Hoax

Als Hoax (engl. für Jux, Scherz, Schabernack; auch Schwindel) wird heute meist eine Falschmeldung bezeichnet, die in Büchern, Zeitschriften oder Zeitungen, per E-Mail, Instant Messenger oder auf anderen Wegen (z. B. SMS, MMS oder soziale Netzwerke) verbreitet, von vielen für wahr gehalten und daher an Freunde, Kollegen, Verwandte und andere Personen weitergeleitet wird.

Hoax: Unter Verwendung der Schriftart Wingdings wird aus der angeblichen Flugnummer Q33NY der Flüge von 9/11 eine eindeutige Symbolfolge. Die tatsächlichen Flugnummern waren jedoch UA175 und AA11.

Inhaltsverzeichnis

Wortbedeutung

Das Wort Hoax ist zum ersten Mal 1796 belegt. Seine Herkunft ist nicht eindeutig nachgewiesen, es wird jedoch vermutet, dass es sich von Hocus ableitete, welches wiederum eine Verkürzung von Hocus Pocus („Hokuspokus”) war.

Erscheinungsformen

Ein Hoax kann auch in Form der Zeitungsente oder als Urban Legend auftreten. Auch ein Aprilscherz hat oft die Form eines Hoax. Es kursieren auch immer wieder Hoaxes im Netz, die aus diffamierenden und volksverhetzenden Gründen verbreitet wurden.

So genannte Charity-Hoaxes suggerieren oft einen karitativen Hintergrund und behaupten beispielsweise, dass ein bekannter Konzern ein paar Cent pro weitergeleiteter Mail zahlt, wodurch eine lebensrettende Operation finanziert werden soll.

Auch Kettenbriefe, die per E-Mail weitergeleitet werden, können zu den Hoaxes gezählt werden, denn hier existiert selten ein realer Hintergrund, der die Verbreitung rechtfertigen würde. Ein verbreitetes Beispiel dafür sind Briefe, die angeblich von den Redakteuren vom MSN Messenger verschickt worden seien und die einen dazu auffordern, die Mail an möglichst viele Leute weiterzuschicken, denn nur so könne man sich in Zukunft einen gratis Account beim, angeblich kostenpflichtigen, MSN sichern. Ähnliche Vorfälle werden auch bei anderen Instant-Messaging-Diensten wie zum Beispiel ICQ und bei Online-Netzwerken wie Facebook oder studiVZ beobachtet.

Um Interesse und starke Beteiligung am Weiterleiten zu erreichen, beziehen sich die Texte der E-Mail-Kettenbriefe oft auf aktuelle Geschehnisse und benutzen damit die sog. Lokomotiv-Technik, die auch in der Presse als Aufmerksamkeitserreger gebräuchlich ist. In Zeiten etwa, zu denen Energieversorgungsunternehmen besonders in der öffentlichen Kritik stehen, ergeht eine Ketten-Mail, die zum Abschalten aller Stromverbraucher zu einer bestimmten Zeit eines bestimmten Tages aufruft. Auf dem Zug der Tagesereignisse fahrend wendet sich so ein Aufruf etwa an ökologisch engagierte E-Mail-Benutzer. Oft behauptet der Text eine Organisation, die hinter der Aktion stehe, nennt sie aber nicht namentlich oder nennt einen erfundenen Namen.

Solch ein E-Mail-Kettenbrief missbraucht das Engagement der E-Mail-Teilnehmer, um eine mehr oder weniger starke unnötige Netzlast zu erzeugen. Er ist somit keineswegs unschädlich, denn die Netzkapazität muss finanziert werden, und falls sie nicht ausreichend verfügbar ist, wird der Datenverkehr gebremst. Aktueller Erkenntnis nach sind jedoch Spam-Mails in ihrem Volumen weitaus größer vertreten, ohne dass regulär eine punktuell übermäßige Beeinträchtigung der Datennetze erkennbar wird. Eine übermäßige Größe haben solche Mails in der Regel ebenfalls nicht, insbesondere im Vergleich mit diversen Spaß-Mails die etwa mit Programmen oder Präsentationsgrafiken im Anhang oft eine Größe von einem Megabyte oder mehr aufweisen. Der Effekt, dass der Hoax, wie auch die beiden anderen Mail-Kategorien, zunächst gelesen, dann bewertet und im Idealfall entsprechend lokal aus dem Posteingangsordner beseitigt werden muss, bedeutet jedoch eine durchaus merkliche zeitliche und geistige Belastung für den Empfänger – im privaten eine gewisse Menge an Freizeit, im gewerblichen dagegen teure Arbeitszeit.

Eine weitere Variante sind sinnlose Kettenlinks. Die betroffenen Websites enthalten kaum verwertbare Informationen, aber stets einen Link zu einer anderen Seite, die ähnlich aufgebaut ist. Die Surfer hangeln sich so von Seite zu Seite, ohne die eigentlich gesuchte Information zu finden. Ein typischer Vertreter dieser Art von Hoax ist in etlichen Blogs zu finden. Deren starke interne Verlinkung sorgt inzwischen dafür, dass eine Suche nach dem „besten Blondinenwitz aller Zeiten“[1] kaum noch Witze, dafür aber umso mehr Blogeinträge zu Tage fördert, die wechselseitig aufeinander verweisen.

Beispiele

Ein typisches modernes Beispiel ist der Good-Times-Hoax, eine angebliche E-Mail, die beim Öffnen die Festplatte löscht. Die Warnung vor diesem „Virus” verbreitete sich 1994 millionenfach über E-Mail und wurde auch von vielen Zeitungen und Fachinstitutionen veröffentlicht. Die damals vermeintliche Gefahr durch Viren, die sich per E-Mail verbreiten, wurde allerdings erst Jahre später Wirklichkeit, beispielsweise durch Loveletter.

Bekannte Beispiele sind auch eine angebliche Entscheidung des OLG Augsburg zur Rückerstattung von Rundfunkgebühren von der GEZ sowie die Bonsai-Katzen oder unter muslimischen Jugendlichen das Rattenmädchen (Cursed Girl).

Meldungen zum so genannten Dotwin unterstellten diesem Spionagefunktionen, wobei Informationen über Zuschauer gesammelt würden, die sich an einer Gewinnspielaktion verschiedener deutscher Fernsehsender in den Jahren 2001/2002 beteiligten.

Hoax und Computervirus

Während ein Hoax meist nur erschrecken soll, eignet sich sogenanntes Phishing zum Betrug, indem es den Empfänger der E-Mail auffordert, Anmeldedaten, beispielsweise für das Onlinebanking, per E-Mail oder über eine gefälschte Website bekannt zu machen. Es gibt auch Hoaxes mit „Schadroutinen“, die z. B. den Benutzer auffordern, bestimmte Dateien zu löschen, da es sich um Viren handele (beispielsweise die Dateien SULFNBK.EXE und JDBGMGR.exe (Teddybärenvirus)). Da es sich jedoch um eine notwendige Systemdatei unter Windows handelt, schädigt der Benutzer sein eigenes System.

Im erweiterten Sinn kann ein Hoax auch als Computervirus betrachtet werden, das sich durch Social Engineering fortpflanzt, indem es nicht das Computersystem, sondern den Nutzer zu dessen Weiterverbreitung veranlasst.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Holger Dambeck: Link-Wahnsinn. Blogger feiern „besten Blondinenwitz aller Zeiten“. In: Spiegel Online, 4. Januar 2006, eingesehen am 18. Dezember 2009.

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  • Hoax — 〈[ hoʊks] m.; , 〉 1. Irreführung, Täuschung, Streich 2. 〈EDV〉 vorsätzliche Falschmeldung über bösartige E Mails u. Viren, die Festplatten löschen od. ähnliche Schäden anrichten können [engl.] * * * Hoax [hoʊks ], der; , es […ksɪs] [engl. hoax =… …   Universal-Lexikon

  • hoax — Ⅰ. hoax UK US /həʊks/ verb [T] ► to deceive someone, especially by playing a trick on them: »A fake website was set up and a number of people were hoaxed. → See also SWINDLE(Cf. ↑swindle) Ⅱ. hoax UK US /həʊks/ noun [C] …   Financial and business terms

  • hoax — [həuks US houks] n [Date: 1700 1800; Origin: Probably from hocus; HOCUS POCUS] 1.) a false warning about something dangerous ▪ a bomb hoax ▪ hoax calls (=telephone calls giving false information) to the police 2.) an attempt to make people… …   Dictionary of contemporary English

  • hoax´er — hoax «hohks», noun, verb. –n. a mischievous trick, especially a made up story passed off as true: »The report of an attack on the earth from Mars was a hoax. SYNONYM(S): imposture. –v.t. to play a mischievous trick on; deceive in fun or to injure …   Useful english dictionary

  • Hoax — Hoax, n. [Prob. contr. fr. hocus, in hocus pocus.] A deception for mockery or mischief; a deceptive trick or story; a practical joke. Macaulay. [1913 Webster] …   The Collaborative International Dictionary of English

  • Hoax — Hoax, v. t. [imp. & p. p. {Hoaxed}; p. pr. & vb. n. {Hoaxing}.] To deceive by a story or a trick, for sport or mischief; to impose upon sportively. Lamb. [1913 Webster] …   The Collaborative International Dictionary of English

  • Hoax — [houks] der; , es <aus gleichbed. engl. hoax, dies aus älter engl. hocus, vgl. ↑Hokuspokus> auf die Unwissenheit bzw. Gutgläubigkeit des Adressaten zählende Falschmeldung (z. B. über angeblich existierende, bes. gefährliche Computerviren);… …   Das große Fremdwörterbuch

  • hoax — hoax·er; hoax; …   English syllables

  • hoax — [n] trick cheat, cock and bull story*, con*, con game*, crock*, deceit, deception, dodge, fabrication, fake, falsification, fast one*, fast shuffle*, fib, flimflam*, fraud, gimmick, gyp*, hooey*, humbug*, hustle, imposture, joke, lie, practical… …   New thesaurus

  • hoax — ► NOUN ▪ a humorous or malicious deception. ► VERB ▪ deceive with a hoax. DERIVATIVES hoaxer noun. ORIGIN probably a contraction of obsolete hocus «trickery», from HOCUS POCUS(Cf. ↑hocus pocus) …   English terms dictionary

  • hoax — [hōks] n. [< ? HOCUS] a trick or fraud, esp. one meant as a practical joke vt. to deceive with a hoax SYN. CHEAT hoaxer n …   English World dictionary

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