Alt-Zimbabwe
Umfassungsmauer von Groß-Simbabwe
im Inneren von Groß-Simbabwe
Das "Lingam" von Groß-Simbabwe
Eingangstor

Groß-Simbabwe (auch Alt-Simbabwe, engl. Great Zimbabwe) war vom 11. bis 15. Jahrhundert eine bedeutende Stadt auf dem gleichnamigen Plateau im südlichen Afrika. Das Zentrum des untergegangenen Munhumutapa-Reiches (auch Monomotapa-Reich), welches außer dem heutigen Simbabwe Teile von Mosambik umfasste, liegt 39 km von Masvingo (früher Fort Viktoria) entfernt in der Masvingo-Provinz in Simbabwe. Die Mauern der Stadt sind nach den Pyramiden von Gizeh der größte historische Steinbau Afrikas.

Inhaltsverzeichnis

Name

Das Wort „Simbabwe“ wird als „Steinhäuser“ gedeutet (dzimba = die Häuser, mabwe = der Stein) oder auch großes Steinhaus/Steinpalast (das Präfix z- markiert eine Vergrößerungsform wie das italienische Suffix -one). Die früher daneben gebrauchte Form Zimbabye wird als „dzimba woye“ = „geehrte Häuser“ erklärt, ein Begriff, der meist für die Gräber und Häuser der Häuptlinge angewandt wurde. Die Stadt war Namenspatin des Staats Simbabwe (auch Zimbabwe, ehemals Südrhodesien).

Entstehung

Groß-Simbabwe ist eine der ältesten steinernen Bauanlagen südlich der Sahara. Es gibt deutliche Hinweise, aber keinen sicheren Beweis, dass die Erbauer und Bewohner der heute so beeindruckenden Gemäuer Vorfahren der heutigen Shona waren, des Bantuvolkes, das etwa 4/5 der Bevölkerung der Republik Simbabwe stellt. So sind die gefundenen Keramiken den heutigen sehr ähnlich. Da diese Kultur aber keine Schrift entwickelte, fehlt es am letzten Beweis.

Tor in der Umfassungsmauer

Beschreibung

Die noch vorhandenen Ruinen der Stadt bedecken eine Fläche von 7 km² und sind in drei Gebiete unterteilt: Der 27 m höher liegende Hill Complex (auch Bergfestung oder Akropolis), der Valley Complex und die riesige elliptische Einfriedung, das Great Enclosure (auch Tempel genannt). Die Mauern von Groß-Simbabwe sind aus Granitblöcken und ohne Mörtel erbaut. Die große Mauer hat eine Basis von fünf Metern, eine Höhe von neun Metern und eine Gesamtlänge von 244 Metern. Den Trockenmauern fehlen sogar Eckverbindungen. Und sie haben – trotz des Namens – nie Dächer getragen. Es waren steinerne Einfriedungen. In den so eingefriedeten Höfen standen Hütten und Häuser aus Lehm und Holz. Neben der, in den Felsen geschlagenen, vier Meter breiten Treppe zur Akropolis stehende Monolithen könnten astronomischen Zwecken gedient haben.

Grabungen

Die ersten Europäer, welche die Ruinen antrafen, waren die Portugiesen im 16. Jahrhundert. Sie trugen auch die Legende nach Europa, dass die Stadt die Heimat der Königin von Saba gewesen sein soll. Die Stätte wurde 1871 von Karl Mauch wiederentdeckt und wurde in der Folgezeit mit dem biblischen Goldland Ophir gleichgesetzt, also 2000 Jahre früher als die heutige Radiokarbondatierung. Es wurde auf dem Areal allerdings neben zahlreichen Objekten aus der Blütezeit auch etwas Keramik gefunden, die 600 Jahre älter ist als die Bauten.

Die Ruinen sind seitdem eine sehr wichtige Stätte der Archäologie des südlichen Afrika. Anfangs wurden die Auswertungen durch die Rhodesian Ancient Ruins Ltd. erschwert, eine kommerzielle Gruppe von Schatzjägern, die amtliche Grabungsrechte bekam. Spätere Ausgrabungen vernichteten viele Spuren der Shona-Kultur, da die Forscher europäischer Herkunft verbissen beweisen wollten, dass die Erbauung Alt-Simbabwes nicht auf Schwarzafrikaner zurückging. Während der weißen Herrschaft in Rhodesien, wie Simbabwe bis zur Übernahme der Macht durch die schwarze Mehrheit hieß, wurde der schwarzafrikanische Ursprung der Ruinenstätte offiziell immer bestritten. Neben den Phöniziern wurden auch andere, ausschließlich hellhäutige Eroberer als Gründer bezeichnet.

Der Archäologe Graham Connah und viele Historiker nehmen an, dass die Stadt am Ende des Mittelalters aufgegeben werden musste, weil die dauernde Überbesiedlung zu einer ökologischen Katastrophe geführt hatte.

Groß-Simbabwe gehört seit 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Literatur

  • J. Theodore Bent, The Ruined Cities of Mashonaland. London 1896 (Klassiker der „Ophir“-Theorie)
  • Kunigunde Böhmer-Bauer, "Great Zimbabwe - Eine ethnologische Untersuchung". Köln 2000. ISBN 3-89645-210-X
  • Andries Johannes Bruwer, Zimbabwe: Rhodesia’s Ancient Greatness. Johannesburg 1965 (typisches Beispiel für einen jüngeren Vertreter der „Ophir“-Theorie)
  • David Chinawa, The Zimbabwe Controversy: A Case of Colonial Historiography. Syracuse, N. J. 1973.
  • Graham Connah, African Civilizations: Precolonial Cities and States in Tropical Africa. Cambridge 1987 (darin S. 183-213 über Great Zimbabwe und den Goldbergbau); überarbeitete Ausgabe Cambridge 2001.
  • Peter Garlake, Simbabwe. Goldland der Bibel oder Symbol afrikanischer Freiheit? Bergisch Gladbach 1975 (inzwischen veraltetes Standardwerk zur Geschichte und Archäologie von „Great Zimbabwe“ aus der Feder des wichtigsten Erforschers der Ruinen, sehr gut illustriert)
  • Peter Hertel, Zu den Ruinen von Simbabwe. Gotha 2000. ISBN 3623003565
  • Carl Peters, Ophir. Im Goldland des Altertums. Forschungen zwischen Sambesi und Sabi. München 1902 (klassisches Beispiel für die von rassistischen Vorurteilen geprägte "Ophir-Theorie").
  • Heinrich Pleticha (Hg.), Simbabwe. Entdeckungsreisen in die Vergangenheit. Stuttgart 1985 (Sammlung von Auszügen aus Reiseberichten sowie Standardwerken zur „Ophir“-Theorie).
  • Herbert W. A. Sommerlatte, Gold und Ruinen in Zimbabwe. Aus Tagebüchern und Briefen des Schwaben Karl Mauch (1837-1875). Gütersloh 1987

Siehe auch

Weblinks

Eintrag in der Welterbeliste der UNESCO auf Englisch und auf Französisch

-20.2731530.9344333333337Koordinaten: 20° 16′ 23″ S, 30° 56′ 4″ O


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