Alpargatas
Espadrilles

Espadrilles sind leichte Sommerschlupfschuhe, deren verschlussloser Schaft aus Baumwolle oder Leinen und deren Sohle aus geknüpften Pflanzenfasern (Flachs, Hanf) besteht.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Dieses Schuhmodell wurde vor allem in Spanien und Südfrankreich hergestellt und getragen. Die Herkunft des Wortes Espadrilles kommt aus dem Provenzalischen (Okzitanischen). Vermutlich ist es auf das ursprünglich für die Sohle verwendeten Espartograses (Steppengras) zurückzuführen. In seiner ursprünglich spanischen Heimat (man vermutet den Ursprung des Schuhs auf Mallorca) werden diese Schuhmodelle dementsprechend espardenyes (auf Katalanisch) oder alpargatas (auf Spanisch) genannt.

Traditionelle Espardenyes aus Katalonien
Espardenyes beim Ball de Bastons in Barcelona

Inzwischen handelt es sich um ein allgemein bekanntes Sommerschuhmodell, welches in allen denkbaren Schaftfarben erhältlich ist und gelegentlich fälschlich "Espandrillos" genannt wird. Espadrilles kamen als Sommersaisonartikel in Deutschland in den 1980er Jahren in Mode. Schon im gleichen Jahrzehnt führten Billigimporte aus dem asiatischen Raum zu einem harten Konkurrenzkampf mit den ursprünglichen europäischen Herstellern, was zu einem teils dramatischen Preisverfall führte.

Eigenschaften

Espadrilles sind aufgrund der luftdurchlässigen und saugfähigen Materialien sehr atmungsaktiv; darüber hinaus auch sehr leicht; sie bieten aber andererseits dem Fuß kaum Halt, keine Stütze und nur minimale Dämpfung.

Aufgrund ihres einfachen Aufbaus (der Naturgewebeschaft wird mit einer sehr groben Überwendlichnaht an die Sohle genäht) kosten diese Schuhe deutlich unter 10 € (Stand 2005). Allerdings widerstehen sie als ausgesprochene „Sommerschuhe“ keinen feuchten Umgebungsbedingungen. Eine Verbesserung der Widerstandsfähigkeit gegen feuchte Untergründe brachte ein ganz oder zumindest teilweiser Überzug der Lauffläche der Hanfsohle mit einer dünnen Lage Gummi. Allerdings beginnt sich diese, bedingt durch die ständige Biegebelastung und der schwierigen Befestigung an den groben Pflanzenfasern der Hauptsohle, nach kurzer Zeit partiell zu lösen, und reißt dann über kurz oder lang ab.

Verwendung

Ein Regal voller paarweise zusammengelegter Espadrilles in Barcelona

Ein reiner, barfuß zu tragender Sommerschuh für beiderlei Geschlechter (und Kinder) für trockenen Untergrund und keine langen Wegstrecken. Da der hintere Schaftteil sich einfach nach innen auf die Sohle umklappen lässt, werden Espadrilles auch als pantoffelähnliche Schlupfschuhe verwendet.

Varianten

Bekannte Designerlabels und „angesagte“ Marken brachten Espadrilles-ähnliche Modelle mit Aufdrucken in Markenfarben (so beispielsweise bei Tommy Hilfiger) oder mit einem Lederschaft (etwa bei der Handelskette Görtz) zu entsprechend höheren Preisen auf den Markt. In der Sommerkollektion namhafter Modelabels (Hermès, Zanotti, Ungaro, Marc Jacobs, Louis Vuitton) fanden sich 2005 zum Thema „Riviera-High-Society-Shoe“ oder „Dolce-Vita-Espadrilles“ zahlreiche Leinenschuhe als reine Damenmodelle mit Keilabsatz. Nicht nur die Einführung des Absatzes, sondern auch eine zusätzliche Schnürung an diesen Damensommerschuhen, lassen zwar noch den Modellursprung erahnen, doch sind diese Schuhe nicht mehr Espadrilles zuzurechnen.

Espadrilles/Espardenyes im Volkslied und in der Volkskunst

Im Volkslied und der Volkskunst der katalanischen Länder spielen die Espadrilles, dort vorwiegend Espardenyes genannt, eine bedeutende, nahezu existentielle Rolle. Beispielhaft für ersteres mag das valencianische Volkslied Albaes (dt.: Morgenständchen) [1] stehen. Hier handelt eine Strophe speziell von den Espardenyes:

Albaes (dt.: Morgenständchen, Ausschnitt)

Strophe Valencianisch Deutsch

1
 

A la vora del riu, mare,

m'he deixat les espardenyes. (2x)

Mare, no li ho diga al pare

que jo tornaré a per elles. (2x)

Mutter, am Ufer des Flusses

habe ich meine Espardenyes stehen gelassen.

Mutter, sag dies nicht dem Vater!

Denn ich gehe zurück, sie zu holen.

Sardanatänzer in traditioneller katalanischer Bauerntracht

Interpretiert man diese Strophe aus dem gesamten Kontext des Liedes heraus (der Mond beneidet das Mädchen um seine Liebe etc.), stehen die verlorenen Espardenyes symbolisch für die „Unschuld“ des Mädchens, die es an dem im Lied genannten Fluss wohl verloren hat. [2]

Die espardenyes sind klassischerweise ein Element der bäuerlichen, katalanischen Volkstracht. Dies belegt auch nebenstehende idealtypische Kunstkeramik (4 gerahmte Kacheln) mit einem Sardana-Motiv. Zwei junge Paare tanzen in katalanischer Bauerntracht die Sardana. Die beiden Herren tragen als Schuhwerk die espardenyes. Die stark ausgeprägte Verbreitung der espardenyes in der katalanischen bäuerlichen Volkskultur (Volkslied, Volkstanz, Volkskunst) legt eine Entstehung dieses Schuhtypes im bäuerlichen Umfeld der katalanischen Länder (Katalonien, Valencia und den Balearen) nahe. [3]

Sprachliches

Die Herkunft des Begriffs liegt im Provenzalischen / Okzitanischem: „espardillo“ (von „espart“ für Espartogras).

  • Espadrilles wird im englischsprachigen Raum als Überbegriff für Leinenschuhe mit Hanf- oder Strohsohle verwendet, wobei all die mediterranen und südamerikanischen Assoziationen ein wesentlicher Bestandteil des Begriffes sind.
  • Leinenschuhe mit Flachs- oder Grassohlen werden in Spanien allgemein als alpargatas bezeichnet. In Touristengebieten ist aber auch die Bezeichnung Espadrilles bekannt, vermutlich durch den Einfluss der Modebranche oder weil Touristen diesen Ausdruck bei der Suche nach diesem Produkt verwenden.
  • Espardenyes wird in Katalonien als Überbegriff für Leinenschuhe mit Strohsohle verwendet.
  • Als Alpargatas wird auch die traditionelle einheimische Fußbekleidung der Kleinbauern in Venezuela bezeichnet.

Trivia

Fußnoten

  1. Dieses Volkslied existiert unter dem Titel Alborada auch in einer vielseits bekannten, spanischsprachigen Variante.
  2. Im Deutschen würde man wohl formulieren: Dieses Mädchen hat den Boden unter den Füßen verloren. Es wird aber einen neuen Boden finden.
  3. Weitere Elemente der katalanischen Volkstracht sind die rote (für jüngere Herren) / dunkelviolette (für gesetztere Herren) barretina (die traditionelle Bauernmütze) und die faixa, das ist ein meist schwarzes Tuch, das hier vom Herren auf der linken Seite in der Abbildung um die Hüfte getragen wird. Die Damen tragen beide das traditionelle katalanische Haarnetz, die xarxa, das ähnlich wie ein Fischernetz aus Knoten und Fäden erstellt wird.

Literatur

  • Linda O’Keeffe: Schuhe. Verlag Könemann bei Tandem und Ullmann/Tandem, Königswinter, 2005, ISBN 3-83311-098-8

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