Alster (Klasse 423)
Die Alster im Hafen von Kiel
Die Alster im Hafen von Kiel
Geschichte FRG Naval Ensign
Kiellegung: 1987
Indienststellung: 1988
Bauwerft: Flensburger Schiffbau-Gesellschaft
Heimathafen: Eckernförde, Schleswig-Holstein
Status: aktiv
Allgemeine Daten
Typverdrängung: 2375 t
Einsatzverdrängung: 3200 t
Länge: 83,5 m
Breite: 14,6 m
Tiefgang: 4,2 m bis 6,40 m
Geschwindigkeit: 20 Knoten
Besatzung: 36 + 40 (Soldaten und teilstreitkraftübergreifende Soldaten)
Bewaffnung: -
Fahrstrecke: 5000 sm
Leistung: 6600 KW (8980 PS)
Antrieb: Humboldt-Deutz Diesel

Die Alster (A 50) ist ein Flottendienstboot der Klasse 423 der Deutschen Marine. Bei den Flottendienstbooten handelt es sich um Aufklärungsschiffe, die für diesen Zweck mit verschiedensten Sensoren ausgerüstet wurden. Die genauen Daten zu den an Bord vorhandenen Geräten sind nicht bekannt. Laut Internetangebot des Bundesministeriums für Verteidigung soll es sich um elektromagnetische, hydroakustische und elektro-optische Geräte zur strategischen Informationsgewinnung in Krisengebieten handeln. Für die Bedienung der Frühwarn-, Fernmelde- und Aufklärungseinrichtungen können je nach Auftragsart bis zu 40 Spezialisten aus allen Teilstreitkräften eingeschifft werden.

Die Alster untersteht der U-Boot-Flottille in Eckernförde. Außer der Alster unterhält die Deutsche Marine noch die Schwesterboote Oste (A 52) und Oker (A 53).

Inhaltsverzeichnis

Einsätze

Die Klasse 423 war ursprünglich gebaut worden, um sowjetische Schiffe in der Ostsee zu untersuchen und Seeraum des Warschauer Paktes auszukundschaften.

Balkan

Nach 1990 wurden die Alster auch für Aufklärungsaufgaben außerhalb der Ostsee eingesetzt, so zum Beispiel ab 1999 zur Aufklärung des Balkans im Mittelmeer. [1]

Libanon

Ab Sommer 2006 war die Alster zur Aufklärung vor dem Libanon eingesetzt. Es wird vermutet, dass es – ohne explizit im Bundestagsmandat enthalten zu sein – Einheiten des UNIFIL-Einsatzes der Deutschen Marine durch Aufklärung von Luft- und Seebewegungen unterstützt hat. Nach Einschätzung von Verteidigungsminister Franz Josef Jung fiel es unter die vom UN-Mandat abgedeckten 400 Unterstützungskräfte. Dabei wurde sie im Oktober 2006 Gegenstand diplomatischer Unstimmigkeiten zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland aufgrund eines Zwischenfalls mit israelischen Kampfflugzeugen vom Typ F-16.

Am Morgen des 24. Oktober 2006 um 10:11 Uhr fand der Zwischenfall ca. 50 Seemeilen (rund 90 Kilometer) vor der libanesischen Küste in internationalen Gewässern auf Höhe der libanesisch-israelischen Grenze und des israelischen Ortes Rosch Hanikra statt. Erste Medienberichte sprachen von sechs israelischen F-16, die im Tiefflug über ein deutsches Schiff der UNIFIL-Flotte geflogen seien und zwei ungezielte Schüsse in die Luft abgegeben sowie mehrere Infrarot-Täuschkörper abgeworfen hätten. Dabei sei es zu keiner Kampfhandlung gekommen und niemand sei verletzt worden. Dies bestätigte am 25. Oktober der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe. Verteidigungsminister Franz Josef Jung telefonierte diesbezüglich noch am selben Abend mit seinem israelischem Amtskollegen Amir Peretz.

Eine israelische Armeesprecherin erklärte zunächst, dass ein deutscher Helikopter von der Alster, die sich zum fraglichen Zeitpunkt angeblich in israelischen Gewässern befunden haben soll, abgehoben habe und der Flug vorher nicht mit der israelischen Armee abgesprochen worden sei. Daraufhin hätten die F-16-Piloten versucht, den Helikopter zur Rückkehr und zur Landung zu zwingen. Sie bestätigte auch die Abgabe von Schüssen, dementierte aber den Einsatz von Leuchtsignalen. Die Alster hat jedoch an Bord keine Landemöglichkeit für Hubschrauber; zudem hat sich dieser Raabes Angaben zufolge zum fraglichen Zeitpunkt 70 Kilometer entfernt von der Alster befunden [2]. Unklar ist, ob der Hubschrauber über ein eingeschaltetes IFF-System verfügte.

Am 27. Oktober korrigierte die israelische Luftwaffe diese Aussage und gab an, dass der Vorfall mit dem Helikopter auf einem anderen Schiff stattgefunden und die Alster sich wirklich in internationalen Gewässern befunden habe. Jedoch seien in der Region israelische Trainingsflüge häufig und der Zwischenfall hätte in diesem Zusammenhang stattgefunden. Durch diesen wurde erst bekannt, dass das betroffene Schiff nicht – wie zuerst bekanntgegeben – ein Teil der UNIFIL-Flotte, sondern das Aufklärungsschiff Alster war, das sich auf einem nicht öffentlich bekanntgegebenen Einsatz vor Ort befand. Dadurch geriet Franz Josef Jung in die Kritik der Bundestagsopposition, die eine völlige Aufklärung und eine Veröffentlichung von Videoaufnahmen forderte, die von Besatzungsangehörigen der Alster mit qualitativ hochwertigen Objektiven von dem Zwischenfall gemacht worden waren und die derzeit vom Verteidigungsministerium unter Verschluss gehalten werden.

Deutsche Marineoffiziere gaben der Nachrichtenagentur ddp anonym eine Einschätzung, in der sie Israel vorwarfen, über den Einsatz der Alster auf Grund ihrer potentiellen Spionagetätigkeit unerfreut gewesen zu sein, obwohl der Einsatz des Aufklärungsschiffes Israel explizit mitgeteilt worden sei. Der Vorfall sollte demnach eine Art Machtdemonstration darstellen: "Die Israelis wollten uns eine Harke zeigen."

Nach Berichten des "Focus" vom 28. Oktober sei in das Ereignis, das die israelische Armeesprecherin zuerst beschrieben hatte, aber tatsächlich ein deutsches UNIFIL-Schiff involviert gewesen. Dabei sei der Helikopter, in dem sich der Flottillenadmiral Andreas Krause befunden habe, vom Feuerleitradar der Jets angepeilt worden, was üblicherweise der letzte Schritt vor einem Angriff sei.

Die "Bild am Sonntag" berichtete am 29. Oktober, dass sich in der Nacht zum 27. Oktober erneut eine ähnliche Situation ereignet habe. Auch hier sei ein Helikopter der deutschen UNIFIL-Flotte von einem israelischen F-16-Kampfflugzeug bedrängt worden. Dies wurde vom Bundesverteidigungsministerium bestätigt.

Franz Josef Jung reiste vom 3. bis 5. November nach Israel, um offene Fragen zu diesen Vorfällen zu klären und die Koordination zwischen der deutschen Marine und der israelischen Luftwaffe zu optimieren.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Marineforum 12-1999, S.32: Wiederkehr erst im neuen Jahrtausend
  2. Tagesspiegel:Video belegt deutsche Darstellung, 27. Oktober 2006

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Oker (Klasse 423) — Oker (A 53) Die Oker ist ein Flottendienstboot der Oste Klasse der Deutschen Marine. Die Oker gehört zur Einsatzflottille 1 und dort zum 1. U Boot Geschwader mit dem Heimathafen in Eckernförde. Namensgeber ist der Fluss Oker in Niedersachsen …   Deutsch Wikipedia

  • Oste (Klasse 423) — Oste im Hafen von Kiel Die Oste ist ein Flottendienstboot der Oste Klasse der Deutschen Marine. Die Oste gehört zur Einsatzflottille 1 und dort zum 1. U Boot Geschwader mit dem Heimathafen in Eckernförde. Namensgeber ist der Fluss Oste in… …   Deutsch Wikipedia

  • Alster (Begriffsklärung) — Alster ist der Name folgender Gewässer: Alster, ein Nebenfluss der Elbe und der daraus aufgestaute See Alster (Diemel), ein Fluss in Nordrhein Westfalen Alster (Itz), ein rechter Nebenfluss der Itz in Franken Alster ist der Name eines Ortes in… …   Deutsch Wikipedia

  • Alster (A 50) — Geschichte Kiellegung: 1987 Indienststellung: 1988 Bauwerft: Flensburger Schiffbau Gesellschaft …   Deutsch Wikipedia

  • Alster (A 50) — The Alster (A 50) is an intelligence ship of the German Navy. She is the lead ship of the Klasse 423 .The Alster is meant as a reconnaissance ship, with a wide array of modern elektromagnetic, hydroacoustic and electro optic sensors for strategic …   Wikipedia

  • Geschichte der britischen U-Boot-Klasse T — Die T Klasse war eine U Boot Klasse der britischen Marine im Zweiten Weltkrieg. Das letzte Boot der Klasse wurde 1975 in Israel außer Dienst gestellt. Inhaltsverzeichnis 1 1936–1938 2 1939 3 1940 4 …   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte der U-Boot-Klasse T (Royal Navy) — Die T Klasse war eine U Boot Klasse der britischen Marine im Zweiten Weltkrieg. Das letzte Boot der Klasse wurde 1975 in Israel außer Dienst gestellt. Inhaltsverzeichnis 1 1936–1938 2 1939 3 1940 …   Deutsch Wikipedia

  • Liste von Kriegsschiffen (Deutschland seit 1945) — Diese – noch unvollständige – Liste enthält deutsche Kriegsschiffe und Hilfsschiffe, die nach 1945 in verschiedenen Marineverbänden in Dienst waren und sind. Dazu gehören neben der Bundesmarine – seit 1990 „Deutsche Marine“ – und der Volksmarine… …   Deutsch Wikipedia

  • FINUL — UNIFIL/FINUL Einsatzgebiet: Libanon Deutsche Bezeichnung: Interimstruppe der Vereinten Nationen in Libanon Englische Bezeichnung: United Nations Interim …   Deutsch Wikipedia

  • Interimstruppe der Vereinten Nationen in Libanon — UNIFIL/FINUL Einsatzgebiet: Libanon Deutsche Bezeichnung: Interimstruppe der Vereinten Nationen in Libanon Englische Bezeichnung: United Nations Interim …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”