Alois Permaneder

Buddenbrooks: Verfall einer Familie ist der erste Roman von Thomas Mann und der erste Gesellschaftsroman deutscher Sprache von Weltrang.[1] Er schildert Stolz, Glanz und Kultur der Kaufmannsfamilie Buddenbrook und ihren langsamen Verfall während vier Generationen in den Jahren von 1835 bis 1877. Für den Schauplatz und die Figuren des Romans bestehen einige Parallelen zu der Familie Mann in Lübeck.

Thomas Mann, um 1900
Verlagseinband des Erstdrucks

Inhaltsverzeichnis

Entstehungs- und Wirkungsgeschichte

Entstehung

Ein Band mit Novellen Manns war 1898 im S. Fischer Verlag unter dem Titel Der kleine Herr Friedemann erschienen. Der Verleger Samuel Fischer hatte das Talent des jungen Autors erkannt und ermutigte ihn in einem Brief vom 29. Mai 1897, einen Roman zu schreiben: „Ich würde mich aber freuen, wenn Sie mir Gelegenheit geben würden, ein größeres Prosawerk von Ihnen zu veröffentlichen, vielleicht einen Roman, wenn er auch nicht so lang ist.“.

Buddenbrooks entstand in der Zeit von Oktober 1897 bis zum 18. Juli 1900. Mann erwähnt den Roman erstmals in einem Brief an einen Freund, Otto Grautoff, vom 20. August 1897. Im Verlauf der nächsten Jahre wuchs der Roman zu seinem heute bekannten Umfang an. Am 18. Juli 1900 schloss Thomas Mann das Manuskript ab und schickte es am 13. August 1900 an Samuel Fischer. Der Verleger bat den Autor zunächst, das Manuskript um die Hälfte zu kürzen, was dieser jedoch ablehnte. Schließlich erschien der Roman ungekürzt.

Startschwierigkeiten und Nobelpreis für Literatur

Das Werk wurde am 26. Februar 1901[2] veröffentlicht, zweibändig, in einer Auflage von 1.000 Exemplaren. Der Verkauf war schleppend. Der für die damalige Zeit hohe Preis von 12 Mark (geheftet) und 14 Mark (gebunden) behinderte wahrscheinlich den Absatz. Die einbändige 2. Auflage von 1903 mit 2.000 Exemplaren, gebunden für 6 Mark, geheftet für 5 Mark und mit der Einbandgestaltung von Wilhelm Schulz brachte den Erfolg. 1918 waren 100.000 Exemplare verkauft. Im Dezember 1930 erschien eine Auflage von 1 Million Exemplaren zu einem herabgesetzten Preis, die sog. Volksausgabe für 2,85 Mark.

Am 12. November 1929 erhielt Thomas Mann für die Buddenbrooks den Nobelpreis für Literatur. Bis 1975 wurden laut Thomas Mann. Wirkung und Gegenwart von Wolfgang Mertz[3] vier Millionen Exemplare in deutscher Sprache verkauft. Von 2000 bis Mitte 2005 wurden 280.000 Exemplare verkauft. Das Werk erreichte bis heute eine Auflage von etwa sechs Millionen Exemplaren und wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt.

Reaktionen in Lübeck

In Lübeck wurde der Roman zunächst als Schlüsselroman aufgenommen. Personen, die sich porträtiert sahen, waren entrüstet. In der Stadt kursierten Entschlüsselungslisten und ein Proteststurm erhob sich.

Der Entrüstung in Lübeck begegnete Thomas Mann mit dem Essay „Bilse und Ich“ (1906). In ihm verteidigt er das Recht des Schriftstellers/Dichters, Vorlagen aus der Realität kompositorisch zu verwenden.

[…] Fragt nicht immer, wer soll das sein. […] Sagt nicht immer, das bin ich, das ist jener. Es sind nur Äußerungen des Künstlers gelegentlich Eurer. Stört nicht mit Klatsch und Schmähungen seine Freiheit.[4]

Offizielle Diffamierung ab 1936

Zu Beginn des Nationalsozialismus 1933 war das Verhältnis Thomas Manns zum offiziellen, politischen Deutschland von Ambivalenz geprägt. Bis 1936 durften seine Bücher noch in Deutschland erscheinen. Erst nachdem Mann sich in einem offenen Brief an den Rektor der Universität Bonn gegen das Regime aussprach und die tschechische Staatsbürgerschaft annahm, erschien sein Gesamtwerk auf der Liste des „schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ des Propagandaministeriums. Erstmals belegt ist dies für den 9. Dezember 1936. Seine Bücher wurden in deutschen Buchhandlungen beschlagnahmt, die Presse angewiesen, über ihn zu schweigen.

Nach 1945

Mit dem Erscheinen preiswerter Taschenbuchausgaben nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Gesamtauflage des Romans auf mehrere Millionen an. Bis 1994 waren die Buddenbrooks in über 30 Sprachen übersetzt worden. Neues Interesse erwachte mit dem Film von Heinrich Breloer, Die Manns – Ein Jahrhundertroman, und der Feier von Thomas Manns 50. Todestag am 12. August 2005. 2002 erschien eine neu edierte Ausgabe der Buddenbrooks mit Kommentarband im Rahmen der „Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe der Werke“ Thomas Manns.

Inhalt

Der Roman ist in elf Teile gegliedert, die jeweils eine unterschiedliche Zahl von Kapiteln enthalten.

Erster Teil

Das „Buddenbrook-Haus“ in Lübeck um 1870

An einem Donnerstag im Oktober 1835 haben Buddenbrooks ihre Familienangehörigen, Bekannte und Geschäftsfreunde auf ein ganz einfaches Mittagsbrot in ihr neues Haus gebeten, nach großbürgerlicher Sitte für den späten Nachmittag. Das neue Heim, als Gebäude und Anwesen gleichermaßen weitläufig, war erst kürzlich von der Konkurs gegangenen Familie Ratenkamp für 100.000 Kurantmark erworben worden. Die Errichtung des repräsentativen Hauses, in der Lübecker Mengstraße gelegen, geht auf das Jahr 1682 zurück.

Im Eröffnungsteil werden dem Leser drei Generationen der Familie Buddenbrook vorgestellt: Das energische Familienoberhaupt Johann Buddenbrook d. Ä. und dessen Gattin Antoinette; ihrer beider Sohn Johann Buddenbrook d. J. (genannt Jean) nebst Gattin Elisabeth; dazu die Kinder der beiden, die achtjährige Tony (ihr gibt Thomas Mann die ersten Worte des Romans), der neunjährige Thomas und der siebenjährige Christian. - Auch die Gäste sind Teil des künftigen Romanpersonals.

Johann Buddenbrook d. Ä. ist Inhaber der Getreidegroßhandlung Buddenbrook, die er von seinem Vater, dem Firmengründer, übernommen hat. Sein Sohn Jean ist Associé im Familienunternehmen und steht seinem Vater an Geschäftstüchtigkeit in nichts nach. Schon manches Mal war er ihm im entschlossenen Ergreifen des Vorteils überlegen gewesen. Doch im Gegensatz zu seinem unsentimentalen Vater hat er einen Hang zu pietistischer Frömmigkeit. Stets ist er darauf bedacht, als Mensch von religiösem Empfinden wahrgenommen zu werden.

Gegessen wird von Meißner Tellern mit Goldrand und mit schwerem Silberbesteck. Das ganz einfache Mittagsbrot besteht aus Kräutersuppe nebst geröstetem Brot, Fisch, einem kolossalen, ziegelroten, panierten Schinken mit Schalottensauce und einer solchen Menge von Gemüsen, daß alle aus einer einzigen Schüssel sich hätten sättigen können. Darauf folgt Plettenpudding, ein schichtweises Gemisch aus Makronen, Himbeeren, Biskuits und Eiercreme, zu dem goldgelber, traubensüßer alter Malvesier in kleinen Dessertweingläsern gereicht wird. Abschließend trägt das Folgmädchen[5] noch Butter, Käse und Früchte auf.

In einer kontrastierenden Parallelhandlung wird der nicht anwesende Sohn des Familienoberhauptes, Gotthold Buddenbrook, der vor Jahren verstoßen wurde, um einen Teil seines Erbes gebracht. Senior- und Juniorchef sprechen sich ab, nachdem die Gäste gegangen sind und alle Kerzen bis auf eine gelöscht wurden. Bei ihrem verglimmenden Licht, fast schon im Dunkeln, überredet der pietistisch-fromme Jean seinen Vater, die Forderung Gottholds abzuweisen, – guten Gewissens, da so das Firmenvermögen nicht geschmälert wird.

Gotthold Buddenbrook war wegen einer unstandesgemäßen Heirat verstoßen worden. Er hatte, dem strengen Verbot des Familienoberhauptes zum Trotz, eine Mamsell Stüwing geehelicht und damit nicht in eine Firma, sondern in einen Laden eingeheiratet. In der giebligen, überschaubaren Handelsstadt wurde haarscharf unterschieden zwischen den ersten und zweiten Kreisen, zwischen Mittelstand und geringem Mittelstand.

Zweiter Teil

Buddenbrooks führen eine Familienchronik, ein dickes Goldschnittheft, dessen Aufzeichnungen bis zum Ende des 16. Jahrhunderts zurückreichen. Am 14. April 1838 hält Jean Buddenbrook heiter und in frommer Dankbarkeit die Geburt seiner Tochter Clara fest, seines vierten Kindes. Im Rückblättern stößt er auf die Zeilen, die seine Verheiratung betreffen. Diese Verbindung war, sollte er ehrlich sein, nicht gerade das gewesen, was man eine Liebesheirat nennt. Sein Vater hatte ihm auf die Schulter geklopft und ihn auf die Tochter des reichen Kröger, die der Firma eine stattliche Mitgift zuführte, aufmerksam gemacht, er war von Herzen einverstanden gewesen und hatte fortan seine Gattin verehrt, als die ihm von Gott vertraute Gefährtin…. Mit der zweiten Heirat seines Vaters [der in jungen Jahren bereits verwitwet war] hatte es sich ja nicht anders verhalten.

In der Stadt hat die Familie Hagenström Fuß gefasst. Herr Hagenström ist Mitinhaber der Exportfirma Strunck & Hagenström und hat sich – was in den ersten Kreisen der Stadt mit Befremden aufgenommen wurde – in eine reiche jüdische Familie aus Frankfurt eingeheiratet. Hagenströms konkurrieren schon bald mit Buddenbrooks, geschäftlich wie in städtischen Angelegenheiten. Auch die Kinder beider Familien rivalisieren. Als Hagenströms Sohn, der kleine Hermann, auf dem gemeinsamen Schulweg im Tausch gegen sein Frühstück einen Kuss von Tony einfordert, wehrt sie ihn aus Standesdünkel ab. Seine Schwester mischt sich ein und es kommt zu einer Rauferei zwischen den Mädchen. Fortan gehen sich die Kinder aus dem Weg.

1842 stirbt nach kurzer Krankheit die Ehefrau von Johann Buddenbrook d. Ä. Nach ihrem Tod wird Johann Buddenbrook d. Ä. immer apathischer und zieht sich schließlich aus der Firma zurück. Jean Buddenbrook ist jetzt alleiniger Inhaber der traditionsreichen, 1768 gegründeten Getreidehandlung. Im März 1842, wenige Monate nach dem Dahinscheiden seiner Frau, stirbt auch Johann Buddenbrook d. Ä. einen sanften Tod.

Nach Ostern 1842 tritt Thomas Buddenbrook, sechzehnjährig, als Lehrling in die Firma ein; er arbeitet mit Hingabe, den stillen und zähen Fleiß des Vaters nachahmend. Der Firma, diesem vergötterten Begriff, sind nach Auszahlung von Erbansprüchen und Vermächtnissen bedeutende Mittel verloren gegangen. In einer nächtlichen Unterredung klärt Jean Buddenbrook seine Frau darüber auf, dass die Familie nicht so ungemein reich ist.

Der Gymnasiast Christian Buddenbrook erregt den Unmut seines Vaters, als ruchbar wird, dass der vierzehnjährige Knirps mit einem Bukett für 1 Mark 8 ½ Schilling, einem ansehnlichen Betrag, in die Garderobe einer Schauspielerin des Stadttheaters marschiert ist, einer Demoiselle Meyer-de la Grange. Die junge Künstlerin ist die Geliebte eines allgemein bekannten Lebemannes, der zugegen ist, als der junge Christian seine drollige Aufwartung macht. Der Vorfall hat sich in der engen Stadt schnell herumgesprochen.

Tony muss wegen des Austausches von Liebesbriefen mit einem Gymnasiasten in ein Mädchenpensionat. Geleitet wird es von der buckligen, kleinwüchsigen Therese Weichbrodt. Tony verlebt hier glückliche Jahre.

Dritter Teil

Tony Buddenbrook ist 18 Jahre alt. Der Hamburger Kaufmann Bendix Grünlich hat bei Tonys Eltern um ihre Hand angehalten. Tony ist bestürzt. „Was will dieser Mensch von mir -! Was habe ich ihm getan -?“ und bricht in Tränen aus. Die Mutter redet ihr zu: „Die Verbindung, die sich dir darbietet, ist vollkommen das, was man eine gute Partie nennt, meine liebe Tony. […] du hast Zeit zur Überlegung. […] Aber wir müssen zu Bedenken geben, daß eine solche Gelegenheit, dein Glück zu machen, sich nicht alle Tage bietet, und daß diese Heirat genau das ist, was Pflicht und Bestimmung dir vorschreiben. Ja, mein Kind, das muß ich dir vorhalten.“

Tonys Vater bespricht sich mit der Mutter, nachdem er Grünlichs Geschäftsbücher eingesehen und sich in Hamburg über ihn erkundigt hat: „Ich kann nicht anders, als diese Heirat, die der Familie und der Firma nur zum Vorteil gereichen würde, dringend erwünschen! […] denn noch eines, Bethsy, und das kann ich nicht oft genug wiederholen: […] Die Geschäfte gehen ruhig, ach, allzu ruhig. […] Wir sind nicht vorwärts gekommen, seit Vater abberufen wurde.“

Grünlich macht Tony hartnäckig den Hof. Tony ist deprimiert, verliert ihre gewohnte Frische und magert ab. Der Vater verordnet einen Erholungsaufenthalt an der Ostsee, in Travemünde, im Haus des ihm gut bekannten Lotsenkommandanten Schwarzkopf. Dort lernt sie dessen Sohn kennen, den Medizinstudenten Morten, der während der Semesterferien nach Hause gekommen ist. Beide verlieben sich ineinander. Tony sagt Morten zu, Grünlich nicht zu erhören und auf Mortens Doktorexamen zu warten. Dann will er bei ihren Eltern um ihre Hand anhalten. In einem Brief schreibt Tony ihrem Vater „Dir, dem besten Vater, kann ich es ja sagen, daß ich anderweitig gebunden bin an jemanden, der mich liebt, und den ich liebe, daß es sich gar nicht sagen läßt.“ Ihren gemeinsamen Lebensplan teilt sie dem Vater ebenfalls mit.

Der Vater schreibt zurück, Grünlich drohe mit Selbstmord, falls er abgewiesen werde, und appelliert an Tonys Christenpflicht. In Hinblick auf die tradierten Heiratsentscheidungen von Familie und Firma Buddenbrook ermahnt er Tony: „Du müßtest nicht meine Tochter sein, nicht die Enkelin Deines in Gott ruhenden Großvaters und überhaupt nicht ein würdiges Glied unserer Familie, wenn Du ernstlich im Sinn hättest, Du allein, mit Trotz und Flattersinn Deine eigenen, unordentlichen Pfade zu gehen.“

Von Tonys Vater informiert, kommt Grünlich nach Travemünde, stellt sich Mortens Vater als Geschäftsfreund von Konsul Buddenbrook vor (diesen Titel führt Jean Buddenbrook), gibt sich den Anschein, mit Tony so gut wie verlobt zu sein und beruft sich auf ältere Rechte. Der biedere Lotsenkommandeur, der die Standesgrenzen seiner Zeit respektiert, rüffelt seinen Sohn. Mit dem gegenseitigen Versprechen von Tony und Morten ist es aus.[6]

Tony unterwirft sich der Familienräson. Sie selbst trägt eines Morgens stolz ihre Verlobung mit Grünlich in die Familienchronik ein, da sie der Meinung ist, mit der Verlobung der Familie zu dienen. Grünlich erhält von Jean Buddenbrook eine Mitgift von 80.000 Mark. Zu Beginn des Jahres 1846 heiratet Tony Buddenbrook Bendix Grünlich, Kaufmann zu Hamburg.

Thomas bricht nach Amsterdam auf, um seine kaufmännischen Kenntnisse zu erweitern. Zuvor verabschiedet er sich von seiner heimlichen Geliebten, der schönen, aber armen Blumenverkäuferin Anna. Thomas löst die Verbindung ganz. Seine Entscheidung rechtfertigt er gegenüber Anna damit, dass er später einmal die Firma übernehmen werde. In dieser Rolle habe er, was Familiengründung betrifft, eine Partie zu machen.

Vierter Teil

Am 8. Oktober 1846 bringt Tony ihre Tochter Erika zur Welt. Grünlich hat außerhalb Hamburgs eine Villa gekauft. Für gemeinsame Hamburg-Besuche wird eine Mietkutsche bestellt. Er selbst fährt morgens mit dem kleinen gelben Wagen [7] in die Stadt und kommt erst abends zurück.

Jean Buddenbrook verliert durch den Bankrott eines Geschäftspartners in Bremen auf einen Schlag 80.000 Mark. In Lübeck muss er all die plötzliche Kälte, die Zurückhaltung, das Mißtrauen auskosten, welche eine solche Schwächung des Betriebskapitals bei Banken, Freunden, bei Firmen im Ausland hervorzurufen pflegt. Dazu ist Grünlich zahlungsunfähig geworden. Jean Buddenbrook besucht Tony in Hamburg und klärt sie über die finanzielle Situation ihres Gatten auf. Tony ist aus Pflichtgefühl bereit, Grünlich in die Armut zu folgen. Geschähe dies aus Liebe, so erwägt Jean, müsste er Tochter und Enkelkind vor dieser Katastrophe bewahren und Grünlich um jeden Preis halten. Er entschuldigt sich nun bei Tony, sie damals in die Ehe mit Grünlich gedrängt zu haben, dass er sein Handeln in dieser Stunde aufrichtig bereue. Unter Tränen gesteht Tony, Grünlich niemals geliebt zu haben. „Er war mir immer widerlich … weißt du das denn nicht?“ Um der Firma kein weiteres Geld zu entziehen, kommen beide überein, dass Tony Grünlich verlässt und sich wegen Unfähigkeit Grünlichs, für Frau und Kind zu sorgen, von ihm scheiden lässt. „Das Wort „Firma“ hatte eingeschlagen. Höchst wahrscheinlich wirkte es entscheidender als selbst ihre Abneigung gegen Herrn Grünlich.“

In Gegenwart von Grünlichs Bankier, dem mephistophelisch-boshaften Kesselmeyer, sieht Jean Buddenbrook erneut in die Geschäftsbücher seines Schwiegersohnes ein. Von Kesselmeyer erfährt er, dass er bei seinen früheren Erkundigungen über Grünlich ausgerechnet an dessen Gläubiger geraten war. Sie hatten, um ihre ausstehenden Forderungen an Grünlich abzusichern, dessen geschäftliche Situation schön geredet. Dazu waren Grünlichs Geschäftsbücher, über die sich Jean seiner Frau gegenüber so lobend geäußert hatte, gefälscht. Jetzt, von Kesselmeyer höhnisch beglaubigt, sieht er die echten Zahlen.

Die Revolution 1848 nimmt in Lübeck einen äußerst glimpflichen Verlauf, nicht zuletzt durch das beherzte Eingreifen Jean Buddenbrooks, das weiter unten ausführlich geschildert wird. Aber sein Schwiegervater Lebrecht Kröger stirbt vor Aufregung über die Canaille in Jeans Armen.

1850 stirbt auch Jeans Schwiegermutter, und dem Hause Buddenbrook fällt eine immense Erbschaft zu.

Christian Buddenbrook, der studieren und einen akademischen Beruf wählen sollte, hatte diese Laufbahn abgebrochen und war als kaufmännischer Lehrling in eine Londoner Handelsfirma eingetreten. Inzwischen hat ihn seine Unstetigkeit nach Valparaíso in Chile geführt. Die mit Buddenbrooks konkurrierenden Hagenströms kommen weiter voran. Jean Buddenbrook stirbt unerwartet 1855.

Fünfter Teil

1855 ist Thomas mit 29 Jahren Chef der Firma Buddenbrook und Familienoberhaupt. Das Kapital beläuft sich auf 750.000 Mark. Elisabeth, die Witwe Jeans, wird als Universalerbin eingesetzt, was sich später als verhängnisvoll erweisen wird. Der langjährige Prokurist Friedrich Wilhelm Marcus avanciert auf testamentarischen Wunsch des verstorbenen Jean Buddenbrook zum Teilhaber und bringt ein Eigenkapital von 120.000 Mark ein. Fortan ist er gemäß dieser Quote am Gewinn beteiligt. Das Firmenvermögen (ohne Grundbesitz) erhöht sich mit Marcus’ Einlage auf 870.000 Mark. Trotzdem ist Thomas unzufrieden. Johann Buddenbrook hatte in seiner besten Zeit über 900.000 verfügt.

Der junge Chef bringt Frische und Unternehmungsgeist in die Firma, auch wenn er den bedenklichen Herrn Marcus wie „eine Bleikugel“ hinter sich herziehen muss. In geschäftlichen Verhandlungen setzt Thomas geschickt die Wirkung seiner Persönlichkeit ein. Er ist beliebt, auch bei den Bediensteten des Hauswesens in der Mengstraße, den Kapitänen seiner Handelsfirma, den Geschäftsführern in den Speicherkontors, den Fuhrleuten und den Lagerarbeitern.

1856 kehrt nach achtjähriger Abwesenheit Christian auf Wunsch der Mutter aus Übersee zurück, – in großkariertem Anzug und mit Manieren, die den englischen Stil imitieren. Thomas stellt ihn als Prokuristen ein, als Nachfolger von Herrn Marcus. Im Kontor erweist sich Christian ziemlich schnell als Bummler. Thomas gegenüber macht er keinen Hehl aus seiner Verachtung der Arbeit. Seine eigentlichen Talente, die nichts mit Fleiß und Stetigkeit zu tun haben, kommen im Herrenclub zur Geltung. Dort ist er mit seiner amüsanten, gesellschaftlichen Begabung beliebt und sorgt mit kleinen improvisierten Auftritten für die Unterhaltung der anwesenden Herrschaften.

Nach Jean Buddenbrooks Tod hält seine Witwe Elisabeth das frömmlerische Treiben im Hause aufrecht und steigert es noch. Sie hält täglich Andachten, eröffnet für kleine Mädchen eine Sonntagsschule in den hinteren Kontorräumen und richtet für ältere Damen den wöchentlichen Jerusalemsabend ein. Pastoren und Missionare gehen ein und aus, darunter auch Pastor Sievert Tiburtius aus Riga. Tiburtius hält um die Hand der neunzehnjährigen Clara an, der jüngsten Tochter der Familie.

Thomas weilt geschäftlich in Amsterdam. In einem Brief teilt er mit, seine künftige Gattin gefunden zu haben (s. Abschnitt Gerda Buddenbrook, geborene Arnoldsen). Nach Ende des Trauerjahres heiraten im Dezember 1856 Clara und Tiburtius, zu Beginn des Jahres 1857 Thomas und Gerda. Mit Gerda Arnoldsen fließen dem Hause Buddenbrook 100.000 Taler (300.000 Mark) Mitgift zu.

Während der zweimonatigen Hochzeitsreise von Thomas und Gerda durch Oberitalien richtet Tony ein von Thomas gekauftes Haus für das junge Ehepaar ein. Nach dessen Rückkehr gesteht Tony ihrem Bruder, dass sie gern wieder verheiratet wäre.

Sechster Teil

Thomas und Gerda Buddenbrook haben ihre erste Mittagsgesellschaft gegeben. Das Dinner zog sich von fünf bis elf Uhr hin. An der Börse sprach man acht Tage lang in den lobendsten Ausdrücken davon. Wahrhaftig, es hatte sich gezeigt, dass die junge Frau Konsulin [8] zu repräsentieren verstand.

Tony kehrt gut gelaunt von einem längeren Aufenthalt in München zurück. Dort hat sie Alois Permaneder kennen gelernt, einen Teilhaber einer Hopfenhandlung und Junggesellen. Thomas leidet unter der Geschwätzigkeit von Christian. Vor allem dessen Mitteilungen über ständig wechselnde Krankheitsanzeichen empfindet er als unbeherrscht und formlos. In der Stadt wird Christian Buddenbrook nur Krischan genannt, wenn die Rede auf ihn kommt. Seine Clownerien im Klub sind stadtbekannt. Am meisten stört Thomas, dass Christian seine Liebschaft mit einer Statistin vom Sommertheater nicht verheimlicht, wie die Solidität der giebeligen Stadt es gebietet, sondern mit der vom Tivoli auf offener, hellichter Straße gesehen wird.

Nachdem Christian im Klub geäußert hatte, eigentlich und bei Lichte besehen sei doch jeder Geschäftsmann ein Gauner, kommt es zwischen den Brüdern zum Eklat. In einer Unterredung unter vier Augen bringt Thomas seinen Bruder dazu, die Buddenbrooksche Firma zu verlassen. Mit einem Vorschuss auf sein künftiges Erbe wird Christian Teilhaber einer Hamburger Handelsfirma.

Tony hofft auf eine Ehe mit dem Hopfenhändler Permaneder, ihrer Münchener Bekanntschaft, – einem Mann von Vierzig und mit Seehundsschnauzbart. Tonys Kommentar: "Es handelt sich diesmal nicht um eine glänzende Partie, sondern nur darum, daß die Scharte von damals durch eine zweite Ehe so ungefähr wieder ausgewetzt wird."

Die Ehe kommt zustande und Tony zieht nach München. Zu ihrer Enttäuschung setzt sich Herr Permaneder mit den Zinsen aus Tonys Mitgift von 17.000 Talern (51.000 Mark) zur Ruhe. Eine gemeinsame Tochter stirbt kurz nach der Geburt. Eines Nachts überrascht Tony ihren Gatten, als er betrunken der sich lebhaft wehrenden Köchin seinen Seehundsschnauzbart ins Gesicht zu drücken versucht. Tony kanzelt ihn ab und lässt ihn stehen. Herr Permaneder ruft ihr ein Wort nach, so unaussprechlich, dass sie es nicht über die Lippen bringen kann.

„Das Wort“ – Tony weigert sich hartnäckig, es preiszugeben – nimmt sie zum Anlass, sich von dem Mann ohne Ehrgeiz, ohne Streben, ohne Ziele scheiden zu lassen. Der Skandal einer zweiten Scheidung tangiert sie nicht. Thomas kann sie nicht umstimmen. Herr Permaneder willigt in die Scheidung ein und gibt Tonys Mitgift zurück.

Siebter Teil

1861 wird Hanno, Thomas’ und Gerdas Sohn, geboren. Er erhält die Namen Justus, Johann, Kaspar. Die Taufe findet im Haus von Thomas Buddenbrook statt. Einer der beiden Taufpaten ist der regierende Bürgermeister. Eingefädelt wurde die Patenschaft von Konsul Thomas Buddenbrook und Mme Tony Permaneder. Es ist ein Ereignis, ein Sieg! – Als letzter Gratulant erscheint der Speicherarbeiter Grobleben, der im Nebenverdienst die Stiefel von Thomas’ Familie putzt. Seine improvisierten Worte geraten dem unbeholfenen Mann wider Willen zu einer Art Grabrede. Thomas Buddenbrook springt ein und verhilft Grobleben zu einem glimpflichen Abgang.

Christian Buddenbrook ist jetzt 33 Jahre alt, dazu deutlich vorgealtert. Seine hypochondrischen Klagen muten wahnhaft an. In Hamburg hatte er die Firma, in die er als Teilhaber eingetreten war, nach dem Tod seines Partners gegen den Rat seines Bruders als alleiniger Inhaber weiter geführt. Jetzt steht er vor dem Bankrott. Bethsy Buddenbrook, seine Mutter, zahlt ihm einen weiteren Vorschuss auf sein Erbe von 5.000 Talern (15.000 Mark) aus. Christian kann seine Schulden begleichen und einen Bankrott vermeiden. Er will nun nach London gehen und dort eine Stelle annehmen. Mit Aline, der Statistin vom Tivoli, hat er inzwischen eine uneheliche Tochter.

Thomas Buddenbrook wird zum Senator in seiner Vaterstadt gewählt. Nur knapp kann er seinen Konkurrenten Hermann Hagenström ausstechen, jenen Hermann Hagenström, dem in gemeinsamen Kindertagen Tony einen Kuss verweigert hatte. Hagenströms gehören mittlerweile zu den fünf oder sechs herrschenden Familien der Stadt.

1863 floriert die Firma wie zu Zeiten von Johann Buddenbrook d. Ä. Doch Thomas spürt ein Nachlassen seiner Spannkraft, eine raschere Abnützbarkeit. In dem Wunsch nach einer radikalen Änderung, nach Ausscheidung alles Alten und Überflüssigen lässt sich Thomas ein neues, prächtiges Haus bauen. 1864 wird es bezogen.

Christian telegrafiert aus London, Aline Puvogel heiraten zu wollen, was von seiner Mutter aufs strengste zurückgewiesen wird.

Die Entwicklung des kleinen Hanno, des künftigen Chefs der Firma Buddenbrook, verzögert sich. Erst spät lernt er Laufen und Sprechen.

Ein ungünstiger Geschäftsabschluss und ein Rededuell in städtischen Angelegenheiten, bei dem er Hermann Hagenström unterliegt, lassen Thomas Buddenbrook ahnen, dass er Glück und Erfolg nicht auf Dauer festhalten kann. Resigniert zitiert er ein türkisches Sprichwort: „Wenn das Haus fertig ist, kommt der Tod.“

Clara Buddenbrook, verheiratete Tiburtius, ist gestorben. In ihren letzten Stunden hatte sie ihre Mutter schriftlich und mit unsicherer Hand gebeten, ihr künftiges Erbe schon jetzt ihrem Mann auszuzahlen, dem Pfarrer Tiburtius. Die frömmlerische Mutter übergeht das Familienoberhaupt Thomas und kommt der Aufforderung nach, hinter der ganz offensichtlich Tiburtius steckt. Thomas ist bestürzt, als er erfährt, dass seine Mutter diesem Wicht und Erbschleicher 127.500 Kurantmark ausgezahlt hat. Immerhin hatte Tiburtius 80.000 Mark Mitgift erhalten. Die Mutter rechtfertigt sich, Christian und Tony hätten ebenfalls zugestimmt. Im Falle Christians, der mit Gelenkrheumatismus in einem Hamburger Krankenhaus liegt, glaubt Thomas seiner Mutter und nennt Christian einen maroden Narren. Dass Tony zugestimmt haben soll, nimmt er ihr nicht ab. „Tony ist ein Kind“ und hätte es ihm ausgeplaudert.

Gegen Ende des Streites mit seiner Mutter gesteht Thomas: „Die Geschäfte gehen schlecht, sie gehen zum Verzweifeln, genau seit der Zeit, daß ich mehr als Hunderttausend auf mein Haus gewandt habe.“ 1866, im Jahr des Preußisch-österreichischen Krieges, verlieren Buddenbrooks durch den Konkurs einer Frankfurter Firma 20.000 Taler (60.000 Mark).

Achter Teil

Tonys Tochter Erika, nunmehr 20 Jahre alt, heiratet 1867 den Direktor der Filiale einer Feuerversicherung, den knapp vierzigjährigen Hugo Weinschenk, einen selbstbewussten, ungebildeten und gesellschaftlich plumpen Mann, der es auf ein Jahreseinkommen von 12.000 Kurantmark gebracht hat. Tony darf in die Wohnung des jungen Paares mit einziehen, um ihrer im Haushalt noch unerfahrenen Tochter zur Hand gehen zu können. Die Verheiratung ihrer Tochter macht sie überglücklich. Und es begann Tony Buddenbrooks dritte Ehe.

Christian ist wieder in der Stadt. Merkwürdigerweise kommen Gerda Buddenbrook, die Geigenvirtuosin, und der an Theater und Tingeltangel interessierte Christian gut miteinander aus.[9] Hanno zieht es ebenfalls zum Theater. Zu Weihnachten wünscht er sich ein Puppentheater, das ihm auch geschenkt wird.[10]

Thomas Buddenbrook fühlt sich mit zweiundvierzig Jahren als ein ermatteter Mann. Doch seine Fassade kann er mit viel Disziplin aufrecht halten. Die Eleganz seines Äußeren blieb dieselbe.

Auf Anraten und Vermittlung von Tony geht Thomas – entgegen den Prinzipien der Kaufleute Buddenbrook – ein Spekulationsgeschäft ein. Im Frühjahr 1868 kauft er im Voraus eine noch im Wachsen begriffene Getreide-Ernte zum halben Preis von einem Landadligen, der in Geldnot geraten ist. Einige Monate später, am 7. Juli 1868, wird die hundertste Wiederkehr des Gründungstages (1768) der Firma Buddenbrook festlich begangen. Während der Feier erreicht Thomas Buddenbrook ein Telegramm mit der Nachricht, dass ein Hagelgewitter die Ernte vernichtet hat.

An den Montagnachmittagen kommt Domorganist Pfühl ins Haus und gibt dem kleinen Hanno Musik- und Klavierunterricht. Im Gegensatz zur Schule, in der es ihm schwer fällt, sich zu konzentrieren, zeigt Hanno hier eine mühelose Auffassung, denn man bestätigte ihm nur, was er eigentlich von jeher schon gewußt hatte. An seinem achten Geburtstag spielt Hanno der versammelten Familie eine eigene Komposition vor, von seiner Mutter auf der Violine begleitet. Die Finessen seines Spiels und das Modulieren der Tonarten lassen erkennen, dass Hanno musikalisch hochbegabt ist, dass in ihm ein Künstler steckt.

Hanno, eines Tages allein im Wohnzimmer, blättert in der Familienchronik und liest das ganze genealogische Gewimmel. Einer unbestimmten Intuition folgend zieht er mit dem Lineal unter seinen Namen einen doppelten Schlussstrich. Seinem Vater, der ihn zur Rede stellt, antwortet er: „Ich glaubte … ich glaubte … es käme nichts mehr!“

Weinschenk, der Mann von Tonys Tochter, hat mit betrügerischen Rückversicherungen mehrfach andere Versicherungsgesellschaften geschädigt. Er wird zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Neunter Teil

Im Herbst 1871 stirbt nach langem Krankenlager und zähem Todeskampf Elisabeth („Bethsy“) Buddenbrook, die ehemalige Weltdame, die ihre letzten Jahre mit Frömmigkeit und Wohltätigkeit ausgefüllt hatte, an Tuberkulose. Die weiblichen Hausangestellten tragen sogleich Wäschekörbe voll Kleider und Leinenzeug aus dem Haus, Dinge, die ihnen die Tote angeblich versprochen hatte. Danach teilen die Familienmitglieder den Hausrat der Verstorbenen unter sich auf. Zur Verwunderung seiner Geschwister möchte der Junggeselle Christian einen großen Teil der Wäsche und des Geschirrs. „Ich wünsche kein Geld, ich wünsche Wäsche und Geschirr.“ Er will die Mutter seiner Tochter, Aline Puvogel, die Statistin vom Tivoli, heiraten.

Seine Mutter hatte ihm dies, solange sie noch lebte, verwehrt. Jetzt verwehrt es ihm Thomas, das Familienoberhaupt, – blass und vor Zorn zitternd. Christian sei nicht mehr sein eigener Herr. Der Tag der Testamentseröffnung werde ihm zeigen, dass er nicht das Erbe seiner Mutter verlottern könne. Thomas zu Christian: „Ich werde den Rest deines Vermögens verwalten, und du wirst nie mehr als ein Monatsgeld in die Hände bekommen.“

Christian will überdies die beiden Kinder, die Aline Puvogel vor der gemeinsamen Tochter geboren hatte, adoptieren und sein eigenes Kind legitimieren. Thomas Buddenbrook: „So daß also dein Vermögen nach deinem Tode an jene Leute überginge?“ [11] „Ja“, antwortete Christian, „das gehört sich doch so.“

Thomas verbietet ihm auch das. „Du wirst es nicht tun“, wiederholte Thomas Buddenbrook, beinahe sinnlos vor Zorn […] „Ich lasse dich für kindisch erklären, ich lasse dich einsperren, ich mache dich zunichte.“

Das Haus in der Mengstraße wird zu Beginn des Jahres 1872 für 87.000 Mark verkauft, zu Tonys Beschämung ausgerechnet an Hermann Hagenström. Christian mietet für sich und die Seinen eine bescheidene Dreizimmerwohnung, eine Garconwohnung [12] in der Nähe des Klubs. Tony [Antonie] zieht mit Tochter Erika und Enkelin Elisabeth in ein helles und nicht ohne Anspruch auf Vornehmheit eingerichtetes Stockwerk am Lindenplatze. Es war eine hübsche kleine Wohnung und an der Eingangstür stand auf einem blanken Kupferschild in zierlicher Schrift zu lesen: A. Permaneder-Buddenbrook, Witwe.[13]

Zehnter Teil

Der 46jährige Thomas Buddenbrook fühlt sich unaussprechlich müde und verdrossen. Ausgehöhlt spielt er in seiner eleganten Garderobe und mit seinem verbindlichen Auftreten wie ein Schauspieler sich selbst. An der Börse, so wird hinter seinem Rücken gespottet, wirkt er nur noch dekorativ. Rechnet er den Grundbesitz mit ein, so beträgt sein Vermögen 600.000 Mark.

Von Hanno, der inzwischen 11 Jahre alt geworden ist, erhofft er sich einen tüchtigen und wetterfesten Nachfolger. Er lässt ihn turnen, Schlittschuh laufen und schwimmen. Im Hafen zeigt er ihm die Löscharbeiten auf den firmeneigenen Schiffen. Auch zu gesellschaftlichen Visiten in Häusern, denen er geschäftlich verpflichtet ist, nimmt er Hanno mit. Doch Hanno durchschaut die gesellschaftliche Versiertheit des Vaters und erkennt, welche Anstrengung seinen Vater diese Selbstdarstellung kostet.

1873 wird Hugo Weinschenk, Tonys Schwiegersohn, vorzeitig aus der Haft entlassen. Da er in der Stadt gesellschaftlich nicht mehr tragbar ist, erwarten Tony und ihre Tochter insgeheim die Trennung. Nach einigen Tagen reist Weinschenk nach London, seine Gattin Erika und ihre gemeinsame Tochter will er erst zu sich nehmen, wenn er ihnen wieder ein angemessenes Leben bieten kann. Ab da verliert sich seine Spur. Tony gibt einige Male eine Suchannonce auf, um eine Scheidungsklage ihrer Tochter wegen böswilligen Verlassens zu ermöglichen.

Gerda Buddenbrook, so vermutet man in der Stadt, und das befürchtet auch ihr Gatte, hat ein Verhältnis mit dem Leutnant René Maria von Throta. Er verkehrt bei Buddenbrooks und musiziert mit Gerda im Salon, abgeschlossen von den übrigen Bewohnern und Hausangestellten. Qualvoll werden für Thomas Buddenbrook die Pausen, in denen die Musik so lange, lange schweigt. Doch Gerda mit ihrer nervösen Kälte, in der sie lebte und die sie ausströmte zur Rede zu stellen, wagt er nicht.

Als sich Hanno und sein Vater vor der Tür des Salons begegnen, in dem Gerda und der Leutnant sich seit zwei Stunden aufhalten und die Musik seit längerer Zeit schweigt, ist für wenige Sekunden die sonstige Fremdheit zwischen ihnen aufgehoben. Der sensible Hanno begreift den geheimen Kummer seines Vaters.

Thomas Buddenbrook hat das 48. Lebensjahr hinter sich. Sein schlechtes körperliches Befinden und seine gedrückte Stimmung lassen Todesahnung aufkommen. Halb gesucht, halb zufällig gerät Schopenhauers Hauptwerk in seine Hände, Die Welt als Wille und Vorstellung. Das Kapitel "Über den Tod und sein Verhältnis zur Unzerstörbarkeit unseres Wesens an sich“ enthüllt ihm „eine ewige Fernsicht von Licht." [14] Der Tod erscheint ihm jetzt als die Rückkunft von einem unsäglich peinlichen Irrgang. – Thomas Buddenbrook setzt sein Testament auf.

Im September 1874 fährt Thomas auf ärztlichen Rat für einige Wochen zur Erholung an die Ostsee. Christian schließt sich ihm aus freien Stücken an. Es kommt zu einer stillschweigenden Aussöhnung der Brüder. – Die Monotonie des Meeres, der mystische und lähmende Fatalismus, mit dem sich die Wogen heranwälzen, lösen bei Thomas ein tiefes Bedürfnis nach Ruhe aus.

Vier Monate später stirbt Thomas Buddenbrook nach kurzem Krankenlager an den Folgen eines Schlaganfalles. Vorangegangen war eine missglückte Zahnextraktion ohne Betäubung. Anna, seine Jugendliebe, wird auf ihren Wunsch in den Salon eingelassen, in dem er aufgebahrt liegt. In vierspännigem Leichenwagen, gefolgt von einer langen Reihe Kutschen und Wagen, wird Senator Buddenbrook in feierlichem Pomp zum Friedhof gefahren und im Familiengrab beigesetzt.

Elfter Teil

Hanno ist von seinem Vater nicht als Firmenerbe bestimmt worden. Firma und Grundbesitz sollen binnen eines Jahres von Kistenmaker, dem Testamentsvollstrecker und ehemaligen Schulkameraden von Thomas, verkauft werden. Auf dem Papier hatte Thomas ein Vermögen von 650.000 Mark als Vermächtnis angegeben. Nach einem Jahr stellt sich heraus, daß mit dieser Summe nicht im entferntesten zu rechnen war. Kistenmaker hat mit der Auflösung des Nachlasses keine glückliche Hand.

Christian hat Aline Puvogel geheiratet, nachdem durch den Tod seines Bruders dessen Veto weggefallen war. Sein mütterliches Erbe wird vom Testamentsvollstrecker Kistenmaker verwaltet. Tony schreibt Aline Puvogel mit sorgfältig vergifteten Worten, dass sie weder sie noch ihre Kinder jemals als Verwandte anerkennen werde.

Aline Puvogel lässt Christian gegen seinen Willen wegen Wahnideen und Zwangsvorstellungen in einer psychiatrischen Anstalt internieren. Unbeschadet der praktischen und ideellen Vorteile, die sie der Heirat verdankte, konnte sie so ihr bisheriges unabhängiges Leben fortsetzen.

Gerda Buddenbrook gibt das große Haus, das Thomas hatte bauen lassen, auf. Es wird vom Testamentsvollstrecker Kistenmaker mit Verlust verkauft. Stattdessen erwirbt sie im Herbst 1876 eine angenehme [kleine] Villa vor dem Burgtore, an einer alten Kastanienallee gelegen.

Hanno ist mittlerweile ein sechzehnjähriger Gymnasiast und noch nicht im pubertären Stimmbruch. Zur Schule geht er mit der goldenen Uhrkette seines Urgroßvaters und dem alten Erbsiegelring mit grünem Stein.[15]

Das zweite Kapitel des elften Teils ist eine in sich geschlossene Binnenerzählung und beschreibt ein[en] Tag aus dem Leben des kleinen Johann. Sein mangelndes schulisches Engagement und ein unglücklicher Zufall, der ihm als schulisches Versagen ausgelegt wird, führen zu der endgültigen Entscheidung, dass der schlechte Schüler Hanno nicht in die nächste Klasse versetzt wird. Seinem einzigen Freund Kai gesteht Hanno, sein Vormund und der Pfarrer haben ihn bereits aufgegeben. Deprimiert sieht er für sich keine Zukunft mehr, auch nicht als Künstler.

Im Frühjahr 1877 stirbt Hanno an Typhus. [16] In seiner fiebrigen Benommenheit verschließt sich Hanno der Stimme des Lebens. Sein fehlender Lebenswille lässt ihn flüchten auf dem Weg, der sich ihm zum Entrinnen eröffnet hat.

Im Winter des gleichen Jahres kehrt Gerda Buddenbrook nach Amsterdam zu ihrem Vater zurück.

Zum Stil

Montagetechnik

Thomas Mann verstand sich als naturalistischer Schriftsteller.[17] Mit der für ihn charakteristischen Montagetechnik baute er fremdes Material wie Begebenheiten existierender Personen, Ereignisse der Zeitgeschichte, Dokumente und Lexikonartikel in den Roman ein. Der literarische Text erhielt damit Authentizität. Lübecker Bürger und Verwandte Thomas Manns konnten sich in Buddenbrooks wiedererkennen.

Leitmotive

Charakteristisch für Thomas Mann ist sein durchdachtes Spiel mit Leitmotiven: Romanfiguren werden charakteristische Adjektive, wiederkehrende Gesten oder Redewendungen zugeordnet. Diese Technik hilft dem Leser, sich zu erinnern. Ebenso kann das symbolisch anspielende Formelwort, hat man seine Thematik erkannt, vorausdeuten.[18]

Eine weitere Funktion von Leitmotiven ist, Stimmungen aus Vorangegangenem wieder anklingen zu lassen. Damit verdeutlichen sie übergreifende Zusammenhänge und stellen ein Beziehungssystem innerhalb des Werkes her. So zitiert Tony Buddenbrook – sich gegen Ende des Romans gesprächsweise über das „Naturprodukt“ Honig äußernd – eine Bemerkung ihrer unerfüllten Jugendliebe Morten Schwarzkopf, eines Medizinstudenten. Die gelehrige Tony hatte sich diese Formel eingeprägt. Die erinnernde Wiederholung zeigt, dass sie Morten Schwarzkopf nicht vergessen hat. Zu dieser Zeit ist Tony nach zwei unglücklichen Ehen zum zweiten Mal geschieden.[19]

Das Motiv, das Selbstzitat, die symbolische Formel, die wörtliche und bedeutsame Rückbeziehung über weite Strecken hin, - das waren epische Mittel nach meinem Empfinden, bezaubernd für mich eben als solche; und früh habe ich bekannt, daß Wagners Werke so stimulierend wie sonst nichts in der Welt auf meinen jungen Kunsttrieb wirkten. […] Wirklich ist es nicht schwer, in meinen ´Buddenbrooks´, diesem epischen, von Leitmotiven verknüpften und durchwobenen Generationszuge, vom Geist des Nibelungenringes einen Hauch zu verspüren.“ [20]

Ironie

Seinen Welterfolg dürfte der Verfallsroman außer Thomas Manns Sprachkunst vor allem seiner menschenfreundlichen Ironie verdanken. Sie läuft auf ein Geltenlassen hinaus – und damit letztlich auf Objektivität, denn sie verrät die Kehrseite. Diese Doppelbödigkeit ist ein durchgängiges Stilmittel im Gesamtwerk Thomas Manns.[21]

Mitunter zeigt sich Thomas Manns Ironie erst beim zweiten Lesen: Eine stehende Redewendung Sesemi Weichbrodts, der Vorsteherin eines Mädchenpensionats, sind die Worte: "Sei glöcklich [sic], du gutes Kend [sic].“ Dazu gibt es einen knallenden Kuss auf die Stirn. Die Adressaten werden regelmäßig unglücklich.[22]

Sprachliche Polyphonie

Der künstlerische Wagemut des jungen Autors (Thomas Mann hat den Roman als 25jähriger abgeschlossen) lässt ihn Sprachen, Dialekte, Mundarten, Jargons [23] und andere sprachliche Besonderheiten virtuos miteinander verflechten.

„Je, den Düwel ook, c’est la question, ma très chère demoiselle!“ So lautet der zweite Satz des Romans, eine Mischung aus niederdeutscher Mundart und französischer Sprachfloskel. Sie leitet die „sprachliche Orchestrierung“ ein.[24]

An Fremdsprachen kommen das Französische, Englische, Spanische zu Wort. Die Kinderfrau der Familie Buddenbrook, Ida Jungmann, steuert außer ihrer preußischen Mundart etwas Polnisch bei. Latein bringt der Segenswunsch über dem Portal „Dominus providebit“.[25]

Thomas Mann beherrschte außer dem Hochdeutschen auch die heimatliche Mundart der Lübecker, das örtliche Niederdeutsch, eine Sprache, die im Mittelalter die „lingua franca“ der Hanse gewesen war und im 19. Jahrhundert am Ort nicht nur von einfachen Leuten gesprochen wurde. Aber auch baltische, westpreußische, schlesische, schwäbische und bayrische Spracheigentümlichkeiten werden eingebunden. Dazu kommt die individuelle Diktion der Romanfiguren, z. B. Christian Buddenbrooks hypochondrische Floskel: „Ich kann es nun nicht mehr“. Zur Sprachpalette gehört auch der Berufsjargon von Hannos Lehrern.

Figuren des Romans

Johann Buddenbrook der Ältere (1765–1842), Patriarch und unerreichtes Vorbild

Johann Siegmund Mann (1761–1848), der Urgroßvater Thomas Manns; im Roman Johann Buddenbrook

Johann Buddenbrook der Ältere (1765–1842) hat während der Befreiungskriege als Getreidegroßhändler und preußischer Heereslieferant den Grundstock des Buddenbrookschen Vermögens gelegt. Er ist mit Antoinette, geb. Duchamps in zweiter Ehe verheiratet. Seine erste Frau Josephine, die er über alles liebte, war nach der Geburt seines Sohnes Gotthold 1796 verstorben. Er hat dem Sohn den Tod seiner einzig wahren Liebe nie verziehen. Mit seiner zweiten Frau hat er eine Tochter, die nach Frankfurt heiratet und die im Roman nur erwähnt wird, sowie einen Sohn, Johann (Jean) Buddenbrook, der, obwohl nicht der Erstgeborene, seine Firma erbt, nachdem der Erstgeborene sich gegen den Willen der Familie, seinen Gefühlen folgend verheiratet.

Johann Buddenbrook ist weltläufig, von nüchterner Sachlichkeit und voller Selbstvertrauen. Dazu liebt er das Flötenspiel, ein Interesse, das er leider nicht vererben kann. Weltanschaulich tendiert er zur Aufklärung und hält zur Religion spöttische Distanz.

Seine erste Ehe war eine Liebesheirat. Für seine zweite Frau hat er sich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten entschieden. Das Leben mit ihr ist geregelt durch gegenseitigen Respekt und Aufteilung der Pflichten.

Als literarische Vorlage in Thomas Manns Familie wird Johann Siegmund Mann I, der Gründer der Firma Mann, gesehen (s. Abb.). Von ihm stammt der Wahlspruch der Kaufleute im Roman: „Mein Sohn, sey mit Lust bey den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, daß wir bey Nacht ruhig schlafen können“. Er wurde 87 Jahre alt und starb, wie Viktor Mann berichtet „im Revolutionsmärz 1848, wie man erzählt, an einem Schlaganfall, den ihm, dem Feudalrepublikaner, seine kochende Wut über die harmlos randalierende ‚Canaille‘ eingetragen hatte“.

Konsul Jean (Johann) Buddenbrook (ca. 1800–1855)

Thomas Manns Großvater Johann Siegmund Mann jun. (1797–1863), im Roman Jean Buddenbrook

Johann (Jean) Buddenbrook (ca. 1800–1855) ist der Sohn aus der zweiten Ehe Johann Buddenbrooks des Älteren mit Antoinette, geb. Duchamps. Jean Buddenbrook hat die tief liegenden, blauen und aufmerksamen Augen seines Vaters, aber ihr Ausdruck ist träumerischer. [26] Die Geschäfte der Firma setzt er nach dem Tod des alten Buddenbrook erfolgreich fort, wie sich nach seinem Tod erweist, obwohl er nach Kaufmannsart beständig geklagt hatte. [27] Jean Buddenbrook bekleidet das Amt des Königlich-Niederländischen Konsuls. Im Gegensatz zu seinem Vater verfällt Jean einer religiösen Schwärmerei. Trotzdem ist er in der Stadt eine Autorität.

Konsul Johann Siegmund Mann jun. diente als Vorlage für Jean Buddenbrook. Er war der eigentliche Chronist der Familie Mann, schrieb das vom Großvater, dem ältesten Mann, geerbte Chronikheft in der erblichen Biebel ab und ergänzte sie durch Skitzen aus dem Leben von Johann Siegmund Mann sen. [28] Auch Johann Siegmund Mann verlor seine erste Frau bei der Geburt des Sohnes und legte die Geschäfte in die Hände seines Sohnes aus zweiter Ehe.

Johann Siegmund Mann jun. wurde successive in verschiedene Ämter seiner Heimatstadt gewählt und hätte wahrscheinlich noch mehr politische Erfolge eingebracht, wenn nicht ein Konkurrent, Johann Fehling, ihm geschadet hätte. Die Familie Hagenström des Romans heißt in den ersten Entwürfen noch Fehling, Johann Fehlings Kinder hießen wirklich Julchen und Hermann.

Senator Thomas Buddenbrook (1826–1875)

Thomas Manns Vater, im Roman Thomas Buddenbrook

Thomas Buddenbrook, dessen Vater, Großvater und Urgroßvater schon in der Stadt gewirkt hatten, war der Träger eines hundertjährigen Bürgerruhmes. Die leichte, geschmackvolle und bezwingend liebenswürdige Art freilich, in der er ihn repräsentierte und verwertete, war wohl das Wichtigste. [29]

In der Stadt munkelte man: Ein bißchen prätentiös, dieser Thomas Buddenbrook, ein bißchen … anders: anders auch als seine Vorfahren. Man wußte, besonders der Tuchhändler Benthien wußte es, daß er nicht nur seine sämtlichen feinen und neumodischen Kleidungstücke – und er besaß deren ungewöhnlich viele: Pardessus, Röcke, Hüte, Westen, Beinkleider und Krawatten – ja auch seine Wäsche aus Hamburg bezog. Man wußte sogar, daß er tagtäglich, manchmal zweimal am Tag das Hemd wechselte und sich das Taschentuch und den à la Napoleon III. ausgezogenen Schnurrbart parfümierte. Und das alles tat er nicht der Firma und der Repräsentation zuliebe – das Haus ‚Johann Buddenbrook‘ hatte das nicht nötig –, sondern aus einer persönlichen Neigung zum Superfeinen und Aristokratischen. [30]

Thomas Mann hat dem jungen Firmenchef Thomas Buddenbrook Züge des Dandy mitgegeben.

Tony (Antonie) Buddenbrook, geschiedene Grünlich, geschiedene Permaneder (geb. 1827)

Antonie Buddenbrook genannt Tony, ist die erste Tochter von Jean und Elisabeth Buddenbrook, Schwester von Thomas, Christian und Clara, die Mutter Erika Weinschenks (geb. Grünlich) und Großmutter Elisabeth Weinschenks.

Antonie Buddenbrook bleibt ein Leben lang sie selbst: kindlich naiv und unerschütterlich in ihrem Familiensinn. Als Kind ist sie vom luxuriösen Lebensstil der Großeltern, der den elterlichen in den Schatten stellt, tief beeindruckt. Vornehm wird eines ihrer Lieblingsworte. In Lübeck grüßen Erwachsene die kleine Tony, das Kind aus der Familie Buddenbrook.Sie ging in der Stadt wie eine kleine Königin umher. [31]

Elisabeth Mann um 1870, im Roman Tony Buddenbrook

Über die 47jährige Tony heißt es: Alles, jedes Glück und jeden Kummer, hatte sie in einer Flut von banalen und kindisch wichtigen Worten, die ihrem Mitteilungsbedürfnis vollkommen genügten, wieder von sich gegeben. […] Nichts Unausgesprochnes zehrte an ihr; kein stummes Erlebnis belastete sie. Und darum hatte sie auch gar nichts an ihrer Vergangenheit zu tragen. [32]

Seine Tante Elisabeth Amalie Hyppolita Mann, geschiedene Elfeld, geschiedene Haag (1838–1927), diente Thomas Mann als Vorlage für Tony Buddenbrook. Auf Thomas’ Bitte schrieb seine Schwester Julia Mann 1897 einen umfangreichen Bericht über Tante Elisabeth. Viele Details aus dieser Schilderung sind wörtlich in den Roman übernommen worden (die Kinderstreiche, der „Hang zum Luxus“, die Anekdote mit der Specksuppe). Wie ihr literarisches Abbild war auch Elisabeth Mann zweimal verheiratet. Zur ersten Ehe wurde sie ebenfalls von den Eltern gedrängt, und ihr Ehemann ging bankrott. Elisabeth Mann war anfangs – laut Viktor Mann – ob der Indiskretion des Romans „indigniert“, begegnete ihrem Schicksal aber dann „mit Humor und schließlich mit Stolz“, nachdem sie in der Familie nur noch Tony genannt wurde.

Der Roman beginnt mit den Worten der kleinen Tony, die aus dem Katechismus rezitiert. In der Schluss-Szene ist sie ebenfalls anwesend. Das letzte Wort, hoffnungsvoll und tröstlich, hat jedoch die steinalte Therese Weichbrodt.

Tony wird Zeitzeugin für vier Generationen der Familie Buddenbrook. Sie ist die heimliche Heldin des Romans.

Christian Buddenbrook (geb. 1828)

Thomas Manns Onkel Friedrich Mann, das Modell für Christian Buddenbrook

Christian Buddenbrook (geb. 1828, der zweite Sohn von Jean und Elisabeth Buddenbrook und Bruder von Thomas, Tony und Clara), ist die konträre Figur zu seinem älteren Bruder Thomas.

Als der 28jährige Christian nach mehrjährigem Auslandsaufenthalt wieder zurückgekommen ist, beschreibt ihn Thomas Mann so: „Christian hatte sich durchaus nicht verschönt. Er war hager und bleich. Die Haut umspannte überall straff seinen Schädel, zwischen den Wangenknochen sprang die große, mit einem Höcker versehene Nase scharf und fleischlos hervor, und das Haupthaar war schon merklich gelichtet. Sein Hals war dünn und zu lang und seine mageren Beine zeigten eine starke Krümmung nach außen. [33]

Im Gegensatz zu Thomas legt Christian keinen Wert auf gesellschaftliche Konventionen. Auch Fleiß und Pflichtgefühl gehen ihm ab. Hoch talentiert ist er jedoch darin, andere Persönlichkeiten schauspielerisch zu imitieren und zu karikieren – was regelmäßig Heiterkeitsausbrüche auslöst. Auch erzählen kann Christian, mit Verve und Farbe.

Christian wird Lebemann und verbringt seine Freizeit mit Gleichgesinnten im Club oder Theater, verkehrt in Künstlerkreisen und mit nicht standesgemäßen Damen. Lästig wird der Familie sein Hang zur Hypochondrie und der Schilderung seiner Zönästhesien.

Thomas lehnt Christian ab. „Solange ich denken kann, hast du eine solche Kälte auf mich ausströmen lassen, dass mich in deiner Gegenwart beständig gefroren hat“ [34], beklagt sich Christian.

Friedrich Wilhelm Lebrecht Mann, in der Familie „Onkel Friedel“ genannt, ist Vorbild für Christian Buddenbrook. Klaus Mann berichtete, Onkel Friedel sei „ein neurotischer Tunichtgut“ gewesen, „der sich in der Welt herumtrieb und über eingebildete Krankheiten klagte“. Friedrich Mann hat sich am 28. Oktober 1913 gegen die seiner Meinung nach ehrabschneidende Darstellung in dem Roman in einer viel belachten Annonce im „Lübecker Generalanzeiger“ gewehrt:

„Wenn der Verfasser der ‚Buddenbrooks‘ in karikierender Weise seine allernächsten Verwandten in den Schmutz zieht und deren Lebensschicksale eklatant preisgibt, so wird jeder rechtdenkende Mensch finden, dass dieses verwerflich ist. Ein trauriger Vogel, der sein eignes Nest beschmutzt! Friedrich Mann, Hamburg.“[35]

Christian Buddenbrook hat nicht nur Züge des schrulligen Onkels. Die Diskrepanz der ungleichen Brüder Christian und Thomas Buddenbrook spiegelt bereits hier im Ansatz den später offen ausbrechenden Konflikt zwischen Thomas Mann und seinem Schriftsteller–Rivalen Heinrich Mann wider. Christians Lebenswandel ähnelt dem Privatleben des jungen Heinrich Mann.

In der fiktiven Welt des Romans erkennt Thomas eigene Züge in Christians Persönlichkeit[36], die er an sich selbst unterdrückt. In einer Auseinandersetzung wirft Thomas Buddenbrook seinem Bruder vor: „Ich bin geworden wie ich bin,“ sagte er endlich, und seine Stimme klang bewegt, „weil ich nicht werden wollte wie du. Wenn ich dich innerlich gemieden habe, so geschah es, weil ich mich vor dir hüten muß, weil dein Sein und Wesen eine Gefahr für mich ist … ich spreche die Wahrheit.“ [37]

Gerda Buddenbrook, geb. Arnoldsen (geb. 1829)

Gerda lebt mit ihrem verwitweten Vater in Amsterdam. Ihre Schwester ist bereits verheiratet. Der Vater gilt als der große Kaufmann und beinahe noch größere Geigenvirtuos. Auch Gerda musiziert und ist eine begnadete Violinistin. Sie besitzt eine kostbare Stradivari. Ihre Empfänglichkeit für zeitgenössische Musik hat sie zu einer Verehrerin Wagners werden lassen.

Thomas Buddenbrook gewinnt Gerda auf der Höhe seiner Karriere. Bis dahin hatte sie ihren Entschluß, niemals zu heiraten, mit Festigkeit aufrechterhalten. Ihre Musikalität beeindruckt Thomas, auch wenn ihm Musik ein wesensfremder Bereich ist. Seiner Mutter schreibt er: „Diese oder keine, jetzt oder niemals!“ Darüber hinaus ist sie eine glänzende Partie, deren Mitgift frisches Kapital in die Firma bringt.

Ihre Schönheit macht in Lübeck Eindruck. Üppig und groß gewachsen, mit schwerem, dunkelrotem Haar, sind die nahe beieinander liegenden braunen Augen von bläulichen Schatten umlagert. Das Gesicht ist mattweiß und ein wenig hochmütig. Im Kontrast zu der Blässe und den verschatteten Augen zeigt ihr Lächeln weiße, starke Zähne. Die rätselhafte Aura, die sie umgibt, veranlasst den Makler und Kunstliebhaber Gosch, sie Her[a] und Aphrodite, Brünhilde und Melusine in einer Person zu nennen. Ihren Pflichten als Frau Senator Buddenbrook kommt sie nach, ohne darin aufzugehen.

Gerdas Musikalität kontrastiert mit dem von praktischen Fragen bestimmten Alltag in der Familie Buddenbrook. Während ihr Mann im Untergeschoss für die Firma an seinem Schreibpult arbeitet, hört er sie über sich im Musikzimmer mit einem Leutnant musizieren. Thomas Buddenbrook muss hier eine Seelenverwandtschaft erkennen, die ihm schmerzlich verwehrt bleibt. Motivisch verkörpert Gerda Buddenbrook die Musik im Roman als ein weltenthobenes und destruktives Element, das frischer Tatkraft und geschäftlichem Fleiß entgegensteht und zugleich erhaben ist über Lebesmühen und Pflicht. Ihrem Sohn Hanno, dem letzten Buddenbrook, vererbt sie Musikalität und Weltabgewandtheit.

Thomas Manns Mutter Julia Mann

Alterslos und von der Zeit unverändert verlässt sie nach dem Tod von Ehemann Thomas und Sohn Hanno Lübeck und kehrt in ihre Heimatstadt Amsterdam zurück, als habe sich ihre Sendung erfüllt.

Gerda Buddenbrook weist Parallelen zu Thomas Manns Mutter Julia Mann auf. [38] Beide wachsen sie mutterlos auf und verbringen einige Jahre in einem Lübecker Mädchenpensionat. Auch Julia Mann verlässt nach dem Tod ihres Mannes die enge Heimatstadt mit ihrem Standesdünkel. Mehr jedoch als an Julia Mann erinnert Gerda Arnoldsen an Gerda von Rinnlingen in der Novelle „Der kleine Herr Friedemann“. Dort brachte sie dem Titelhelden den Tod.

Hanno (Justus Johann Kaspar) Buddenbrook (1861–1877)

Der neunjährige Thomas Mann

Hanno ist der einzige Sohn von Thomas und Gerda Buddenbrook.

Mit seinen langen, braunen Wimpern und seinen goldbraunen Augen stach Johann Buddenbrook auf dem Schulhof und auf der Straße trotz seines Kopenhagener Matrosenanzug stets ein wenig fremdartig unter den hellblonden und stahlblauäugigen, skandinavischen Typen seiner Kameraden hervor. […] und noch immer lagen, wie bei seiner Mutter, die bläulichen Schatten in den Winkel seiner Augen, – dieser Augen, die, besonders wenn sie seitwärts gerichtet waren, mit einem so zagen wie ablehnenden Ausdruck dareinblickten, während sein Mund sich noch immer auf jene wehmütige Art geschlossen hielt. [39]

Der kleine Johann verkörpert die vierte Generation Buddenbrook, wenn man von den Vorfahren absieht, die im Roman nur erwähnt werden. Seinem Naturell nach hat er nicht die Anlagen zum Kaufmann. Er ist ein Künstler. Mit acht Jahren beginnt er bereits zu komponieren.

Antoinette Buddenbrook, geb. Duchamps († 1842)

Antoinette Buddenbrook ist die zweite Gattin von Johann Buddenbrook dem Älteren. Sie wird die Mutter von Jean Buddenbrook. 1842 stirbt sie nach mehrwöchiger Krankheit. Als Vorlage diente das Schicksal von Catharina Mann, geborene Grotjahn, der Gattin von Johann Siegmund Mann dem Älteren.

Bethsy (Elisabeth) Buddenbrook, geb. Kröger (1803–1871)

Elisabeth Mann, Thomas Manns Großmutter; im Roman Bethsy Buddenbrook

Elisabeth Buddenbrook, geb. Kröger, ist die Ehefrau von Konsul Jean (Johann) Buddenbrook und Mutter von Thomas, Christian, Tony (Antonie) und Clara. Sie wird zunächst als elegante und weltläufige Ehegattin beschrieben:

Sie war, wie alle Krögers, eine äußerst elegante Erscheinung, und war sie auch keine Schönheit zu nennen, so gab sie doch mit ihrer hellen und besonnenen Stimme, ihren ruhigen, sicheren und sanften Bewegungen aller Welt ein Gefühl von Klarheit und Vertrauen.

Nach dem Tode ihres Mannes nimmt sie dessen pietistische Frömmigkeit an, was bei ihr jedoch in Frömmelei ausufert. Hinter dem Rücken ihres Sohnes und Familienoberhauptes Thomas Buddenbrook überträgt sie 1864 nach dem Tode ihrer Tochter Clara an deren verbliebenen Gatten, den Pastor Tiburtius, 127.500 Kurantmark und schwächt damit nachhaltig das Barvermögen der Firma (siehe Abschnitt 1.7).

Als Vorlage diente Elisabeth Mann geborene Marty, (1811–1890), Ehegattin des Konsuls Siegmund Mann des Jüngeren.

Clara Tiburtius, geb. Buddenbrook (1838–1864)

Clara Tiburtius, geb. Buddenbrook, ist das vierte Kind von Jean und Elisabeth Buddenbrook. 1856 heiratet sie den im Hause der Buddenbrooks verkehrenden Pastor Tiburtius und zieht mit ihm nach Riga.

Was Clara Buddenbrook betraf, so stand sie nun im neunzehnten Jahre [als sie Tiburtius heiratet] und war, mit ihrem dunklen, glattgescheitelten Haar, ihren streng und dennoch träumerisch blickenden braunen Augen, ihrer leicht gebogenen Nase, ihrem ein wenig zu fest geschlossenen Munde und ihrer hohen, schlanken Gestalt zu einer jungen Dame von herber und eigentümlicher Schönheit herangewachsen. […] Ihr eignete im Verkehr mit den Dienstboten, ja, auch mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter, ein etwas herrischer Ton, und ihre Altstimme schon, die sich nur mit Bestimmtheit zu senken, nie aber fragend zu heben verstand, trug einen befehlshaberischen Charakter und konnte oft eine kurze, harte, unduldsame und hochfahrende Klangfarbe annehmen.

Als Vorlage der Romanfigur diente Olga Mann, verehelichte Sievers (1846–1880), als Vorlage des Tiburtius ihr Gatte, der Kaufmann Gustav Sievers.

Gotthold Buddenbrook (1796–1856)

ist der ungeliebte Sohn von Johann Buddenbrook d. Ä. aus erster Ehe. Seine schwere Geburt hatte Johann Buddenbrook zum Witwer gemacht. Verstoßen wird Gotthold wegen einer eigenwilligen, unstandesgemäßen Heirat (s. o. Inhalt, Erster Teil). Anstelle von ihm, dem Erstgeborenen, wird sein Halbbruder Jean – aus Johanns zweiter Ehe – Chef der Firma Buddenbrook. Gotthold wird als beleibt und kurzbeinig beschrieben.

Gottholds Töchter Friederike, Henriette und Pfiffi Buddenbrook bleiben, da ohne Mitgift, unverheiratet. Die Rückschläge der Familie Buddenbrook kommentieren sie mit Schadenfreude, so weisen sie zum Beispiel nach der Geburt Hannos – statt sich mit der Familie zu freuen – voll Neid und Bitterkeit auf dessen schwächliches Äußeres hin. – Als Vorlage für Gotthold Buddenbrook diente Konsul Siegmund Mann, als Vorbilder für Pfiffi, Henriette und Friederike Buddenbrook sind Luise, Auguste und Emmy Mann identifiziert. Thomas Mann verwendete die Namen bereits zuvor für die drei Schwestern des Protagonisten seiner Erzählung Der kleine Herr Friedemann.

Klothilde Buddenbrook

ist die Tochter eines armen Verwandten, Bernhardt Buddenbrook (ein Neffe Johann Buddenbrooks des Älteren), der das kleine Gut „Ungnade“ in Mecklenburg bewirtschaftet. Klothilde, Spitzname Thildchen oder Thilda, ist im Alter von Thomas Buddenbrook, wächst mit ihm und seinen Geschwistern im Haus in der Mengstraße auf und kommt später in einem Kloster unter. Sie wird als mager, blass und phlegmatisch beschrieben. Bei Tisch fällt ihr ungeheurer Appetit auf, den sie demütig und unbeirrt stillt. Als ihr Vorbild gilt Thekla Mann.

Familie Kröger

Catharina Elisabeth Marty (1782–1869), im Roman Gattin Lebrecht Krögers
Johann Heinrich Marty (1779–1844), im Roman Lebrecht Kröger

Der reiche Lebrecht Kröger (geb. unbekannt, gest. 1848) ist der Vater von Elisabeth Buddenbrook, Jean Buddenbrooks Ehefrau. Seine Enkelin Tony ist als Kind oft auf einige Wochen in seinem Haus, das luxuriöser ist als das elterliche. Lebrecht Kröger ist ein weltläufiger älterer Herr alter Schule. Im Roman heißt er der à la mode-Kavalier. Ihm setzt das Erlebnis der Krawalle von 1848 so zu, dass er nach der nächtlichen Kutschfahrt durch die Straßenunruhen bei der Ankunft vor seiner Haustür (an einem Schlaganfall (?)) stirbt.

Sein Sohn Justus Kröger (geb. 1800, gest. 1875) heiratet die menschenscheue Rosalie Overdiek und hat mit ihr die Kinder Jakob und Jürgen. Er setzt sich bald zur Ruhe und genießt das Leben als Suitier. [40] Seine Söhne enttäuschen. Jakob fällt immer wieder durch Leichtsinn und zwielichtige Geschäfte auf. Justus bricht mit ihm und schickt ihn nach Amerika. Nur seine Mutter weiß, wo er sich aufhält und verkauft heimlich ihr Silberzeug, um dem Enterbten Geld zu senden. Jürgen bricht sein Jurastudium ab und wird Postbeamter in Rostock.

Justus stirbt wie Thomas Buddenbrook 1875.

Morten Schwarzkopf

Der sachliche Medizinstudent Morten Schwarzkopf gefällt Tony gleich beim ersten Gegenüber. Nach jedem Gespräch mit ihm imponiert er ihr etwas mehr. Beide verlieben sich ineinander und versprechen sich, aufeinander zu warten, bis Morten sein Doktor-Examen bestanden hat. Morten bleibt lebenslang Tonys einzige Liebe, die von Tonys Vater aus einer Mischung von Standesdünkel und Krämer-Mentalität hintertrieben wird (s. Inhalt, Dritter Teil). Jean Buddenbrook fällt auf den Blender Bendix Grünlich herein und setzt ihn als Tonys Ehemann und zukünftiges Familienmitglied durch.

In seinen Gesprächen mit Tony vertritt Morten Schwarzkopf die liberalen Standpunkte des Bürgertums gegenüber Adel und reichem Bürgertum. Auch seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse machen auf Tony Eindruck. Bezeichnend für ihr Verhältnis zu dem sympathischen, aber aus Buddenbrookscher Sicht nicht standesgemäßen Morten wird die Redewendung „auf den Steinen sitzen“, die leitmotivisch wiederkehrt: Morten Schwarzkopf muss auf den steinernen Wellenbrechern abseits vom eleganten Strandleben sitzen und auf Tony warten. In ihrem Bekanntenkreis will er sich nicht zeigen, weil er spürt, dass er nicht dazu gehört.

Grünlich geht trotz der ansehnlichen Mitgift aus der Familie Buddenbrook bankrott. Morten Schwarzkopf wird – wie der stolze Vater später berichtet − ein erfolgreicher Arzt in Breslau ( „un hei hett ook all 'ne ganz staatsche Praxis, der Bengel“ ). [41]

Bendix Grünlich

Ernst Elfeld, der als Vorbild für die Figur des Bendix Grünlich diente

Von ihrem Vater als Geschäftspartner in den privaten Familienkreis eingeladen, lernt ihn die 18jährige Tony kennen:

Durch den Garten kam, Hut und Stock in derselben Hand, mit ziemlich kurzen Schritten und etwas vorgestrecktem Kopf, ein mittelgroßer Mann von etwa 32 Jahren in einem grüngelben, wolligen und langschößigen Anzug und grauen Zwirnhandschuhen. Sein Gesicht, unter dem hellblonden, spärlichen Haupthaar war rosig und lächelte; neben dem einen Nasenflügel aber befand sich eine auffällige Warze. Er trug Kinn und Oberlippe glattrasiert und ließ den Backenbart nach englischer Mode lang hinunterhängen; diese Favoris waren von ausgesprochen goldgelber Farbe. – Schon von weitem vollführte er mit seinem großen, hellgrauen Hut eine Gebärde der Ergebenheit.

Antonie verabscheut ihn vom ersten Moment an wegen seiner manierierten Redeweise und übertriebenen Gestik. Nach einigen Wochen macht er ihr einen Antrag. Tony lehnt ab. Hartnäckig und intrigant, unterstützt von Tonys Eltern, erreicht er schließlich die Verheiratung mit ihr.

Was wie Verliebtheit aussah, erweist sich als Berechnung. Nach der Hochzeit nimmt er kaum Notiz von seiner jungen Frau. Es war ihm ausschließlich auf die Mitgift angekommen und auf seine Bonität als Schwiegersohn der Familie Buddenbrook.

Wegen Grünlichs Bankrott lässt sich Tony von ihm scheiden und kehrt mit der gemeinsamen Tochter ins Elternhaus zurück.

Alois Permaneder und sein schreckliches Wort

Bildvorlage für Herrn Permaneder aus der Zeitschrift Simplicissimus Nr. 33, November 1897

Kurzgliedrig und beleibt, trug er einen weit offenstehenden Rock aus braunem Loden, eine helle und geblümte Weste, die in weicher Wölbung seinen Bauch bedeckte […]. Der hellblonde, spärliche, fransenartig den Mund überhängende Schnurrbart gab dem kugelrunden Kopfe mit seiner gedrungen Nase und seinem ziemlich dünnen, unfrisierten Haar etwas Seehundartiges. Sein Gesicht hatte einen Mischausdruck von Ergrimmtheit und biederer, unbeholfener, rührender Gutmütigkeit.

Unverzeihlich und unter keinen Umständen wiederzugeben ist jenes Schimpfwort, das Alois Permaneder seiner Frau Tony nachgerufen hat. Über viele Romanseiten wird der Leser über Permaneders letzte Worte im Unklaren gelassen.

Später, auf irgend eine niemals aufgeklärte Weise, ist einzelnen Familienmitgliedern das ‚Wort‘ bekannt geworden, dieses desparate Wort, das in jener Nacht Herr Permaneder sich hatte entschlüpfen lassen. Was hatte er gesagt? – „Geh’ zum Deifi, Saulud’r dreckats!“

So schloß Tony Buddenbrooks zweite Ehe.

Kai Graf Mölln

Kai ist Hannos einziger Freund, von vornehmer Herkunft und gänzlich verwahrlostem Äußeren. Mit seinem Vater lebt er vor den Toren der Stadt auf dessen winzigen, fast wertlosen Anwesen, das überhaupt keinen Namen hatte. Mutterlos […] war der kleine Kai hier wild wie ein Tier unter Hühnern und Hunden herangewachsen. Vom Stammbaum der gräflichen Familie existieren nur noch er und sein Vater. In Kai hat sich aristokratisches Selbstvertrauen erhalten. Dazu strotzt er voll Lebenskraft, ist begeistert von englischer Literatur und ein phantasiereicher Erzähler. Auf ihm lastet keine (Familien-)Geschichte, und bürgerlichen Konventionen fühlt er sich nicht verpflichtet. Der Verfall seiner Familie hat ihn nicht lebensuntüchtig gemacht. [42]

Kai und Hanno fühlen sich vom ersten Augenblick an voneinander angezogen. Der aktivere in dieser Freundschaft ist Kai. Er hatte mit einer stürmisch aggressiven Männlichkeit um die Gunst des stillen […] Hanno geworben, der gar nicht zu widerstehen gewesen war. – Als Vorbild für die Romanfigur gilt ein Graf Schwerin.

Ida Jungmann

Ida Jungmann ist über 40 Jahre die Kinderfrau der Familie Buddenbrook. Sie stammt aus Westpreußen und hat ihre angestammte Mundart beibehalten. Mit 20 Jahren tritt sie bei den Buddenbrooks ein und ist der Familie fortan treu ergeben. Gekündigt wird ihr nach Thomas Buddenbrooks Tod von Gerda Buddenbrook. Ihr Vorbild in der Familie Mann hieß Ida Buchwald.

Therese (Sesemi) Weichbrodt

Therese Weichbrodt, die von allen Sesemi genannt werden möchte, ist die Leiterin eines Mädchenpensionates, in dem Tony Buddenbrook und Gerda Arnoldsen aus Amsterdam einige Jahre verbringen. Ihre arglose stehende Rede: „Sei glöcklich, du gutes Kend!“ gilt – mit hintergründiger Ironie Thomas Manns – regelmäßig denen, die nicht glücklich werden. Ihr gibt Thomas Mann das letzte Wort des Romans. Auf Tony Permaneders bange Frage, ob sich die Angehörigen der Familie dereinst wiedersehen werden, richtet sich die kleine Person auf, stellt sich auf die Fußspitzen und beteuert in einem beeindruckenden Schlussbild: „Es ist so“. [43]

Blumenmädchen Anna (Iwersen)

Anna (Geburtsname unbekannt, später verheiratete Iwersen) arbeitet als Blumenverkäuferin in einem kleinen Geschäft in der Fischergrube. Sie ist die frühe Geliebte von Thomas Buddenbrook. Sie wird als wunderbar hübsch, zart wie eine Gazelle und mit beinahe malaiischen Gesichtstypus beschrieben. Thomas löst die unstandesgemäße Verbindung, als er für einen längeren Aufenthalt nach Amsterdam geht. Das Blumenmädchen Anna stellt scheinbar nur eine kleine Episode im Roman und im Leben des Thomas Buddenbrook dar. Doch an kaum einer anderen Stelle des Romans zeigt sich Thomas Buddenbrook zugeneigter, unverstellter und unmittelbarer als in dieser Liebe.

Familie Hagenström

Hagenströms, die neu in der Stadt sind, konkurrieren zielstrebig mit Buddenbrooks. Am Ende hat Hermann Hagenström, der etwa gleichaltrig mit Thomas Buddenbrook ist, ihn geschäftlich weit überflügelt. [44]

Hermann Hagenström war der erste in der Stadt, der seine Wohnräume und Kontore mit Gas beleuchtet hatte. Das Neuartige und damit Reizvolle seiner Persönlichkeit, das, was ihn auszeichnete und in den Augen vieler eine führende Stellung gab, war der liberale und tolerante Grundzug seines Wesens. Die legere und großzügige Art, mit der er Geld verdiente und verausgabte, war etwas Anderes als die zähe, geduldige und von streng überlieferten Prinzipien geleitete Arbeit seiner Mitbürger. Dieser Mann stand frei von den hemmenden Fesseln der Tradition und der Pietät auf seinen eigenen Füßen, und alles Altmodische war ihm fremd. Wenn Hermann Hagenström irgendeiner Tradition nachlebte, so war es die von seinem Vater, dem alten Hinrich Hagenström übernommene unbeschränkte, fortgeschrittene, duldsame und vorurteilsfreie Denkungsart. [45]

Nach dem Tode von Thomas’ Mutter kauft Hermann Hagenström das große Haus in der Mengstraße. Der Aufsteiger, der kaum seinen Großvater gekannt hatte, gibt sich damit die historische Weihe, sozusagen das Legitime. [46] Hagenströms nehmen Buddenbrooks Platz ein, – wie vor Zeiten Buddenbrooks die Ratenkamps, die Vorbesitzer des Hauses, abgelöst hatten.

Schon im Frühjahr [1872] bezog er mit seiner Familie das Vorderhaus, indem er dort nach Möglichkeit alles beim alten beließ, vorbehaltlich kleiner gelegentlicher Renovierungen und abgesehen von einigen sofortigen, der Neuzeit entsprechenden Änderungen; zum Beispiel wurden alle Glockenzüge abgeschafft und das Haus durchaus mit elektrischen Klingeln versehen.

Leitmotive und Symbole

Verfall

Das übergreifende Motiv des Romans bezeichnet der Untertitel „Verfall einer Familie“. Von Generation zu Generation schwinden Tatkraft, Unternehmensgeist und Gesundheit. Dem ökonomischen Niedergang der Firma Buddenbrook geht der Verlust von Vitalität und naiver Selbstsicherheit der Familienmitglieder voraus. Eine zunehmende Tendenz zur Vergeistigung untergräbt die Kaufmannsmentalität. Am Ende des Verfalls stehen Christian, der in eine psychiatrische Anstalt verbracht wird, und der für Musik unter allen Buddenbrooks Empfänglichste, Hanno. Er ist gänzlich unfähig, die väterliche Firma später einmal zu übernehmen, und stirbt vor Erreichen des 16. Lebensjahrs – sein Urgroßvater Johann Buddenbrook wird 77, sein Großvater Jean 55, sein Vater Thomas 49 Jahre alt.

Nach Thomas Mann schließen sich Lebenstüchtigkeit und seelisch-geistige Differenzierung aus.[47] Diese Annahme folgt einer literarischen Strömung des ausgehenden 19. Jahrhunderts, für die Nietzsche den Begriff Décadence in den deutschen Sprachgebrauch eingeführt hat.

Firma, Haus und großbürgerliche Familie

Die Einheit, ja gleichsam Synonymität von Familie und Firma ist verankert in der Identität von Wohn- und Geschäftshaus. Erst Thomas Buddenbrook bricht mit dieser paradigmatischen Tradition von „wirtschaftlichem Unterbau und kulturellem Überbau.“ [48] Gleichwohl bleibt das Haus in der Mengstraße, das der Leser im Eröffnungskapitel kennen lernt, Zentrum der Familie, da es die verwitwete Mutter von Thomas Buddenbrook weiter bewohnt und die Familientreffen wie bisher dort stattfinden.

Die ideelle Bedeutung des Hauses für die Mitglieder der Familie Buddenbrook imitiert den Stellenwert fürstlich-dynastischer Stammsitze für den Hochadel, wie ja auch die ständige Rückbesinnung auf die Reihe der Vorfahren einen adligen Stammbaum ersetzen soll. Die Handlung spielt, das darf nicht vergessen werden, in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, noch vor Bismarcks Reichsgründung 1871.

Darüber hinaus gibt es einen engen Zusammenhang zwischen der Größe der Behausung des Firmenchefs und dem geschäftlichen Erfolg der Firma: Der rasante Aufschwung der Buddenbrooks endet mit dem Einzug ins großbürgerliche Mengstraßenhaus zu Beginn des Romans. In der Folgezeit kann die Familie ihr Vermögen zwar halten, aber nicht mehr nennenswert vergrößern. Der vorübergehende Umzug der Familie des jungen Thomas Buddenbrook in ein einfacheres Haus in der Breiten Straße geht mit einem geschäftlichen Zwischenhoch einher. Nach der Übersiedlung in die prachtvolle neue Villa beschleunigt sich der Verfall zusehends.

Die geschäftliche Tradition

„Mein Sohn, sey mit Lust bey den Geschäften am Tage, aber mache nur solche, daß wir bey Nacht ruhig schlafen können.“ Diese Maxime und Mahnung ist in der Chronik der Familie [49] festgehalten. Als Verfasser wird der Großvater Jeans genannt, der den Getreidehandel begründet hatte, eine Figur also, die vor der Romanhandlung lebte und nur im Rückblick erwähnt wird. Seine Nachkommen Johann Buddenbrook d. Ä. und Jean Buddenbrook halten sich an diesen Grundsatz und gehen keine Risiken ein. Thomas Buddenbrook riskiert als erster in der Generationsfolge ein Spekulationsgeschäft und scheitert.

Das Leben

ist ein bevorzugtes Thema von Tony Buddenbrook. Ihre Behauptung, sie kenne „das Leben“, widerlegt sie selbst durch ihre fehlgeschlagenen Ehen und mit einem geschäftlichen Ratschlag, der für die Firma katastrophale Folgen hat: der spekulative Kauf des Pöppenrader Getreides vor Einbringung der Ernte.

Mit „das Leben“ in Tonys Mund ironisiert der junge Thomas Mann einen zentralen Begriff Nietzsches, den er auch in einem Essay behandelt.

Musik

Bis auf Gerda und Hanno sind alle Mitglieder der Familie Buddenbrook unmusikalisch. Einzig Johann Buddenbrook der Ältere hatte ab und an etwas Flöte gespielt. Musik und tätiges Leben werden als Gegensätze dargestellt. Der Musik wird eine unmoralische Kraft zugemessen, besonders der Musik Wagners. Der Klavierlehrer Hannos, Domorganist Pfühl, eingeschworen auf Bach und Beethoven, weigert sich zunächst entschieden[50], Gerdas Bitte nachzukommen und mit ihr Stücke von Richard Wagner zu spielen:

Ich spiele dies nicht, gnädige Frau, ich bin ihr ergebener Diener, aber ich spiele dies nicht. […] Dies ist das Chaos! Dies ist Demagogie, Blasphemie und Wahnwitz! Dies ist ein parfümierter Qualm, in dem es blitzt. Dies ist das Ende der Moral in der Kunst!

Später erliegt er doch der Musik Wagners, dem „Leben und Weben der Leitmotive“. [51]

Hanno Buddenbrook erbt die Musikalität seiner Mutter und beginnt mit acht Jahren zu komponieren.

Farben: Blau und Gelb

Durch den gesamten Roman zieht sich die konsequente Erwähnung der Farben Blau und Gelb, die nicht nur in Thomas Manns ausführlichen Erstbeschreibungen von Personen und Szenarien zum Tragen kommen, sondern auch in leitmotivischer Intention wiederholt werden. Dies legt die Vermutung nahe, dass sie eine zentrale Rolle im Buch spielen, also eng verknüpft sind mit dem Hauptproblem, dem Verfall der Familie Buddenbrook und gesellschaftlicher Umschichtung im Allgemeinen.

Innerhalb der Linie der erstgeborenen männlichen Buddenbrooks zeigt sich, dass die Farbe Blau in Zusammenhang mit jener Entwicklung steht, die sich in den buddenbrookschen Nachkommen zeigt. Mit dem Verfall ist aber bei der Verwendung der Farbe Blau als Leitmotiv immer auch ein Aspekt der Verfeinerung verbunden, insbesondere bei Thomas, Gerda und Hanno. Meist werden „künstlerische“ Organe wie Augen, Hände oder die Schläfen als „bläulich umschattet“ bezeichnet. Außerhalb der Linie der Erstgeborenen steht Blau für allgemeines Scheitern und negative Einflüsse auf die Familie Buddenbrook und tritt bei anderen Personen und in der Natur auf.

Im Gegensatz zur blauen Farbe weist Gelb auf Tradition, Stärke, Hoffnung und Aufschwung hin. Auch diese Farbe tritt sowohl in direkter Nähe zu den Buddenbrooks (Einrichtung ihres Hauses und ihres Gartens) als auch außerhalb der Familie (z. B. einfaches Volk, aufstrebendes Bürgertum und Haus der Bürgerschaft) auf. Außerhalb der Familie Buddenbrook steht die Farbe Gelb für Solidität und Konstanz.

Die Farbe Gelb kann alternativ ebenfalls als leitmotivisch für das Negative angesehen werden, ist aber – im Gegensatz zu Blau – nicht mit künstlerischen Kategorien verbunden: Die Farbe Gelb tritt in der Einrichtung des „Landschaftszimmers“ in den Vordergrund, ausdrücklich werden die gelblichen Sonnenuntergänge erwähnt. In diesem Zimmer versammeln sich die Buddenbrooks zu Beginn des Romans. Bei seinem Tod ist Lebrecht Krögers Gesicht „gelb und von schlaffen Furchen zerrissen“, gleichermaßen gelblich wirken Konsul und Konsulin im Tode. Das neugeborene Kind Clara (sie wird als junge Frau an Tuberkulose versterben) hat „gelbe, runzlige Fingerchen“. Die Romanze zwischen Tony Buddenbrook und Morten Schwarzkopf steht unter „gelben“ Vorzeichen; der Leuchtturm ist gelb, die Abhänge aus gelbem Lehm, das Seegras gelbgrün, die Quallen rotgelb. Grünlichs „goldgelbe Favoris“ werden vielfach zitiert. Das Licht in Hannos Zimmer in Travemünde ist „gelblich“, er schläft in einem „gelbhölzernen“ Bett. Die Ernte von Pöppenrade ist „gelbreif“. Nach dieser Interpretation ist „Gelb“ eindeutig dem Scheitern, dem Versagen zugeordnet und hat keine positive Assoziation.

Hände

Die Hände der Romanfiguren spielen im Buch eine wichtige Rolle. Grünlich hat lange, weiße, von bläulichen Adern durchzogene Hände, Permaneder weiße, feiste Hände. Die stärkeren Familienmitglieder der frühen Generationen haben weiße Hände (Johann, Konsulin, Tony), kurzfingrig und zum Musizieren ungeeignet.

Besonders auffällig und ungewöhnlich sind Hannos Hände: Gerda Buddenbrook behauptet im Gespräch mit Hannos künftigem Klavierlehrer Pfühl, die Buddenbrooks könn[t]en alle Nonen und Dezimen greifen. Die Familienmitglieder der zweiten Generation verfügen also bereits über die körperlichen Voraussetzungen zum Künstlertum, setzen diese Fähigkeit aber nicht ein: Aber sie haben noch niemals Gewicht darauf gelegt.

In Hanno Buddenbrook vereinigen sich schließlich Veranlagung und Physis in der Person des Künstlers.

Protestantische Ethik

Besondere Bedeutung für die Interpretation des Romans hat die Frage, wie sehr Mann hier, wie er selbst später schreibt, Gedanken ausführt, die der Soziologe Max Weber in seiner Arbeit Die protestantische Ethik und der „Geist“ des Kapitalismus wenige Jahre nach Erscheinen des Romans formuliert hat.

Lübeck

Obwohl der Roman Lübeck nicht nennt, ist Thomas Manns Vaterstadt anhand detaillierter Angaben unmissverständlich zu erkennen: Das Holstentor, Fischergrube und Mengstraße, die für Lübeck typischen Straßenbezeichnungen Gruben und Twieten, die Trave, Travemünde und die Straße dorthin, Schwartau mit Erwähnung des Schwartauer Marktplatzes mit dem „Schwartauer Pfefferkuchenhaus“, die „Wilhelmsquelle“ im Riesebusch sowie Angaben zur Stadtgeschichte.

Buddenbrooks als zeitgeschichtliche Darstellung

Im Hintergrund spiegelt der Roman Aspekte der deutschen Geschichte wider, vor allem fängt er den Zeitgeist ein zwischen 1835 und 1877 in einer „mittelgroßen Handelsstadt“ an der Ostsee, – aus großbürgerlicher Sicht.

Die Revolution 1848

Der Autor der „Buddenbrooks“ nimmt weder die Revolution von 1848 ernst, noch „das Volk“. Die 1848er-Revolution fand im Roman nicht im Frühjahr, sondern am 1. Oktober 1848 statt.

Trine, die Köchin im Hause Buddenbrook, unterhält zum Verdruss ihrer Herrschaft „eine Art von geistigem Bündnis mit einem Schlachtergesellen, und dieser ewig blutige Mensch mußte die Entwicklung ihrer politischen Ansichten in der nachhaltigsten Weise beeinflußt haben.“ Auf einen Verweis der Hausherrin „hatte sie die nackten Arme in die Hüfte gestemmt und sich wie folgt geäußert: ‚Warten sie mal bloß, Frau Konsulin, dat duert nu nich mehr lange, denn kommt ne annere Ordnung in de Saak; denn sitt ich doar up’m Sofa in’ sieden Kleed, un Sei bedeinen mich denn …‘ – Selbstverständlich war ihr sofort gekündigt worden.“

Demonstranten sind im Hause zu hören als „eine Art von übermütigen Johlen, Pfeifen und [dem] Gestampf vieler Schritte auf der Straße.“ Die Schaufensterscheibe des Tuchhändlers Benthin war „vermittels Steinwurf“ zertrümmert worden, „wobei Gott allein wußte, was das Fenster des Herrn Benthin mit der hohen Politik zu tun hatte.“

Vor dem Versammlungssaal der Bürgerschaft angekommen, stimmen die Demonstranten „ein ausgelassenes, unsinniges und betäubendes Hoh- und Höhgeheul“ an. Konsul Buddenbrook tritt ihnen entgegen. Er spricht einen 22-jährigen Lagerarbeiter seiner Firma an, der in vorderster Reihe steht:

„Nu red’ mal, Carl Smolt! Nu is’ Tied! Ji heww hier den leewen langen Namiddag bröllt” […] Smolt, wat wull Ji nu eentlich! Nu seggen Sei dat mal!“

„Je, Herr Kunsel, ick seg man bloß: wi wull nu ’ne Republike, seg ick man bloß …“

„Öwer du Döskopp … Ji heww ja schon een!“

„Je, Herr Kunsel, denn wull wi noch een.“

Darauf brechen „Revolutionäre“ und Vertreter der Bürgerschaft in Gelächter aus – die Revolution hat sich ad absurdum geführt.

Jean Buddenbrook und Smolt meinen mit ‚Republik‘ etwas Verschiedenes. Ein Mann wie Smolt denkt an die soziale Republik. [52] Für Jean Buddenbrook sind die ständisch geprägte Bürgerschaft und der Senat des Freistaates Lübeck republikanisch.

Für die Familie der Buddenbrooks endet die Revolution keineswegs in Komik: In Jean Buddenbrooks Gegenwart bricht sein Schwiegervater Lebrecht Kröger, den das Ganze sehr empört hat, vor der Haustür zusammen und stirbt. – Auch dieses Ereignis lässt sich auf Thomas Manns Familiengeschichte zurückführen: Sein Urgroßvater, Johann Siegmund Mann sen., soll aus Ärger über die Revolte an einem Schlaganfall verstorben sein.

Das Schulsystem

Aus der liberalen Schule mit dem Lehrer Marcellus Stengel wird die preußische Schule mit dem furchterregenden Direktor Wulicke, dem alttestamentarischen „lieben Gott“ Hannos und Kai Graf Möllns (kurz vor Schluss des Buches). Kurt Tucholsky hat dies als beste Beschreibung des preußischen Schulwesens bezeichnet.

Entwicklungsstand der Medizin

An vielen Stellen im Roman spielen Medizin (wie später auch in Der Zauberberg) und Zahnmedizin eine Rolle. Die Leistung der Ärzte zu dieser Zeit besteht mehr im Erkennen der Prognose [53] und einer Behandlung der Symptome, als in einer kausalen Therapie. Besonders eindringlich geschildert ist die Agonie der an Lungenentzündung erkrankten Konsulin, der man die erflehte Sterbehilfe verweigert.

Der Zahnarzt Brecht leidet sichtbar mit seinen Patienten und fürchtet sich davor, Zähne zu extrahieren. Nachdem ihm bei Thomas eine Zahnextraktion (in dieser Zeit noch ohne Betäubung) missglückt war, „lehnte er am Instrumentenschrank, [und] sah aus wie der Tod.“ Diese Unprofessionalität entlarvt ihn als Pfuscher. Nach diesem schweren Eingriff erleidet Thomas Buddenbrook auf dem Heimweg einen Schlaganfall, den er bei getrübtem Bewusstsein und unfähig zu sprechen nur wenige Stunden überlebt.

Theater

1976 inszeniert Hans Hollmann am Basler Theater „Die Buddenbrooks“ an 2 Abenden. 2005 wurde der Roman für die Theaterbühne vom Dramaturgen und Schriftsteller John von Düffel dramatisiert (1 Abend, ca. 3 Std.). Das Stück stellt die unterschiedlichen Lebenswege und Schicksale Thomas’, Christians und Tonys in den Mittelpunkt. Die Uraufführung wurde am Thalia-Theater (Hamburg) von Stephan Kimmig inszeniert und hatte am 3. Dezember 2005 Premiere. 1 1/2 Jahre arbeitete von Düffel an der Bearbeitung.

Am 12. Mai 2007 hatte das Stück im Düsseldorfer Schauspielhaus Premiere.[54] Am Theater Lübeck hatte die Düffel’sche Fassung der Buddenbrooks am 29. September 2007 ihre Premiere, inszeniert vom neuen Schauspieldirektor Pit Holzwarth. Die „Rückkehr“ der Buddenbrooks in ihren Handlungsort brachte ausnahmslos ausverkaufte Aufführungen und mehrere Zusatzvorstellungen.

Literatur

Textausgaben, kommentierte Ausgaben

  • Thomas Mann. Buddenbrooks. Verfall einer Familie. Berlin: S. Fischer Verlag 1901, 2 Bde. 566 S., 539 S.
  • Buddenbrooks. Frankfurter Ausgabe. Herausgegeben und Kommentiert von Peter de Mendelssohn S. Fischer, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-10-048222-0
  • Buddenbrooks. Große kommentierte Frankfurter Ausgabe, Band 1/1–2. S. Fischer, Frankfurt am Main 2002. ISBN 3-10-048312-X. Gut edierte Ausgabe, umfangreicher Kommentarband.

Hörbuch

  • Thomas Mann. Buddenbrooks. Ungekürzte Ausgabe, gelesen von Gert Westphal. Norddeutscher Rundfunk 1979/80 / Deutsche Grammophon 2001, 22 CD, 28 Std. ISBN 3-8291-1148-7.

Sekundärliteratur

Über Buddenbrooks

  • Brand, Thomas: Thomas Mann: Buddenbrooks. Königs Erläuterungen und Materialien (Bd. 264). Hollfeld: Bange Verlag 2002. ISBN 978-3-8044-1731-1
  • Eickhölter, Manfred: Das Geld in Thomas Manns „Buddenbrooks“. Lübeck: Schmidt-Römhild, 2003.
  • Gutjahr, Ortrud (Hg.): Buddenbrooks: von und nach Thomas Mann. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2006.
  • Kehn, Wolfgang: Platz 6. Thomas Mann: Buddenbrooks, in: Christoph Jürgensen (Hg.): Die Lieblingsbücher der Deutschen, Kiel: Verlag Ludwig, 2006, S. 239–263. ISBN 3-937719-34-2
  • Bernd M. Kraske: Revolution und Schulalltag in Thomas Manns „Buddenbrooks“. Verlag Literarische Tradition. ISBN 978-3-930730-24-7
  • Lutosch, Heide: Ende der Familie - Ende der Geschichte. Zum Familienroman bei Thomas Mann, Gabriel Garcia Márquez und Michel Houellebecq. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2007,ISBN 9783895286247
  • Ken Moulden und Gero von Wilpert (Herausgeber): Buddenbrooks-Handbuch. Stuttgart: Kröner, 1988
  • Sommer, Andreas Urs: Der Bankrott ‚protestantischer Ethik‘: Thomas Manns „Buddenbrooks“. Prolegomena einer religionsphilosophischen Romaninterpretation, in: Wirkendes Wort. Deutsche Sprache und Literatur in Forschung und Lehre, Jg. 44 (1994), S. 88–110.
  • Thiede, Rolf: Stereotypen vom Juden. Die frühen Schriften von Heinrich und Thomas Mann. Zum antisemitischen Diskurs der Moderne und seiner Überwindung. Berlin, Metropol, 1998 (Buddenbrooks als antisemitischer Roman)

Von Thomas Mann und Mitgliedern der Familie Mann über die Familie Mann

  • Mann, Thomas: Über mich selbst. Fischer, Frankfurt, 1994. ISBN 3-596-12389-5
  • Mann, Thomas: Selbstkommentare: Buddenbrooks. Fischer, Frankfurt 1989.
  • Mann, Viktor: Wir waren fünf. Fischer, Frankfurt, 2001, ISBN 3-596-12275-9

Von anderen Verfassern über die Familie Mann

  • Harpprecht, Klaus: Thomas Mann – Eine Biographie, Rowohlt, Reinbek 1996, ISBN 3-498-02873-1, als Taschenbuch ISBN 3-499-13988-X
  • Reich-Ranicki, Marcel: Thomas Mann und die Seinen. Fischer, Frankfurt a. M., 1994.
  • Koopmann, Helmut: Thomas Mann – Heinrich Mann. Die ungleichen Brüder. C. H. Beck, München 2005. ISBN 3-406-52730-2

Filme

Einzelnachweise

  1. Hans Wysling. In: Thomas Mann Handbuch, hrsg. von H. Koopmann, 3. Auflage; Stuttgart A. Kröner (2001), S. 363
  2. Thomas Mann schreibt im „Lebensabriß“ (1930, S. 744): Ende 1900 (mit der Jahreszahl 1901) kamen „Budddenbrooks“ heraus.
  3. Mertz, Wolfgang: Thomas Mann. Wirkung und Gegenwart. [1]
  4. Thomas Mann, „Bilse und ich“, in ders., Gesammelte Werke in zehn Bänden (Frankfurt/Main: S. Fischer, 1925), Bd. 9, S. 3-17, S. 17. Zum Bilse-Komplex vgl. Heinrich Detering: „Thomas Mann oder Lübeck und die letzten Dinge. Buddenbrooks, Stadtklatsch, Bilse und ich“, in ders., Herkunftsorte. Literarische Verwandlungen im Werk Storms, Hebbels, Groths, Thomas und Heinrich Manns, Heide: Boysens 2001, S. 166–193
  5. Lübecker Bezeichnung für eine Hausangestellte, die der Hausherrin auf der Straße folgt bzw. hinter ihr gehend sie begleitet.
  6. Eine Ehe gegen den Widerstand der Eltern war zu dieser Zeit gleichbedeutend mit dem Bruch der Familienzugehörigkeit
  7. Vermutlich ein zweisitziger Einspänner
  8. Nach dem Tode von Jean Buddenbrook hatte Thomas das Amt des niederländischen Konsuls ausgeschlagen und seinem Onkel Gotthold zukommen lassen. Nach dessen Tod waren Amt und Titel auf Thomas übergegangen.
  9. Eine Anspielung Thomas Manns auf das gemeinsame Künstlernaturell
  10. Übereinstimmend mit der Kindheit seines Autors. Vgl. Thomas Mann: Lebenslauf (1930)
  11. Unehelich geborene Kinder waren zu dieser Zeit nicht erbberechtigt.
  12. Eine möblierte Mietwohnung
  13. Alois Permaneder war 1859 verstoben.
  14. Thomas Manns letzte Tagebuch-Notiz vom 29. Juli 1955, seines baldigen Todes gewärtig: „Lasse mir’s im Unklaren, wie lange dieses Dasein währen wird. Langsam wird es sich lichten.“
  15. Thomas Mann am 11. Mai 1902 an Hugo Marcus: „Ich zeichnete die Gestalt eines 16jährigen Dekadenten, des Ausläufers einer sozial, ökonomisch und physiologisch in Verfall gerathenen [sic] Familie“.
  16. Typhus geht mit hohem Fieber über ca. 8 Tage einher, mitunter auch länger. In dieser Fieberphase ist der Patient bewusstseinsgetrübt.
  17. Thomas Mann: In memoriam S. Fischer. In: Altes und Neues. Frankfurt am Main 1953, S. 720
  18. Mann, Thomas: Einführung in den Zauberberg für Studenten der Universität Princeton. Vorwort der 142.–143. Aufl. 1939
  19. Ernst Keller: Leitmotive und Symbole. In: Buddenbrooks-Handbuch, hrsg. von Ken Moulden und Gero von Wilpert. Stuttgart: A. Kröner 1988, S. 133
  20. Über die Kunst Richard Wagners. In: Thomas Mann: Rede und Antwort. Berlin: S. Fischer 1922, s. 360
  21. Haack, Hans-Peter: Zweideutigkeit als System. Thomas Manns Forderung an die Kunst. [2]
  22. Thomas Mann am 16. Februar 1904 an Eugen Kalkschmidt
  23. Die vier genannten Begriffe lassen sich mit wissenschaftlicher Schärfe voneinander unterscheiden (z. B. ist das Niederdeutsche aus Gründen der Lautverschiebung kein Dialekt, sondern eher eine eigene Sprache), aber natürlich sind die Übergänge fließend.
  24. Wilpert, Gero von: Sprachliche Polyphonie: Sprachebenen und Dialekte. In: Moulden, Ken und Gero von Wilpert: Buddenbrooks-Handbuch. Stuttgart: Kröner 1988, S. 145
  25. Der Herr wird es geben.
  26. Buddenbrooks, erster Teil, zweites Kapitel
  27. Buddenbrooks, fünfter Teil, erstes Kapitel
  28. Große kommentierte Frankfurter Ausgabe der Werke Thomas Manns, Kommentarband Buddenbrook, S. 571 ff.
  29. Buddenbrooks, siebenter Teil, drittes Kapitel
  30. Buddenbrooks, fünfter Teil, achtes Kapitel
  31. Buddenbrooks, zweiter Teil, Schluss des zweiten Kapitels
  32. Buddenbrooks, zehnter Teil, sechstes Kapitel
  33. Buddenbrooks, fünfter Teil, zweites Kapitel
  34. Buddenbrooks, neunter Teil, zweites Kapitel
  35. Wysling, Hans und Ivonne Schmidlin: Thomas Mann. Ein Leben in Bildern. Zürich: Artemis 1994, S. 118
  36. Wysling, Hans und Ivonne Schmidlin: Thomas Mann. Ein Leben in Bildern. Zürich: Artemis 1994, S. 106, Bildlegende zu Christian Buddenbrook
  37. Buddenbrooks, neunter Teil, zweites Kapitel
  38. Wysling, Hans und Ivonne Schmidlin: Thomas Mann. Ein Leben in Bildern. Zürich: Artemis 1994, S. 104, Legende zur Abb.
  39. Buddenbrooks, zehnter Teil, zweites Kapitel
  40. Alte Bezeichnung für Lebemann und Leichtfuß, die auch Goethe in "Wilhelm Meisters Wanderjahre" verwendet.
  41. Buddenbrooks, fünfter Teil, achtes Kapitel
  42. Eine bewusste Abweichung Thomas Manns von der Decadence-Auffassung, Verfall vergeistige.
  43. Der Schluss lehnt sich an das Ende von Goethes „Die Wahlverwandtschaften“ an
  44. Buddenbrooks, neunter Teil, viertes Kapitel
  45. Buddenbrooks, siebenter Teil, drittes Kapitel
  46. Buddenbrooks, neunter Teil, viertes Kapitel
  47. Grawe, Christian: Struktur und Erzählform. In: Buddenbrooks-Handbuch, hrsg. von Gero von Wilpert und Ken Moulden. Stuttgart: Kröner 1988, S. 105
  48. Wilpert, Gero von: Das Bild der Gesellschaft. In: Budddenbrooks-Handbuch, hrsg. von Gero von Wilpert und Ken Molden, Stuttgart: Kröner 1988, S. 247
  49. Buddenbrooks, zweiter Teil, erstes Kapitel
  50. Buddenbrooks, achter Teil, sechstes Kapitel
  51. An dieser Stelle ist anzumerken, dass die Beschäftigung mit Richard Wagner im Leben des Autors selbst eine große Rolle spielte. Vgl. Mann, Erika (Hrsg.): Wagner und unsere Zeit. Aufsätze Betrachtungen Briefe. Frankfurt am Main: S. Fischer 1963
  52. Beaton, B. Kenneth: Die Integrierung der Zeitgeschichte. In: Buddenbrooks-Handbuch, hrsg. von Ken Moulden und Gero von Wilpert, Stuttgart: Kröner 1988, S. 207
  53. Zu dieser Zeit schrieb die ärztliche Standesethik noch zwingend vor, eine schlechte Prognose dem Patienten nicht mitzuteilen. Einen Kranken über seinen baldigen Tod zu informieren, galt als Kunstfehler.
  54. Anfang 2009 folgte auf der gleichen Bühne auch eine Realisierung von Manns Joseph und seine Brüder, 6 Std., 1 Abend, wieder durch von Düffel adaptiert. Quelle: Thomas Mann fürs Theater. Deutschlandradio

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