Alta Velocidad Española
Logo der AVE

Der AVE [ˈaβe] (Alta Velocidad Española [ˈalta βeloθiˈðað espaˈɲola], spanisch für „Spanische Hochgeschwindigkeit“) ist der Markenname der spanischen Eisenbahngesellschaft Renfe für das Hochgeschwindigkeitsnetz in Spanien.

Ende 2010 erreichte das AVE-Netz eine Gesamtlänge von 2.056 km und ist damit das längste Hochgeschwindigkeitsbahnnetz Europas[1].

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Karte des spanischen Hochgeschwindigkeitsnetzes (Dezember 2010):
  • in Betrieb
  • im Bau
  • geplant
  • Studie

Die Expo 1992 in Sevilla war der Anlass für Spaniens Einstieg in den Hochgeschwindigkeitsverkehr auf Schienen. Die spanische Eisenbahngesellschaft Renfe wollte eine schnelle Anbindung der Hauptstadt Madrid an die Expo-Stadt Sevilla. Die alte Strecke war 574 Kilometer lang, und die schnellste Verbindung dauerte nahezu sechs Stunden. Rechtzeitig zum Expo-Start konnte die Renfe die Schnellfahrstrecke Madrid–Sevilla am 19. April 1992 in Betrieb nehmen. Sie war die erste spanische Eisenbahn-Magistrale, die in europäischer Normalspur, statt – wie in Spanien üblich – in Breitspur, gebaut wurde. Seitdem ist Madrid nur noch 471 Schienenkilometer von Sevilla entfernt. Nonstop-Züge fahren diese Distanz in 2 Stunden 15 Minuten.

Im Jahr 2002 ging als zweiter Ast die Neubaustrecke Madrid–Barcelona, zunächst nur bis Saragossa und ab 2008 bis in die katalanische Hauptstadt in Betrieb. Die 625 Kilometer zwischen den zwei größten Städten Spaniens werden in nur zwei Stunden und dreiundvierzig Minuten zurückgelegt. Die Züge verkehren vorerst mit einer Spitzengeschwindigkeit von 300 km/h, können aber in Zukunft bis zu 350 km/h (je nach eingesetztem Material) erreichen. Der Generaldirektor der Fluggesellschaft Iberia kündigte an, ab Eröffnung der Strecke zwischen Madrid und Barcelona kleinere Flugzeuge einzusetzen.[2]

Im Dezember 2007 gingen als dritter Ast von Madrid die Neubaustrecke Madrid–Valladolid und der im Süden der Abschnitt Antequera–Málaga, der letzte noch ausstehende der Schnellfahrstrecke Córdoba–Málaga, in Betrieb.

Seit 2005 ist die Weiterführung des zweiten Korridors Barcelona–Figueres–Perpignan/Perpinyà (F) im Bau, inklusive eines acht Kilometer langen Tunnels bei Le Perthus. Zunächst ging der nördliche Streckenabschnitt Figueras-Perpignan/Perpinyà nach mehreren Verzögerungen im Dezember 2010 in Betrieb, wodurch die Anknüpfung an das französische TGV-Netz erfolgte. Die Anknüpfung an die Schnellfahrstrecke Madrid–Barcelona soll bis 2012 erfolgen. Eine Neubaustrecke zwischen Perpignan und Montpellier und damit die Anbindung an das französische Hochgeschwindigkeitsnetz wird nicht vor 2020 fertiggestellt werden.

Am gleichen Tag wie die Eröffnung der grenzüberschreitenden Strecke in Katalonien wurde auch die vierte von Madrid ausgehende Strecke, an die Mittelmeerküste, in einem ersten Bauabschnitt eröffnet. Die zunächst 438 km lange Strecke verbindet die spanische Landeshauptstadt mit Valencia sowie mit Albacete. Die Fahrzeit auf den 391 km zwischen Madrid und der drittgrößten Stadt des Landes, Valencia, reduziert sich von knapp vier Stunden auf 95 Minuten. Die Mittelmeerstädte Alicante und Castellón sollen bis 2012 bzw. 2014 an die Schnellfahrstrecke angebunden werden. Die Züge verkehren mit 300 km/h Höchstgeschwindigkeit, können aber in Zukunft bis zu 350 km/h erreichen.

Ende des Jahres 2010 erreichte das spanische Hochgeschwindigkeitsnetz eine Gesamtlänge von 2.056 km. Damit liegt man europaweit an der ersten Stelle vor Frankreichs 1.896 km und Deutschlands 1.285 km. Darüber hinaus befinden sich 1.767 km in Bau und 1.702 km in Planung.[3]

Im Jahr 1997 erwirtschaftete das AVE-System erstmals einen Gewinn (etwa zwei Millionen US-Dollar).[4]

An das Hochgeschwindigkeitsnetz angebundene große Städte

Datei:AVE.png
Entwicklung des Netzes von 1992-2010

Bisher noch nicht angeschlossen sind die weiteren wichtigen spanischen Städte Granada, Oviedo, San Sebastián, Santander, Mérida, Santiago de Compostela, Murcia, Pamplona, Logroño und Vigo.

Fahrzeuge

Serie 100

Ein AVE der Baureihe S-100 von Alstom

Als erster Hochgeschwindigkeitszug befuhr der S-100 das Streckennetz. Die Renfe entschied sich dabei für den Kauf von 18 Zügen einer Weiterentwicklung des TGV Atlantique als Fahrzeug für die erste Normalspur-Neubaustrecke in Spanien. Kurios in diesem Zusammenhang: Das Zugsicherungssystem sowie die Oberleitung kauften die Spanier bei deutschen Zulieferern, sodass der AVE, ein TGV-Derivat, mit der deutschen Linienzugbeeinflussung (LZB) versehen ist. Ursprünglich waren 24 Garnituren bestellt worden, doch man entschloss sich dazu, sechs davon als Baureihe 101, unter dem Markennamen Euromed, auf dem Breitspurnetz einzusetzen. Ab 2010 wurden die Züge der Baureihe 101 jedoch auf Regelspur umgebaut und in die Baureihe 100 eingegliedert. Im Februar 2011 gab RENFE bekannt, zehn Züge der Baureihe für den Verkehr von und nach Frankreich umbauen zu lassen.[5].

  • Anzahl: 24
  • Höchstgeschwindigkeit: 300 km/h

Serie 102

Ein AVE der Baureihe S-102 von Talgo

Für die Neubaustrecke Madrid–Barcelona–Französische Grenze benötigte Renfe neue Hochgeschwindigkeitszüge. Letztlich entschied man sich u.a. für den Kauf von 16 Garnituren der von der spanischen Talgo in Zusammenarbeit mit Bombardier entwickelten Talgo 350. Wegen seiner charakteristischen Aerodynamik werden diese Züge umgangssprachlich auch „Pato“ (Ente) genannt.

  • Anzahl: 16
  • Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h

Serie 103

Ein AVE der Baureihe S-103 von Siemens

Bei der Ausschreibung zur zweiten Generation des AVE kam, neben der Serie 102, auch Siemens Transportation Systems zum Zug. Insgesamt wurden 26 Hochgeschwindigkeitszüge von Renfe bestellt. Es handelt sich um eine Fortentwicklung des ICE 3. Die Baureihenbezeichnung lautet S-103, Siemens vermarktet den Zug unter dem Namen Velaro E. Am 16. Juli 2006 stellte eine dieser Garnituren mit 403,7 km/h den Geschwindigkeitsrekord auf spanischen Schienen auf. Damit wurde er zum schnellsten Serienzug der Welt, denn dieser war kein spezieller Prototyp und hat ohne Umbauten diese Geschwindigkeit aus dem Stand erreicht[6].

  • Anzahl: 26 (1. Serie 16, 2. Serie 10)
  • Höchstgeschwindigkeit: 350 km/h

Serie 112

Für die diversen sich im Bau befindlichen Hochgeschwindigkeitsstrecken wurden 2004 weitere 30 Triebzüge ähnlich der Serie 102 bestellt. Die Triebköpfe sind gleich, aber der Zug weist gegenüber der ersten Serie mehr Sitzplätze auf.

  • Anzahl: 30
  • Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h

Weitere Marken

Neben AVE für Langstrecken auf Normalspur mit Höchstgeschwindigkeiten über 250 km/h vermarktet RENFE seine Hochgeschwindigkeitsverkehre unter verschiedenen weiteren Markennamen:

  • Alaris für Hochgeschwindigkeitszüge auf iberischer Breitspur auf der Strecke MadridValenciaCastellón.
  • Alvia für Züge mit anpassbarer Spurweite für iberische und UIC-Normalspur.
  • Avant für Mittelstrecken (bis 90 Minuten) ebenfalls auf Normalspur mit Höchstgeschwindigkeiten bis 250 km/h auf Basis des Pendolino[7]
  • Euromed für Hochgeschwindigkeitszüge auf iberischer Breitspur auf der Strecke BarcelonaCastellónValenciaAlicante.

Weblinks

 Commons: Spanischer Hochgeschwindigkeitszug – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Spanish rail overtakes the rest of Europe. In: The Independent, 19. Dezember 2010
  2. Neues Eldorado für schnelle Züge. In: Wiener Zeitung, 3. Januar 2008
  3. High Speed Lines in the World In: Internationaler Eisenbahnverband, 19. Dezember 2010
  4. Spanish To Build More High-Speed Lines. International Railway Journal, Sept. 1999.
  5. Diez trenes AVE de la serie 100 aumentarán su capacidad para conectar España y Francia
  6. Velaro – Ferrari auf Schienen. In: Focus online vom 29. März 2007
  7. Meldung Regional-Hochgeschwindigkeitszug für RENFE fertiggestellt. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 1/2004, ISSN 1421-2811, S. 27.

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