Hermann Graf

Hermann Graf (* 24. Oktober 1912 in Engen; † 4. November 1988 in Rastatt) war ein hochdekorierter Jagdflieger der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg, zuletzt im Range eines Oberst.

Inhaltsverzeichnis

Jugend

Er absolvierte eine Verwaltungslehre als Grundbuchbeamter und wurde anschließend Angestellter. Nebenbei widmete er sich seinem Hobby, der Segelfliegerei. Nachdem er alle Segelfliegerprüfungen bestanden hatte, wurde er 1939 zur Wehrmacht eingezogen.

Zweiter Weltkrieg

Im April 1939 machte er einen Unteroffizierslehrgang. Während des Krieges gegen Frankreich flog er 21 Einsätze, ohne einen einzigen Schuss abzufeuern. Im Frühjahr 1940 wurde Graf ins Jagdgeschwader 51 versetzt. Er flog auch über Griechenland und Kreta, hatte aber nach diesen gesamt 50 Einsätzen immer noch keinen Abschuss. Erst am 4. August 1941 erzielte er seinen ersten Abschuss eines feindlichen Flugzeuges in der Nähe von Kiew. Nachdem in der Folge die Zahl seiner Luftsiege schnell anstieg, wurde er im Dezember 1941 zum Leutnant der Reserve befördert und erhielt den Ehrenpokal der Luftwaffe. Ende Januar 1942 erhielt Graf für 45 Abschüsse das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Im März 1942 wurde er Staffelkapitän im Jagdgeschwader 52.

Im Mai 1942 konnte er seinen 100. Luftsieg melden und erhielt dafür das Eichenlaub, zwei Tage später wurden ihm die Schwerter verliehen. Am 9. September 1942 gelang Graf der Abschuss des 172. Feindflugzeuges, eine damals noch nicht erreichte Marke, die zur Verleihung der Brillanten führte. Damit war er der fünfte Soldat der Wehrmacht, dem diese Auszeichnung verliehen wurde. Als erster Jagdflieger der Welt erreichte er 200 Luftsiege, als er am 26. September 1942 über dem Flugplatz Pitomnik bei Stalingrad seinen 200. bis 202. Gegner abschoss. Darauf wurde er zum Hauptmann befördert.

Nach einer schweren Verwundung im Luftkampf Ende des Jahres 1942 wurde er in der Genesungsphase zum Kommandeur der Jagdflieger-Ergänzungsgruppe Ost ernannt.

Geschwaderkommodore

Im März 1943 stellte er das Jagdgeschwader 50 auf, das er bis zum September 1943 führte. Im September 1943 wechselte er als Kommodore zum Jagdgeschwader 11. Hier errang er zehn bestätigte Abschüsse gegen viermotorige Bomber vom Typ B-17 und B-24. Bei einem Luftkampf am 29. März 1944 hatte er zwei schwere Bomber abgeschossen, als er von einer P-51 angegriffen wurde. Da er keine Munition mehr hatte, rammte er die gegnerische Maschine und rettete sich schwer verletzt mit dem Fallschirm. Dies war sein 212. Luftsieg und gleichzeitig sein letzter bestätigter Abschuss. Anschließend musste er für sechs Monate ins Lazarett.

Nach weiteren Beförderungen wurde Graf Ende September 1944 Kommodore seines Jagdgeschwaders 52, zuletzt im Range eines Obersten. In dieser Funktion beteiligte er sich im Januar 1945 an der so genannten Meuterei der Jagdflieger gegen Reichsmarschall Hermann Göring unter Führung von Oberst Günther Lützow (siehe dort)[1], die am 19. Januar 1945 zu einer dramatischen Aussprache im Haus der Flieger in Berlin mit Göring führte. Obwohl er danach als Teilnehmer an dieser (in den Augen Görings) Meuterei Startverbot hatte, beteiligte er sich weiterhin an Gefechten. Dass er diese Anweisung ignorierte, wurde jedoch nicht gemeldet und somit waren auch keine anerkannten Luftsiege für ihn zu verbuchen.

Kriegsende

Beim Kriegsende marschierte er mit seiner Jagdstaffel Richtung Westen. Er wurde von amerikanischen Truppen gefangen genommen und an die Sowjetunion ausgeliefert. Erst 1950 kam er aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft frei. Er distanzierte sich von den Verbrechen des Hitler-Regimes und erklärte, der Krieg sei ein Fehler gewesen, da er den Morden der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD Vorschub geleistet habe.

Trivia

Graf war ein begeisterter Fußballspieler und gründete eine im Reich populäre Fußballmannschaft, die „Roten Jäger“, für die bekannte Spieler (darunter Fritz Walter) an den jeweiligen Standort seines Geschwaders abkommandiert wurden. Er pflegte engen Kontakt zum damaligen Reichstrainer und späteren Bundestrainer Sepp Herberger. Sein Kamerad Günther Rall schreibt in seinen Memoiren, dass Graf sich bei einem Fußballspiel den Kiefer verletzte, was dazu führte, dass man ihn oft nur schwer verstehen konnte.

Auszeichnungen

Siehe auch

Literatur

  • Dirk Bitzer / Bernd Wilting: Stürmen für Deutschland: Die Geschichte des deutschen Fußballs von 1939 bis 1945. Campus-Verlag, Frankfurt a.M. 2003, ISBN 3-593-37191-X, S. 152ff.
  • Bernd Ottnad (Hrsg., im Auftrag der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg): Baden-württembergische Biographien, Bd. 2, Kohlhammer, Stuttgart 1999, ISBN 3-17-014117-1, S. 166f.
  • Ernst Obermaier, Die Ritterkreuzträger der Luftwaffe, Verlag Hoffmann, 1989, Seite 21, ISBN 978-3-87341-065-7

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Sein Name wird zwar in der Schilderung der Ereignisse bei Steinhoff In letzter Stunde, List 1974, S. 156, nicht erwähnt, aber in David Irving Göring, S. 667

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