Altarmenien
Հայաստանի Հանրապետություն
Hajastani Hanrapetutjun

Republik Armenien

Flagge Armeniens
Wappen Armeniens
Flagge Wappen
Amtssprache Armenisch
Hauptstadt Eriwan
Staatsform semipräsidentielle Republik
Staatsoberhaupt Sersch Sarkissjan
Regierungschef Premierminister Tigran Sarkissjan
Fläche 29.800 km²
Einwohnerzahl 3.200.000 (Stand Oktober 2008)
Bevölkerungsdichte 107,4 Einwohner pro km²
BIP nominal (2007)[1] 7.974 Mio. US$ (120.)
BIP/Einwohner 2.297 US$ (109.)
HDI 0,775 (83.)
Währung 1 Dram = 100 Luma
1 € = 393,97 AMD
100 AMD = 0,25 €
(Stand: 13. Februar 2009)
Unabhängigkeit von der Sowjetunion am 21. September 1991
Nationalhymne Mer Hayrenik
Zeitzone UTC +3
Kfz-Kennzeichen ARM
Internet-TLD .am
Telefonvorwahl +374

Armenien (armen. Հայաստան/Hajastan) ist ein Binnenstaat im Kaukasus (Vorderasien). Es liegt im Bergland zwischen Georgien, Aserbaidschan, dem Iran und der Türkei. Das Land entspricht dem nordöstlichen Teil des ehemals viel größeren armenischen Siedlungsgebiets (siehe Armenistan) und erlangte mit Auflösung der UdSSR 1991 seine Unabhängigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Geografie und Klima

Geografische Lage und Struktur

Armenien liegt am Übergang zwischen Kleinasien und (dem aus europäischer Sicht so benannten) Transkaukasien, zwischen 38° 51' und 41° 16' nördlicher geografische Breite sowie 43° 29' und 46° 37' östlicher geografische Länge. Der heutige Staat umfasst ein Gebiet von 29.800 Quadratkilometern im Nordosten des Armenischen Hochlands und am Südrand des Kleinen Kaukasus.

Die Landesfläche Armeniens ist etwa so groß wie die des Bundeslandes Brandenburg. Es grenzt im Norden an Georgien, im Osten an Aserbaidschan, im Südosten an den Iran, im Süden an die aserbaidschanische Exklave Nachitschewan und von Südwesten bis Westen an die Türkei. Die heutige Bevölkerungszahl beträgt etwa drei Millionen.

Armenien ist ein sehr ausgeprägtes Gebirgsland – denn 90 % der Landesfläche liegen mehr als 1.000 Meter über dem Meeresspiegel, die mittlere Höhe beträgt sogar 1.800 Meter. Von Norden her erstrecken sich die über 3.000 Meter hohen Ausläufer des Kleinen Kaukasus. Die höchste Erhebung ist der erloschene Vulkan Aragaz (4.090 Meter) (unweit des biblischen Ararat), der tiefste Punkt liegt rund 380 Meter hoch am Ufer des Aras an der Grenze zur Türkei. Das Gebiet liegt in einem Faltengebirge – es entstand und verändert sich nach wie vor durch den Zusammenstoß der Eurasischen Platte mit der Arabischen Platte – und ist dementsprechend stark erdbebengefährdet (siehe auch Störungslinie). Das Gestein ist oft vulkanischen Ursprungs. Unter den nachgewiesenen Bodenschätzen sind verschiedene Kupferoxide am wichtigsten, die als Nebenprodukt Molybdän, Eisen und Gold enthalten, außerdem Uran, verschiedene Halbmetalle, Schmucksteine und Gesteinsarten wie Tuff, Basalt, Marmor u. a. Hinzu kommen Mineralwasserquellen, deren Wasser für Heilzwecke und im Alltagsgebrauch Verwendung findet.

Blick über den Sewansee

Der größte See Armeniens ist der östlich von Eriwan etwa 1.900 Meter hoch gelegene Sewansee mit einer Fläche von derzeit ungefähr 940 Quadratkilometern. Durch Wasserentnahme ist seine Fläche stark zurückgegangen (1984: 1.262 Quadratkilometer). Die längsten Flüsse Armeniens sind Aras, Worotan, Kasach, Hrasdan und Debed.

Klima

Die Landschaft in Lori

Das Territorium der Republik Armenien liegt zwar in den Subtropen, doch ergeben sich durch die beträchtlichen Höhenunterschiede – der Aragaz (4.090 Meter) und das Tal des Aras (rund 380 Meter) liegen beispielsweise nur rund 80 Kilometer voneinander entfernt – und die kleinteilige Landschaft unterschiedliche lokale Klimata. Einerseits wirken die nahen Meere ausgleichend, andererseits begünstigen die Hochgebirge der Umgebung extreme Schwankungen. Die hohen Gipfel des Kaukasus wirken starken Kälteeinbrüchen von Norden her entgegen. In den Tälern und Niederungen ist das Klima kontinental, wobei die Temperaturen im Sommer mittags meist über 30 °C liegen, in den Bergen insgesamt etwas kühler und an der Grenze zum Iran subtropisch und sehr trocken.

Siehe auch Klima Eriwans

Pflanzen- und Tierarten

Syrischer Braunbär

Das Gebiet der Republik Armenien ist artenreich; es gibt eine Vielzahl endemischer Arten. In der Arasniederung finden sich Salzpflanzen. Bis zu einer Höhe von 1.400 Metern sind Artemisia weit verbreitet. Im gebirgigen Gelände wachsen viele dornige Sträucher und andere stachelige Pflanzen, wie etwa Disteln. Im Hochgebirge treten vermehrt xerophile Pflanzen auf. Um das Jahr 1900 waren rund 25 Prozent der Fläche von Bäumen oder Sträuchern bedeckt, 1964 etwa 15 %, 2005 nur noch 8–10 %.

Armenische Felseidechse

In Sangesur im Süden des Landes liegt die Baumgrenze bei 2.400 Metern. In noch höheren Lagen ähnelt die Pflanzenwelt derjenigen der Alpen.

Der lateinische Name der Aprikose, (Prunus armeniaca), lautet übersetzt „armenische Pflaume“. Die Aprikose gehört zu den Symbolen Armeniens, daher auch die Farbe des untersten Streifens der Flagge Armeniens.

Es gibt viele Reptilien, darunter die Armenische Felseidechse und Giftschlangen wie etwa Vipern, unter den Spinnentieren auch Skorpione. In feuchten Niederungen leben Wildschweine, Schakale, Rehe, Nerze, Möwen und Adler; in den Steppen im Gebirge vor allem Nagetiere; in den Wäldern auch Syrische Braunbären, Wildkatzen und Wölfe. Im Naturschutzgebiet Chosrow leben noch Luchse und einige Kaukasische Leoparden.

Die Wirbellosen sind in Armenien nur schlecht untersucht. So sind zum Beispiel von den sehr artenreichen Webspinnen bisher nur etwa 150 Arten nachgewiesen worden. [2] [3].

Verwaltungseinheiten

Armenien nach Verwaltungseinheiten gegliedert.
Relief Armeniens
Armenien gliedert sich in elf Provinzen = marser Singular mars
Lage-# Provinz Hauptstadt
1 Aragazotn Արագածոտնի մարզ Aschtarak Աշտարակ
2 Ararat Արարատի մարզ Artaschat Արտաշատ
3 Armavir Արմավիրի մարզ Armavir Արմավիր
4 Gegharkunik Գեղարքունիքի մարզ Gawar Գավառ
5 Kotajk Կոտայքի մարզ Hrasdan Հրազդան
6 Lori Լոռու մարզ Wanadsor Վանաձոր
7 Schirak Շիրակի մարզ Gjumri Գյումրի
8 Sjunik Սյունիքի մարզ Kapan Կապան
9 Tawusch Թավուշի մարզ Idschewan Իջևան
10 Wajoz Dsor Վայոց Ձորի մարզ Jeghegnadsor Եղեգնաձոր
11 Eriwan Երևան seit Referendum im Jahr 2005
Status einer Stadtgemeinde

Städte

Die größten Städte und deren Einwohnerzahlen (Januar 2005) sind:

  1. Eriwan: 1.312.956
  2. Gjumri: 148.383
  3. Wanadsor: 107.394
  4. Etschmiadsin: 49.514
  5. Hrasdan: 40.796

Siehe auch Liste der Städte in Armenien

Siehe auch: Dezentralisation in Armenien – Dezentralisation und heutige Verwaltungsstruktur

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Armeniens

Frühgeschichte und Antike

Das Königreich Urartu

Die Ursprünge des heutigen Armeniens liegen geografisch zwischen den drei Seen Sewan-See, Van-See und Rezaiyehsee (Urmia-See), also im Dreiländereck Iran, Türkei und GUS. Um sich gegen die Assyrer wehren zu können, kam es unter Arama von Arzaškun um 850 v. Chr. zum Vereinigungs-Bündnis mit dem aramäischen Stadtstaat Bit Agusi.[4] 848 v. Chr. erfolgten schwere Angriffe von Salmanassar III. gegen die Provinz Arzaškun, in dessen Verlauf auch die umliegenden Orte zerstört wurden und Arama in das Gebirge flüchtete. In den Jahren 844–832 v. Chr. zerstückelte Salmanassar III. durch weitere Feldzüge die Gebiete in Nairi, ehe unter Sarduri I. um 832 v. Chr. die Königs- und Hauptstadt Tuschpa in einer Provinz von Nairi am Van-See gegründet wurde.

Seine Nachfolger vergrößerten das Reich weiter und führten es zu hoher Blüte; viele Städte wurden neu gegründet (wohl zur Sicherung der eroberten Gebiete). Unter Menuas Herrschaft (etwa 810–785 v. Chr.) entwickelten sich Handwerk und Landwirtschaft. Magazine und Getreidespeicher zur Versorgung der Bevölkerung künden noch heute davon. Auch legte er einen 70 Kilometer langen Kanal zur Süßwasserversorgung aus dem Hosap-Tal nach Van an (der Vansee ist salzig). Heute wird er fälschlich nach der sagenhaften Königin Semiramis benannt. Unter Sarduri II. (etwa 765–733 v. Chr.) erreichte Urartu seine größte Ausdehnung. Doch im Bestreben, die Vormachtstellung der Assyrer zu brechen, überspannte er seine Kräfte und wurde von ihnen vernichtend geschlagen.

Urartu musste viele Gebiete abtreten, konnte sich aber unter Rusa I. (etwa 733–714) wieder erholen, ehe die Assyrer Urartu erneut besetzten. Der assyrische König Sargon II. (721–704 v. Chr.) zerstörte im Jahre 714 das urartäische Reich. Rusa I. beging Selbstmord und seine Nachfolger versuchten, das Reich erneut zu festigen. Bis 609 v. Chr. existierte Urartu als Provinz Assyriens weiter, ehe nach dem Ende von Assyrien bis 547 v. Chr. ein erneuter Aufschwung erfolgte und es Kyros II. vorbehalten blieb, das Land erneut tributpflichtig zu machen.

Die Bildung Armeniens

In persischer Zeit wurde der Name Armenien 521 v. Chr. auf einer dreisprachigen Inschrift erstmals erwähnt. Auf assyrisch wird von Urastu (assyrisch für Urartu) gesprochen, auf persisch von Arminia (Armenien). Ging man ursprünglich davon aus, dass die Armenier die Urartäer verdrängt hatten, so ist nach heutigen Kenntnissen eine Vermischung und Assimilierung wahrscheinlicher, wofür auch die zwei Namen für die gleiche Region sprechen würden. Als Beweis wird oft auf Reliefdarstellungen der Assyrer und Perser hingewiesen, auf denen die Kleidung der Armenier denen der Urartäer sehr ähnlich ist.

Wann und von wo die Armenier nach Urartu einwanderten, ist umstritten. Sie müssten den Zahlen nach zwischen 585 (625)–521 v. Chr. eingewandert sein; eine recht kurze Zeit, um sich mit den Ureinwohnern zu vermischen und deren Führung zu übernehmen. Wahrscheinlicher scheint, wie Herodot berichtete, dass sie im 7. Jahrhundert v. Chr. unter Arame (Armenos) aus Phrygien einwanderten. Eine Behauptung, die dadurch gestützt wird, dass sowohl das phrygische als auch das altarmenisch dem indoeuropäischen Sprachkreis angehörten. Woher sie auch kamen, fest steht, dass sie ein indoeuropäisches Volk waren, Urartu in Besitz nahmen und es unter ihrer Führung zu einem neuen Staat, zu Armenien entwickelten.

Die Perser

Ab etwa 546–331 v. Chr. wurde das Land von den Persern beherrscht, die inzwischen die Meder verdrängt und deren Reich übernommen hatten, ja es sogar zum ersten Weltreich ausbauten, das von Kleinasien bis nach Indien reichte. Die Provinz Armenien kam als Teil der Großsatrapie Medien an die Perser. Armenien selbst war nochmals in Ost- und Westarmenien aufgeteilt, wobei der Ostteil die Oberherrschaft über den Westen hatte.

„Über das Schicksal Armeniens unter der Achämenidenherrschaft macht deutlich, daß das Land in jenen zwei Jahrhunderten gleichsam im Windschatten der Geschichte lag. Das Satrapiensystem im Perserreich konservierte Armenien als geopolitische Einheit in Form einer Provinz. Bevor das Land im Hellenismus als eigenständiges Königreich selbst Geschichte machte, erfahren wir nur wenig über seine Bevölkerung, ihre Sitten und Gebräuche.“

Bruno Jacobs[5]

Alexander der Große und die Seleukiden

Der Tempel von Garni

334 v. Chr. begann Alexander der Große mit seinem Feldzug gegen die Perser und eroberte Persien in wenigen Jahren. Sein Ziel bestand darin, die Herrschaft der Hellenen durch die Verschmelzung der Kulturen auf Dauer zu festigen (Massenhochzeit von Susa, eigene Heirat mit der Tochter des Dareios III.). Er konnte sein Werk jedoch nicht beenden, da er 323 v. Chr. in Babylon an Fieber starb. Armenien kam auch unter hellenistischen Einfluss, doch wurde es nicht erobert. Alexanders Nachfolger (Diadochen) teilten das riesige Reich unter sich auf (Diadochenreiche). Armenien kam in den Interessenbereich der Seleukiden, die Armenien zwischenzeitlich (215–190 v. Chr.) auch beherrschten. Deren Reich umfasste Persien, Mesopotamien und Teile Kleinasiens.

Nach der Niederlage der Seleukiden gegen die Römer in der Schlacht von Magnesia im Jahr 188 v. Chr. rief sich Artaxias zum König von Armenien aus. Seine Nachkommen, die Dynastie der Artaxiden, festigten die weitere Unabhängigkeit Großarmeniens als selbstständiges Königreich. Um 95 bis 55 v. Chr. erreichte die Macht des Artaxidenstaates ihren Höhepunkt. Tigranes der Große ließ sich zum König der Könige ausrufen und kontrollierte zeitweise sogar das ehemalige seleukidische Kernland Syrien. Sein Bündnis mit Mithridates von Pontos brachte ihn jedoch in Konflikt mit den Römern, die ihn zwangen, Syrien wieder aufzugeben und ihre Oberhoheit über seinen Staat anzuerkennen.

Den in Mesopotamien und dem Iran herrschenden Parthern gelang es, Vertreter des eigenen Herrscherhauses, der Arsakiden (Arschakuni), auf den Thron zu setzen. Das Römische Reich erkannte dies 66 n. Chr. an.

Die Spätantike

Zwischen 252 und 297 gelang es den Sassaniden, Großarmenien unter ihren Einfluss zu bringen. Das Gebiet blieb aber in der gesamten Spätantike ein Streitpunkt zwischen den Sassaniden und Rom. Nachdem Diokletian die Sassaniden 297 (oder 298) besiegte, mussten diese die Oberhoheit aufgeben. Trdat III. aus dem Haus der Arsakiden bestieg den Thron und erklärte 301 n. Chr. das Christentum zur Staatsreligion. Armenien wurde so der erste christliche Staat der Welt.

387 teilten Rom und das persische Reich der Sassaniden das großarmenische Königreich untereinander auf (siehe auch Persarmenien). In dieser Zeit entwickelten die Armenier eine hochstehende christliche Kultur, Literatur und Baukunst – vor allem nach der Schaffung eines eigenen Alphabets durch Mesrop Maschtoz im Jahr 406.

Römische Provinzen

Als die Sassaniden unter Yazdegerd II. versuchten, die zoroastrische Staatsreligion in Armenien einzuführen, kam es 451 unter den Mamikonian zu einem Aufstand der Armenier. Es folgte ein langer Guerillakrieg, der schließlich im Jahr 484 mit der Anerkennung des Christentums durch die Sassaniden endete.

Im 6. Jahrhundert wurde Armenien zu einem der Hauptkampfgebiete zwischen dem Byzantinischen Reich und den Sassaniden (siehe Römisch-Persische Kriege). Von 591 bis etwa 640 gelang es den Byzantinern, einen Großteil von Großarmenien unter ihre Kontrolle zu bringen. Allerdings führte die Besetzung zu Aufständen des armenischen Adels. Die Oberhoheit über das Gebiet wechselte später mehrfach zwischen Byzanz und dem Kalifat.

Mittelalter

Der Glockenturm des Klosters Haghpat

Bis 700 gelang es den arabischen Stämmen, eine dauerhafte Herrschaft im Land zu errichten. Aufstände des armenischen Adels schlugen sie nieder. Innerhalb des Adels kam es in dieser Zeit zu einem Wechsel der führenden Familie: Die Bagratiden (Bagratuni) übernahmen sie von den Mamikonean und konnten ihre Herrschaft auf Teile Georgiens ausdehnen.

Aschot I. gelang es in der Schwächephase des Kalifats 885/886, wieder ein armenisches Königreich zu errichten, das sowohl der Kalif als auch der byzantinische Kaiser anerkannten. Aschot II. (915–928) brachte die Freiheitskämpfe zu einem vorläufig erfolgreichen Abschluss.

In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts ging das Reich durch unglückliche Kriege und innere Zwistigkeiten zugrunde. Byzanz ließ den letzten Herrscher ermorden. In der Folge gründeten armenische Flüchtlinge 1080 in Kilikien ein unabhängiges Fürstentum von Kleinarmenien unter den Rubeniden. Diese verbündeten sich mit den Kreuzfahrern gegen Byzantiner und Türken. 1342 fiel das Königreich an das katholische Haus Lusignan von Zypern, kam aber bald darauf an die ägyptischen Mamluken und darauf zum osmanischen Reich.

Osttürkei und Armenistan. In der englischen Karte um 1850 mit altrömischen Grenzen wurden wichtige Namen ergänzt

Osmanische Provinz Armenistan

Nach der Eroberung durch die Osmanen wurde das armenische (großteils christliche) Sprachgebiet als Provinz Armenistan (türkisch Ermenistan = Armenien) zusammengefasst und genoss eine gewisse Autonomie. Das am dichtesten besiedelte Kerngebiet lag im Dreieck ErzurumEriwanVansee (siehe nebenstehende Karte). Im heutigen politischen Sprachgebrauch der Türkei wird der Begriff „Armenistan“ allerdings vermieden, um nicht an den Völkermord an den Armeniern um 1895 und 1915/17 zu erinnern.

Als das Osmanische Reich ab etwa 1800 zunehmend verfiel, geriet Armenien unter den Einfluss der kulturell und religiös näherstehenden Großmacht Russland. Zunächst kam der östliche Teil Armeniens als Folge des siebenten Russisch-Türkischen Krieges (1828 bis 1829) unter die Oberhoheit des Russischen Reiches. Nach dem neunten Russisch-Türkischen Krieg (1877 bis 1878) im Kontext der Balkankrise musste das Osmanische Reich im Frieden von San Stefano weitere Teile Ostarmeniens und die Provinzen Kars und Ardahan an Russland abtreten.

1885 wurde in Van, das mehrheitlich von Armeniern bewohnt wurde, die erste armenische politische Partei gegründet, die Demokratisch-Liberale Partei (unter dem damaligen Namen Armenakan).

Nach dem endgültigen Zerfall der osmanischen Türkei sollte Armenien im Friedensvertrag von Sèvres (1920 zwischen dem Sultan und der Entente) die Selbständigkeit erhalten, was aber durch neue politische Bewegungen (v. a. Atatürk) und andere Spannungen nicht zustande kam. Heute ist Armenistan auf mehrere Provinzen in der modernen Türkei aufgeteilt.

Vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart

Am 24. April 1915 veranlasste die 1908 an die Macht gekommene und – im Gegensatz zur multikulturellen Politik des Osmanischen Reiches - nationalistisch orientierte jungtürkische Bewegung um Talaat Pascha die Verhaftung und Deportation armenischer Intellektueller in Istanbul und leitet damit den Völkermord an den Armeniern ein.

Von 1918 bis 1920 existierte die unabhängige Demokratische Republik Armenien, die sich der Entente gegen die Mittelmächte anschloss. Der Vertrag von Sèvres vom 10. August 1920, einer der Pariser Vorortverträge, die den Ersten Weltkrieg beendeten, sah die Unabhängigkeit Armeniens vor. Der Vertrag trat nie in Kraft, da ihn nicht alle Vertragsstaaten ratifizierten. Infolge des Griechisch-Türkischen Krieges (1919–1922) wurde der Vertrag von Sèvres im Vertrag von Lausanne zugunsten der Türkei revidiert. Zwischen den Siegern des Ersten Weltkriegs und General Kemal Atatürk wurde am 24. Juli 1923 der sogenannte „Orientfrieden“ besiegelt; er sicherte der modernen Türkei die internationale Anerkennung.

1920 teilten die Türkei und Sowjetrussland Armenien unter sich auf und fixierten dies im Vertrag von Kars vom 23. Oktober 1921. Nach der Gründung der UdSSR im Jahr 1922 wurde Ostarmenien ein Teil der Transkaukasischen Sozialistischen Föderalen Sowjetrepublik.

1936 wurde Ostarmenien eine formal eigenständige Unionsrepublik der Sowjetunion, die Armenische Sozialistische Sowjetrepublik. Sie entwickelte sich zu einem wichtigen Standort der chemischen Industrie, der Schuhindustrie und der Informatik. Viele elektronische Bauteile für die sowjetische Raumfahrt und auch Roboter wurden hier entwickelt. In der Sowjetunion war die Armenische SSR unter anderem wegen des warmen Klimas ein beliebtes Reiseziel.

Die Armenische SSR war seit dem Ende der 1980er-Jahre neben der Estnischen SSR, der Lettischen SSR, der Litauischen SSR und der Georgischen SSR ein Zentrum der separatistischen Bewegungen innerhalb der UdSSR. Zu dieser Zeit flammte auch der Konflikt um Bergkarabach, ein mehrheitlich armenisch besiedeltes Gebiet innerhalb der Aserbaidschanischen SSR, wieder auf.

Eriwan mit dem Ararat, Türkei im Hintergrund

Am 7. Dezember 1988 erschütterte ein schweres Erdbeben die Region Lori im Norden der Armenischen SSR, das den Wert 6,8 auf der Richterskala erreichte. Viele Gebäude, insbesondere Schulen und Krankenhäuser, hielten dem Erdbeben nicht stand, 25.000 Menschen starben. Hinzu kamen die winterlichen Temperaturen und die äußerst mangelhafte Vorbereitung der Behörden. Die Regierung ließ ausländische Helfer ins Land. Dies war der erste Fall, in dem die Sowjetunion ausländische Hilfe in größerem Ausmaß annahm. Die damals entstandenen schweren Schäden an der Infrastruktur hemmen die wirtschaftliche Entwicklung dieser Region bis in die heutige Zeit (2006).

Im August 1991 benannte sich die Armenische SSR in Anlehnung an die erste Republik in Republik Armenien um. Nach der Unabhängigkeitserklärung am 21. September 1991 entstand das heutige Armenien. Der westliche, weitaus größte Teil des historischen Siedlungsgebietes der Armenier blieb unter türkischer Herrschaft.

Bevölkerung und Sprachen

Bevölkerung

Von den etwa drei Millionen Einwohnern des Landes sind laut der 2001 erfolgten Volkszählung 97,9 % Armenier, 1,3 % Kurden, 0,5 % Russen (darunter auch Molokanen), weitere sind Assyrer. Bis 1990 (vor dem Berg-Karabach-Konflikt) lebten auch zahlreiche Aserbaidschaner in Armenien. In Armenien ist die Bevölkerungsentwicklung rückläufig (–0,4 % pro Jahr). Zwischen 1991 bis 1998 sind etwa 750.000 Armenier vor allem nach Russland und in andere Staaten der GUS emigriert.

Sprachen

Die armenische Sprache stellt einen eigenen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie dar. Armenisch (Eigenbezeichnung Hajeren) wird weltweit von etwa sieben Millionen Menschen gesprochen, in Armenien von etwa drei Millionen, das sind über 95 Prozent der Bevölkerung. Das armenische Alphabet wurde am Anfang des 5. Jahrhunderts durch Mesrop Maschtoz für das Altarmenische entwickelt. Seitdem ist dieses Alphabet die feste Grundlage der nationalen Sprache und der Kultur geworden.

Eine weitere bedeutende Sprache des Landes war bis 1990 die Turksprache Aserbaidschanisch mit rund 160.000 Sprechern; aufgrund des Konfliktes um Bergkarabach wurden allerdings die meisten Aserbaidschaner aus Armenien vertrieben. Das nordwestiranische Kurmandji und das Russische werden noch von jeweils etwa 100.000 Muttersprachlern in Armenien gesprochen. Als Zweitsprache wird das Russische von wesentlich mehr Armeniern beherrscht, zumal Russisch noch immer erste Fremdsprache in den Schulen und häufig Unterrichtssprache an den Universitäten ist. Es gibt aber einen neueren Trend zum Englischen als erster Fremdsprache.

Insgesamt werden in Armenien elf Sprachen aus vier verschiedenen Sprachfamilien gesprochen, wie die folgende Übersicht zeigt. Allerdings ist die starke Tendenz zu einem monolingualen und monoethnischen Land unverkennbar.

Die in Armenien gesprochenen Sprachen und ihre Eingliederung in Sprachfamilien. „S2“ umfasst Muttersprachler und Sprecher, die diese Sprache erlernt haben.

Die Sprecherzahlen entstammen Ethnologue (5. Auflage 2005), dem Fischer Weltalmanach 2006 und der Fachliteratur zu den einzelnen Sprachfamilien. Die Klassifikation basiert auf dem unten angegebenen Weblink. Fettdruck kennzeichnet die Sprachfamilien und ihre Zweige; es sind nur die Zweige angegeben, zu denen in Armenien gesprochene Sprachen existieren.

Kultur

Religionen

Das Geghart Kloster

Die dominierende Konfession im Land ist das orientalisch-orthodoxe Christentum, das in Armenien die Armenische Apostolische Kirche repräsentiert; ihr gehören etwa 94 Prozent der Bevölkerung an. Sie spielt eine zentrale Rolle für die armenische Identität. Das Christentum ist tief verwurzelt, immerhin erhob Armenien im Jahre 301 als erstes Land der Welt das Christentum zur Staatsreligion.

Das Kloster Chorvirap vor dem Berg Ararat. Der Mönch Krikor Lusavoritsch war hier eingekerkert, bevor er den König Trdat III. zum Christentum bekehrte

Es gibt eine katholische Minderheit, die Anhänger der Armenisch-Katholischen Kirche sind. Seit dem 18. Jahrhundert leben auch einige Tausend Molokanen (eine Abspaltung von der russisch-orthodoxen Kirche) in eigenen Dörfern, nachdem sie ihr angestammtes Siedlungsgebiet an der Wolga verlassen mussten. Zu den bedeutenden Minderheiten gehören ferner die Zeugen Jehovas (0,5 Prozent). Kurden Armeniens sind häufig Jesiden.

Bedeutung der Familie

Die Familie steht im Zentrum des Lebens. Die Familienbande sind bei Armeniern im Vergleich zu Westeuropa extrem stark. Die Familien sind trotz der zur Zeit der Sowjetunion verordneten Emanzipation patriarchalisch strukturiert. Kindererziehung gilt als Frauensache. Eine Ausnahmestellung hat dabei die Familienälteste (üblicherweise die Frau oder Witwe des Familienoberhauptes) inne: Sie wird hoch geachtet und übt auf diskrete Art und Weise oft größeren Einfluss aus als das nominelle Familienoberhaupt. Überhaupt werden traditionell die Alten sehr geachtet (beispielsweise wird ein junger Anwalt einem alten Straßenfeger üblicherweise sehr respektvoll begegnen). Nachkommen ordnen sich auch als Erwachsene sehr stark ihren Eltern unter.

Museen

Eriwan beherbergt die zentralen Museen des Landes. Am bekanntesten ist wohl die nationale Kunstgalerie mit mehr als 16.000 Werken. Die Bestände der Sammlung gehen bis ins Mittelalter zurück. Die Hauptstadt kann neben einer Vielzahl weiterer Museen ein Museum für moderne Kunst und ein dem wohl berühmtesten armenischen Maler Martiros Sarjan gewidmetes Museum vorweisen. In den letzten Jahren sind in Eriwan zudem zahlreiche private Galerien entstanden. Erwähnt werden muss auch das Matenadaran, in dem über 17.000 Manuskripte aufbewahrt werden, die zum Teil aus dem frühen Mittelalter stammen und sehr wertvoll sind.

Musik

Das Nationalinstrument Armeniens ist das Duduk, ein Doppelrohrblattinstrument aus Aprikosenholz mit unverwechselbarem Klang. Es spielt eine zentrale Rolle in der armenischen Volksmusik und ist außerhalb Armeniens insbesondere durch das Werk Dschiwan Gasparjans bekannt geworden. Neben der traditionellen armenischen Musik gibt es in Eriwan auch international erfolgreiche klassische Orchester. Hervorzuheben sind hier insbesondere das armenische philharmonische Orchester und das nationale Kammerorchester Armeniens. Der wohl bekannteste Komponist des Landes ist Aram Chatschaturjan. Begründer der modernen klassischen Musik Armeniens ist der Mönch Komitas Vardapet. Für weitere Komponisten, siehe die Liste armenischer Komponisten.

Im Mai 2006 nahm Armenien zum ersten Mal am Eurovision Song Contest in Athen teil. Mit dem Titel Without Your Love trat der landesweit bekannte Sänger André an. Nachdem er das Halbfinale überstanden hatte, konnte er im Finale einen überraschenden 8. Platz erreichen. Damit war Armenien auch für das nächste Finale in Finnland gesetzt, wo man wieder erfolgreich einen 8. Platz erreichen konnte mit dem populären Sänger Hayko und dem Song Anytime you need. 2008 in Belgrad erreichte Sirusho mit „Quele Quele“ den 4. Platz. Eine sehr erfolgreiche Jazzformation ist die Armenian Navy Band um Arto Tunçboyaçiyan, die ihre Musik als Avantgarde Folk Music bezeichnet. Alle Mitglieder der Band System of a Down kommen ursprünglich aus Armenien.

Film

Seit 2004 hat sich im Sommer in Eriwan das Internationale Filmfestival „Goldene Aprikose“ etabliert, dessen Präsident der armenischstämmige Kanadier Atom Egoyan ist. Es vergibt Preise sowohl an Spielfilme als auch an Dokumentarfilme und kann teilweise prominente Teilnehmer aufweisen. Weltweit renommierte Filmregisseure sind – neben Egoyan – die Armenier Sergej Paradjanov, Henri Verneuil, Don Askarian und der experimentelle Dokumentarfilmer Artavazd Pelechian. Auch auf dem Gebiet des Zeichentrickfilms hat Armenien eine lange Tradition, die sich in der Sowjetzeit entwickelt hat.

Auch außerhalb Armeniens bekannte Schauspieler sind Armen Dschigarchanjan und Mher „Frunsik“ Mkrtschjan. Simon Abkarian stammt nicht aus dem heutigen Armenien, sondern aus der armenischen Diaspora im Libanon. Dort existiert seit dem Völkermord eine große armenische Gemeinde, die aus Nachkommen derjenigen Flüchtlinge besteht, die die Todesmärsche aus Westarmenien in die nordsyrischen Wüsten überlebten.

Sport

Schach ist ein in Armenien weit verbreiteter Sport, der ehemalige Schachweltmeister Tigran Petrosjan war Armenier. Garri Kasparow ist armenischer Abstammung. Die Nationalmannschaft gewann 2006 in Turin und 2008 in Dresden mit Großmeister Lewon Aronjan, Smbat Lputjan, Karen Asrjan, Wladimir Hakobjan (bekannter als Wladimir Akopjan), Gabriel Sarkissjan und Artasches Minassjan) die Schacholympiade.

Fußball ist in Armenien eine populäre Sportart, wobei sich die armenische Nationalmannschaft bislang nie für eine Fußballweltmeisterschaftsendrunde qualifizieren konnte.

Populär ist auch der Boxsport. Prominente Vertreter sind der Europameister Khoren Gevor und der langjährige IBF-Weltmeister im Fliegengewicht und Superfliegengewicht Vic Darchinyan. Der IBF-Titel im Mittelgewicht wird von Arthur Abraham gehalten, der die armenische und deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Im Frauenboxen ist die Armenierin Susianna Kentikian WBA- und WIBF-Weltmeisterin in Fliegengewicht.

Armenische Literatur

Die armenische Literatur zählt mit der aus der armenischen Bibelübersetzung rührenden armenischen Schrift und der dort fixierten armenischen Sprache zu den ältesten lebenden Nationalliteraturen der Welt.

Hauptartikel: Armenische Literatur

Die Diaspora

Weniger als ein Drittel der rund zehn Millionen ethnischen Armenier auf der Welt lebt in der Republik Armenien. Seit Jahrhunderten gibt es armenische Gemeinschaften im Iran und in Georgien, seit dem Völkermord an den Armeniern gibt es traditionelle Gemeinschaften im Libanon, Frankreich und den Vereinigten Staaten. Nach Angaben des Institut für Genozid und Diaspora an der Ruhr-Universität Bochum liegt die Zahl der in der Bundesrepublik lebenden Armenier bei 35.000 bis 40.000. Seit 2000 ist die Diaspora in Russland die wichtigste (vor allem in Moskau und St. Petersburg). Die Überweisungen an Verwandte in der Heimat sind wichtig für die Übertragungsbilanz (Details siehe unter Wirtschaft). Armenien profitiert von einer Vielzahl von Stiftungen.

Siehe auch Armenier in Europa und Armenische Revolutionäre Föderation (eine in vielen Ländern aktive armenische Partei)

Feiertage und Feste

siehe Feiertage in Armenien und Surp Asdvadzadzin

Medien

In Armenien erscheinen fünf Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von circa 18.000 Exemplaren.[6]

Politik

Am 21. September 1991 erklärte sich Armenien von der sich in Auflösung befindlichen Sowjetunion für unabhängig. Das Parlament, die Nationalversammlung, wird alle vier Jahre gewählt. Es gibt nur eine Kammer. Die bedeutendsten Parteien sind die Republikanische Partei Armeniens (die mit Andranik Markarjan bis zu dessen Tod am 25. März 2007 den Premierminister stellte) und die Armenische Revolutionäre Föderation (gegründet 1890).

Am 6. Oktober 1991 wurde Lewon Ter-Petrosjan zum ersten Präsidenten der armenischen Republik gewählt. Am 22. September 1996 wurde er wiedergewählt. Seine Popularität sank jedoch zunehmend. Im Februar 1998 wurde er zum Rücktritt gezwungen, weil er im Krieg um die Region Bergkarabach zusätzliche Zugeständnisse an Aserbaidschan zur Lösung des Konflikts machte. Lewon Ter-Petrosjans Minister, angeführt von Premierminister und späterem Nachfolger im Präsidentenamt Robert Kotscharjan, lehnten einen Friedensplan ab, den internationale Vermittler im September 1997 vorgeschlagen hatten und den Lewon Ter-Petrosjan und Aserbaidschan befürworteten. Kotscharjan gewann 1998 die vorgezogenen Präsidentschaftswahlen. Seine Wiederwahl 2003 war von Unregelmäßigkeiten und Protesten von Demonstranten begleitet. Im Januar 2006 trat eine vom Europarat schon seit langem geforderte Verfassungsänderung in Kraft, die dem Parlament mehr Rechte einräumt. Der Präsident darf beispielsweise nach wie vor den Ministerpräsidenten ernennen, er muss nun aber vom Parlament bestätigt werden.

Das Gebäude des Außenministeriums am Platz der Republik in Eriwan

Bei der Präsidentenwahl vom 19. Februar 2008 kam es zu Ausschreitungen mit laut offiziellen Angaben 8 Todesopfern und zahlreichen Verletzten. Anhänger der Opposition und ihres Kandidaten Lewon Ter-Petrosjan protestierten tagelang gegen angebliche Wahlfälschungen. Ihr Kandidat kam auf nur 21,5 % der Stimmen, während Amtsinhaber Sersch Sarkisjan 49,9 % – und damit sehr knapp bereits im ersten Wahlgang eine Mehrheit – erreichte. Beobachter der OSZE stellten zwar Unregelmäßigkeiten fest, konnten jedoch keinen Wahlbetrug feststellen. Die Regierung verhängte einen vierwöchigen Ausnahmezustand und ging mit massiver Waffengewalt gegen die Demonstranten der Opposition vor. Zur Zeit befinden sich trotz Protests der internationalen Gemeinschaft noch immer 79 Oppositionspolitiker in politischer Gefangenschaft.

Armenien ist eines der wenigen Länder der so genannten Zweiten Welt, in dem (ex-) kommunistische Parteien nie an der Regierung beteiligt waren. Armenien ist Mitglied der folgenden internationalen Organisationen: UN, Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, GUS, OSZE, Europarat, NATO-Partnerschaft für den Frieden, EBRD, Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation, Asiatische Entwicklungsbank, Welthandelsorganisation.

Der Konflikt um Bergkarabach

Armenien befindet sich in einer langdauernden Auseinandersetzung mit der Nachbarrepublik Aserbaidschan um Bergkarabach, ein Gebiet in Aserbaidschan, das inzwischen mehrheitlich von Armeniern bewohnt wird. Es erklärte sich 1991 für unabhängig und nennt sich Republik Bergkarabach, ist jedoch international nicht anerkannt. Es starben in diesem Konflikt schätzungsweise 17.500 Armenier und 25.500 Aserbaidschaner, 700.000–1.000.000 Aserbaidschaner und 300.000 Armenier wurden zu Flüchtlingen. Seit einem Waffenstillstand im Mai 1994, der der Kontrolle eines Sechstels Aserbaidschans durch Truppen der Republik Armenien und der Republik Bergkarabach folgte, verbesserte sich die Situation nicht wesentlich. Bis heute gibt es keinen Durchbruch in der Beziehung zwischen Armenien und Aserbaidschan; ein Zustand, der ihre wirtschaftliche Entwicklung negativ beeinflusst. Für Details zu diesem Konflikt siehe den Artikel Bergkarabach.

Außenpolitik

Hauptartikel: Außenpolitik der Republik Armenien

Die Außenpolitik der Republik Armenien soll vor allem drei Zwecken dienen: Zum einen soll die nationale Sicherheit gewährleistet und die Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen verbessert werden. Zum anderen bemüht sich Armenien um die weltweite Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern. Zum Erreichen dieser Ziele wird auf gleichermaßen gute Beziehungen zu Russland, den USA, der EU und dem Iran Wert gelegt. Trotz dieser Anstrengungen ist die außenpolitische Lage Armeniens instabil, was insbesondere auf die Konflikte mit den Nachbarstaaten Aserbaidschan und Türkei zurückzuführen ist. Die Beziehungen zu Aserbaidschan sind durch den Konflikt um Bergkarabach belastet. Trotz eines Waffenstillstandes hält Armenien etwa 16 % des aserbaidschanischen Territoriums besetzt. Mit der Türkei unterhält Armenien zurzeit keine offiziellen diplomatischen Beziehungen, die Spannungen der beiden Staaten sind überwiegend auf historische Belastungen zurückzuführen. Die Türkei macht den Rückzug Armeniens aus Bergkarabach zur Vorbedingung von diplomatischen Beziehungen. Die Beziehungen zu den Nachbarstaaten Georgien und Iran sind nicht durch derartige Konflikte belastet. Derzeit strebt Armenien eine engere militärische Zusammenarbeit mit dem Iran an. [7]

Internationale Organisationen

Armenien ist seit 1992 Mitglied der Vereinten Nationen. Es ist seit 2003 Mitglied in der WTO.[8]

Wirtschaft

1988 wurde Armenien durch ein sehr starkes Erdbeben schwer getroffen, was einige Regionen noch immer belastet. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR geriet der junge Staat (ähnlich wie die meisten anderen ehemaligen Unionsrepubliken) in eine schwere Wirtschaftskrise. Neben den üblichen tiefgreifenden Problemen, die sich bei einer Umstellung von einer Zentralverwaltungswirtschaft auf eine liberale Marktwirtschaft ergeben, kam erschwerend der Konflikt um Bergkarabach mit Aserbaidschan hinzu.

Ein wirtschaftliches Problem ist die Binnenlage Armeniens, verbunden mit der Tatsache, dass zwei der vier Nachbarländer aufgrund politischer Konflikte die Grenzen zu Armenien geschlossen halten, nämlich die Türkei und Aserbaidschan. Ein großer Teil der Importe nach Armenien verläuft deshalb über den georgischen Hafen Poti und von dort weiter per Eisenbahn durch Georgien.[9] Die Eisenbahnverbindung zwischen Georgien und Russland ist wegen des Konflikts in Abchasien geschlossen, während zwischen Armenien und Iran gar keine Eisenbahnverbindung besteht. Der Grenzabschnitt zu Iran ist nur etwa 40 km lang, aber aufgrund der Blockade durch die Türkei und Aserbaidschan von großer Bedeutung für Armenien, das traditionell gute Beziehungen zu Iran pflegt.[10]

Nach einer umfassenden Liberalisierung der Wirtschaft – die Privatisierung begann 1994 und ist inzwischen weitgehend abgeschlossen – setzte 1997 das Wirtschaftswachstum wieder ein. Seit dem Jahr 2001 weist Armenien sogar zweistellige Wachstumsraten auf und konnte im Jahre 2006 die Wirtschaftskraft des Jahres 1988 wiedererlangen.

Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen betrug im Jahre 2004 durchschnittlich 790 Dollar. Im Jahr 2005 betrugen die Steuer- und Zolleinnahmen 304 Milliarden Dram (680 Millionen US-Dollar) oder 21,6 % mehr als 2004. Trotzdem machen die Einnahmen nur 14,4 % des Bruttoinlandsproduktes aus – im internationalen Vergleich ein sehr niedriger Wert. Die Landwirtschaft basiert vor allem auf dem Anbau von Obst und Gemüse sowie Tabak. Die Wirtschaft des Landes basiert auf der Nutzung der Rohstoffe Kupfer, Bauxit, Gold und Molybdän. Die Energieversorgung beruht nur zu einem kleinen Teil auf den heimischen Wasserkraftwerken am Hrasdan, dem Abfluss des Sewansees, der Großteil der Stromversorgung (rund 39 %) wird durch das Kernkraftwerk Mezamor sichergestellt. Die Industrie ist wenig entwickelt. Ihre wichtigsten Zweige sind Maschinenbau, chemische Industrie, Textil-, Metall-, Nahrungsmittel- und Aluminiumindustrie.

Armenien ist Mitglied der Welthandelsorganisation. Der Handel wird durch die geschlossenen Grenzen zur Türkei und zu Aserbaidschan behindert. Geldtransfers der zahlreichen Auslandsarmenier stützen die Wirtschaft. Davon kamen 45 % aus Russland und 15 % aus den USA. Im Jahre 2005 stiegen Firmen aus Deutschland zum größten Investor in Armenien auf, sie tätigten 97,5 Millionen US-Dollar Direktinvestitionen.

In den Schlüsselindustrien Energie und Telekommunikation sind insbesondere russische Firmen präsent. So gehören unter anderem die Firmen Armrosgazprom (Erdgasimport- und Versorgung) mehrheitlich dem russischen Staatskonzern Gazprom, das armenische Stromnetz gehört einer Tochterfirma der ebenfalls staatlichen UES und die Armenia Telephone Company ist zu 100 % im Besitz der Firma VimpelCom. Im Bereich der Hochtechnologien wird die armenische Wirtschaft gegenwärtig besonders durch IT-Unternehmen gestärkt, die Ihre Produktentwicklungen in Armenien durchführen, Lycos Europe beschäftigt gegenwärtig zum Beispiel 200 Programmierer in Ihrer Niederlassung in Armenien. Arminco (Armenian Internet Company) ist der größte Internetdienstanbieter in Armenien.

Die nationale Währung, der Dram (AMD), wurde 1993 eingeführt. Die Zentralbank der Republik Armenien verfolgt eine Politik des flexiblen Wechselkurses. Lange verlor der Dram gegenüber dem US-Dollar wegen des Handelsbilanzdefizits Armeniens an Wert, der niedrigste Wechselkurs lag im März 2003 bei 591,76 AMD:1 USD. Im August 2006 sank der Kurs erstmals unter 400 AMD:1 USD, was eine Aufwertung um 45 % bedeutet. Die Zentralbank schätzt, dass die armenischen Haushalte jährlich rund 940 Millionen US-Dollar von Verwandten aus dem Ausland erhalten, das entspräche etwa 15 % des offiziellen Bruttoinlandsprodukts [11]. Diese Überweisungen und die ausländischen Direktinvestitionen sind der Hauptgrund für den Anstieg des Drams. Die Inflation lag in den letzten Jahren bei 5 %, ein im regionalen Vergleich niedriger Wert, trotzdem ist Armenien die ärmste Volkswirtschaft im Kaukasus und Umgebung.

Seit dem Februar 2003 ist Armenien Mitglied der Welthandelsorganisation. Bilaterale Freihandelsabkommen bestehen unter anderem mit Georgien und Russland.

Siehe hierzu Kategorie:Unternehmen (Armenien).

Verkehr

Eine Besonderheit des armenischen Transportwesens ist der im internationalen Vergleich extrem hohe Anteil an Kraftfahrzeugen, die mit Erdgas statt Benzin oder Diesel betrieben werden. Das Verkehrsministerium schätzt, dass dieser Anteil 20–30 % beträgt, dies wäre ein einmalig hoher Wert (in den Niederlanden sind es rund 3 %, in Deutschland noch weniger). Der Grund sind die hohen Transportkosten für Benzin und Diesel, während Erdgas zu günstigen Preisen aus Russland per Pipeline importiert wird [12]. Im März 2007 wurde außerdem die strategisch bedeutende Iran-Armenien-Erdgaspipeline eröffnet.

Die Eisenbahn in Armenien wird von der Harawkowkasjan Jerkatughi, einer Tochtergesellschaft der Russischen Eisenbahnen, seit dem 1. Juni 2008 nach dem Gewinn einer Ausschreibung zunächst für 30 Jahre betrieben. Während dieses Zeitraums sollen mindestens 570 Millionen USD investiert werden, 70 % davon in die Infrastruktur [13].

Siehe auch

Portal
 Portal: Armenien – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Armenien

Literatur

  • Bertold Spuler (Hg.): Handbuch der Orientalistik; Teil 1: Wolfgang Schramm: Einleitung in die assyrischen Königsinschriften; Teil 2: ders.: 934–722 v. Chr.. Brill, Leiden 1973. ISBN 90-04-03783-7.
  • Museum Bochum, Stiftung für Armenische Studien (Hg.): Armenien. 5000 Jahre Kunst und Kultur. Wasmuth, Tübingen 1995; ISBN 3-8030-3066-8
  • Tessa Hofmann: Annäherung an Armenien. Geschichte und Gegenwart. Beck, München 1997; ISBN 3-406-42023-0
  • Jakob Künzler: Im Lande des Blutes und der Tränen. Erlebnisse in Mesopotamien während des Weltkrieges (1914–1918). Reihe ZeitZeugnisse. Tempel-Verlag, Potsdam 1921; Nachdruck: Chronos, Zürich 1999. ISBN 3-905313-06-5
  • Adriano Alpago Novello: Die Armenier. Brücke zwischen Abendland und Orient. Belser, Stuttgart und Zürich 1986. ISBN 3-7630-2335-6
  • Henri Stierlin: Von Konstantinopel bis Armenien und von Syrien bis Äthiopien. Belser, Stuttgart und Zürich 1986. ISBN 3-7630-1747-X
  • Jean M. Thierry: Armenien im Mittelalter. Schnell und Steiner, Regensburg 2001; ISBN 3-7954-1435-0
  • Huberta von Voss: Portrait einer Hoffnung: Die Armenier. Lebensbilder aus aller Welt.Schiler, Berlin 2004. ISBN 3-89930-087-4
  • Christopher J. Walker: Armenia: the Survival of a Nation. Saint Martin’s Press, London 1980 (19902). ISBN 978-0312042301. : online Version
  • Wilhelm Baum: Die Türkei und ihre christlichen Minderheiten. Geschichte – Völkermord – Gegenwart. Kitab-Verlag, Klagenfurt Wien 2005. ISBN 3-902005-56-4. auch en: The Christian Minorities in Turkey. Kitab-Verlag, Klagenfurt Wien: 2005. ISBN 3-902005-62-9.
  • Literatur über Armenien in Bibliothekskatalogen: DNB, GBV
  • Haig E. Asenbauer: Zum Selbstbestimmungsrecht des armenischen Volkes von Berg-Karabach. Ethnos 41. Braumüller, Wien 1993. ISBN 3-7003-0978-3
  • Burchard Brentjes: Drei Jahrtausende Armenien. Koehler und Amelang, Leipzig 19843. Schroll, Wien München 1984. ISBN 3-7031-0594-1
  • Johannes Lepsius: Armenien und Europa, eine Anklageschrift. Berlin 1897.
  • Johannes Lepsius: Der Todesgang des armenischen Volkes. Bericht über das Schicksal des armenischen Volkes in der Türkei während des Weltkrieges. Missionshandlung und Verlag Roon-Straße, Potsdam 19304
  • Artem Ohandjanian: Armenien, der verschwiegene Völkermord. Böhlau, Wien Köln Graz: 1989. ISBN 3-205-05213-7.
  • Erwin M. Ruprechtsberger (Hrsg.): Armenien. Anlässlich der Armenien-Ausstellung im Stadtmuseum Linz – Nordico, 7. September – 22. Oktober 1989. Linzer Archäologische Forschungen 18. Stadtmuseum, Linz 1990. Band 1: Kunst und Geschichte im 1. Jahrtausend 1989. Band 2: Beiträge zur Sprache, Geschichte und Archäologie. 1990
  • Editha Wolf Crome (Hg.): Aufbruch nach Armenien. Reise- und Forschungsberichte aus dem Lande Urartu – Armenien. Reimer, Berlin 1985; ISBN 3-496-00810-5

Weblinks

Einzelnachweise

  1. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2008
  2. Caucasian Spiders » CHECKLISTS & MAPS
  3. Endemic Species of the Caucasus
  4. Annahmen, dass eine Vereinigung mit den Nairi-Ländern erfolgte, werden durch den Feldzug von Salmanassar III. im 7. und 15. Regierungsjahr nach Nairi widerlegt. Ebenso wird Nairi unter Tiglat-Pileser III. erwähnt; vgl. dazu Bertold Spuler: Handbuch der Orientalistik.Teil 1: Einleitung in die assyrischen Königsinschriften , Teil 2: 934–722 v. Chr. von Wolfgang Schramm -, Brill, Leiden 1973, S. 85.
  5. Erwin M. Ruprechtsberger (Hrsg.): Armenien. Linzer Archäologische Forschungen Band 18, Linz 1990, S. 45
  6. http://www.pressreference.com/A-Be/Armenia.html
  7. RIA Novosti – Politik – International – Armenien und Iran besprechen militärische Zusammenarbeit
  8. Der Fischer Weltalmanach 2008, Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 2007, ISBN 978-3-596-72008-8
  9. armenialiberty.org: Armenia Faces Trade Blockade As Russia Widens Georgia Assault, abgerufen am 12. August 2008
  10. Auswärtiges Amt: Länderinformationen Armenien, abgerufen am 12. August 2008
  11. ARKA News Agency: Armenian households recieive money transfers for $940MLN in 2005
  12. Armenialiberty: Necessity Mother Of Invention In Gas-Fuelled Armenia
  13. Eurailpress: RZD: Start des Bahngeschäfts in Armenien, 4. Juni 2008

40.38333333333344.957Koordinaten: 40° N, 45° O


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