Alt-Cölln

Alt-Cölln
Stadtviertel in Berlin-Mitte: Altkölln (Spreeinsel) [1] (mit Museumsinsel [1a], Fischerinsel [1b]), Alt-Berlin [2] (mit Nikolaiviertel [2a]), Friedrichswerder [3], Neukölln am Wasser [4], Dorotheenstadt [5], Friedrichstadt [6], Luisenstadt [7], Stralauer Vorstadt (mit Königsstadt) [8], Gebiet Alexanderplatz (Königsstadt und Altberlin) [9], Spandauer Vorstadt [10] (mit Scheunenviertel [10a]), Friedrich-Wilhelm-Stadt [11], Oranienburger Vorstadt [12], Rosenthaler Vorstadt [13]
Berlin und Cölln im Anfang des 13. Jahrhunderts. Wiederherstellungsversuch von Karl Friedrich von Klöden
Cölln (gelb gefärbt) auf einem Stadtplan von 1688
Cölln 1893

Das auf einer Spreeinsel gelegene Cölln war eine der beiden Städte, die im Spätmittelalter zur Doppelstadt Berlin-Cölln zusammenwuchsen. Aus der Doppelstadt Berlin-Cölln entwickelte sich die heutige Stadt Berlin.

Inhaltsverzeichnis

Bewohner und Wirtschaft

Ortsmittelpunkt von Cölln war der Petriplatz mit der durch den Krieg beschädigten und 1964 abgetragenen Petrikirche an der Gertraudenstraße und das Cöllnische Rathaus an der Brüderstraße. Die Kirche war nach Petrus, dem Apostel der Fischer (Lukas 5, 3–10), benannt worden, denn viele Bewohner Cöllns lebten überwiegend vom Fischfang. Im 18. Jahrhundert war ein Regiment zu Fuß bei den Bewohnern einquartiert (1806: No. 26). Die Verbreiterung und Vertiefung der Spree vor der Mühlendammfurt bot reiche Fischgründe. Auf der östlichen Seite der Spree in Berlin wohnten die Kauf- und Fuhrleute. Der Transport von Waren über den Mühlendamm, den einzigen natürlichen Spreeübergang in der Umgebung auf der Verbindung zwischen Frankfurt (Oder) und Magdeburg, brachte Handelszölle ein. Auf Berliner Seite war die Nikolaikirche der Ortsmittelpunkt. Nikolaus ist der Heilige der Kaufleute. Der Mühlendamm staute das Wasser, das die Mühlen antrieb. Die durch ihre Fuhr- und Kaufgeschäfte reicheren Berliner konnten sich bald den Bau einer zweiten Kirche, der Marienkirche, leisten.

Geschichte

1237 wurde Cölln erstmals urkundlich erwähnt, sieben Jahre vor der ersten urkundlichen Erwähnung Berlins, mit dem es sich 1307 zur Doppelstadt Berlin-Cölln mit einer gemeinsamen Verwaltung vereinigte. Die beiden Orte waren durch den Mühlendamm miteinander verbunden. Im gemeinsamen Magistrat waren die Berliner durch mehr Stimmen vertreten. Der Magistrat baute die Lange Brücke, die heutige Rathausbrücke. Die gemeinsame Politik der Doppelstadt führte 1308 zu einem ersten Bündnis mit anderen Städten in der Mark, darunter Frankfurt (Oder), Brandenburg an der Havel und Salzwedel, zur Wahrung ihrer Rechte gegenüber dem Landesherrn und zur Abwehr äußerer Gefahren.

1442 wurde die gemeinsame Stadtverwaltung von Berlin und Cölln durch Kurfürst Friedrich II. zur Durchsetzung eigener Machtansprüche wieder aufgehoben. Darüber hinaus wurde Cölln gezwungen, dem Kurfürsten für die Errichtung einer Burg das Gebiet abzutreten, auf dem später das Berliner Stadtschloss entstand.

Von 1658 bis 1683 ließ der Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg Cölln und Berlin mit Festungswerken nach Plänen von Johann Gregor Memhardt versehen, die weitgehend entlang der alten Stadtmauer von Berlin und Cölln angelegt wurden. Nur an einigen Stellen wurden die Stadttore nach außen verlegt. Teile des Festungswerkes, insbesondere die Bastionen, sind noch heute im Straßengrundriss der Stadt zu erkennen, beispielsweise am Hausvogteiplatz. Im Rahmen des Festungsbaus entstand am Südufer des Spreekanals, noch innerhalb der neuen Festungsmauer, die Cöllnische Vorstadt Neu-Cölln.

1710 wurden die Städte Berlin, Cölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt zur königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin vereinigt. Zunehmend standen nun die Festungsmauern der städtischen Entwicklung im Wege, so dass diese ab 1834 geschleift wurden, damit Berlin mit seinen Vorstädten zusammenwachsen konnte. Die ganze Stadt wurde durch die Akzisemauer umgeben, von deren Verlauf heute noch Bezeichnungen von Straßen und Plätzen, insbesondere nach ehemaligen Stadttoren, zeugen.

Im Mittelalter hatte Cölln rund 1.400 Einwohner. Als Berliner Stadtteil umfasste Cölln die gesamte Spreeinsel und erreichte 1871 seine höchste Bevölkerungszahl mit 16.554 Einwohnern. 1910 betrug die Einwohnerzahl noch 6.895.[1] 1920 ging Cölln im neugebildeten Berliner Bezirk Mitte auf. Im Zweiten Weltkrieg erlitt Cölln schwerste Zerstörungen und ist heute nicht mehr als historischer Ortsteil erkennbar. Der Name Cölln oder Alt-Cölln wird im allgemeinen Sprachgebrauch nicht mehr als Ortsbezeichnung verwendet.

Historische Orte und Gebäude

Siehe auch

Literatur

  • Ernst Fidicin: Die Gründung Berlins, Berlin 1840, (streng quellengenau, kritisiert Klöden als zu spekulativ)

Einzelnachweise

  1. Friedrich Leyden: Gross-Berlin. Geographie der Weltstadt. Hirt, Breslau 1933 (darin: Entwicklung der Bevölkerungszahl in den historischen Stadtteilen von Alt-Berlin, S. 206)

52.51333333333313.4047222222227Koordinaten: 52° 31′ N, 13° 24′ O


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