Altdeutsche Genesis

Die Altdeutsche Genesis (auch 'Wiener Genesis' genannt) ist ein frühmittelhochdeutscher Text aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Er bietet eine Fassung der Genesis. Die älteste Handschrift (Wien, ÖNB, cod. 2721, letztes Viertel des 12. Jahrhunderts) wird in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrt und umfasst 129 Pergamentblätter.[1] Eine weitere Fassung der Altdeutschen Genesis liegt in der Vorauer Sammelhandschrift (Vorau, Stiftsbibl., cod. 276) vor.

Der Autor wie auch der Entstehungsort sind unbekannt. Zwischenzeitlich ging man von sechs Autoren aus, allerdings weisen sprachwissenschaftliche Untersuchungen darauf hin, dass der Text von nur einer Person stammt und diese aus dem bairisch-österreichischen Sprachraum stammt. Als Zweck der Handschrift wird die Lesung vor Laien zum Osterfest vermutet.

Inhaltlich hält sich der Text größtenteils an die Vulgata, es gibt allerdings auch wesentliche Unterschiede. Viele Geschichten wurden so abgeändert, dass der handelnde Mensch im Mittelpunkt steht. Zentrale Themen sind Sünde, Beichte, Reue, Buße; der Text wird entsprechend angepasst.

Einzelnachweise

  1. Marburger Handschriftencensus

Literatur

  • Dieter Hensing: Zur Gestaltung der Wiener Genesis. Mit Hinweisen auf Otfrid und die frühe Sequenz. In: Cola Minis (Herausgeber): Amsterdamer Publikationen zur Sprache und Literatur. Amsterdam, Rodopi 1972.
  • Kathryn Smits: Die frühmittelhochdeutsche Wiener Genesis: kritische Ausgabe mit einleitendem Kommentar zur Überlieferung von Kathryn Smits. Schmidt, Berlin 1972.
  • Ursula Hennig: Altdeutsche Genesis, in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon 1 (1978), Sp. 279-284 + Bd. 11 (2004), Sp. 80.

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