Alpöhi
Titel einer Heidi-Ausgabe von 1947, Rascher Verlag Zürich
Heidi und die Geiss David McKay Company, 1922, Buchtitelbild

Die beiden Kinderbücher Heidis Lehr- und Wanderjahre und Heidi kann brauchen, was es gelernt hat der Schweizer Autorin Johanna Spyri aus den Jahren 1880 und 1881 gehören zu den bekanntesten Kinderbüchern der Welt.

Inhaltsverzeichnis

Roman

Mit ihren Heidi-Büchern schuf Johanna Spyri ein noch heute weit verbreitetes romantisches und idealtypisches Bild der Schweiz. Nicht vergessen wird dabei auch das Elend der unteren Bevölkerungsschichten im 19. Jahrhundert, das in den Büchern ebenfalls geschildert wird: Tante Dete, die als Dienstmädchen arbeiten muss, und ihre Nichte, das Waisenkind Heidi.

Heidis Lehr- und Wanderjahre

Illustration von Rudolf Münger

In dem im Jahre 1880 im Perthes-Verlag, Gotha, erschienenen ersten Heidi-Roman wird erzählt, wie das Waisenmädchen Heidi zu seinem einsiedlerischen Grossvater auf eine Alp oberhalb von Maienfeld (Kanton Graubünden) gebracht wird, wo es in Zukunft leben soll. Ihre Tante Dete hatte bisher die Aufsicht, nachdem ihre Mutter gestorben war. Sie bringt sie zum Alpöhi (in späteren deutschen [nicht schweizerischen] Ausgaben auch als Alm-Öhi bezeichnet), der zunächst wenig begeistert ist, sich aber dann an Heidi gewöhnt und ihr das Leben angenehm macht. Heidi lernt den Geissenpeter kennen, einen Ziegenhirten in ihrem Alter, mit dem sie regelmässig hoch auf die Alpen wandert, wo die Ziegen aus dem Dorf weiden. Eine besondere Freude bereitet ihr das Rauschen der Tannen hinter der Hütte ihres Grossvaters.

Eines Tages erscheint jedoch Heidis Tante Dete und nimmt Heidi mit nach Frankfurt, wo sie die Gesellschafterin der gelähmten Klara Sesemann werden soll.

Klara akzeptiert Heidi als ihre neue Freundin. Nur die Haushälterin Fräulein Rottenmeier ist nicht begeistert. Vor allem ist sie entsetzt, als sie erfährt, dass Heidi nicht lesen kann. Klaras Grossmutter schafft es, Heidi davon zu überzeugen, lesen zu lernen.

Heidi fühlt sich jedoch immer schlechter im Hause Sesemann, sie sehnt sich nach den Bergen. Vor Einsamkeit beginnt sie, im Schlaf zu wandeln. Herr Sesemann und sein Arzt beschliessen, Heidi zurück in die Berge zu schicken. Heidi wird in den Zug nach Hause gesetzt.

Heidi kann brauchen, was es gelernt hat

Das Heidihaus in Maienfeld

Heidi ist zurückgekehrt zum Alpöhi. Der ist darüber so froh, dass er nach Jahrzehnten zum ersten Mal wieder die Kirche im Dörfli aufsucht, worüber die Dorfbewohner erstaunt, aber erfreut sind. Er setzt sein Haus im Dörfli wieder instand, damit Heidi den Winter dort verbringen und die Schule besuchen kann. Heidi überzeugt den Geissenpeter, lesen zu lernen.

Im folgenden Jahr hofft Heidi, dass Klara sie endlich besuchen kann. Aber erst kommt nur der Herr Doktor, um die Lage zu klären. Es gefällt ihm so gut, dass Klara tatsächlich im darauffolgenden Sommer nach einem Kuraufenthalt in Bad Ragaz in die Hütte des Alpöhi darf. Ein Diener trägt sie auf einem Stuhl auf den Berg hinauf.

Klara wird auf dem Heuboden einquartiert, auf dem Heidi so viele Jahre geschlafen hat. Wenig begeistert ist Peter, der eifersüchtig ist, weil Klara nun Heidis Aufmerksamkeit beansprucht. Das führt dazu, dass er eines Tages Klaras Rollstuhl in die Tiefe rollen lässt, so dass er zerstört wird.

Eines Tages will Heidi Klara mit auf die Alp nehmen; der Alpöhi trägt sie hinauf. Auf der Alp lernt Klara wieder das Gehen.

Eine grosse Überraschung gibt es, als Vater und Grossmutter Sesemann zu Besuch kommen: Klara kommt ihnen auf eigenen Beinen entgegen. Herr Sesemann verspricht dem Alpöhi, zusammen mit dem Doktor für Heidi zu sorgen, wenn er das nicht mehr kann.

Die Personen der Heidi-Romane

Die Namen wurden von Johanna Spyri in der originalen Erstausgabe[1] zum Teil anders geschrieben als heute üblich.

Heidi

Heidi, mit Taufnamen Adelheid, ist ein Mädchen, das als Waisenkind vom Schicksal nicht verwöhnt, aber mit einem Happy End belohnt wird. Zu Beginn des ersten Bandes ist Heidi fünf Jahre alt, am Schluss des zweiten Bandes muss sie etwa Neun sein.

Geissenpeter

Der Geissenpeter (in einigen Bearbeitungen auch als Ziegenpeter bezeichnet) ist ein Lausbub, der die Geissen (Ziegen) des Dorfes hütet und nicht gerne zur Schule geht, da ihm das Lesenlernen zunächst nicht gelingt und meint, dass er das auch gar nicht brauche. Er lebt zusammen mit seiner Mutter und seiner blinden Grossmutter in einer Hütte auf halber Höhe zwischen dem Dörfli und der Hütte des Alpöhi. Er ist Heidis bester Freund.

Alpöhi, der Grossvater

Heidi und Alpöhi

Der Alpöhi (in der hochdeutschen Erstausgabe Alm-Öhi genannt) lebt als Einsiedler in seiner Hütte. Seine Enkelin Heidi bringt ihn den Menschen wieder näher, von denen er sich im Zorn zurückgezogen hatte. In seiner Jugend im Domleschg hat er das Familienerbe durchgebracht. Er zog nach Neapel und diente beim Militär. Gerüchten nach hat er dort einen Menschen umgebracht und musste desertieren. Später kehrte er mit seinem Sohn Tobias zurück und liess sich im Dörfli nieder. Tobias kam bei einem Arbeitsunfall ums Leben; seine schwächliche Frau Adelheid starb vor Trauer kurze Zeit später, so dass ihre Schwester Dete die kleine Heidi vier Jahre lang versorgen musste.

Klara Sesemann

Klara ist ein gelähmtes, etwa zwölfjähriges Mädchen aus reichem Haus. Sie wächst mutterlos in Frankfurt auf. Der Vater ist ständig auf Reisen und hat nur wenig Zeit für seine Tochter. Klara wird durch die Hilfe von Heidi zuerst aus ihrer Einsamkeit, später auch von ihrem Leiden befreit.

Herr Sesemann

Herr Sesemann, der Vater von Klara, ist Geschäftsmann und häufig unterwegs, unter anderem auch deswegen, weil er den Anblick seiner gelähmten Tochter schlecht erträgt und nicht über den Verlust seiner Frau hinweg kommt. Zusammen mit dem Doktor schlägt er vor, Heidi zurück in die Berge gehen zu lassen.

Fräulein Rottenmeier

Die ältliche Jungfer führt dem verwitweten Herrn Sesemann und seiner Tochter den Haushalt. Sie ist vom Leben enttäuscht und macht es Heidi nicht leicht, da sie das Mädchen nicht versteht. Sie ist der Meinung, Heidi sei eine Wilde und müsse gezähmt werden.

Verwandtschaftsbeziehungen

Die Verwandtschaftsbeziehungen, wie sie Dete beim Aufstieg auf die Alp erzählt sind folgende:

  • Heidi ist die Tochter von Adelheid und Tobias.
  • Tobias ist der Sohn des Alpöhi.
  • Dete ist die Schwester von Adelheid.
  • Detes Urgrossmutter und die Grossmutter des Alpöhi waren Geschwister.

Nach dem Tod von Adelheid und Tobias haben Dete und ihre Mutter die Verwandtschaft zu Heidi anerkannt.

Abgeleitete Werke

Heidi und Geissenpeter im „Heidihaus“

In nur wenigen Jahren nach der Erstpublikation wurden die Heidibücher zu einem Welterfolg. Bis heute wurden sie in über 50 Sprachen übersetzt und mehrmals verfilmt. Nachdem die Urheberrechte abgelaufen sind, erscheinen immer mehr Heidi-Bücher und -Geschichten, die jedoch mit Spyris Heidi teilweise nicht mehr viel gemeinsam haben.

Anime / Zeichentrickfilme

  • 1974 Heidi (1974)
  • 1991 Heidi, Japan, alternativ: Sugar & Spice: Heidi - USA
  • 1995 Heidi, Japan, Regie: Toshiyuki Hiruma Takashi, 47 min Film
  • 1998 Heidi, Deutschland, Schweiz, Regie: Alain Gsponer, 3 min Kurzanimationsfilm zur Schweizer Imagewerbung.
  • 2002 Heidi, Deutschland, Regie: Albert Hanan Kaminski
  • 2005 Heidi, Grossbritannien, Deutschland, 81 min,

Spielfilme

  • 1920, Heidi (1920), USA, Stummfilm, Regie: Frederick A. Thomson
  • 1937, Heidi (1937), USA, sehr freie Romanadaption nach damaligen US-amerikanischen Wertevorstellungen
  • 1952, Heidi (1952), CH, zwar freie, aber nahe am Roman angelegte Adaption, erster deutschsprachiger Heidifilm
  • 1953, Heidi und ihre Freunde, D, nicht dem Roman folgende Adaption mit einigen Heidimotiven
  • 1955, Heidi und Peter, CH, Fortsetzung von Heidi (1952) frei nach dem 2. Heidi-Band
  • 1965, Heidi (1965), AUT, Remake in Farbe des s/w-Filmes von 1952
  • 1968, Heidi (1968) USA/D, 96 Minuten, mit Maximilian Schell (Herr Richard Sesemann), Jean Simmons, Jennifer Edwards (Heidi)
  • 1993, Heidi (1993), USA/AUT/LUX, sehr freie Romanadaption nach US-amerikanischem Geschmack
  • 2001, Heidi (2001), CH, nicht dem Roman folgende Adaption, Heidi spielt nun im 21. Jahrhundert
  • 2005, Heidi (2005), GB, 104 min, Regie: Paul Marcus, mit Emma Bolger (Heidi), Max von Sydow

Serien

  • 1953, Grossbritannien, 6 Folgen mit je 30 min,
  • 1960, Fernsehserie
  • 1974, Grossbritannien, 6 Folgen mit je 30 min, Regie: June Wyndham-Davies
  • 1978, Heidi (1978), CH, sehr eng an den Romanen orientierte TV-Fassung

Comics

  • 1976–1977, Heidi, 21 Hefte, Bastei Verlag
  • 1977–1981, Heidi, 179 Hefte, Bastei Verlag
  • 1978, Heidi, 1 broschiertes Album, Bastei Verlag
  • 1978–1979, Heidi, 8 Taschenbücher, Bastei Verlag
  • 1978–1981, Heidi, 4 Taschenbücher, Condor Verlag
  • 1979, Heidi Comic-Sonderheft, 1 Heft, Condor Verlag
  • 1980–1984, Heidi, 9 Taschenbücher, Bastei Verlag
  • 1987–1988, Heidi, 28 Hefte, Bastei Verlag

Bücher

  • 2003, Heidi, Geschichtenbuch nach der orig. Comic-Figur, 1 Buch, Verlag EDITION XXL
  • 2004, Heidi, Hartpappe/Stanzpappe nach der orig. Comic-Figur, 1 Buch, Verlag EDITION XXL
  • 2005, Heidi mit Ankleidepuppe, Geschichtenbuch nach der orig. Comic-Figur, 1 Buch mit Bastelbogen, Verlag EDITION XXL

Musicals

  • 2005, Seebühne Walenstadt, siehe Heidi – Das Musical
  • 2005, Schweiz/Grossbritannien, Musical von Shaun McKenna (Text) und Stephen Keeling (Musik), nach einer Idee von Stefan Mens, Creative Development von John Havu.
    Die besondere Bearbeitung des Stoffes verbindet das Heidi-Buch mit der Lebensgeschichte von Johanna Spyri. Während Johanna Spyri um das Leben ihres Sohnes Bernhard kämpft, begegnet sie ihrer eigenen Romanfigur. Durch die Verbindung der beiden Geschichten wurden einzigartige Aspekte der Novelle herausgearbeitet, welche durchaus auch Erwachsene ansprechen. Das Musical hatte am 23. Juli 2005 in Walenstadt (Schweiz) Weltpremiere und wurde erfolgreich auf einer Open-Air-Bühne aufgeführt.
  • 2006, Freilichtbühne Coesfeld, Musical von Claus Martin
    Im Gegensatz zu der Bearbeitung von McKenna/Keeling hält sich Martin eng an die Vorlage Spyris. Die wesentlichen Elemente aus beiden Heidi-Romanen werden zu einer durchgehenden Handlung verdichtet, in deren Zentrum die "passive Heldin" Heidi steht.
    Die Musik besteht weitgehend aus eingängigen Pop-Nummern, die sowohl Kinder als auch Erwachsene ansprechen.

Heidi in anderen Kulturen

Japan

Hauptartikel Heidi in Japan
In Japan hat sich eine breite Heidi-Rezeption entwickelt.

Türkei

Hauptartikel Heidi in der Türkei
In der Türkei gehört Heidi zu den bedeutendsten Kinderbüchern überhaupt.

Quellen

  1. Erstausgabe

Weblinks


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