Alt-Hürth

Alt-Hürth ist ein Stadtteil der Stadt Hürth im Rhein-Erft-Kreis. Alt-Hürth hat etwa 7.000 Einwohner (Stand: Mitte 2011).

Der Ort war bereits vor der Industrialisierung ein bedeutender Kirchort, sogar mit Vicarie, und mit (1880) 1166 Einwohnern etwa so groß wie die Residenzstadt Brühl (ohne zugeordnete Orte).[1] Die Bürgermeisterei (1800/1815) und die 1930 gebildete Großgemeinde erhielten deshalb zu Recht den Namen Hürth, wenn auch das Verwaltungszentrum nach Hermülheim beziehungsweise 1985 nach Hürth-Mitte zwischen Hürth und Hermülheim verlagert wurde. Im weiteren Text wird bei historischen und geographischen Aussagen für den Stadtteil meist der alte Name Hürth verwendet. Auch heute noch hat Alt-Hürth ein ausgeprägtes Einkaufs-, Gastronomie- und Dienstleistungszentrum, wenn auch für den eher einfachen Bedarf.

Ehemalige katholische Pfarrkirche von 1696, ältester erhaltener Kirchenbau in der Stadt Hürth

Inhaltsverzeichnis

Lage

Alt-Hürth liegt im Hürther Tälchen des Duffesbachs am Hang des Vorgebirges westlich der Luxemburger Straße, der B 265, etwa zehn Kilometer südwestlich von Köln.

Geschichte

Römerleitung, Fundort Kreuzstraße

Römer, Frühzeit, Ersterwähnung

Hürth, so die ursprüngliche und für die heutige Stadt namensgebende Benennung des jetzigen Stadtteils Alt-Hürth, wird erstmals zusammen mit dem ruezinhof, dem Rüscherhof, 1185 in einer Schenkungsurkunde des Philipp von Heinsberg an das Kölner Kloster St. Mechtern erwähnt.[2] Als Kirchort erscheint es erstmals um 1300 im liber valoris. Das Patrozinium der Kirche, St. Katharina, und der Unterbau des Turmes lassen auf eine ältere Eigenkirche des jeweiligen Burgherren von spätestens der Mitte des 13. Jahrhunderts schließen. Da schon die Römer das Wasser aus Hürther Sprüngen fassten und in einem Aquaedukt, der späteren Eifelwasserleitung, im Zuge der Kreuzstraße nach Köln führten, ist die Besiedlung des Hürther Tales als recht alt anzunehmen. Auf dem Kummet, am Ende des Hürther Tälchens, etwa 100 m unterhalb der Kreuzstraße, hat man teilweise eine größere Villa rustica von 80 × 30 Meter ergraben.[3] Frühzeitliche Gräber hat man in der Umgegend gefunden.

Allianzwappen
von Tzerklaes/von Harff von 1691 (am Pfarrhaus)

Feudalzeit

Im Spätmittelalter beziehungsweise in der Frühen Neuzeit teilte sich das Gebiet des Raumes um Hürth auf das Erzbistum Köln und das Herzogtum Jülich auf. Der Ortsteil Hürth (Alt-Hürth) lag dazwischen und gehörte (ohne Knapsack, Alstätten und Villenhöhe) zur Herrschaft Valkenburg im Herzogtum Brabant und damit zu den Spanischen, später Österreichischen Niederlanden. Dennoch mischten sich die Jülicher und die Kölner immer in Hürther Angelegenheiten ein. An die ehemaligen meist durch Heirat wechselnden Burgherrengeschlechter wird mit Straßennamen im Neubaugebiet um den neu angelegten Valkenburger Platz erinnert: Von Holtrop (1416), von der Horst (1439), von Harff (1552), von Tzerklaes (1675), von Reuschenberg (1749) und zuletzt von Wolffen (1760).[4] Die Burg lag neben der alten Kirche. An den Burgweiher erinnert noch die vorbeiführende Weierstraße (sic). Die Herren von Hürth hatten bis zur Franzosenzeit auch die Blutgerichtsbarkeit. Der Hürther Galgen stand an der Kreuzung der heutigen Bergstraße mit der heutigen Luxemburger Straße und damit an der höchsten Stelle in der Herrschaft.[5] Ein kleiner Hügel ist noch auf der Tranchotkarte zu erkennen. In der napoleonischen Zeit wurde nach Aufhebung der Grundherrschaften (Alt-)Hürth der Bürgermeisterei (später Amt, französisch: Mairie) Hürth mit Sitz in Hermülheim zugeordnet.

Restauration Hürther Thalmühle (1897) Oberlauf des Duffesbaches

Bauern und Mühlen

Neben dem Burghof waren im und um den Ort nur wenige mittelgroße Höfe zu finden. Dazu gab es eine Reihe von kleinsten Bauernhäuschen für die abhängigen Hofleute, die noch vielfach verändert im Stadtbild zu erkennen sind. Um 1880 hatte Hürth insgesamt 242 Wohnhäuser.[6]

Hürth um 1800

Das Hürther Tal war lange Zeit durch vier Mühlen, mit der Herrenmühle am Talausgang zu Hermülheim sogar durch fünf Mühlen geprägt. Um das Wasserrecht gab es sogar einen Hürther Krieg mit Köln und Verhandlungen vor dem Reichskammergericht in Nürnberg. Nur von der Metternichsmühle ist noch ein Gebäude erhalten. An die übrigen Mühlen wird noch in Alt-Hürther Straßennamen erinnert. Die Restauration Hürther Talmüle zog damals sogar Kölner Ausflügler an. Heute steht hier an der Talmühlenstraße ein etwas bescheideneres Lokal mit einem kleinen Sälchen. Ende 2010 wurde dies Lokal in eine Pizzeria umgewandelt mit einem dafür typischen Namen. Mit dem Wegfall des alten Namens verschwand ein Stück Hürther Tradition.

Erster Braunkohleabbau

(→ Braunkohle in Hürth)

Schon früh wurde im Raum um den Ortsteil Braunkohle gefunden und in bäuerlicher Manier für den Eigenverbrauch abgebaut, so im Bachtal des Duffesbaches, der diese Kohlenflöze angeschnitten hatte. Auf einem Plain aus dem Archiv der Burg Kendenich von 1769 sind die Kentenischer und die Hürther Dorffkaulen in der Quellmulde des Duffesbaches (im Gelände des Tennisklubs Knapsack, der ehemaligen Brauerei Firmenich) zu sehen.[7] Wenn der Torf an den Hängen abgegraben war, wurden Löcher gegraben und die Kohle von diesen Löchern aus zum Teil unterirdisch abgebaut und mit Haspeln heraufgeholt. Im Lockergestein war dies nicht ungefährlich. Die Kohle wurde in Formen wie Blumentöpfe gepresst, umgestülpt und als Klütten an der Luft getrocknet. Grubenherren waren die Burgherren und Grundbesitzer, Grubenarbeiter die Tagelöhner aus der bäuerlichen Bevölkerung. Die erste größere Grube war seit 1800 die von der Hürther Bürgermeisterfamilie Scholl betriebene Scholls Grube, später nach der Ehefrau Theresia benannt an der Grenze zu Hermülheim (heute Theresienhöhe).[8] Auch der Alt-Hürther Kleingartenverein in der Nähe des Friedhofs in rekultiviertem Gelände nennt sich nach der Theresia.

Industrialisierung

Lok 1036 der Schmalspurkohlenbahn-Industriedenkmal

Der Aufschwung des Ortes Hürth begann mit der rasanten Erschließung des Rheinischen Braunkohlereviers und der Industrieansiedlung in Knapsack nach dem Jahr 1900. Dadurch und besonders durch Aufkäufe der Braunkohlegruben ging die Landwirtschaft in Alt-Hürth erheblich zurück. Heute betreibt noch ein Hof, der Bolderhof an der Mühlenstraße, Landwirtschaft im Nebenerwerb mit hauptsächlich gepachtetem Land. Der Ortsteil selbst blieb weitgehend von Industrieansiedlungen verschont. Selbst die Bergwerksfirma und Brikettfabrik, die Hürth im Namen führte, die Gewerkschaft Hürtherberg, hatte ihren Sitz nördlich von Hürth an der Gemarkungsgrenze von Hürth, Hermülheim und Kendenich. Braunkohlegruben gab es rund um Hürth bis 1988. Sie wurden durch ein umfangreiches 900 mm Schmalspurbahnnetz mit den Werken verbunden, das mit dem Abbau mitwanderte. Seit 1918 führte die Schwarze Bahn von der Vorgebirgsbahn in Hermülheim durch das Hürther Tal bis Knapsack und zu den Gruben und Brikettfabriken in Berrenrath. An der Trierer Straße war bis zur Aufgabe des Personenverkehrs (heute noch Werksverkehr der Häfen und Güterverkehr Köln nach Knapsack) ein Bahnhof mit Verladegleis und an der Talmühle ein Haltepunkt. Im Bereich dieses Haltepunktes, aber nicht nur dort, waren viele Werkswohnungen der Knapsacker Industrie insbesondere für die Arbeiter der Firmen RWE und Rheinbraun erbaut worden. Die Villebahn, die die um Hürth herumgelegenen Gruben Ribbert (Kendenich), Hürtherberg (an der Luxemburger Straße), Theresia (Hermülheim) und Engelbert (Berrenrath) mit der Staatsbahn verband, führte oberhalb des Ortes um den Ort herum (abgebaut).[9] Mit dem Aufschwung nach dem Ersten Weltkrieg konnten dann in Hürth beachtenswerte Gebäude wie das erste Schwimmbad im Kölner Umland, ein Stadion und eine Radrennbahn sowie moderne Schulgebäude errichtet werden. Diese Gebäude am Brabanter Platz stehen heute unter Denkmalschutz. Davon profitierte dann nach 1930 auch die dann gebildete Großgemeinde Hürth. Das reiche Hürth begrüßte bei diesem Zusammenschluss nicht unbedingt die ärmeren eingemeindeten Orte. Nach der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1978 wurde der Ortsteil Hürth durch Ratsbeschluss vom 22. April 1979 mit knapper Mehrheit in Alt-Hürth umbenannt, um Verwechslungen zu vermeiden.[10] Der Name Alt-Hürth taucht allerdings schon im Heimatbuch der Gemeinde Hürth von 1934 für den Ortsteil auf.[11]

Wandel der Wirtschaftsstruktur

(Siehe dazu Hauptartikel Hürth, Hürth-Knapsack, Kraftwerk Goldenberg, Chemiepark Knapsack und Rheinisches Braunkohlerevier)

Mit dem Ende des Braunkohleabbaus, dem Verschwinden der Brikettfabriken rund um Hürth (heute existiert noch eine Fabrik: Ville/Berrenrath), dem Einsatz von Staubfilter- und Entschwefelungsanlagen bei den Kraftwerken auf dem Knapsacker Hügel und dem Strukturwandel der chemischen Industrie hat die Luft- und Lebensqualität in Alt-Hürth wesentlich zugenommen.

Alt-Hürth heute

Moschee, Frechener Straße
Gedenktafel an die ehemalige Synagoge

Durch seine Lage im Hürther Tal hat der Ort ein Zentrum ausgebildet, das aus dem Rechteck mit den Längsseiten Weierstraße und Lindenstraße und den Schmalseiten Pastoratstraße/Mittelstraße und Brabanter Platz im Norden gebildet wird. Hier haben sich eine Reihe Geschäfte des täglichen Bedarfs niedergelassen, die durch einige Geschäfte des mittleren und gehobenen Bedarfs (Schuhe, Möbel, Optik und Radio) ergänzt werden. Da die Geschäftsräume klein, alt (abgeschrieben) und billig sind oder den Geschäftsinhabern selbst gehören, können sich auch kleine Spezialanbieter wie Kräuterladen, Wein- und Spirituosenspezialitäten sogar kleine Boutiken halten. Zudem ist das Parkplatzangebot reichlich und kostenlos. Dennoch ist die Konkurrenz zum Einkaufszentrum Hürthpark (Hürth-Mitte) und zu Köln erheblich und hat gelegentlich Leerstände zur Folge. Beachtenswert ist in Alt-Hürth das Angebot an auch gehobener Gastronomie zu dem reichlichen Angebot an traditionellem und ausländischem/exotischem Fast-Food. Die Stadt unterstützt dies Zentrum durch die Einrichtung von verkehrsberuhigten Zonen und Maßnahmen des Stadtmarketings. Ein Werbe- und Förderverein versucht durch Veranstaltungen und Werbemaßnahmen, das Angebot des Standortes attraktiv zu halten. Bemerkenswert ist die Zahl von privaten künstlerischen Schulen im Stadtteil, die Kurse für Kinder und Erwachsene anbieten und das Kulturangebot durch Veranstaltungen bereichern. Sie nutzen Räume, die vorher durch Einzelhandelsgeschäfte genutzt worden waren.

Strukturwandel des Wohnortes

Das Wohnumfeld selbst hat sich vom Industriearbeiterort zum mittelständisch orientierten Wohnort der Dienstleistungsgesellschaft gewandelt. Dies führt auch dazu, dass die vielen Arbeitersiedlungen von den Werken privatisiert werden und nach gründlicher Erneuerung als Eigenheime oder Eigentumswohnungen verkauft werden. Ehemalige Gewerbegebiete wie der Valkenburger Platz auf dem Ohremgelände oder die ehemalige Gärtnerei des RWE, an die heute noch das denkmalgeschützte Fachwerk-Gärtnereigebäude erinnert, werden durch modernste Wohnbauten mit Fernwärmeheizung (ausgekoppelt beim Goldenbergwerk) oder mit Erdwärmeheizung verdichtet.

Kirche, Kultur und Karneval

Gartenhaus im Pfarrgarten, Denkmalschutz

Katholische Kirche

Im Zentrum von Alt-Hürth sieht man zwei Kirchtürme. Der Zwiebelturm gehört zur ehemaligen Kirche St. Katharina, dem wohl ältesten Kirchenbauwerk in der Stadt Hürth, dessen Turmsockel noch aus der Zeit der Gotik stammt (Fensterwölbungen). Der Chor stammt aus dem Jahre 1696, Aus- und Umbauten erfolgten 1780 und 1919. Die Kirche wurde nach ihrer Profanierung von 1914 bis 1984 als Kloster und Kindergarten sowie Nähschule etc. genutzt und dann bis 2005 als Ärztehaus und Dialysezentrum vermietet. Seit 2007 beherbergt sie eine private Musikschule, die in ihren Räumen auch mit Konzertveranstaltungen das Hürther Kulturleben bereichert. Sie steht unter Denkmalschutz. Die Kirche St. Katharina aus dem Jahre 1894/1895, in neuromanischem Baustil vom Kölner Architekten Theodor Roß erbaut, steht ebenfalls unter Denkmalschutz. Die Innenausstattung wurde teilweise aus der Vorgängerkirche übernommen, die ihrerseits das aufgelöste Kloster Marienborn Hürth-Burbach und Kölner Klöster beerbt hatte. Bemerkenswert ist der barocke Hochaltar mit seiner Kreuzigungsgruppe.[12] Die Orgel von 1903 mit ihrem traditionellen Prospekt stammt aus der Werkstatt von Ernst Seifert in Köln-Manstetten. Sie wurde von dessen Sohn Anfang der 1960er Jahre restauriert. Heute wird sie von der Firma Josef Weimbs, überholt und gewartet. Der zweite in Alt-Hürth verehrte Heilige ist der Apostel Matthias, zu dessen Ehren jährlich am Samstag nach Christi Himmelfahrt auch von Hürth aus eine Fuß-Wallfahrt nach St. Matthias in Trier unternommen wird. Ein Gedenkkreuz für die Wallfahrt steht an der Trierer Straße. Die Katholische Gemeinde ist mit Berrenrath, Fischenich und seit 2006 auch mit Kendenich zu einem Pfarrverband zusammengeschlossen. Das Ensemble der beiden Kirchen harmonisiert mit den gleichfalls denkmalgeschützten Gebäuden Schwimmbad und Berufsschule sowie dem nicht weit entfernten Löhrerhof als kulturhistorischer Mittelpunkt von Alt-Hürth.

Evangelische Gläubige

Gläubige evangelischer Konfession kamen erst mit der Industrialisierung in den Ort. (Alt-)Hürth mit Alstädten hatte 1933 nach Knapsack mit 551 Evangelischen den zweithöchsten Anteil in der Großgemeinde Hürth.[13] Die Gläubigen gingen seit 1921 nach Knapsack zur Kirche, ab 1951 zur Dankeskirche, die mit der Umsiedlung Knapsacks 1976 abgerissen wurde. Die Evangelische Matthäus Kirchengemeinde Hürth unterhielt zeitweise auch einen Gemeinderaum in Alt-Hürth. Heute müssen die Gläubigen zur Martin Luther King-Kirche in Hürth Mitte gehen, die Nathan Söderblom-Kirche in Kendenich, zu der bis dahin Alt-Hürth gehörte, wurde im Juni 2008 aus Kostengründen aufgegeben. Eine bedenkenswerte Verbindung zwischen den beiden Gemeindenamen besteht darin, dass die Namen des Evangelisten Matthäus und des Apostels Matthias aus dem gleichen hebräischen Namen herzuleiten sind.

Muslime

Am Ortsrand, in der Nähe des Friedhofes an der Frechener Straße, hat die Muslimische Gemeinde von 240 eingeschriebenen Gläubigen eine Moschee gebaut, die im Mai 2004 eingeweiht wurde. Sie wird auch von auswärtigen Muslimen besucht.

Ehemalige Jüdische Gemeinde

Die Bürgermeisterei Hürth hatte 1847 mit 92 Personen die drittgrößte jüdische Gemeinde im Kreis Köln (nach Deutz und Frechen). Eine offizielle Synagogengemeinde wurde 1875 zusammen mit Brühl gebildet, seit 1926 als eigenständige Gemeinde. Man benutzte seit 1856 einen Betsaal (Beit Midrasch) im Haus eines jüdischen Kaufmanns in der heutigen Weierstraße/Ecke Kendenicher Straße. Nach Wegzug des Kaufmanns Cosmann Brünell nach Köln und Verkauf des Hauses wurde auf einem verbliebenen Grundstück von 62,2 m² 1882 mit schmalem Zugang zur Straße eine kleine Synagoge errichtet. 1888 erwarb die Synagogengemeinde Eigentum am Grundstück. Vor der Verfolgung wohnten in der Bürgermeisterei 1932 noch 46 Personen. 1937 musste die Gemeinde wegen gesunkener Mitgliederzahlen auf Betreiben des Regierungspräsidenten aufgelöst und der Kölner Gemeinde zugeschlagen werden, die wiederum 1939 die Synagoge an einen benachbarten Schreiner verkaufen musste. Am 10. Oktober 1944 wurde die ehemalige Synagoge wie auch die umliegenden Gebäude durch einen Bombenangriff zerstört.

Die (Alt-)Hürther Juden (1880 lebten im Ort 19 Personen jüdischen Glaubens [14]) wurden, soweit sie nicht auswandern konnten, in der Zeit des Nationalsozialismus von den damaligen Hürther NS-Politikern in einem Judenhaus in der Großen Ölbruchstraße zusammengezwungen und später deportiert und umgebracht. An die Synagoge erinnert eine Tafel am Haus Weierstraße und der zentrale Platz An der alten Synagoge. An das Schicksal der Verfolgten wird an mehreren Stellen im Ortsteil durch Stolpersteine erinnert.

Ein kleiner jüdischer Friedhof ist für den Ortsausgang Richtung Kloster Marienborn (Hürth-Burbach) rechte Seite, heute Marienbornweg, nachgewiesen, Alter Friedhof. Er wurde bis etwa 1880 belegt und dann durch einen etwas weiter außerhalb gelegenen größeren Friedhof, Gemarkung auf dem Streufenberg ersetzt, den auch der reiche Kaufmann Brünell auf einem Grundstück zur Verfügung stellte, das er zuvor 1874 gekauft hatte. Der alte Friedhof wurde 1922 an das RWE verkauft, die dort, wie auch an vielen Stellen Hürths, Werkswohnungen errichteten. Der neue Friedhof musste an die Roddergrube verkauft werden und fiel später dem Braunkohlenabbau zum Opfer.[15]

Kultur

Tanzpaar der Hürther Funken vor Fachwerkhof, Platz der Synagoge

1988 wurde der Löhrerhof in der Lindenstraße im Zentrum von Alt-Hürth umfassend restauriert und als Hürther Kulturzentrum eingerichtet. Dort und in einem Saal der Gaststätte bei Paula in der Lindenstraße finden die Veranstaltungen der Hürther und der Alt-Hürther statt. Chöre gibt es eine ganze Reihe in der Stadt Hürth, in denen auch die Alt-Hürther gerne mitsingen. Spezielle Alt-Hürther Chöre gibt es allerdings nicht. Ein weiterer Ort kulturellen Lebens im Ortsteil Alt-Hürth mit Veranstaltungen und Konzerten ist seit Mai 2007 der Konzertsaal der privaten Musikschule „Auftakt“.

Karneval

Karneval wird in Alt-Hürth groß geschrieben. Besonders aktiv und groß sind die Hürther Funken Blau-Weiß von 1938 und die Prinzengarde Rot-Weiss von 1947 e.V.. Die Aktivitäten aller Alt-Hürther Karnevalsgesellschaften werden vom Festausschuss Alt-Hürther Karneval koordiniert. Der Zug geht am Karnevalssamstag.

Sport

Sportvereine in Hürth sind in der Regel nicht auf einen Stadtteil beschränkt, sondern für alle offen. Für Alt-Hürth mag da noch der DJK TuS Hürth von 1964 stehen sowie die Wandergesellen Alt-Hürth, die einen permanenten Rundwanderweg um den Otto-Maigler-See von Alt-Hürth ausgehend ausgeschildert haben. Dazu können noch die Hürther Ski- und Wanderfreunde Erwähnung finden. Alle Sportangebote in der Stadt sind über die offizielle Webseite der Stadt zu finden.

Alle Aktivitäten der Alt-Hürther Vereine werden von der Ortsgemeinschaft, in der alle Vereine des Stadtteils vertreten sind, koordiniert.

Sehenswürdigkeiten

Denkmal Dr. Kürten
  • Kirchengebäude Alt- und Neu-Katharina mit Pfarrsaal aus den 1930er Jahren mit Denkmal Dr. Arnold Kürten und Kriegerdenkmal für die Teilnehmer (nicht die Gefallenen) der Gloreichen Feldzüge von 1848/49 (Schleswig-Holsteinischer Krieg (1848–1851), 1864 (Deutsch-Dänischer Krieg), 1866 (Deutscher Krieg) und von 1870/71 (Deutsch-Französischer Krieg), einem der ältesten Kriegerdenkmale
  • Das heutige denkmalgeschützte Pfarrhaus ist 1866 in Fachwerk auf den Grundmauern der Hürther Burg erbaut worden. Die Zivilgemeinde hatte zuletzt den verfallenen Burgkomplex erworben, von der ihn die Kirchengemeinde ankaufte. Das frühere Pfarrhaus stand in der Pastoratstraße. Es wurde schon 1817 vom Pfarrer als eher einem Stalle ähnlich aussehend beschrieben.[16] Auch die zur Burg gehörigen Ländereien waren parzellenweise verkauft worden. An die früheren Herren der Herrlichkeit Hürth erinnert noch ein Wappen an der Pfarrhauswand, das man im Bauschutt an der ehemaligen Friedhofsmauer gefunden hatte (Replik, Original im Pfarrsaalgebäude). Es trägt die Inschrift JOAN ERNS F. L. TSERCLAS. ERB UND GRUNDHERR ZU HURT, OBERSTER ZU ROSS EXTRUIT (Ausbau) 1691. Dazu die Wappenzeichen Löwe (Tzerklaes) und Turnierkragen (Harff) seiner Ehefrau.[17]
  • Fachwerkhäuser:
    • Der Löhrerhof ist eine dreiseitige ehemalige kleinere Hofanlage mit links stehendem giebelständigen zweistöckigen Wohnhaus, querstehender Scheune und rechtsstehender Stallung/Remise und Futterküche. Ehemals stand zur Lindenstraße noch ein Backhaus, das der Straßenverbreiterung zum Opfer fiel. Die Hofanlage ist zur Straße mit einem Holztor abgeschlossen. Ursprünglich war 1839/40 vom damaligen Pfarrer Peter Klinkhammer, der von 1830 bis zu seinem Tode 1878 in Hürth amtierte, das Wohnhaus für sich und seinen Schwager, den Böttcher Löhrer, mit seiner sechköpfigen Familie errichtet worden. Die Ökonomieanlagen scheinen erst nach 1870 errichtet worden zu sein, als dessen Sohn die Tochter des Müllers der Kohlhaasmühle, die viel Land mit in die Ehe brachte, geheiratet hatte. Die Fachwerkbauten scheinen die letzten ihrer Art im Ortsteil zu sein, nur das allerdings verputzte Pfarrhaus ist einige Jahre jünger. Nachdem der Hof den größten Teil seines Landes an Braunkohlegruben und Gemeinde verkaufen musste (1888–1910), wurde die Landwirtschaft stark eingeschränkt und in den 1980er Jahren dann aufgegeben. 1986 wurde die Hofanlage von der Stadt Hürth gekauft, umfangreich nach Plänen des Hürther Architekten Henning Bertermann restauriert und zum Kulturzentrum umgebaut. Das Ensemble der kleinen Hofanlage steht unter Denkmalschutz.[18]
    • Der heute sogenannte Erbenhof am unteren Ende der Breiten Straße, ebenfalls ein Dreiseithof, wurde etwa um 1790 erbaut. Er wurde 1992 unter Denkmalschutz gestellt und 1995/98 durch einen Bauträger von einer Erbengemeinschaft erworben. Nach Abriss des baufälligen Wirtschaftsteils wurde das einstöckige 114 m² große Wohnhaus umfassend unter dem Architekten Bertermann restauriert und an Stelle der alten Gebäudeteile wieder über Eck ein dreistöckiges Wohnhaus mit sechs Mietwohnungen errichtet. Der Hof der Anlage ist offen zur Straße und mit einem Schaubrunnen ausgestattet. Das einstöckige Fünfständer-Haus ist typisch für die kleineren Bauernhöfe der Region: Die Wohnhäuser stehen alle giebelständig zur Straße und mit einer Seite an der Grundstücksgrenze, der Eingang ist von der Seite. Von dort kommt man in den mittleren von drei Räumen, der Küche, Wohn-, Arbeitsraum und Diele mit Treppe zum Speicherraum, in dem oft zur Straße noch eine kleine Dachkammer bestand. Der Küchenofen, an der Seite zur Straße stehend, heizte zugleich die gute Stube durch eine gusseiserne Ofenplatte (Takenheizung) hindurch. Nur dieser Raum hatte Fenster zur Straße und zum Hof.[19]
    • Zwei kleine nicht restaurierte Kotten in der Pastoratsstraße stehen unter Denkmalschutz (Bild).
    • Ein Kotten am oberen Ende der Breiten Straße mit ungleich geringerer Fläche von circa 4x8 m Grundfläche, wohl das kleinste Wohnhaus im Ort, ist typisches Beispiel für die häufigen Hausmannshäuser der Nebenerwerbsbauern. Die in der Reihe stehenden Nebengebäude sind zu Wohngebäuden umgewandelt worden und nicht denkmalwürdig. Das Haus selbst ist unrestauriert, aber gestrichen und relativ gut erhalten (unbewohnt). Das Haus scheint nach 1810 erbaut zu sein, da es auf der Tranchotkarte noch nicht verzeichnet ist.
    • Der Kotten am Platz der Synagoge (18. Jahrhundert) ist in gutem Zustand aber nicht unter Denkmalschutz gestellt. Das Haus des kleinen U-förmigen Hofes steht zwar traufständig zum Platz, seine eigentliche Front ist aber zur Seitenstraße ausgerichtet und dort mit Tor abgeschlossen.
    • Ein traufständiges Fachwerkwohnhaus in der Lindenstraße mit Restaurant.

Es bestehen weitere Kotten im Ort, diese sind aber meist nicht als Fachwerkhäuser zu erkennen, da sie verputzt oder ummauert sind.

  • Ein neu auf altem Grundriss und in Anlehnung an den Jugendstil erbautes Wohnhaus von 2002 sowie ein Haus von 1904, also vor der Industrialisierung, mit stilecht renovierter Jugendstilfassade, beide in der Breiten Straße, sind beispielhaft für eine gelungene Stadterneuerung.
  • Schule und ehemaliges Hallenbad von 1930 am Brabanter Platz (Denkmalschutz)
Altes Hallenbad und Berufsschule
  • Die RWE-Werkssiedlung Am Clementinenhof und die Siedlungen an der Villenbahn und in der Tilsitstraße stehen unter Denkmalschutz. Einfachere jeweils gleichaussehende teilweise sanierte Werks-Ein- und Mehrfamilienhäuser sind typisch für einen Industrieort stehen aber nicht unter Denkmalschutz. Sie befinden sich im Bereich Thalmühlen-/ Mühlen-/Firmenich-/Breite-Straße, sowie beidseitig der Kreuzstraße.
  • Wegekreuz aus Kraftwerksrohren, gestaltet von Auszubildenden des Goldenbergwerks, Ecke Mühlen-/Firmenichstraße (Ersatz für ein dortiges Holzkreuz).

Schulen

  • Die Gemeinschaftsgrundschule „Am Clementinenhof“ hat als alleinigen Schulbezirk Alt-Hürth.
  • Die Bodelschwingh-Schule hat als Evangelische Grundschule die ganze Stadt als Schulbezirk. Sie wird als Offene Ganztags-Schule geführt.
  • Das Goldenberg Berufskolleg des Rhein-Erft-Kreises mit Abiturzweig ist überörtlich relevant.
  • Die Rhein-Erft Akademie im Werksteil Hürth des Chemiepark Knapsack. Sie bietet in privater Trägerschaft Aus- und Fortbildung für die Industrie an, seit 2007 auch einen BA-Studiengang.
  • Die private Musikschule Auftakt im „Alten Kloster St. Katharina“.
  • Die private [Kunstschule : Hürth] atelier Ursula Reinsch auf der Weierstraße 40 bietet Kurse für Kinder und Erwachsene an. Sie kooperiert mit zahlreichen Grundschulen und Einrichtungen in ganz Hürth und über die Stadtgrenze heraus.
  • Die private Tanz-, Ballett-, Schauspiel- und Kutaekado-Schule Tanzt! Artcenter
  • Karnevalistische Tanzausbildung für Kinder und Jugendliche der Karnevalsvereine
Alt-Hürth, Sportanlagen, Stadion

Sportanlagen

Die ehemals zentralen Sportanlagen aus dem Jahre 1930 sind in ihrer Bedeutung zurückgefallen oder sogar aufgegeben:

  • Stadion mit Radrennbahn (außer Betrieb) (Auf ehemaligem Grubengelände der Theresia)
  • Schwimmbad als Hallenbad (bis 2007)
  • Der mit dem Bau des Bades gegründete Schwimmclub Hürth 1930 e. V. musste ins Hallenbad in Hürth-Mitte umziehen

Grünanlagen/Rekreation

Kriegerdenkmal, oberhalb des Ortes im Naherholungsgebiet Hürtherberg
  • Am Brabanter Platz zwischen den beiden Kirchen wurde der ehemalige Kirchhof in eine Grünanlage umgewandelt, die mit einem von privater Seite gestifteten Springbrunnen ausgestattet ist.
  • Die ehemalige Grube Hürtherberg mit dem Adolf Dasbach Weiher und der oberhalb Alt-Hürths liegenden Abraumhalde neben der Luxemburger Straße (Hürther Kipp) ist als Naherholungsgebiet ausgewiesen und steht unter Landschaftsschutz. Dort steht auch die Jugendherberge der Naturfreunde.
  • Nordwestlich von Alt-Hürth, jenseits der Frechener Straße, schließt sich bis zum Otto-Maigler-See ein forstlich rekultiviertes Gebiet an mit dem Naturschutzgebiet Hürther Waldsee. Das Gebiet ist durch einen Rundwanderweg erschlossen. Hinter der Moschee liegt die Kleingartenanlage Theresia.
  • Der Alt-Hürther Friedhof liegt beiderseits der Frechener Straße.

Politik

Alt-Hürth ist mit Knapsack als Stadtbezirk verbunden. Ortsvorsteher, zugleich Ratsmitglied, ist Karl-Heinz Außem (SPD, aus Alt-Hürth). Im Stadtrat wird der Bezirk außerdem durch Günter Reiners und Peter Neu (SPD, direkt gewählt) und Inge Sommer und Frank Rock (CDU) aus Alt-Hürth vertreten. CDU-Mitglied Egon Conzen mit 35 Jahren Ratsangehörigkeit[20] und mit dem Ehrenring der Stadt geehrt, war 2009 nicht mehr angetreten. Der Berufsschullehrer gehört dem Rat als Sachkundiger Bürger an. Nizzametin Tut von den Grünen ist für Alt-Hürth seit 2009 neu im Rat. Alt-Hürth gehört zum Kreistagswahlkreis Alt-Hürth/Knapsack/Kendenich/Fischenich, der von Willi Zylajew MdB (CDU, direkt gewählt), Günter Reiners (SPD, Liste) und Friederike Seydel (Grüne, Liste) vertreten wird.

Literatur / Quellen / Anmerkungen

  • Robert Wilhelm Rosellen: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Brühl, J. P. Bachem Verlag Köln 1887
  • NS-Lehrerbund Hürth-Efferen (Hg.): Heimatbuch der Gemeinde Hürth, Köln 1934
  • Clemens Klug: Hürth – wie es war, wie es wurde, Steimel Verlag, Köln o. J. (1962)
  • Walter Buschmann, Norbert Gilson, Barbara Rinn: Braunkohlenbergbau im Rheinland, hg. vom Landschaftsverband Rheinland und MBV-NRW, 2008, ISBN 978-3-88462-269-8
  • Sonstige Literatur siehe Artikel Hürth
  1. Rosellen, S. 101 u. 338 f.
  2. Leonard Ennen, Gottfried Eckertz: Quellen zur Geschichte der Stadt Köln 6 Bände, Köln 1863/79, Bd. I, S. 99
  3. Jakob Baumann: Ländliche Siedlungen im Umland des römischen Köln, Hürther Heimat 75, 1996, S. 80 f. und Günther Frenzel: Der Römerhof in Hürth, in Hürther Heimat,39, 1977
  4. Clemens Klug: Hürth - wie es war, wie es wurde, Köln o. J.(1962), S. 67
  5. Rosellen, S. 342
  6. Rosellen, S. 338
  7. Abbildung in Klug: Hürth nach S. 64, das farbige Original befindet sich im Historischen Archiv der Stadt Köln, zuletzt und farbig verkleinert in Buschmann et alii, S. 37 und 268 mit der bereits aufgelassenen Försters Grube im Kommende-Wald der Hermülheimer Deutschherren bei Knapsack.
  8. Klug, Hürth, S. 112, 195 und Tafel XIII
  9. zur Geschichte der Gruben und Bahnen mit alten Karten siehe Buschmann et alii: Braunkohlenbergbau an mehreren Stellen
  10. Hans Duell: Der Chronist erinnert sich, in Hürther Heimat, Heft 61/62, S. 138
  11. NS-Lehrerbund Hürth-Efferen (Hg.): Heimatbuch der Gemeinde Hürth, Köln 1934, S. 129
  12. Heimatbuch S. 133 f
  13. Abschnitt: Die evangelische Kirchengemeinde in Knapsack, Heimatbuch der Gemeinde Hürth, 1934, S. 164)
  14. Rosellen, S. 338 f.
  15. Manfred Faust: Zur Geschichte der Hürther Juden, in: Hürther Heimat, Nr 69/70 (1992), S.36 ff und Lothar und Maria Sterck: Zur Geschichte eines Fachwerkhauses in Alt-Hürth, in Hürther Heimat, 63/64 (1989), s. 57 ff (mit Belegen)
  16. Rosellen, S. 350
  17. Heinz Firmenich: Stadt Hürth, Rheinische Kunststätten, Heft 36, 2/1989, S. 7
  18. Clemens Klug: Dokumentation zur Geschichte des Löhrerhofes in Alt Hürth, in Hürther Heimat, Nr.: 58, S. 22 ff
  19. Elmar Brohl: Hermülheim und der Deutsche Orden, Hürth 1975, S. 110; nach Hans Vogts: Das Rheinische Bauernhaus in seinen HaustypenKöln 1932
  20. Sonntagspost vom (Zugriff Dez. 2009)

Weblinks

 Commons: Alt Hürth – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
50.8691666666676.8644444444444

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