Aloys Ruppel

Aloys (Leonhard) Ruppel (* 21. Juni 1882 in Opperz, heute Gemeindeteil von Neuhof (bei Fulda); † 11. Juli 1977 in Mainz) war ein deutscher Bibliothekar, Archivar und Historiker.

Leben

Nach Schulbesuch in Hanau studierte Ruppel Geschichte, Germanistik, Latein und Geographie in Marburg, Berlin, Münster, Straßburg. 1908 wurde er in Münster promoviert und war in den folgenden beiden Jahren als Volontär am Preußischen Historischen Institut in Rom tätig. 1911 wurde er am Bezirksarchiv Lothringen in Metz Archivassistent und Bibliothekar und 1914 dessen letzter kaiserlicher Archivdirektor.[1] Nach dem Ersten Weltkrieg wechselte er in den Bibliotheksdienst und übernahm 1919 die Leitung der Landesbibliothek Fulda.

1920 wurde Ruppel Direktor der Stadtbibliothek Mainz und der mit ihr verbundenen Institutionen, des Stadtarchivs, des Münzkabinetts und des Gutenberg-Museums mit Gutenberg-Bibliothek. Er war der Gründer und Herausgeber des Gutenberg-Jahrbuchs seit 1926 sowie maßgebendes Mitglied des Vorstandes der Gutenberg-Gesellschaft.

Am 23. Juni 1933 (am Tag vor der Johannisnacht) rettete Ruppel durch einen Trick gefährdete Buchbestände der Stadtbibliothek vor den Nationalsozialisten, die auf dem Halleplatz der damaligen Stadthalle Bücher verbrannten. 1934 wurde er aus politischen Gründen als Leiter der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs entlassen und von Richard Dertsch abgelöst, blieb aber Direktor des Gutenberg-Museums. Von 1943 bis 1950 war er, zunächst kommissarisch, wieder Direktor von Stadtbibliothek und -archiv.

Im Sommersemester 1947 erhielt Ruppel eine Professur für Buch-, Schrift- und Druckwesen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, den sogenannten „Gutenberg-Lehrstuhl“.

Wissenschaftlich beschäftigte sich Ruppel vor allem mit Leben und Werk Johannes Gutenbergs, über den er eine Biographie und zahlreiche Abhandlungen verfasste. Für das Gutenberg-Museum konnte er 1925 den zweiten Band einer Gutenberg-Bibel (B42) erwerben.

Auszeichnungen und Ehrungen

Ruppel war Ehrenbürger der Gemeinde Neuhof und der Stadt Mainz (1957). Das Gebäude des ehemaligen Schulhauses für die katholische Volksschule in Opperz, heute u. a. Vereinshaus, am Kirchplatz St. Michael im Neuhofer Gemeindeteil Opperz, trägt seinen Namen. Er war Ehrendoktor zweier amerikanischer Universitäten, ordentliches Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt und Ritter der Ehrenlegion.

Literatur

  • Alexandra Habermann, Rainer Klemmt, Frauke Siefkes: Lexikon deutscher wissenschaftlicher Bibliothekare 1925–1980. Klostermann, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-465-01664-5, S. 286–287.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ulrich Pfeil: Eugen Ewig – »Créer un ordre transnational«. Von einem Mittler zwischen Deutschland und Frankreich. In: ders. (Hrsg.): Das Deutsche Historische Institut Paris und seine Gründungsväter. Ein personengeschichtlicher Ansatz. Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-58519-3, S. 293–322, hier: S. 299.

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