Alsace
Alsace

Flagge der Region Alsace

Wappen der Region Alsace

Lage der Region Alsace in Frankreich
Basisdaten
Verwaltungssitz Straßburg
Präsident des Regionalrats Adrien Zeller U.M.P.
Bevölkerung

 – gesamt 2006
 – Dichte

1.847.604 Einwohner
223 Einwohner/km2

Fläche

 – gesamt
 – Anteil an Frankreich:

8.280 km²
1,3 %

Départements Bas-Rhin (67)
Haut-Rhin (68)
Arrondissements 13
Kantone 75
Gemeinden 904
ISO 3166-2-Code FR-A

Das Elsass (frz. Alsace [alˈzas]) ist eine der 26 Regionen Frankreichs. Umgangssprachlich wird der Ausdruck oft vereinfachend für den französischen Teil westlich des Oberrheins bis zu den Vogesen verwendet. Die Region reicht jedoch im Nordwesten mit dem Krummen Elsass bis auf das lothringische Plateau. Sie hat gut 1,8 Millionen Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Öffentliche Verwaltung

Regionalverwaltung

Sitzverteilung im Regionalrat

Regionalregierung und Spitze der Regionalverwaltung ist der Conseil Régional d’Alsace, der Regionalrat. Sitz des Regionalrats ist Straßburg. Eine Liste der Präsidenten des Regionalrates findet sich hier.

Partnerregionen

Der Regionalrat schloss ein „Abkommen zur internationalen Zusammenarbeit“ (Accord de coopération internationale) mit folgenden Regionen ab:[1]

Départements

Die Region Alsace wird aus den beiden Départements Bas-Rhin (67) und Haut-Rhin (68) gebildet.

Département Präfektur Einwohner (1999) Fläche (km²) Bev.dichte Arrondissements Kantone Gemeinden
Bas-Rhin Straßburg 1.026.120 4.755 216 7 44 526
Haut-Rhin Colmar 708.025 3.525 201 6 31 377
Gesamt Straßburg 1.734.145 8.280 209 13 75 904

Gemeinden

Hauptartikel: Gemeinde (Frankreich)

Die 28 Gemeinden der Communauté urbaine de Strasbourg.

Das Elsass hat wie Frankreich eine sehr hohe Zahl an Gemeinden, da es dort, anders als in Deutschland oder mittlerweile auch in der Schweiz, nie zu nennenswerten Gemeindefusionen kam. Viele Gemeinden haben sich lediglich zu einer Art von Gemeindeverbänden zusammengeschlossen, an die sie aber einige Rechte delegiert haben. Sie werden je nach Größe und Status als Communauté urbaine (CU), Communauté d'agglomération (CA) oder Communauté de communes (CC) bezeichnet.

Die Communauté urbaine de Strasbourg ist einer der ersten vier 1966 gegründeten CU Frankreichs und bis heute die einzige im Elsass. Sie umfasst derzeit 28 Gemeinden mit etwa 453.000 Einwohnern.

Im Elsass gibt es zwei CA. Die Communauté d'agglomération Mulhouse Sud-Alsace umfasst 16 Gemeinden und 174.000 Bewohner, die Communauté d'agglomération de Colmar 9 Gemeinden und 95.000 Bewohner.

Das Elsass weist acht Gemeinden mit 20.000 oder mehr Einwohnern auf. Als Großstädte können Straßburg und Mulhouse angesehen werden, da in ihnen jeweils über 100.000 Einwohner registriert sind. Die folgenden Einwohnerzahlen sind auf tausend gerundete Circa-Angaben und beziehen sich auf 2006:

Für eine Gegenüberstellung französischer und standarddeutscher Versionen elsässischer Ortsnamen siehe die Liste deutsch-französischer Ortsnamen im Elsass.

Geographie

Geographie des Elsass

Die Region Elsass grenzt an die französischen Regionen Franche-Comté im Südwesten und Lothringen im Westen, an Deutschland (im Norden Rheinland-Pfalz, im Osten Baden-Württemberg) und an die Schweiz (Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Solothurn).

Mit einer Größe von 8.280 km² ist das Elsass die flächenmäßig kleinste Region auf dem französischen Festland. Das heutige Elsass hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 190 Kilometern, während die West-Ost-Ausdehnung nur 50 Kilometer beträgt. Im Osten wird das Elsass durch den Rhein begrenzt, im Westen auf weiten Strecken durch den Hauptkamm der Vogesen. Im Norden markieren Bienwald und Pfälzerwald wichtige Grenzgegenden, im Süden der Nordrand des Jura und im Südwesten, in der offenen Torlandschaft der Burgundischen Pforte, nähert sich die erst auf 1871 zurückgehende, heutige Regionengrenze an die Wasserscheide zwischen Rhône und Rhein an.

Im Elsass finden sich folgende naturräumliche Haupteinheiten:

  • Der überwiegende Teil wird von der Elsässischen Ebene (Plaine d’Alsace) eingenommen, die mit Breisgau und Ortenau den südlichen Teil des Oberrheingrabens bildet. Sie wird von der Ill durchflossen und ist vom Getreideanbau geprägt. Es gibt auch große Waldgebiete wie den Hagenauer Forst im Norden und den Harthwald im Süden. Neben weiten Ebenen treten zudem wellige bis hügelige Gegenden auf (beispielsweise Kochersberg nordwestlich Straßburgs, westlicher Sundgau / östliche Burgundische Pforte, Gebiet zwischen Hagenauer Wald und Bienwald).
  • Im Westen wird das Landschaftsbild von den Vogesen dominiert, die von den breiten Tälern der Illzuflüsse durchzogen sind. Hier findet man Hochweiden (Hautes Chaumes), die sich mit Wäldern abwechseln. Der Große Belchen (Grand Ballon) ist mit 1424 m der höchste Gipfel im Elsass und in den Vogesen. In Frankreich werden auch die Gebiete nördlich der Zaberner Senke zu den Vogesen gezählt (Vosges du Nord), sie bilden aber eine naturräumliche Einheit mit dem Pfälzerwald.
  • Zwischen Ebene und Vogesen vermittelt (analog zum westlichen Schwarzwaldrand) eine schmale Vorbergzone. Typisch für dieses "Piemont der Vogesen" ist der Weinanbau.
  • Ganz im Süden hat das Elsass auch noch Anteil am Jura (Pfirter Jura).

Verkehr

Straßennetz

Die A 35 an der Ausfahrt Bartenheim (35), Richtung Mulhouse

Die wichtigste Straßenverbindung im Elsass ist die mautfreie Autobahn A 35, sie ist die Nord-Süd-Verbindung von Lauterbourg (dt. Lauterburg) bis St. Louis bei Basel. Südlich von Straßburg verläuft die A 35 auf einer kurzen Strecke als Nationalstraße, wobei geplant ist, diese Lücke zu schließen.

Die vielbefahrene A 4 führt von Straßburg nach Zabern (frz. Saverne) und weiter bis Paris. Sie ist ab der Mautstelle bei Hochfelden (20 km nordwestlich von Straßburg) mautpflichtig. Die A 36 führt von der deutschen A 5 vom Autobahndreieck Neuenburg aus nach Westen in Richtung Paris/Lyon und wird ab der Mautstelle bei Burnhaupt mautpflichtig.

In den 1970er und 1980er Jahren wurden die Autobahnen in Transitstrecken und in Ausfallstraßen für die großen Ballungsgebiete umgewandelt. Seitdem fließt der Durchgangsverkehr in 2 bis 3 Fahrspuren in 1 km Entfernung um Straßburg und in 1,5 km Entfernung um Mülhausen herum. Die hohe Verkehrsdichte verursacht starke Umweltbelastungen, das gilt vor allem auf der A 35 bei Straßburg mit 170.000 Fahrzeugen pro Tag (Stand: 2002). Auch der starke Stadtverkehr auf der A 36 bei Mülhausen hat regelmäßig Verkehrsbehinderungen zur Folge. Dies konnte nur vorübergehend durch den Ausbau auf drei Fahrspuren pro Richtung vermindert werden.

Um den Nord-Süd-Durchgangsverkehr aufzunehmen und Straßburg zu entlasten, plant man eine neue Autobahntrasse westlich der Stadt. Diese Trasse soll das Autobahndreieck bei Hördt im Norden mit Innenheim im Süden verbinden. Die Eröffnung ist auf Ende 2011 angesetzt. Man erwartet dann ein Verkehrsaufkommen von 41.000 Fahrzeugen pro Tag. Der Nutzen ist jedoch umstritten, nach einigen Schätzungen wird die neue Trasse nur 10 % des Verkehrsaufkommens der A 35 bei Straßburg aufnehmen.

Hinzu kommt wegen der Einführung der Lkw-Maut in Deutschland 2005 eine erhebliche Zunahme des zuvor über die deutsche A 5 gefahrenen Lastverkehrs auf die parallel verlaufende und mautfreie elsässische Autobahn. Daher forderte Anfang 2005 Adrien Zeller, der Präsident der Région Alsace, die Ausweitung des deutschen Mautsystems Toll Collect auf die elsässische Strecke.

Schienennetz

Der Hauptumsteigeplatz der Straßenbahn Straßburg auf der Place de l'Homme de Fer

Im Elsass besteht ein Schienennetz, das sowohl an den Hochgeschwindigkeits- als auch an den Regionalverkehr angeschlossen ist. Straßenbahnen (Trams) finden sich in Straßburg (Straßenbahn Straßburg) und Mulhouse (Straßenbahn Mulhouse).

Im Elsass (und im lothringischen Département Moselle) benutzen die Züge bei zweigleisigen Eisenbahnstrecken entgegen der sonst in Frankreich gültigen Regel das rechte Richtungsgleis.

Der Vogesentunnel von Sainte-Marie-aux-Mines (Markirch) nach Saint-Dié war bis 1973 ein Eisenbahntunnel. Seit 1976 ist er als Mautstrecke dem Straßenverkehr vorbehalten. Der Tunnel war von 2004 bis 2008 zur Erweiterung der Sicherheitsvorrichtungen gesperrt und wurde am 1. Oktober 2008 wiedereröffnet.

Seit 2007 ist Straßburg Endpunkt des Nachfolgers des legendären Orient-Express. Heute ist der Orient-Express eine normale Nachtzugverbindung der ÖBB (Österreichische Bundesbahnen) zwischen Straßburg und Wien über Stuttgart, München und Salzburg.

Verlauf des Canal du Rhône au Rhin (RR)

Projekte:

Wasserstraßen

In den elsässischen Häfen werden über 15 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Drei Viertel davon entfallen auf Straßburg, das den zweitgrößten Binnenhafen Frankreichs hat. Die Erweiterung des Rhein-Rhône-Kanals, der die Rhône und damit das Mittelmeer mit dem mitteleuropäischen Flussnetz (Rhein) und damit der Nordsee und der Ostsee verbindet, wurde 1998 wegen der Kosten und der Zerstörung der Landschaft, vor allem im Tal des Doubs, eingestellt.

Flugverkehr

Lage des EuroAirport Bâle-Mulhouse-Fribourg

Es gibt im Elsass zwei internationale Flughäfen:

Beide Flughäfen hatten 1998 zusammen ein Aufkommen von 5.155.380 Passagieren.

Wirtschaft

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 20.750 Euro pro Einwohner steht das Elsass an zweiter Stelle aller Regionen in Frankreich. Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht die Region einen Index von 107,2 (EU-25: 100) (2003). [2]

Das Elsass ist eine Region, in der viele Wirtschaftszweige ansässig sind:

Weinanbau bei Sigolsheim nördlich von Colmar

Das Elsass ist wirtschaftlich stark international ausgerichtet: an etwa 35 % der Unternehmen im Elsass sind Firmen aus Deutschland, der Schweiz, den USA, Japan und Skandinavien beteiligt.

Im Jahr 2002 kamen rund 38,5 % der elsässischen Importe aus Deutschland. Bisher von hohen Arbeitslosenzahlen verschont geblieben, hat sich dies mittlerweile geändert und durch die Krise auf dem Arbeitsmarkt stiegen die Zahlen stark an (+20 % zwischen März 2002 und März 2003 auf 6,8 %). Verursacht wurde dies vor allem durch die wirtschaftlichen Probleme der Industriebetriebe, die 26 % der Elsässer beschäftigen. Die elsässische Wirtschaft versucht sich daher umzuorientieren und neue Arbeitsfelder auf dem Dienstleistungssektor und in der Forschung zu erschließen.

Im Bergbau, der ein Jahrhundert lang rund 560 Millionen Tonnen Kalisalz gefördert hat, arbeiteten noch im Jahr 1950 etwa 13.000 Beschäftigte. Heute ist der Bergbau nur noch Thema eines Museums bei Wittelsheim.

Das Elsass ist eines der größten europäischen Anbaugebiete für Weißkohl, der zu Sauerkraut weiter verarbeitet wird.

Seit dem Mittelalter spielte auch der Flachsanbau und die Leinenweberei insbesondere in der Gegend um Colmar eine große Rolle. Ein typisch elsässisches Leinengewebe ist der karierte Kelsch.

Kultur

Essen und Trinken

Choucroute garni
Baeckeoffe-Eintopf
Flammkuchen mit Zwiebeln und Speck

Das Elsass ist für einige kulinarische Spezialitäten bekannt. Zu diesen gehören unter anderem:

  • Tarte flambée (Flammkuchen) (elsässisch: "Flammekuech" - "ue": üe oder ö gespr.)
  • Gugelhupf (Hefe-Napfkuchen) (im Elsass: Kugelhopf; els.:"Köjelhopf", frz. oft "Kouglof")
  • Choucroute (Sauerkraut) (els.: "Sürkrüt")
  • Baeckeoffe (= "Bäckerofen": Eintopf aus Fleisch, Kartoffeln und Lauch, das elsässische Hauptgericht) [3]
  • Bredele ("Brötlein": Butterplätzchen mit Zimt und Nüssen)
  • Mignardises (süße Törtchen)
  • Friands (süße Teigpasteten)
  • Crémant (elsässischer Schaumwein)
  • Tarte aux pommes (Elsässer Apfelkuchen)
  • Tarte aux quetsches (Zwetschgentorte) (els: Zwatschgawaia) Zwetschgenkuchen
  • Galettes de pommes de terre (kleine Kartoffelpfannkuchen) (els.: "Grumbeerekiechle")
  • Quiche Lorraine (Lothringer Specktorte)
  • Tarte à l'oignon (els.: "Ziwwelkuech") Elsässer Zwiebelkuchen
  • Coq au vin (unter Verwendung von Elsässer Riesling)
  • Foie gras (Paté aus der Leber gestopfter Gänse oder Enten)
  • Munster (intensiv schmeckender, cremiger Käse mit rötlicher Rinde) (els.: "Minschterkas")

Filmographie

  • Die Elsässer. Spielfilm, Frankreich, 1996, unter anderem mit Irina Wanka und Sebastian Koch. Der Film besteht aus vier Episoden von je 90 Minuten Dauer und erzählt die Geschichte des Elsass zwischen 1870 und 1953 anhand der Geschichte fiktiver Familien.
  • Bilderbuch Deutschland. Elsass – Die südliche Weinstraße. Dokumentation, 2007, 45 Min., Buch und Regie: Willy Meyer, Produktion: SWR, Erstsendung: 17. Juni 2007, Inhaltsangabe der ARD
  • Bilderbuch Deutschland. Elsass – Die nördliche Weinstraße. Dokumentation, 2008, 45 Min., Buch und Regie: Willy Meyer, Produktion: SWR, Erstsendung: 9. März 2008, Inhaltsangabe der ARD

Zeitungen, Zeitschriften, Periodika

Sprachen und Dialekte

Hauptartikel: Elsässisch, Romanische Dialekte im Elsass

Die Fontaine de Janus, von Tomi Ungerer 1988 zur 2000-Jahr-Feier Straßburgs entworfen, soll die "Doppelkultur" der Stadt illustrieren
Überkommene romanische und germanische Dialektgruppen in der Region Elsass

Seit dem Frühmittelalter sind im Elsass germanische Mundarten beheimatet. Sie werden heute unter dem Begriff «Elsässisch» (seltener auch «Elsässerdeutsch») zusammengefasst. Unter diesen herrschen alemannische Dialekte vor, überwiegend Oberrheinalemannisch, ganz im Süden auch Hochalemannisch. Fränkische Dialekte werden ganz im Norden um Weißenburg und Lauterburg und im nordwestlichen Zipfel des Krummen Elsass um Saar-Union gesprochen (Rheinfränkisch). Die Anwendung einer germanischen Standardsprache hing von politischen Gegebenheiten ab.

Im Frühmittelalter wurde jedoch nicht das ganze heutige Elsass sprachlich germanisiert: romanische Dialekte (Patois) bzw. die französische Sprache sind daher bereits traditionell in manchen Gebieten der Vogesen (oberes Breuschtal, Teile des Weilertals, um Ste.-Marie-aux-Mines und um Lapoutroie) und im westlichen Sundgau (um Montreux) verankert (siehe Romanische Dialekte im Elsass und Grenzorte des alemannischen Dialektraums). Auch das heutige Territoire de Belfort, das bis 1648 bzw. 1789 Teil des habsburgischen bzw. königlich-französischen Sundgau war und erst 1871 vom Département Haut-Rhin abgetrennt wurde, ist traditionell romanisch- bzw. französischsprachig.

Das Französische gewann vor allem zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert sukzessive an Gewicht. Das hängt vor allem mit der politischen Geschichte zusammen, aber auch partiell mit dem Ansehen, den das Französische vor allem in der Frühen Neuzeit europaweit in Adel und gehobenem Bürgertum genoss.

Nach der Eroberung durch französische Truppen 1639–1681 kam das Französische beispielsweise mit den königlichen Verwaltungsbeamten sowie Einwanderern und Händlern aus Zentralfrankreich ins Elsass. Die überwiegenden Bevölkerungskreise verwendeten weiterhin Deutsch bzw. ihren jeweiligen germanischen oder romanischen Dialekt.

Das Französische verbreitete sich in Europa, und noch deutlich stärker im Elsass, als Verwaltungs-, Handels- und Diplomatensprache innerhalb der städtischen und ländlichen Eliten. Ansonsten blieben die germanischen (und romanischen) elsässischen Dialekte und die deutsche Sprache erhalten; an der Universität Straßburg beispielsweise wurde nach wie vor auf Deutsch gelehrt.

Nach der Französischen Revolution änderte sich die Sprachpolitik des französischen Staates, der nun für Frankreich sprachliche Einheit propagierte. Darüber hinaus fand Französisch vor allem in diejenigen Bevölkerungskreise Eingang, die mit den Ideen der Revolution sympathisierten. Deutsch bzw. die deutschen Dialekte waren nun Teil einer Entwicklung zu partieller Zweisprachigkeit. In den Gegenden des Patois setzte sich aufgrund des Schulunterrichts das Französische durch. Wie in anderen nichtfranzösischsprachigen Regionen Frankreichs oder anderen Minderheitenregionen anderer europäischer Staaten wurde die Minderheitensprache vor allem in den Schulen zunehmend durch die Sprache der Mehrheit ergänzt oder von ihm verdrängt.

Während der Zugehörigkeit zum Deutschen Kaiserreich (Reichsland Elsass-Lothringen, 1871–1918) wurde die „Sprachenfrage“ in einem Gesetz vom März 1872 zunächst so geregelt, dass als Amtssprache grundsätzlich Deutsch bestimmt wurde. In den Landesteilen mit überwiegend französischsprachiger Bevölkerung sollte den öffentlichen Bekanntmachungen und Erlassen jedoch eine französische Übersetzung beigefügt werden. In einem weiteren Gesetz von 1873 wurde für diejenigen Verwaltungseinheiten, in denen Französisch ganz oder teilweise vorherrschte, der Gebrauch des Französischen als Geschäftssprache zugelassen. In einem Gesetz über das Unterrichtswesen von 1873 wurde geregelt, dass in den deutschsprachigen Gebieten Deutsch ausschließliche Schulsprache war, während in den französischsprachigen Gebieten der Unterricht ausschließlich auf Französisch gehalten werden sollte. Französischsprachige Gemeinden und Familien Elsass-Lothringens sahen sich ähnlich wie die polnischsprachigen Regionen Preußens insgesamt jedoch Germanisierungs- und Assimilationsversuchen ausgesetzt. Nur teilweise blieb dort das Französische Schul- und Amtssprache.

Die französische Sprachpolitik zwischen 1918 und 1940 war streng gegen die deutsche Sprache bzw. den Elsässischen Dialekt ausgerichtet. Die französische Sprache wurde als verbindliche Amts- und Schulsprache eingeführt. In Schule und Verwaltung wurde ausschließlich Französisch zugelassen, zeitweise wurde bei Strafe verboten, Deutsch bzw. Dialekt zu sprechen. Seit den Wahlen vom November 1919 und bis Anfang 2008 war es jedoch den Kandidaten aus den drei elsass-lothringischen Départements Haut-Rhin, Bas-Rhin und Moselle gestattet, Wahlkampfschriften in beiden Sprachen, Französisch und fakultativ auch Deutsch, zu verbreiten[4].

Mit der Hitler-Diktatur (1940–1945) erlebte das Elsass erneut eine Steigerung an restriktiver Sprachpolitik. Diese war rücksichtslos an die nationalsozialistische Ideologie angepasst. Die Umwandlung von französischen Vornamen in deutsche gehört sicherlich zu den harmloseren, aber typischen Beispielen. Die Politik der NSDAP eliminierte im Elsass den Wunsch, an der deutschen Sprache festzuhalten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Französisch zur Verkehrs-, Amts- und Schulsprache. Kenntnisse der autochthonen alemannischen oder fränkischen Dialekte (zusammengefasst im Begriff Elsässisch) oder des Standarddeutschen sind daher stark rückläufig und überwiegend auf die ältere Generation und die ländlichen Gebiete beschränkt.

Die französische Sprachpolitik der Vorkriegszeit setzte sich im Prinzip fort. Die älteren Generationen kommunizieren teilweise in elsässischen Dialekten. Die jüngeren Generationen, insbesondere in den größeren Städten, benutzen vorwiegend die französische Sprache. In den Schulen wird Deutsch überwiegend als Fremdsprache unterrichtet. Bilinguale Schulen, in denen der Unterricht teilweise auf Deutsch gehalten wird, wurden im September 2003 von 13.000 Schülern besucht. Nach Angaben des in Straßburg ansässigen „Amts für Sprache und Kultur im Elsass“ (Office pour la Langue et Culture d’Alsace – OLCA) sprechen noch 600.000 Menschen „Elsässisch“ (ca. 34,6 % der Bevölkerung), vor allem im ländlichen Raum, in Dörfern und kleineren Städten.

Unter dem Motto E Friehjohr fer unseri Sproch finden sich seit 2001 Theater- und Musikgruppen, Mundartdichter, Heimatvereine und Sprachpfleger zusammen, um Werbung für den Erhalt des Elsässischen zu machen. Zudem subventioniert der Regionalrat elsässische Sprachkurse. France 3 Alsace sendet von Montag bis Freitag die Nachrichtensendung „Rund Um“, in der ausschließlich Elsässisch gesprochen wird. Eine Gefahr besteht in der Folklorisierung der Dialekte, eine Tendenz, die aber auch in deutschsprachigen Ländern beobachtet werden kann. Das Verschwinden des Deutschen bzw. der deutschen Dialekte ist Thema mancher bekannter Schriftsteller geworden (René Schickele, André Weckmann, Hans Arp u. a.).

In der politischen Debatte um den Erhalt des Deutschen ist eine eindeutige Präferenz zugunsten der Dialekte und zu ungunsten des Standarddeutschen gesetzt worden. Man orientiert sich also weniger an der Schweiz, wo Mundart und zugehörige Standardsprache nebeneinander existieren (Diglossie), sondern mehr an Sprachmodellen wie Luxemburg, wo der Dialekt gegenüber der zugehörigen Standardsprache höher bewertet wird und sogar zur Schriftsprache ausgebaut wird. So hat man sich beispielsweise in Straßburg im Zusammenhang mit der Dokumentation von deutschen Straßennamen auf Straßenschildern nach langer Diskussion nicht für Standarddeutsch, sondern für die Straßburger Mundart entschieden. Das Problem bei der Höherbewertung der Dialekte gegenüber der zugehörigen Standardsprache ist, dass auch im Elsass Mundarten regional und sozial starke Unterschiede aufweisen. Ein Überleben der Dialekte hängt dann möglicherweise auch davon ab, inwiefern ein „Standardelsässisch“ (analog beispielsweise zum „Standardschweizerdeutsch“) etabliert ist oder etabliert werden kann.

Seit Beginn der 1990er Jahre steigt allerdings kontinuierlich die Anzahl der Schüler, die bilinguale Schulen bzw. Kindergärten besuchen.[5]

Fremdenfeindlichkeit

Sowohl in einigen Dörfern und Kleinstädten wie den oberelsässischen Illzach und Wittenheim als auch in manchen suburban geprägten Vorstädten bspw. Straßburgs mit einem hohen Anteil an Zuwanderern protestiert ein Teil der einheimischen Bevölkerung gegen die Einwanderung von Menschen aus anderen Kulturkreisen mithilfe des Stimmzettels. Der fremdenfeindliche Front National (FN), in dessen Programmatik das Thema Einwanderung breiten Raum einnimmt, erhält daher regelmäßig überproportionale Wählerzustimmung.

Der Zulauf zu den rechtsextremen Parteien FN und Alsace d’abord („Elsass zuerst“) wird von Beobachtern auch mit dem faktischen Verlust des Dialektes und der zugehörigen Standardsprache sowie mit der eigenständigen historischen Entwicklung der Region zwischen Frankreich und Deutschland in Zusammenhang gebracht. Diese Verlusterfahrung führe neben vielen anderen Gründen zu Identitätsverlust und Minderwertigkeitsgefühlen sowie, daraus erwachsend, zu Angst und Fremdenfeindlichkeit.[6]

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte des Elsass

Manche assoziieren das Elsass mit Störchen

Das Elsass war eine der Kernregionen der Kelten und gehörte danach etwa 450 Jahre zum Römischen Reich (ca. 58/52 v.Chr. bis ca. 405/406 n.Chr.). Auf 610 wird die Ersterwähnung des Elsassnamens bei Fredegar datiert (Alesaciones). Bis zum 7. Jahrhundert noch zum Herzogtum Alemannien gehörig, bildete das Elsass danach bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts ein eigenständiges Herzogtum.

Spätestens 988 wurde das Elsass Teil des Herzogtums Schwaben, bei dem es bis zu dessen Auflösung 1254 verblieb. Danach entwickelte sich eine Vielzahl unterschiedlicher Territorien, die zwischen 1633 und 1697/1714 mehrheitlich unter französische Oberherrschaft gelangten.

1789 wurden die beiden Départements Haut-Rhin und Bas-Rhin eingerichtet. Zwischen 1871 und 1918 gehörte das Elsass als Teil von Elsass-Lothringen zum von Preußen geführten deutschen Kaiserreich. 1918 kamen die beiden elsässischen Bezirke wieder als Départements zu Frankreich. 1940-1944 war das Elsass von der Wehrmacht besetzt und Teil des NSDAP-Gaus Baden-Elsass. 1972 wurde aus den beiden rheinischen Départements die Region Elsass gegründet.

Bekannte Elsässer

Literatur

  • Das Elsass. Ein literarischer Reisebegleiter, 251 S., mehrere Abb., Insel Verlag, Frankfurt a. M. 2001, ISBN 3-458-34446-2 − Elsässische Impressionen von fünfzig Schriftsteller/-innen aus fünf Jahrhunderten
  • Assall, Paul: Juden im Elsass, 252 S., zahlr. s/w-Abb. Rio Verlag, Zürich, ISBN 3-907668-00-6
  • Erbe, Michael (Hrsg.): Das Elsass. Historische Landschaft im Wandel der Zeiten, 198 S., Ill., Kohlhammer, Stuttgart 2002, ISBN 3-17-015771-X
  • Faber, Gustav: Elsass. Artemis-Cicerone Kunst- und Reiseführer, München 1989 (vergriffen)
  • Gerson, Daniel: Die Kehrseite der Emanzipation in Frankreich. Judenfeindschaft im Elsass 1778 bis 1848, 332 S. Klartext, Essen 2006, ISBN 3-89861-408-5
  • Haeberlin, Marc: Elsass, meine große Liebe, 279 S., zahlr. Farbfotos. Orselina, La Tavola 2004, ISBN 3-909909-08-6
    − Rezension über das „Schlaraffenland“ Elsass
  • Herden, Ralf Bernd: Straßburgs Belagerung 1870, BoD, Norderstedt 2007, 198 S., ISBN 978-3-8334-5147-8, mit zeitgenössischen Bildern und Anekdoten um das Elsaß und seine wechselvolle Geschichte
  • Mehling, Marianne (Hrsg.): Knaurs Kulturführer in Farbe Elsaß, 259 S., überw. ill. Droemer Knaur, München 1984. (vergriffen)
  • Schreiber, Hermann: Das Elsaß und seine Geschichte, eine Kulturlandschaft im Spannungsfeld zweier Völker, 358 S., ill. Weltbild, Augsburg 1996. (vergriffen)
  • Ungerer, Tomi (2004): Elsass. Das offene Herz Europas, DNA, 48 S., 40 farb. Abb. Édition La Nuée Bleue, Straßburg, ISBN 2-7165-0618-3
  • Ungerer, Tomi / Brison, Danièle / Schneider, Tony: Die elsässische Küche. 60 Rezepte aus der Weinstube L'Arsenal, ill. von Tomi Ungerer, 120 S., 60 Abb., gebunden. Édition DNA, Straßburg 1994, ISBN 2-7165-0341-9
  • Vogler, Bernard / Lersch, Hermann: Das Elsass, 127 S., 240 meist farb. Abb., Éditions Ouest-France, Morstadt 2000, ISBN 3-88571-260-1
    − Rezension

Trivia

  • Auch als "Kongo-Elsass" bzw. "kongolesisches Elsass" wurden 1911 jene Gebiete Neukameruns bezeichnet, die nach der Zweiten Marokkokrise im Rahmen den Marokko-Kongo-Vertrages von Frankreich an Deutschland als Kompensation abgetreten worden waren, ähnlich der Annexion Elsaß-Lothringens 40 Jahre zuvor.

Siehe auch

Weblinks


Allgemeines
Tourismus
Sehenswürdigkeiten
Literatur

Anmerkungen

  1. „Les Accords de coopération entre l’Alsace et ...“, region-alsace.eu, 23. März 2007
  2. Eurostat Pressemitteilung 63/2006 (PDF-Datei; 580 kB)
  3. Bäckaoffa-Rezept in Slowfood
  4. Parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Jean-Louis Masson aus dem Dept. Moselle vom 09.12.1991 an den französischen Innenminister
  5. ABCM Zweisprachigkeit. Association pour le Bilinguisme en Classe dès la Maternelle
  6. „Biedermänner und Brandstifter. Der Einfluss der extremen Rechten im Elsass.“ Reportage, Deutschlandfunk, 5. Januar 2008

48.2490519444447.52805805555567Koordinaten: 48° N, 8° O


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