Alpines Sportklettern
Die unterschiedlichen Arten des Sportkletterns: (1) Verschneidungsklettern, (2) Plattenklettern,
(3) Wandklettern, (4) Überhangklettern,
(5) Kantenklettern, (6) Dachklettern, (7) Quergang

Sportklettern ist eine Form des Freikletterns, dessen moderne Ausprägung Ende der 60er und Anfang 70er Jahre in den USA entstand und sich seitdem mit großen Zuwachsraten international ausbreitet. Dabei wurde das Klettern weltweit revolutioniert. In Deutschland erzwang das Sportklettern 1977, nach der Erstbegehung der Route "Pumprisse" durch Reinhard Karl, die unbegrenzte Öffnung der UIAA Schwierigkeitsskala nach oben.

Beim Sportklettern stehen im Gegensatz zum klassischen Bergsteigen weniger alpinistische, sondern eher sportliche Motive im Vordergrund; anstatt einen Gipfel zu erreichen, geht es beim Sportklettern darum, die Kletterroute an sich, d. h. meist hohe technische Schwierigkeiten auf kurzen Strecken zu überwinden. Der Begriff bezieht sich nicht nur auf das Klettern am natürlichen Fels, sondern auch auf das Klettern an künstlichen Anlagen wie zum Beispiel in der Kletterhalle.

Beim Sportklettern dienen Seil und Haken üblicherweise nur als Sicherung und werden nicht für die Fortbewegung benutzt. Meistens wird in Zweierseilschaften geklettert, wobei sich eine Person am Boden befindet oder in einem Stand fixiert ist und sichert, während die andere Person klettert. Seltener angewandt werden Techniken, mit denen sich eine einzelne Person während des Kletterns selbst sichert (Solo-Klettern). Wird ganz auf eine Sicherung verzichtet, spricht man vom Free-Solo-Klettern.

Sportklettern wird sowohl als Breitensport als auch als Wettkampfsport betrieben. Als Bewegung umfasst das moderne Sportklettern nicht nur rein klettertechnische oder sportliche Aspekte, sondern ein ganzes Lebensgefühl, in dem oftmals Werte wie "Coolness", Spontanität, Kreativität, Hedonismus oder gelebte Freiheit zum Ausdruck kommen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Abgrenzungen zum alpinen Klettern

Sportklettern (meist im Klettergarten) steht im Gegensatz zum klassischen alpinen Klettern. Während im klassischen alpinen Klettern oft das Bezwingen eines Berges im Vordergrund steht, geht es beim Sportklettern nur darum, Routen (oft an der eigenen Leistungsgrenze) im Sinne des Freikletterns zu bewältigen.[2] Sportkletterrouten sind in der Regel viel kürzer (meist: 10–30 m, teilweise auch bis zu 100 m) und erstrecken sich oft nur über einen einzelnen Fels. Die Routen sind meistens mit fixen und in kurzen Abständen angebrachten Bohrhaken abgesichert. Durch die engen Hakenabstände und die optimal fixierten Sicherungspunkte ist die Verletzungsgefahr bei einem Sturz im Vergleich zu Stürzen im alpinen Gelände viel geringer, was ermöglicht, an der Sturz- und damit an der Leistungsgrenze zu klettern. Teilweise müssen aber mobile Sicherungsgeräte wie Friends oder Klemmkeile selbst angebracht werden. Werden nur mobile Sicherungsgeräte verwendet, dann nennt man diese Art des Kletterns „Clean Climbing“, da die Route nach dem Klettern wieder in den natürlichen Zustand gebracht, also „gesäubert“ wird. In Klettergärten sind zudem die Gefahren durch Naturgewalten wie Lawinen oder Steinschlag kleiner als unter alpinen Bedingungen. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die Routen häufig vom Erstbegeher oder Einrichter von losem Fels gesäubert werden.

Die Grenze zwischen Sportklettern und alpinem Klettern ist bedingt durch die Entwicklung der Sicherungsausrüstung mittlerweile fließend. Die Spielform des alpinen Sportkletterns bewegt sich in diesem unscharf definierten Grenzbereich zum traditionellen alpinen Klettern. Es existieren ehemals alpine Routen, die heute gut abgesichert sind und zu leichten Sportkletterrouten geworden sind. Andererseits bezwingen heutige Spitzenkletterer auch unter alpinen Verhältnissen mit, je nach Route auch schlechter Absicherung oder ganz ohne fixes Sicherungsmaterial Schwierigkeiten, wie sie fürs Sportklettern typisch sind. So existieren mittlerweile auch alpine Sportkletterrouten von mehreren hundert Metern Länge und technischen Schwierigkeiten bis zum elften UIAA-Schwierigkeitsgrad.

Sicherungsformen

Das Sportklettern ist eine Sportart bei der es durch die Höhe der Felsen zum Absturz des Kletterers kommen kann. Aus diesem Grunde ist es notwendig ein Kletterseil und einen sichernden Kletterpartner zu verwenden. Dabei gibt es verschiedene Formen des Sicherns und Gesichertwerdens. Grundsätzlich können Vorstiegsklettern, Topropeklettern, Nachstiegsklettern und ungesichertes Klettern unterschieden werden.

Begehungsstile im Sportklettern

Hauptartikel: Begehungsstil

Sportkletterrouten können auf verschiedene Arten durchstiegen werden. Diese Arten von Klettern werden als Begehungsstile bezeichnet. Dabei haben nicht alle Begehungsstile den gleichen sportlichen Wert. Was welchen sportlichen Wert hat, ist jeweils das allgemein anerkannte Resultat einer sich weiterbewegenden Diskussion unter allen Kletterern. Als vollwertig gelten heute nur – mit abnehmender Wertigkeit – die On-Sight-, die Flash- und die Rotpunktbegehung. Die Rotkreuzbegehung wird als nicht vollwertige Begehung trotzdem noch anerkannt. Das Durchklettern einer Route mit anderen Stilen wie AF- oder A0 wird nicht als Begehung anerkannt und dient lediglich dem Einüben als Vorbereitung einer stilmäßig anerkannten Durchsteigung der Route.

Bei der Rotpunktbegehung ist das Ziel die sturzfreie Durchsteigung einer Route oder Seillänge „in einem Zug“ mit eigener Kraft, im Sinne des Freikletterns. Die Zwischensicherungen und das Seil dürfen zu keinem Zeitpunkt der Begehung belastet werden (z.B. zum Ausruhen inmitten einer Route). Als klassische Rotpunktbegehung zählt nur die Bewältigung einer Route im Vorstieg, mit dem Einhängen aller Zwischensicherungen aus der Kletterposition. Beim On-Sight-Klettern gelten die gleichen Regeln wie beim Rotpunktklettern, zusätzlich ist allerdings gefordert, dass die Begehung beim ersten Versuch erfolgreich sein muss. Dabei darf der Kletterer auch keine Vorinformationen haben, die durch frühere eigene Versuche, durch Erklärungen anderer Kletterer oder vorherige Beobachtung von anderen Kletterern in der Route entstanden sind. Auch während des Kletterns darf der Akteur von anderen Kletterern keine Tipps zugerufen bekommen. Erlaubt ist hingegen eine genaue optische Analyse vom Boden aus. Im Unterschied zur Rotpunktbegehung hat man demgemäß in jeder Route nur einmal die Chance, die Route On-Sight zu begehen. Hat man vor der Begehung einen Kletterer in der Route beobachtet oder Tipps zu dieser Route erhalten, gilt ein Durchstieg nur noch als Flash-Begehung. Auch hier gilt: Es gibt nur beim ersten Versuch eine Flash-Chance.

Die Rotkreuzbegehung ist eine Rotpunktbegehung ohne Vorstieg mit Seilsicherung von oben. Da bei dieser Form die psychische Komponente (Sturzangst) im Vergleich zum vorgestiegenen Rotpunktklettern weniger ausgeprägt gefordert wird, gilt dieser Stil als nicht ganz vollwertig. Beispielsweise kann man so keine Neutour sportklettermäßig erstbegehen. Trotzdem ist er noch knapp anerkannt als Stil, mit dem eine Route begangen werden kann.[3] Dies zeigt sich beispielsweise daran, dass es auf der internationalen Rankingseite 8a.nu noch Punkte dafür vergeben werden.[4] AF steht für all free (alles frei) und meint den Durchstieg einer Route bei dem alle Bewegungen (all) mit eigener Kraft im Sinne des Freikletterns (free) vollzogen wurden. Im Gegensatz zu den obigen Stilen darf dabei aber beliebig, am Material hängend, Pause gemacht werden. Dabei muss aus der letzten vor der Pause eingenommenen Kletterstellung weitergeklettert werden. Es ist also nicht erlaubt, die Ruhepause zu nutzen, um eine Position aufzulösen, aus der ein Weiterklettern nicht möglich ist. Der Begehungsstil A0 gehört zum technischen Klettern. A steht für artificiel (französisch für „künstlich“), A0 ist dabei der erste Schwierigkeitsgrad. Eine solche Begehung erlaubt das Halten und Fortbewegen mit Hilfe von Seil und Bohrhaken oder anderen Zwischensicherungen. Im Sportklettern dient dieser Stil ausschließlich der Vorbereitung für eine spätere Begehung in einem anerkannten Stil. Als Begehungsstil ist A0-Klettern nicht anerkannt.

Spielformen des Sportkletterns

Das Sportklettern kann auf verschiedene Arten betrieben werden. Diese Spielformen überschneiden sich teilweise. Ein durchschnittlicher Sportkletterer praktiziert immer mehrere Spielformen. Differenzierungskriterien können die Motivation, der Ort, die Beschaffenheit der Wände, die Absicherung und anderes sein. Das gemeinsame aller Spielformen ist die Forderung nach dem anerkannten Begehungsstil.

Plaisirklettern

Der Begriff Plaisierklettern wurde 1992 von Jürg von Känel mit dem Titel eines Kletterführers namens „Schweiz Plaisir“ eingeführt.[5] Als Plaisirkletterer werden darin diejenigen bezeichnet, die hauptsächlich in unteren Schwierigkeitsgraden zum Genuss (französisch: plaisir) klettern.

Um eine Route als Plaisierroute zu klassifizieren, braucht es dazu einen entsprechend leichten bis moderaten Schwierigkeitsgrad, eine Absicherung mit Bohrhaken[6], die ein sicheres Klettern für jedermann ermöglicht, und einen eher kurzen, risikoarmen Zu- und Abstieg. Als Grenze zum Schwierigkeitsklettern wird, im Sinne von Känels, ungefähr der Schwierigkeitsgrad 7+ (UIAA) bzw. 6c (franz.) angesehen. Oftmals sind solche Klettermöglichkeiten für Erwachsene und Kinder gleichermaßen und damit für die gesamte Familie geeignet. Der Nachteil von Plaisir-Klettergebieten oder -Routen ist allerdings die große Zahl an Kletterern und der dadurch teilweise stark abgenutzte („abgespeckte“) Fels. Durch die häufige Besteigung der Felsen verändert sich die Felsoberfläche der ständig benutzten Griffe und Tritte zu einem glatten, marmorartigen Gestein. Dies verschlechtert die Reibung und kann dementsprechend die Route erschweren, da der Kletterer an diesen Stellen leichter vom Fels abrutscht. Durch eine sorgfältige und geschulte Tritttechnik kann dieses Problem aber verringert werden.

Insgesamt ist das Plaisirklettern neben dem Hallenklettern die am weitesten verbreitete Spielform des Sportkletterns und eine bedeutende Komponente der Entwicklung des nicht primär leistungs- und schwierigkeitsorientierten Breitensports.[7][8]

Schwierigkeitsklettern

Im Gegensatz zum Plaisirklettern steht beim Schwierigkeitsklettern (teilweise von Laien auch undifferenziert als Extremklettern bezeichnet) das Klettern in mittleren und hohen Schwierigkeitsgraden - meist an der persönlichen Leistungs- und Sturzgrenze - im Vordergrund. Stürze werden dabei, bis zum Erlangen des Klettererfolgs, bewusst in Kauf genommen. Falls der Kletterer entscheidet die Route on-sight oder flash zu versuchen hat er dazu einen Versuch der gelingt - oder mit einem Sturz endet. Danach wird die Route zum persönlichen Kletterprojekt. Bis zum erfolgreichen Durchstieg, im anerkannten rotpunkt Begehungsstil, übt der Kletterer in seinem "Projekt". Dabei können verschiedene Arbeitsschritte differenziert werden:

  • Das Präparieren der Route mit dem Ziel die Expressschlingen einzuhängen oder ein Toprope einzurichten. Dieser Schritt wird des Öfteren auch in Form von technischen Klettern bewältigt.
  • Das Ausbouldern der Route mit dem Ziel die einzelnen Bewegungen zu lernen. Da hier im AF Begehungsstil an den Haken oder im Seil hängend ausgeruht wird, reduzieren sich die Kletterpassagen zu kurzen Sequenzen, wie dies ansonsten beim Bouldern der Fall ist.
  • Die Rotpunktversuche, bei denen der Kletterer versucht die Route Rotpunkt zu klettern. Hier wird geklettert bis zum Sturz oder Aufgeben durch ein Halten oder Ausruhen am Bohrhaken.
  • Der Durchstieg, bei dem der Kletterer die Route Rotpunkt klettert.
  • Das Abbauen, bei dem es einzig und alleine darum geht das persönliche Material wieder aus der Route zu entfernen.

Je nach dem, wie schwierig die Route ist (im Vergleich zur momentanen persönlichen Leistungsfähigkeit), kann der Kletterer auch direkt mit dem Ausbouldern oder mit den Rotpunktversuchen beginnen.

Bouldern

Bouldern in Fontainebleau in der Nähe von Paris.

Hauptartikel: Bouldern

Bouldern ist Sportklettern in Absprunghöhe. Daher fehlen Sicherungsseil und Klettergurt. Wesentliche Ausrüstungsteile sind Kletterschuhe, ein Magnesiabeutel, eine Zahnbürste (um die Griffe zwecks besserer Reibung zu putzen), ein Teppich zum Putzen der Schuhe und eine Bouldermatte (Crashpad, um Stürze abzufangen und Fußverletzungen zu vermeiden). Sogenannte Boulderprobleme können nur aus wenigen senkrechten Zügen bestehen, waagerecht oder quer können sie aber beliebig weit reichen.

Boulderer reizt es, für eine verhältnismäßig kurze Kletterroute alle Kletterfähigkeiten in besonders konzentrierter Form einzusetzen.

Meist müssen einzelne Passagen mehrmals versucht oder gar häufig geübt werden, um ein Boulderproblem optimal zu lösen. Da Boulderprobleme oft komplexe Bewegungsmuster verlangen, geht es in einem ersten kreativen Schritt darum, herauszufinden, wie die Bewegungen funktionieren. Es gilt, das Rätsel, das Problem geistig zu lösen.

Konditionell ist beim Bouldern in der Regel ein höchst möglicher Krafteinsatz („Maximalkraft“) notwendig.

Boulderschwierigkeiten drückt man in der Fontainebleau-Skala (FB) aus.

Alpines Sportklettern

Seit Beginn des Sportkletterns beschränkten sich die Sportkletterer nicht nur auf die Klettergärten. Auch im alpinen und hochalpinen Gelände werden Mehrseillängenrouten und deren einzelne Seillängen im Rotpunktstil frei geklettert.[9] Die Übertragung der Errungenschaften des Schwierigkeitskletterns auf hohe Alpenwände wurde von Wolfgang Güllich als logische und zwingende Entwicklung bezeichnet.[10].

Der wesentliche Unterschied zum klassischen alpinen Klettern ist im weiten Sinne – unabhängig von der Qualität der Absicherung – der sportklettermäßig anerkannte Begehungsstil, mit dem die Route durchklettert wird.[11]. Im engen Sinne kann man unter alpinem Sportklettern aber auch nur diejenigen Routen zusammenfassen, die neben der Rotpunktbegehung auch soliden Fels und gute, fix installierte Sicherungsmittel – üblicherweise Bohrhaken – aufweisen.[12] Im Gegensatz zum Klettern im Klettergarten handelt es sich bei alpinen Sportkletterrouten immer um Mehrseillängenrouten.

Alpines Sportklettern erfordert vom Kletterer zusätzliche alpinistische Kenntnisse, beispielsweise über Wetterkunde, Orientierung, alpine Gefahren und Bergungstechniken. Diese zusätzlichen Anforderungen bewirken, dass bei alpinen Sportkletterrouten der reine Schwierigkeitsgrad an Aussagekraft verliert.

Weitere Unterteilungen

Outdoor Klettern

Unter Outdoorklettern versteht man das Klettern im Freien an natürlichen Felsen und Wänden.

Indoorklettern / Hallenklettern

Der Begriff Hallenklettern oder Indoorklettern bezeichnet das Klettern in der Kletterhalle oder an privaten häuslichen Trainingswänden. Durch das ständig wachsende Angebot an Kletterhallen nimmt auch die Zahl an Indoorkletterern zu. Die meisten Hallenkletterer gehen früher oder später auch zum Outdoorklettern. Es gibt jedoch auch eine wachsende Zahl an Sportkletterern, die auch längerfristig, im Sinne eines reinen Fitnesssports in der Kletterhalle bleiben. Umgekehrt wächst aber auch die Akzeptanz der Kletterhalle als Wintertraining für überzeugte Outdoorkletterer. Die Kletterhallen sind zusammen mit dem Plaisirklettern wesentliche Träger der Entwicklung des Sportkletterns zum Breitensport.

Buildering

Unter Buildering oder urban climbing versteht man das Klettern an Gebäuden und künstlichen Mauern. In Städten wie beispielsweise Berlin, um die kaum natürliche Felsen zu finden sind, wird legal an alten Bunkern und ähnlichen Gebäuden geklettert. Höhere Touren sind dabei, analog zu normalen Kletterrouten mit fixen Bohrhaken abgesichert.[13]

Traditionelles Klettern (Trad Climbing)

Als Traditionelle Klettern bezeichnet man das Klettern von Routen ohne Bohrhaken nur mit Normalhaken, Klemmkeilen und Klemmgeräten.

Clean-Klettern

Als Clean-Klettern bezeichnet man das nur mit Klemmkeilen und Klemmgeräten gesicherte Klettern mit der Absicht, bei der Begehung möglichst keine bleibenden Spuren am Fels zu hinterlassen. Clean-Klettern gehört zum traditionellen Klettern verbietet aber im Gegensatz dazu den Gebrauch von Normalhaken, da diese beim Einschlagen oft den Fels beschädigen oder nach der Begehung nicht wieder entfernt werden können. Die Sicherheit der Klemmkeile hängt auch wesentlich vom Stein ab in dem diese verwendet werden. Während Klemmkeile im Granit und Sandstein nach dem korrekten Legen in der Regel sicher halten, sind sie im Kalk- und Dolomitgestein ein besonderer, schwer zu kalkulierender Risikofaktor. Dies dürfte mitunter ein Faktor sein weshalb das Clean-Klettern im europäischen Sportklettern immer eine Randerscheinung geblieben ist.[14]

Free-Solo-Klettern

Free-Solo-Klettern bedeutet Klettern ohne Seil oberhalb der Absprunghöhe.

Deep Water Soloing

Deep Water Soloing ist Free-Solo-Klettern über tiefem Wasser, so dass der Kletterer im Falle eines Sturzes ins Wasser fällt.

Wettkampfklettern

Lead-Klettern bei einem Regionalwettkampf im Gymnase Jean-Christophe Lafaille in Voiron (Frankreich).

Kletterwettkämpfe finden heute fast ausschließlich an künstlichen Kletterwänden statt. International richtet die International Federation of Sport Climbing (IFSC) Weltmeisterschaften, einen Weltcup und Kontinentalmeisterschaften in den Kategorien Männer, Frauen, Jugend und Junioren (mit diversen Unterkategorien) aus. Im internationalen Spitzensport wird in drei Disziplinen geklettert: Schwierigkeits- bzw. Lead-Klettern, Bouldern und Speedklettern.

Neben diesen offiziellen Wettkämpfen gibt es auf internationaler Ebene noch die privaten Master-Wettkämpfe, wie beispielsweise der Rockmaster in Arco (Italien), welche einen hohen Status aufweisen und oft eine längere Tradition haben als die offiziellen Wettkämpfe. Bei diesen Wettkämpfen kommen teilweise auch andere Disziplinen wie das After-Work, bei der die Kletterer die Möglichkeit haben, für eine bestimmte Zeit in der Route zu üben, oder das Duell-Klettern, eine Mischung aus Speed- und Lead-Klettern, vor. Auch National finden Wettkämpfe im Lead, Speed und Bouldern statt, welche nach zum Teil leicht veränderten nationalen Regelwerken durchgeführt werden. Neben den nach offiziellen Reglements durchgeführten Wettkämpfen existieren zahlreiche regionale Wettkämpfe mit teilweise ganz neuen Disziplinen wie beispielsweise Marathonklettern oder Bouldernights, bei denen oft der Spaß am Klettern im Vordergrund steht und die Platzierung eher nebensächlich ist.

Schwierigkeits- bzw. Lead-Klettern

Beim Lead-Klettern nach den Regeln des IFSC müssen die Kletterer versuchen, im Vorstieg in einer ihnen bis dahin unbekannten Kletterroute on sight möglichst weit, im besten Falle bis zum oberen Ende, zu klettern. Die Routen für internationale Wettkämpfe sind mindestens 15 m lang und werden von den Routensetzern extra für diesen Wettkampf gebaut. Die Qualifikations-, Halbfinal- und Finalrunde werden jeweils auf drei unterschiedlichen Routen geklettert, die von Runde zu Runde schwieriger werden. Können im Finale zwei oder mehr Kletterer die Finalroute bis zum Ende klettern, so müssen diese in einer nochmals schwierigeren Superfinalroute gegeneinander antreten.

Vor dem Wettkampf dürfen alle Kletterer gemeinsam die Route fünf Minuten lang vom Boden aus besichtigen. Während des Wettkampfes müssen sich alle Teilnehmer, die noch nicht geklettert sind, in einer Isolationszone aufhalten, von der aus sie die Wand nicht sehen können. Damit wird vermieden, dass sie die vor ihnen startenden Teilnehmer bei ihren Versuchen beobachten und aus deren Fehlern lernen können. Jeder Kletterer hat für seinen Versuch ein großzügiges Zeitlimit, das er nicht überschreiten darf, ansonsten spielt die Zeit, die er für die Begehung benötigt, keine Rolle für die Platzierung.[15]

Bouldern

Beim Bouldern muss der Kletterer möglichst viele etwa drei bis vier Meter hohe Boulderprobleme klettern, die wie beim Lead-Klettern extra für den Wettkampf konstruiert werden. In der Qualifikation sind sechs, im Halbfinale und im Finale jeweils vier Boulderprobleme zu lösen oder zumindest ein Bonusgriff zu erreichen, mit dem das Problem als „halb gelöst“ gilt. Pro Boulder hat der Kletterer sechs Minuten Zeit, in denen er beliebig viele Versuche unternehmen darf. Je weniger Versuche nötig sind um das Problem zu bewältigen oder wenigstens den Bonusgriff zu erreichen, desto mehr Punkte erhält der Kletterer. Zwischen den einzelnen Bouldern bekommt der Kletterer sechs (im Finale noch mehr) Minuten Pause. Vor dem Beginn der Runde und in den Pausen darf der Kletterer die anderen Teilnehmer nicht bei ihren Versuchen beobachten.[15]

Speed

Beim Speedklettern geht es darum, eine Route im Toprope, also von oben gesichert, schnellstmöglich zu klettern. Im Wettkampf treten je Runde immer zwei Kletterer im K.-o.-System auf zwei möglichst identischen, nebeneinander stehenden Routen gegeneinander an. Dabei klettern sie, mit einer kurzen Pause jeweils einmal je Seite. Die beiden Zeiten werden addiert und der insgesamt schnellere zieht in die nächste Runde ein.[15]

Seit dem Sommer 2007 wird dazu bei Weltmeisterschaften eine immer exakt gleiche 10 oder 15 Meter hohe Normwand[16] benutzt. Durch die normierte Wand können seitdem Weltrekorde über zehn und fünfzehn Meter aufgestellt werden.[17]

Siehe auch

Literatur

  • Leo Dunan: Klettertechnik, Methoden und Übungen, 2008, http://www.educatium.de/klettertechnik/
  • Wolfgang Güllich, Andreas Kubin: Sportklettern heute. München 1987, Bruckmann
  • Tillmann Hepp, Wolfgang Güllich, Gerhard Heidorn: Faszination Sportklettern. Ein Lehrbuch für Theorie und Praxis, München, Heyne 1992 ISBN 3-453-05440-7
  • Michael Hoffmann: Sportklettern, Panico 2007 ISBN 978-3926807885
  • Udo Neumann: Lizenz zum Klettern 2.5, Udini Mediaworks, 2004 ISBN 3-9804809-0-9
  • Jürgen Schmied, Frank Schweinheim: Sportklettern. Das Praxisbuch für Einsteiger und Fortgeschrittene München: Bruckmann 2006 ISBN 978-3765445422
  • Jürgen Schmied, Frank Schweinheim: Sportklettern. Lehrbuch und Ratgeber für Anfänger und Fortgeschrittene, München: Bruckmann 1996 ISBN 3-7654-2849-3
  • Stefan Winter: Sportklettern, München, BLV 2001 ISBN 3-405-16074-X

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Jürgen Schmied, Frank Schweinheim (1996): Sportklettern. München, Bruckmann. S.46ff
  2. T. Hepp, W. Güllich, G. Heidorn (1992): Faszination Sportklettern. Ein Lehrbuch für Theorie und Praxis. München, Heyne. S. 30
  3. T. Hepp, W. Güllich, G. Heidorn (1992): Faszination Sportklettern. Ein Lehrbuch für Theorie und Praxis. München, Heyne. S. 30
  4. 8a.nu: Scorecard and ranking explanation (http://www.8a.nu/site2/). Stand: 8. Januar 2008
  5. Berni Van Dierendonck: Jürg von Känel 1951 - 2005. Das Plaisierklettern hat seinen Vater verloren. In: Die Alpen 2 2005 S.57 (http://alpen.sac-cas.ch/html_d/archiv/2005/200502/ad_2005_02_18.pdf) Zugriff 18.1.2008
  6. Jürg von Känel: Zum Bohren und Sanieren von Plaisierrouten. Gedanken und Tipps rund um den Bohrhaken (http://www.filidor.ch/german/Tip/Bohren1.html) Zugriff: 16.1.2008
  7. Berni Van Dierendonck: Zehn Jahre Plaisier - ein grund zum Jubeln (http://www.filidor.ch/jubilaum/jubi.html) Zugriff: 18.1 2008
  8. Bergundsteigen: Interview mit jürg von Känel. In: Bergundsteigen 3 2004 S. 12-14 (http://www.bergundsteigen.at/file.php/archiv/2004/3/12-14%20(bergsoenlichkeiten,%20juerg%20von%20kaenel).pdf Zugriff 18.1.2008
  9. Dieter Elsner, Jochen Haase: Bergsport Handbuch. Reinbek 2000, Rohwolt, S.72
  10. Wolfgang Güllich, Andreas Kubin: Sportklettern heute. München 1987, Bruckmann S.21
  11. Wolfgang Güllich, Andreas Kubin: Sportklettern heute. München 1987, Bruckmann S.22
  12. Dieter Elsner, Jochen Haase: Bergsport Handbuch. Reinbek 2000, Rohwolt, S.117
  13. Kathrin Wüst (2008): Stadt Report Berlin. in: klettern Februar März 2008, S. 60ff
  14. on sight.de (Hrsg.): http://www.on-sight.de/diesdas/index.html?glossar.html Lexikon von Fachbegriffen rund ums Klettern. 27. August 2003, S. 1 "Clean Climbing" (Stand: 3.3.2008). 
  15. a b c International Federation of Sport Climbing (Hrsg.): International Climbing Competitions – Rules 2007. 2007 (PDF, 356kB (englisch) ; Stand: 15. Januar 2008). 
  16. Official Walls. In: www.ifsc-climbing.org (englisch). Abgerufen am 15. Januar 2008.
  17. IFSC: Speed and World Record Project. In: www.ifsc-climbing.org (englisch). Abgerufen am 15. Januar 2008.

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