem Verlust Oberitaliens auch ihr früheres Interesse an dem kürzeren Landweg nach Indien. Und so bekam Negrelli, erst gut ein Jahrhundert später, wenigstens eine Alois-Negrelli-Gasse, eine kleine Gasse im 21. Wiener Bezirk, die, 400 Meter lang, die Donaufelder Straße mit der Neumanngasse verbindet . Weitere nach ihm benannte Straßen finden sich auch in anderen österreichischen Orten - z. B. in Guntramsdorf südlich von Wien sowie in Rankweil/VLBG (in dieser Straße befindet sich die Höhere Technische Bundes Lehr- und Versuchsanstalt für Hoch- und Tiefbau), in Lustenau (510 m, benannt 1965) und in Hohenems/VLBG. In Triest existiert eine "Via Luigi Negrelli". Negrellis Denkmal in Ägypten ist seit dem Sechs-Tage-Krieg verschwunden.

Nur dank des Engagements einiger österreichischer Historiker und Ingenieure ist das Gedenken über den wahren Suezkanalschöpfer doch ein wenig wiedererweckt worden.

Er ruht in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32 A, Nummer 23).

Werke

  • „Ausflug nach Frankreich, England und Belgien zur Beobachtung der dortigen Eisenbahnen, mit einem Anhange über Anwenudung von Eisenbahnen in Gebirgsländern“; L. Negrelli, Oberingenieur der Kaufmannschaft in Zürich.; Frauenfeld, 1838
  • „Die gegenwärtigen Transport- und Kommunikationsmittel Egyptens“; Alois Negrelli von Moldelbe; 1856

Literatur

  • Negrelli von Moldelbe, Alois Ritter von in Constant von Wurzbach Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, 20. Band, Wien 1869 (Online Version)
  • Birk, Alfred: Alois von Negrelli. Wien, Braumüller, 1. 1915, 2. 1925
  • Negrelli-Moldelbe, Nikolaus: Die Lüge von Suez. Der Lebenskampf des deutschen Ingenieurs Alois von Negrelli. Darmstadt/Berlin, Vorwerk-Verlag, 1940
  • Bußjäger, Peter: Alois Negrelli und seine Spuren in Vorarlberg. Bludenz, Geschichtsverein Region Bludenz, 1997
  • Dultinger, Josef: Alois Negrelli. Innsbruck, Rauchdruck, 1993

Weblinks


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