Alt-Katholische Kirche
Dieser Artikel behandelt die altkatholische Kirche als Gesamtheit von selbständigen katholischen Orts- bzw. Nationalkirchen, die durch ihre Bischöfe in der Internationalen Bischofskonferenz der Utrechter Union repräsentiert sind und deren gemeinsame Glaubensgrundlage die Utrechter Erklärung von 1889 bildet. Weitere Kirchen, deren Namen den Bestandteil „altkatholisch“ aufweisen, werden in eigenen Artikeln beschrieben, siehe Altkatholische Kirche (Begriffsklärung).
Altkatholische Kirche
Utrechter Union (Rot); Anglican Communion (Blau); Porvoo-Gemeinschaft (Grün)
Basisdaten
Kirchenfamilie: Utrechter Union (rot)
Kirchengemeinschaft: Anglikanische Kirchen (blau)[1]
Oberstes Gremium: Internationale Bischofskonferenz
Präsident: Erzbischof Joris Vercammen
Selbständige
Mitgliedskirchen:
Alt-Kath. Kirche der Niederlande
Alt-Kath. Kirche in Deutschland
Christkath. Kirche der Schweiz
Altkath. Kirche Österreichs
Altkath. Kirche in Tschechien
Polnisch-Katholische Kirche
Unselbständige
Mitgliedskirchen
bzw. -gemeinden in:
Kroatien
Schweden und Dänemark
Italien
Frankreich
Kanada
Ehemalige
Mitgliedskirchen:
Altkath. Kirche der Mariaviten
Polish National Catholic Church
Weitere Gremien: Internat. Altkatholikenkongresse
Internat. Ak. Theologenkonferenz
Internat. Altkath. Jugend
Internat. Altkath. Laienforum
Mitglieder: ca. 75.000[2]
Offizielle Website: www.utrechter-union.org

Als Altkatholische Kirche wird die die Gemeinschaft selbstständiger katholischer Kirchen bezeichnet, die in der Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen zusammengeschlossen sind. Die altkatholischen Kirchen in Deutschland und Österreich und der Schweiz entstanden im Anschluss an das Erste Vatikanische Konzil (1870). Diejenigen römisch-katholischen Christen, die die Beschlüsse des Ersten Vatikanischen Konzils nicht annahmen, verfielen der Exkommunikation und gründeten in der Folge eigene Gemeinden und Kirchen. Hauptkritikpunkte waren dabei die dogmatischen Definitionen vom Jurisdiktionsprimat und von der Unfehlbarkeit des Papstes.

Eine besondere Bedeutung innerhalb der altkatholischen Kirchengemeinschaft kommt der Alt-Katholischen Kirche der Niederlande zu. Das Erzbistum Utrecht ist die älteste altkatholische Kirche, von der alle anderen altkatholischen Kirchen die Bischofsweihe in apostolischer Sukzession empfingen, so dass nach kanonischem Recht die Ordinationen, die von altkatholischen Bischöfen vorgenommen werden, gültig (valide), aber unerlaubt (illicite) sind. Auch die Kirchen der Anglican Communion und die orthodoxen Kirchen erkennen die Gültigkeit der altkatholischen Weihen dem Grunde nach an.

Inhaltsverzeichnis

Name

Der amtliche Name der Kirche in Deutschland lautet: „Katholisches Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland“. Die Schreibweise mit Bindestrich ist daher in Deutschland Teil der Selbstbezeichnung, während der offizielle Name der beiden anderen deutschsprachigen Kirchen „Christkatholische Kirche der Schweiz“ bzw. „Altkatholische Kirche Österreichs“ lautet.

Theologische Positionen

Kirchenverständnis

Die ekklesiologischen Grundsätze finden sich verbindlich festgeschrieben im Statut der Internationalen Bischofskonferenz, als auch in den Verfassungen der verschiedenen altkatholischen Nationalkirchen. So heißt es beispielsweise im Statut der Alt-Katholischen Kirche der Niederlande:

„Mit anderen katholischen Kirchen hat die Utrechter Kirche Folgendes gemein:

– die Diözese ist die zentrale Grösse der Kirchenstruktur. An ihrer Spitze steht der Diözesanbischof, der sowohl der erste Vorsteher der Eucharistie ist als auch derjenige, der im Einvernehmen mit seiner Geistlichkeit die Diözese leitet;
− das kirchliche Leben jeder Diözese vollzieht sich in den Gemeinden;
– Bischöfe von Nachbarbistümern schliessen sich zur Bischofssynode einer Kirchenprovinz zusammen, in der einer von ihnen als Vorsitzender fungiert;
– die Verbundenheit zwischen verschiedenen Kirchenprovinzen stellt sich in der Kirche des Westens in der besonderen Sorge und Verantwortlichkeit des Bischofs von Rom für das Wohl der Kirche und das Bewahren der Einheit dar;
– die Universalität der Kirche zeigt sich im Allgemeinen oder Ökumenischen Konzil.[3]

In der Synodal- und Gemeindeordnung der Alt-Katholischen Kirche in Deutschland findet sich das Zusammenwirken von „personaler, kollegialer und gemeinschaftlicher Episkope“ (Urs von Arx[4]) mehr zugunsten der Laien gewichtet:

„Wir halten fest an der alten bischöflich-synodalen Verfassung der Kirche. Danach leitet der Bischof unmittelbar und selbständig die Ortskirche unter Mitwirkung und Mitentscheidung der Gemeinschaft der Ordinierten und des ganzes Gottesvolkes.[5]

Inhaltlich präzisiert findet sich das altkatholische Kirchenverständnis in der Verfassung der Christkatholischen Kirche der Schweiz. Artikel 3 der Präambel lautet:

„Die Katholizität der Kirche aufrechtzuerhalten, ist Inhalt und Ziel der apostolischen Sukzession. Sie wird dadurch vollzogen, dass der Bischof mit den Priestern und Diakonen einerseits und die Laienschaft andererseits sich gegenseitig verpflichten, den Glauben der Apostel sowie die Liturgie und die Struktur der Alten Kirche zu bewahren, in der Gegenwart zu entfalten und in die Zukunft hinein und in alle Welt hinaus weiterzupflanzen. Das zeigt sich betont in der Ordination; darum erfolgen Weihen zu apostolischen Ämtern nur im ausdrücklichen Zusammenhang der apostolischen Sukzession, in der die ganze Kirche steht.[6]

Wie der Konnex zwischen Katholizität und Nationalkirchentum ausgestaltet sein kann, verdeutlicht exemplarisch die Rechtsordnung der Polnisch-Katholischen Kirche:

„§1. Die Polnisch-Katholische Kirche

a) bekennt die katholischen Wahrheiten des Glaubens und der Moral sowie die Grundsätze der Kirchenordnung, welche in der Heiligen Schrift enthalten und in den Allgemeinden Glaubenssymbolen und in den Bestimmungen der sieben Ökumenischen Konzile des ersten Jahrtausends formuliert sind;
b) ist Teil der einzigen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche;
c) hat eine eigene Kirchenhierarchie;
d) nimmt die religiöse und pastorale Sorge für die Gläubigen polnischer Nationalität und auch für die Gläubigen anderer Nationalität, wenn sie ihren Anschluss an die Kirche kundgetan haben, wahr;
e) verwendet in der Liturgie die polnische Sprache wie auch ihre eigenen, durch die Kirchenbehörde bestätigten liturgischen Bücher, insbesondere das Messbuch, das Rituale und das Pontifikale, sowie die Hilfsbücher (Gesangbücher; Gebetbücher);
f) berücksichtigt in ihrer pastoralen Arbeit die geistigen und materiellen Notwendigkeiten des polnischen Volkes und Staates;
g) lehrt den Wert des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod und die Würde eines jeden Menschen.[7]

Gemeinsamkeiten mit anderen katholischen Kirchen

Gemeinsamkeiten mit der römisch-katholischen, aber auch mit anderen sich als katholisch verstehenden Kirchen (im Wesentlichen den orthodoxen, den anglikanischen und den altorientalischen Kirchen) sind:

Unterschiede zu anderen Kirchen

Aufgrund ihres Ursprungs als katholischer Reformbewegung unterscheidet sich die altkatholische Kirche sowohl von der römisch-katholischen als auch von den evangelischen Kirchen.[8]

Unterschiede zur römisch-katholischen Kirche

  • Die Verfassung der altkatholischen Kirche ist bischöflich-synodal und beruht auf demokratischen Prinzipien (Mehrheitsentscheid; Gewaltenteilung):
    • Volljährige Gemeindemitglieder haben Mitbestimmungsrechte, die vor allem auf den halbjährlichen Gemeindeversammlungen wahrgenommen werden.
      • Dazu zählen u.a. die Wahl des Kirchenvorstandes, der Synodalabgeordneten und i.d.R. des Pfarrers.
    • Der Bischof wird auf einer Synode gewählt, der aus den Gemeinden entsandte Laien und Geistliche angehören.
    • Der Bischof leitet zusammen mit dem Synodalrat (in Deutschland: mit der Synodalvertretung) das Bistum.
    • Die Rechtsprechung im Bistum obliegt unabhängigen Synodalgerichten.
  • Zwang in der Religionsausübung wird abgelehnt:
    • Die Verpflichtung der Gläubigen zur Ohrenbeichte wurde in Deutschland nach 1873 aufgehoben.
    • Die Geistlichen sind vom Zölibat grundsätzlich dispensiert; es bleibt ihnen jedoch unbenommen, freiwillig ehelos zu leben.
    • Die Stolgebühren für geistliche Amtshandlungen und das Ablasswesen wurden in Deutschland 1873 abgeschafft.
    • Es gibt kein verpflichtendes Sonntagsgebot.
  • Die altkatholische Kirche ist eine offene, gastfreundliche Kirche und nimmt den einzelnen Menschen ernst:
    • Alle getauften Christen, die den Glauben an die Realpräsenz teilen, sind zum Empfang der Eucharistie eingeladen (dies gilt auch für wiederverheiratete Geschiedene).
    • Frauen sind in den westeuropäischen Kirchen zum ordinierten Amt zugelassen.
    • Eine zweite kirchliche Trauung Geschiedener ist bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen möglich.
    • Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist in Absprache mit dem zuständigen Pfarrer möglich.
  • Liturgische Reformen wurden bereits im 19. Jahrhundert durchgeführt:
    • Die Heilige Messe und andere Gottesdienste werden in Deutschland seit 1877 in der Landessprache gefeiert.
    • Die Kelchkommunion gehört zur liturgischen Praxis.
    • Die Herabrufung des Heiligen Geistes auf die Gaben während des Eucharistiegebets wurde bereits im 19. Jahrhundert wiederentdeckt und wiederhergestellt.


Die altkatholische Kirche sieht in diesen Standpunkten und Reformen keine Neuerungen, die den ursprünglichen, allgemeinverbindlichen Glauben der Kirche berühren oder gar zuwiderlaufen. Vielmehr liegt nach altkatholischer Auffassung diesen Reformen ein ursprünglicher Katholizismus zu Grunde, der dem Geist des Evangeliums und der Tradition der Kirche des ersten Jahrtausends entspricht. Die Änderungen in der Glaubenslehre der römisch-katholischen Kirche durch das Erste Vatikanische Konzil, welches die Unfehlbarkeit und die Universaljurisdiktion des Papstes zu verbindlichen Glaubenssätzen erhob, werden dagegen nach wie vor als die eigentlichen „Neuerungen“, die es aus altkirchlicher Gesinnung heraus abzulehnen gilt, angesehen. Die altkatholische Bewegung erhob ihren Widerspruch gegen das I. Vatikanum nicht zuletzt auch deshalb, weil es kein wirklich ökumenisches Konzil war: die orthodoxen, die altorientalischen Kirchen und die Anglikaner waren ebenso wenig in Rom vertreten wie die evangelische Christenheit; darüber hinaus gab es unter den anwesenden römisch-katholischen Bischöfen eine beachtliche Minderheit, die die neuen Dogmen ablehnte und sich der Abstimmung durch vorzeitige Abreise entzog.

Unterschiede zu den Kirchen der Reformation

Gelegentlich wurde den Altkatholiken wegen ihrer Reformen (z. B. Einführung der Landessprache, Aufhebung des Pflichtzölibats, in jüngster Zeit auch wegen der Einführung der Frauenordination) von römisch-katholischer Seite vorgeworfen, sie seien in Wahrheit verdeckte Protestanten („Neuprotestanten“).[9] Dieser Behauptung kann zum einen entgegengehalten werden, dass die altkatholische Kirche weder das katholische Sakramentsverständnis noch die bischöfliche Verfassung aufgegeben hat, und zum anderen dadurch, dass die römisch-katholische Kirche knapp hundert Jahre später die eine oder andere von ihr bis dahin verhinderte Reform selbst einführte, so z.B. die Liturgiereform, die Landessprache im Gottesdienst, oder die Weihe von verheirateten Männern zu Ständigen Diakonen.[10]

Trotz mancher Gemeinsamkeiten, etwa in der Betonung des demokratisch-synodalen Prinzips, unterscheidet sich die altkatholische Kirche in ihrem Selbstverständnis jedoch auch von den Kirchen, die aus der Reformation hervorgingen. Ein bedeutsamer Unterschied liegt – neben der Bewahrung der apostolischen Sukzession und dem Glauben an die Realpräsenz – im Festhalten an den sieben Sakramenten:

Liturgische Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Die Eucharistie – mit Wortgottesdienst und Predigt – wird, wo die Voraussetzungen gegeben sind, an jedem Sonntag sowie an hohen Festtagen gefeiert; siehe Liturgisches Jahr. Das eucharistische Brot wird in einem Tabernakel aufbewahrt, neben dem zumeist ein ewiges Licht brennt. In den meisten altkatholischen Kirchen wird während der Konsekration und zur Kommunion gekniet, während dies bei den deutschen Alt-Katholiken überwiegend außer Gebrauch gekommen ist. Zumeist genuflektiert hier lediglich der Hauptzelebrant zusammen mit dem Altardienst nach Beendigung des Eucharistiegebets und vor dem Einladungswort vor der Kommunion. In größeren Gemeinden sind Kinder und Jugendliche als Ministranten tätig.[11] Die liturgischen Dienste des Kantors, des Organisten und des Lektors werden von Laien ausgeübt. Weihrauch wird nur mancherorts verwendet.

Siehe Hauptartikel: Gottesdienst

Ökumenische Beziehungen

Seit den 1870er Jahren suchten vor allem Altkatholiken aus Deutschland und der Schweiz den Dialog mit Vertretern anderer Kirchen. So wurden bereits 1874/75 in Bonn auf Initiative der Synodalvertretung und auf Einladung Ignaz von Döllinger „Unionskonferenzen“ abgehalten, an denen neben altkatholischen auch namhafte orthodoxe, anglikanische und evangelische Theologen und Kirchenführer teilnahmen.

Seit 1931 steht die altkatholische Kirche, die sich bereits in der Utrechter Erklärung von 1889 zur Ökumene bekannte, in voller Kirchengemeinschaft mit der Anglikanischen Kirche (Bonn Agreement). Sie ist Gründungsmitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen und in zahlreichen anderen ökumenischen Gremien, z.B. der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), vertreten. Unionsversuche mit der Orthodoxen Kirche kamen 1987 zu einer weitgehenden Übereinkunft in allen wesentlichen Glaubensfragen.[12] Neuer Diskussionsbedarf kam durch die Einführung der Frauenordination auf, die für die meisten Orthodoxen nicht nachvollziehbar ist. Dennoch wurde der Dialog, auch über diese Frage, 2004 neu aufgenommen.

Mit den Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) besteht seit 1985 seitens der deutschen Alt-Katholischen Kirche eine Vereinbarung auf gegenseitige Einladung zur Teilnahme am Abendmahl bzw. der Eucharistie. Allerdings wurde diese Vereinbarung in jüngster Zeit durch evangelische Erklärungen aus den Jahren 2003 und 2004 belastet, wonach zur Leitung von Abendmahlsfeiern kein ordiniertes Amt nötig sei. Dies widerspricht dem Text der Vereinbarung ebenso wie der altkatholischen Auffassung. Die beiden Kirchen haben sich darauf verständigt, über diese Frage weiter im Dialog zu bleiben.[13]

Mit der römisch-katholischen Kirche wurde 2004 erneut ein offizieller Dialog aufgenommen. Die bereits 1972 in der „Zürcher Nota“ vorgelegten Ergebnisse eines vorangegangenen Dialogs mit weit reichenden Ergebnissen wie beispielsweise sakramentaler Aushilfe in Notfällen waren seinerzeit von Rom nicht ratifiziert worden. Zwischen dem deutschen alt-katholischen Bistum und der Deutschen Bischofskonferenz gibt es jedoch seit 1999 eine Vereinbarung, die die Übernahme von Geistlichen in den Dienst der jeweiligen Kirche nach einem Übertritt regelt.

Verbreitung

Nationalkirche / Ortskirche Bischofssitz Bischof Pfarreien Priester Gläubige Durchschnittliche
Gemeindegröße
Alt-Katholische Kirche der Niederlande
Erzbistum Utrecht
Bistum Haarlem
 
St. Gertrud (Utrecht)
St. Maria und Anna (Haarlem)
 
Joris Vercammen
Dick Schoon
 
 16
  9
 
 23
  8
 
5.469[14]
 219
Alt-Katholische Kirche in Deutschland  – Dienstsitz Bonn –  Joachim Vobbe  54  99  15.000[15] (20.000[16])  278 (370)
Christkatholische Kirche der Schweiz St. Peter & Paul (Bern) (vakant)  33  44  13.312[17]  403
Altkatholische Kirche Österreichs St. Salvator (Wien) Johannes Okoro  11  15  14.621[18] 1329
Altkatholische Kirche in Tschechien St. Lorenz (Prag)
Verwandlung Christi (Warnsdorf)
Dušan Hejbal  16  22  2.700[19] (1.605[20])  169 (100)
Polnisch-Katholische Kirche
Bistum Warschau
Bistum Breslau
Bistum Krakau-Tschenstochau

Heilig-Geist-Kathedrale (Warschau)
St. Maria Magdalena (Breslau)
Hl. Muttergottes (Tschenstochau)
 
Wiktor Wysoczański
(vakant)
(vakant)
 
33
20
25
 
32
24
25
 
19.035 (Stand: 2008)[21]
 
 244
6 Nationalkirchen
9 Ortskirchen
9 Kathedralkirchen
1 Dienstsitz
6 amtierende Bischöfe  217  292  69.042 – 75.137 428 – 456

Altkatholiken international

Die altkatholischen Kirchen sind in der Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen zusammengeschlossen. Die Bischöfe dieser Kirchen treffen sich regelmäßig unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Utrecht in der Internationalen Altkatholischen Bischofskonferenz (IBK). Alle vier Jahre findet ein Internationaler Altkatholikenkongress statt. In der Zeit zwischen den Kongressen tritt im jährlichen Turnus das Internationale Altkatholische Laienforum zusammen.

Außerhalb des deutschen Sprachraums gibt es altkatholische Kirchen in den Niederlanden, Polen und der Tschechischen Republik.

Unselbstständige altkatholische Kirchen bzw. Gemeinden existieren in Dänemark, Frankreich, Italien, Kanada, Kroatien und Schweden. Diese befinden sich zumeist in einer extremen Diasporasituation, so dass für sie kein eigener Bischof geweiht werden kann. Daher unterstehen diese Gemeinden direkt der Jurisdiktion der IBK, die ihnen jeweils einen altkatholischen Bischof als Delegaten zuordnet. Die Altkatholische Kirche der Ukraine befindet sich noch im Aufbau und strebt einen offiziellen Status in der Utrechter Union an.[22]

In Polen und Nordamerika bezeichnen sich die Kirchen, die der Utrechter Union angehören bzw. angehört haben, nicht als „altkatholisch“ (Polnisch-Katholische Kirche; Polish National Catholic Church). Insbesondere in den USA ist der Ausdruck „old catholic“ in unterschiedlichen Kombinationen als Selbstbezeichnung von Glaubensgemeinschaften in Gebrauch, die weder Mitgliedskirchen der Utrechter Union noch in irgendeiner Weise mit dieser assoziiert sind. Hingegen besteht seit 1965 Kirchengemeinschaft mit der Unabhängigen Philippinischen Kirche.

Altkatholiken im deutschsprachigen Raum

Die altkatholische Kirche ist eine kleine Kirche. Beitritte erfolgen in der Regel aufgrund persönlicher Motivation, entweder aus anderen Kirchen – die altkatholischen Kirchen lehnen Proselytismus ab – oder aus der Konfessionslosigkeit, was seit den letzten zwanzig Jahren dem Trend der Überalterung entgegenwirkt. Ihre Gemeinden sind oft von überschaubarer Größe, in denen meistens eine offene, ungezwungene Atmosphäre vorzufinden ist. In manchen Gemeinden gibt es einen beachtlichen Anteil an Gottesdienstbesuchern, die einer anderen Kirche angehören, aber als Gäste bzw. Freunde dauerhaft willkommen sind.

Deutschland

Siehe Hauptartikel: Alt-Katholische Kirche in Deutschland

Schweiz

Siehe Hauptartikel: Christkatholische Kirche der Schweiz

Österreich

Siehe Hauptartikel: Altkatholische Kirche Österreichs

Geschichte

Die altkatholische Kirche entstand im 18. Jahrhundert in den Niederlanden.

Siehe Hauptartikel: Altkatholische Kirche der Niederlande

Literatur

Wissenschaftliche Zeitschrift

  • Internationale Kirchliche Zeitschrift (IKZ); Bern: Stämpfli Publikationen AG; ISSN 0020-9252

Monographien und Sammelbände

  • Urs Küry: Die Altkatholische Kirche – ihre Geschichte, ihre Lehre, ihr Anliegen; hrsg. von Christian Oeyen; Frankfurt am Main: Ev. Verlagswerk, 19823; ISBN 3-7715-0190-3 (Nicht mehr ganz neues Standardwerk)
  • Johann Friedrich von Schulte: Der Altkatholizismus, Geschichte seiner Entwicklung, inneren Gestaltung und rechtlichen Stellung; Gießen, 1887; Reprint: Aalen: Scientia Verlag, 2002; ISBN 3-511-00169-2 (Quellensammlung und historische Darstellung aus der Frühzeit des Altkatholizismus)
  • Christian Blankenstein: Christsein – aber wo? Alt-Katholische Überlegungen; Nordhausen: Bautz, 20082; ISBN 978-3-88309-392-5 (Kurzdarstellung)
  • Angela Berlis, Matthias Ring (Hrsg.): Im Himmel Anker werfen. Vermutungen über Kirche in der Zukunft. Festschrift für Bischof Joachim Vobbe; Norderstedt: Books on Demand, 20082; ISBN 978-3-8370-5957-1

Siehe auch

Weblinks

Quellen

  1. Weitere Farbe Grün: Porvoo Gemeinschaft. Zu den Auswirkungen der Porvoo Erklärung auf die Kirchengemeinschaft zwischen Anglikanern und Altkatholiken vgl. Internationale Altkatholische Bischofskonferenz der Utrechter Union: Communiqué der Sitzung der Internationalen Altkatholischen Bischofskonferenz (IBK) in Prag/CZ vom 16.–22. November 2003 (pdf)
  2. Niederlande: 6.206; Deutschland: ca. 15.000; Österreich: ca. 14-19.000, Schweiz: 13.312; Tschechischen Republik: 1605; Polen: 21 938; Kroatien, Italien, Skandinavien: jeweils geschätzte 500 maximal.
  3. Abgedruckt in: Urs von Arx: Der kirchliche und ökumenische Auftrag der Altkatholischen Kirchen der Utrechter Union; in: IKZ 98 (2008), S. 5-49, hier 42f.
  4. Urs von Arx: Der kirchliche und ökumenische Auftrag der Altkatholischen Kirchen der Utrechter Union; in: IKZ 98 (2008), S. 5-49, hier S. 12
  5. SGO § 1 Absatz 4.
  6. Abgedruckt in: Urs von Arx: Der kirchliche und ökumenische Auftrag der Altkatholischen Kirchen der Utrechter Union; in: IKZ 98 (2008), S. 5-49, hier S. 47
  7. Abgedruckt in: Urs von Arx: Der kirchliche und ökumenische Auftrag der Altkatholischen Kirchen der Utrechter Union; in: IKZ 98 (2008), S. 5-49, hier S. 48f.
  8. Eine Kurzdarstellung alt-katholischen Selbst- und Kirchenverständnisses bietet Hans-Jürgen van der Minde: Referat „Alt-katholische Werte“
  9. So z. B. der damalige Fuldaer Generalvikar Ludwig Schick in der Mainzer Bistumszeitschrift Glaube und Leben 22/1996 vom 2. Juni 1996, wo er den Verdacht äußert, dass die Alt-katholische Kirche „endgültig dem protestantischen Flügel“ zuzuordnen sei.
  10. So z. B. Bischof Joachim Vobbe in Glaube und Leben 25/1996 vom 23. Juni 1996
  11. Handreichung für Ministranten
  12. Die Übereinkunft mit den orthodoxen Kirchen wurde veröffentlicht in: Urs von Arx (Hrsg.): Koinonia auf altkirchlicher Basis; Bern 1989
  13. Zum Stand der Beziehungen aus Sicht der Vereinigten Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) siehe: VELKD: Die Beziehung zur altkatholischen Kirche. Die Gemeinschaft mit dem Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland.
  14. Quelle: SILA (Stand: Ende 2008)
  15. Quelle: DE:Alt-Katholische Kirche in Deutschland
  16. Focus Nr. 21 (1996)
  17. Quelle: Bundesamt für Statistik - Religionslandschaft in der Schweiz: [1], S. 12 (Stand: 2000)
  18. Quelle: STATISTIK AUSTRIA Volkszählung 2001 in www.integrationsfonds.at
  19. Quelle: Christian Flügel: Die Utrechter Union und die Geschichte ihrer Kirchen; Norderstedt: Verlag Books on Demand, 2006; ISBN 3-8334-6069-5; S. 58–60
  20. Quelle: [2]
  21. Statistisches Jahrbuch 2008: Konzises statistisches Jahrbuch von Polen 2008 (pdf; Seite 132)
  22. http://www.starokatolicka-ua.org

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