Alte Rheinbrücke Rheinfelden
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Alte Rheinbrücke
Alte Rheinbrücke
Die Alte Rheinbrücke von Rheinfelden (Baden) aus
Nutzung Straßenbrücke
Querung von Rhein
Ort Rheinfelden (Baden), Rheinfelden
Konstruktion Stahlbeton-Bogenbrücke
Gesamtlänge 147 m
Freigabe 1912
Planer Robert Maillart (Ingenieur), Joss & Klauser (Architekten)
Lage
Alte Rheinbrücke Rheinfelden (Baden-Württemberg)
Alte Rheinbrücke Rheinfelden

Die Alte Rheinbrücke von Rheinfelden ist ein Rhein- und gleichzeitig Grenzübergang zwischen der rechtsrheinigen Stadt Rheinfelden (Baden) in Deutschland und dem linksrheinischen Rheinfelden in der Schweiz. Die Bogenbrücke aus Stahlbeton war vor der Eröffnung der neuen Rheinfelder Brücke im Jahr 2006 der einzige Grenzübergang zwischen den beiden Rheinfelden, der für den motorisierten Individualverkehr zugelassen war. Sie wurde 1912 dem Verkehr übergeben. An der Brücke endet heute die Grossschifffahrt auf dem Rhein.

Inhaltsverzeichnis

Situation

Das "Inseli" von Norden aus gesehen.
Bronzeskulptur „Judith“ von Eduard Spörri (nach einer Figur aus dem Roman „Der grüne Heinrich“ von Gottfried Keller) am Treppenaufgang zum „Inseli“.

Eine Besonderheit stellt ein mit Bäumen bewachsener Muschelkalkfelsen dar, im Volksmund Inseli genannt, der die 147 Meter lange Brücke in zwei etwa um 120 Grad voneinander abgewinkelte Abschnitte mit zwei beziehungsweise drei Gewölbeöffnungen unterteilt. Die Öffnungen der 10,5 Meter breiten Brücke weisen lichte Weiten von 22 Meter bis 40 Meter auf. Auf der Insel errichteten im Mittelalter die „Grafen von Rheinfelden“ wegen ihrer strategisch günstigen Lage die Burg „Stein“. Sie wurde 1445, als die Habsburger in den Alten Zürichkrieg verwickelt waren, von Aufständischen zerstört. Von der Brücke aus wird das Inseli seit den 1920er Jahren über eine Freitreppe als Parkanlage und beliebte Badestelle erschlossen. Die Brücke samt Inseli ist regelmäßig auch Schauplatz verschiedener Veranstaltungen. Unweit der Brücke, nördlich der ehemaligen Burgkapelle des Inseli, befindet sich eine der tiefsten Stellen des Rheins, das von einer Sage umwobene St. Anna-Loch.

Bei Hochwasser muss die Brücke regelmäßig geschlossen werden. Insbesondere bei den Unwettern von 1995 und 1999 bestand die Gefahr einer Wegschwemmung. Seither sind in der Brückenkonstruktion vorsorglich Sprengkammern für eine eventuelle Notsprengung angebracht.

Die Staatsgrenze zwischen der Schweiz und Deutschland verläuft mittig auf der Brücke; an der Brüstung zeigt ein hälftig geteilter Grenzstein aus dem Jahr 1810 die Wappen des Landes Baden und des Kantons Aargau. Das Inseli gehört dem schweizerischen Staatsgebiet an. Die Brücke selbst befindet sich heute vollständig im Eigentum des Kantons Aargau und soll voraussichtlich im Jahre 2011 der Stadt Rheinfelden übergeben werden.[1]

Vorgängerbrücken

Rheinfelden um 1900, Blick rheinaufwärts. Links das deutsche Rheinufer mit dem Haus Salmegg, in der Mitte noch die nach dem Brand der alten Holzbrücke errichtete Notbrücke samt Fundament des steinernen Kopfbaues und das „Inseli“, dahinter die Altstadt von Rheinfelden (Schweiz)
Beladung eines Frachtkahns vor den Toren Rheinfeldens (1484). Der auf dem Holzschnitt zu sehende Turm existiert heute nicht mehr.
Blick ins Innere der ehemaligen Holzbrücke, von der badischen Seite in Richtung Inseli. Hinten links der abgewinkelte kleinere Brückenabschnitt bis zum Schweizer Ufer.
Brand der Holzbrücke am 12. Juni 1897. Links das Inseli, rechts der Böckersturm und das Haus Salmegg.

Die heutige Rheinbrücke ist bereits der elfte Rheinübergang an der jetzigen Stelle. Die erste Rheinbrücke wurde auf Geheiß von Berthold IV. von Zähringen[2] kurz nach der 1130 erfolgten Gründung der Zähringerstadt zwischen 1155 und 1165 erbaut und stellt damit die älteste Brücke am Hochrhein zwischen Konstanz und Straßburg dar, noch vor den Brücken von Basel (1225). Die Existenz einer Brücke in Rheinfelden ist für das Jahr 1198 gesichert, in dem sich in einer Urkunde ein Rheinfelder Bürger als Henricus de Ponte (von der Brücke) bezeichnet. Die Brücke verhalf der frischgegründeten Stadt Rheinfelden zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Die Insel vereinfachte den Bau über den Rhein um einiges gegenüber anderen Standorten. Durch Kriege, Feuer und Hochwasserschäden (zum Beispiel sind für 1275 Pfeilerschäden belegt) musste die Brücke immer wieder neu errichtet werden. 1445 fiel die Brücke im sogenannten Rheinfelder Krieg der Belagerung der Burg Stein auf der Rheininsel vor der Stadt zum Opfer. Der rechtsrheinische Teil der letzten Brücke von 1807, eine gedeckte Holzkonstruktion von Blasius Balteschwiler, brannte am 12. Juni 1897 nieder, worauf zunächst von der Bauunternehmung Albert Buss & Cie. aus Basel eine eiserne Notbrücke errichtet wurde. Im Jahre 1909 folgte ein ausgeschriebener Wettbewerb, bei dem 45 Entwürfe eingereicht wurden. Den 1. Preis erhielten der österreichische Ingenieur Joseph Melan und die Ingenieure de Valliere & Simon aus Lausanne mit den Architekten Monod & Laverrtere aus Lausanne. Der 2. Preis ging an Zürcher Ingenieur Robert Maillart und die Architekten Joss & Klauser aus Bern und wurde zur Ausführung beauftragt. 1911 wurde mit dem Bau der heutigen Brücke aus Beton (und teilweiser Verwendung von Naturstein) begonnen. Sie konnte am 15. Dezember 1912 eröffnet werden. Der vom Brand verschonte linksrheinische Kopfteil der Holzdeckung der Vorgängerbrücke ist heute auf dem Inseli aufgestellt. Im Zuge des Neubaus wurde auch der, bis dahin auf dem letzten Pfeiler vor dem badischen Ufer stehende, markante steinerne Kopfbau der Brücke gesprengt.

Verwendung

Seit der Eröffnung der Rheinfelder Brücke wurde im Gegenzug der Straßenverkehr auf der alten Rheinbrücke stufenweise eingeschränkt. Seit dem 8. März 2006 galt ein generelles Fahrverbot für Lastwagen; für den motorisierten Individualverkehr galt in der Nacht und an Sonntagen ein Fahrverbot. Ein Jahr später wurden die Öffnungszeiten für den motorisierten Individualverkehr ein Stück weiter eingeschränkt. Im März 2008 wurden der bestehende Grenzübergang und die Brücke für den motorisierten Verkehr komplett geschlossen; nur der öffentliche Bus, Taxis, Mofas und landwirtschaftliche Fahrzeuge fallen nicht unter dieses Verbot. Insbesondere in Badisch-Rheinfelden regte sich Widerstand gegen diese Planung. Vor allem das Gewerbe befürchtete empfindliche Einbußen durch fehlende Kunden aus der Schweiz. Im Schweizer Rheinfelden hielt sich der Protest in Grenzen, unter anderem wurden Unterschriften für eine Petition gegen die vollständige Brückenschliessung gesammelt.

Literatur

  • Rheinfelden und seine Brücke in Wort und Bild, Rheinfelden 1987. In: Rheinfelder Neujahrsblätter, 44
  • Arbeitsgruppe Geschichte im Verein Haus Salmegg, Wolfgang Bocks (Hrsg.): Die Rheinfelder Brücken: Texte und Bilder. Begleitheft zur Ausstellung „Pfeiler, Bögen, Übergänge, die Rheinfelder Brücken im Wandel der Zeit“ im Haus Salmegg, Rheinfelden (Baden), November 1990. Rheinfelder Geschichtsblätter, Bd. 1. Edition Isele, Eggingen, 1990

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Neue Fricktaler Zeitung; Artikel Alte Rheinbrücke gehört dem Kanton; 6. Juni 2008
  2. Faltblatt des Aargauer Heimatschutz: Rheinfelden – Baukultur Entdecken

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