Hermann Heimpel

Hermann Heimpel (* 19. September 1901 in München; † 23. Dezember 1988 in Göttingen) war ein deutscher Historiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Der Sohn eines Eisenbahningenieurs erhielt seine schulische Ausbildung am humanistischen Theresien-Gymnasium München, dem er in seinem autobiographischen Roman „Die halbe Violine“ (1949) ein eigenes Kapitel widmet. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs schloss er sich dem Freikorps Epp an.[1] Er promovierte 1924 in Freiburg bei Georg von Below. 1927 erfolgte seine Habilitation bei Heinrich Finke, Georg von Below und Gerhard Ritter. Heimpel hatte Professuren in Freiburg ab 1931, in Leipzig ab 1934 und an der „Reichsuniversität Straßburg“ ab 1941 inne. Seine Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus ist umstritten. Er verhielt sich systemkonform und behauptete bereits 1933, von dem NS-Politiker Richard Walther Darré auf den richtigen Weg gebracht worden zu sein.[1]

Von 1947 bis 1966 war Heimpel Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Göttingen, von 1956 bis 1971 Direktor des Max-Planck-Instituts für Geschichte in Göttingen, das er gegründet hatte. Von 1945 bis 1988 war er Mitglied der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae Historica (MGH). Für die MGH betreute er die Staatsschriften des späteren Mittelalters, für die Historische Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften die Ausgabe der Deutschen Reichstagsakten. Seit 1952 war er korrespondierendes Mitglied der Münchner Akademie, seit 1947 ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

Heimpel war in der Nachkriegszeit einer der profiliertesten deutschen Historiker. Als er das Göttinger Institut 1956 gründete, war er Vorsitzender der Westdeutschen Rektorenkonferenz (seit 1953). 1957/58 war er als Nachfolger des Bundespräsidenten Theodor Heuss im Gespräch. Sein Spezialgebiet war das deutsche Spätmittelalter. Heimpel schätzte die quellennahe Arbeit aber auch die essayistische Darstellung.

1985 wurde Heimpel mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa ausgezeichnet.

Sein Sohn Christian Heimpel veröffentlichte die autobiographische Erzählung Bericht über einen Dieb (Göttingen 2004), die sich unter anderem mit der Nazi-Verstrickung der Straßburger Professoren auseinandersetzt.

Schriften

  • Die halbe Violine. Eine Jugend in der Residenzstadt München. Stuttgart 1949 (autobiographische Erzählung über die Jugend in München, weitere Auflagen bis 1985), ISBN 3-518-37590-3.
  • Der Mensch in seiner Gegenwart. Göttingen 1954.
  • Kapitulation vor der Geschichte?. Göttingen 1957.
  • Zwei Historiker, Friedrich Christoph Dahlmann, Jacob Burckhardt, Göttingen 1962. (= Kleine Vandenhoeck-Reihe, Band 141)
  • Geschichtsvereine einst und jetzt.. Göttingen 1963.
  • Drei Inquisitionsverfahren aus dem Jahre 1425. Akten der Prozesse gegen die deutschen Hussiten Johannes Drändorf und Peter Turnau sowie gegen Drändorfs Diener Martin Borchard. Göttingen 1969. (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Band 24)
  • Die Vener von Gmünd und Straßburg 1162–1447. Göttingen 1982, ISBN 3525353782.

Literatur

  • Hartmut Boockmann: Der Historiker Hermann Heimpel. Göttingen 1990, ISBN 3-525-33569-5. (= Kleine Vandenhoeck-Reihe, Band 1553)
  • Horst Fuhrmann: Nachruf Hermann Heimpel In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 45 (1989) S. 372–374.
  • Josef Fleckenstein: Gedenkrede auf Hermann Heimpel. In: In memoriam Hermann Heimpel, Göttingen 1989, ISBN 3-525-82641-9.
  • Michael Matthiesen: Verlorene Identität. Der Historiker Arnold Berney und seine Freiburger Kollegen 1923–1938. Göttingen 2001, ISBN 3-525-36233-1.
  • Ernst Schulin: Hermann Heimpel und die deutsche Nationalgeschichtsschreibung (= Schriften der Philosophisch-historischen Klasse der Heidelberger Akademie der Wissenschaften 9). Heidelberg 1998. ISBN 3-8253-0765-4.
  • Klaus P. Sommer: Eine Frage der Perspektive? Hermann Heimpel und der Nationalsozialismus. In: Tobias Kaiser/Steffen Kaudelka/Matthias Steinbach (Hrsg.): Historisches Denken und gesellschaftlicher Wandel. Studien zur Geschichtswissenschaft zwischen Kaiserreich und deutscher Zweistaatlichkeit, Berlin 2004, S. 199–223, ISBN 3-936411-23-9.

Weblinks

Anmerkungen

  1. a b Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 239.

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