Altenburg (Kinzigheimer Hof)
Altenburg (Hanau-Mittelbuchen)
Wallanlage "Altenburg" bei Hanau-Mittelbuchen, Blick entlang des östlichen Walls.

Wallanlage "Altenburg" bei Hanau-Mittelbuchen, Blick entlang des östlichen Walls.

Alternativname(n): Alteburg
Entstehungszeit: vor dem 11. Jahrhundert
Burgentyp: Wallburg
Erhaltungszustand: Wälle im Gelände erkennbar, Bodendenkmal
Geographische Lage 50° 9′ 51,7″ N, 8° 54′ 13,1″ O50.1643638562788.9036464691162108Koordinaten: 50° 9′ 51,7″ N, 8° 54′ 13,1″ O
Höhe: 108 m ü. NN
Altenburg (Hanau-Mittelbuchen) (Hessen)
DEC
Altenburg (Hanau-Mittelbuchen)
Lageplan der Anlage.
Blick in die Nordwestecke. Im Vordergrund kleiner Hügel des Steingebäudes, im Hintergrund Burgwall.
Blick vom Inneren auf das Tor. Deutlich zu erkennen der Einschnitt in den Wall.
Blick im östlichen Graben nach Norden, links der Außenwall.
Detailplan der Anlage.

Die Altenburg (auch Alteburg, Buchenburg oder alte Burg) ist eine mittelalterliche Wallburg unbekannter ständischer Zuordnung westlich des Kinzigheimer Hofs zwischen Hanau und Bruchköbel im Main-Kinzig-Kreis in Hessen.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Etwa 600 Meter südwestlich der Staatsdomäne Kinzigheimer Hof (zur Gemarkung Bruchköbel) befinden sich im zu Hanau-Mittelbuchen gehörigen Wald (Distrikt Große Wald) die Reste einer der frühesten mittelalterlichen Burgen der Region Hanau. Die Anlage liegt in einer Niederung südwestlich eines Nebenlaufs des Krebsbaches, auf der gegenüberliegenden Seite wird sie durch ein weiteres Sumpfgebiet geschützt, das von Nordwesten nach Südosten das Waldstück in einer Bodensenke durchzieht.

Geschichte

Über die Burg selbst sind keine direkten schriftlichen Quellen bekannt. Aufgrund der Zugehörigkeit des Gebietes zum Amt Büchertal wurde ein Zusammenhang mit den Herren von Buchen, Vorgänger der Herren und Grafen von Hanau, vermutet. Vereinzelt wurde die Anlage deshalb früher auch „Buchenburg“ genannt. Aufgrund der geographischen Verhältnisse scheint deren Zuordnung zur wenige Kilometer westlich liegenden, Burg derer von Buchen genannten Anlage jedoch wahrscheinlicher[1].

Schlüssiger erscheint die Parallele zu den Herren von Kensheim, ein Adelsgeschlecht, das vielfach im Umfeld der Herren und Grafen von Hanau erwähnt ist[2] und im 16. Jahrhundert ausstarb. Der Ort Kinsheim oder Kenesheim wird erstmals 1235 erwähnt, Zuletzt wird es 1392 als Dorf genannt[3] und scheint im späten Mittelalter zur Wüstung geworden zu sein. Das Hofgut blieb bestehen. Es wurde 1612 durch Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg erworben und verblieb bis zum Aussterben der Hanauer Grafen 1736 in deren Besitz. Danach kam es als Erbschaft an die Landgrafschaft Hessen-Kassel. Mit Unterbrechung der preußischen Zeit von 1866 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs blieb der Hof im Besitz des hessischen Staates.

Aufgrund der Aktivitäten des Hanauer Geschichtsvereins fanden bereits 1856 erste Grabungen an dem Objekt statt. Weitere folgten in den Jahren 1874 und 1901/1905. letztere unter Georg Wolff. Eine topographische Aufnahme des Geländes wurde 1993 vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen durchgeführt.

Anlage

Die Altenburg besitzt einen fast trapezförmigen Grundriss und ist mit ihren Langseiten annähernd nord-südlich ausgerichtet[4]. Die Maße betragen 120 Meter an den Längsseiten und zwischen 60 und 100 Meter in den mehr oder weniger ost-westlich verlaufenden Flanken. Das entspricht einem Innenraum von 0,53 ha. Ein Torbau befand sich mittig im Norden der Anlage und ist heute noch anhand des Walleinschnitts und der diesen flankierenden Erhöhungen des Walles kenntlich, auf denen sich möglicherweise hölzerne Türme oder ein Torbau befunden haben.

„Festes Haus“

Spuren einer Innenbebauung sind weitgehend unbekannt. Doch konnte in der Nordwestecke innerhalb einer leichten (≈25 cm) Erhebung ein steinernes Gebäude von 19 mal 11 Metern festgestellt werden. Es war nicht unterkellert und besaß Fundamente von 1,80 m Stärke. Wolff meinte, darin ein römisches Gebäude zu erkennen[5]. In der neueren Forschung wird es eher als Festes Haus gedeutet[6], eine Bauform, wie sie in frühen Adelssitzen des 9. und 10. Jahrhundert n. Chr. belegt ist und auch in den darauffolgenden zwei Jahrhunderten geläufig[7]. Fundstücke aus dem Fundamentbereich gibt es nicht.

Östlich des Gebäudes bis in die Nähe des Eingangs wurde eine Schotterung nachgewiesen, die wohl als Hofpflasterung zu deuten ist. Nach Wolff konnte sie auch in einem angrenzenden Schnitt unter dem Wall nachgewiesen werden, was belegt, dass das Gebäude vor dem Wall in seinem letzten Bauzustand bestanden hat[5].

Wallanlage

Der heute noch sichtbare, markanteste Teil der Anlage besteht in dem Wall, der sie umgibt. Die größte erhaltene Höhe beträgt 1,50 m gegenüber der Außenseite, während der Innenraum sich nur maximal 0,70 m unterhalb der Wallkrone befindet. Dies war aufgrund des feuchten, sumpfigen Geländes notwendig. Der Zugang war nur über die etwas trockenere Nordseite möglich, wo auch der Eingang nachgewiesen wurde. Die größte Höhe erreicht der Wall an seiner nordwestlichen Ecke in der Nähe zum Steingebäude. Wolff erkannte dort eine Doppelreihe von Pfostenlöchern, tatsächlich wohl aufgrund der fast quadratischen Anordnung der Teil eines hölzernen Turms[5].

Außenwall

Auffällig an den Wallanlagen ist ein dem eigentlichen Wall an der südlichen Westflanke vorgelagerter Außenwall. Er wurde zunächst als zweiter Außenwall angesehen. Auffällig ist, dass er in der Mitte der Westseite abgeflacht und unregelmäßig erscheint, ebenso der Graben an dieser Stelle. Man hat daraus geschlossen, dass der Außenwall nicht zur Verteidigung fertiggestellt wurde und die Burganlage während des Baus aufgegeben wurde[8].

Ein weiterer Außenwall ist schwach im Gelände an der Süd- und Ostseite erkennbar. Dieser diente jedoch zur Wasserhaltung gegen das niedrigere Gelände.

Gräben

Dem Wall vorgelagert befindet sich umlaufend um die Anlage ein 10-15 m breiter Sohlgraben. Die größte Breite erreichte er an der Nordseite. Heute ist er noch besonders gut im Westen und Nordosten der Anlage zu erkennen. In einiger Entfernung findet sich der sumpfige Verlauf eines Seitenarms des Krebsbaches, was zusammen mit der Fehleinschätzung des Außenwalls zu der irrigen Annahme eines Doppelgrabens geführt hat. Tatsächlich folgt dieser weitgehend dem natürlichen Höhenprofil, während die Altenburg aus naheliegenden Gründen ein um etwa einen Meter höher liegendes Areal einnimmt[6].

Wohnpodien

Etwa 400 m westlich der Anlage fand Wolff fünf annähernd runde Hügel, die bei einem Durchmesser zwischen 10 und 20 Metern in dem dortigen Sumpfgebiet angelegt wurden. Sie sind heute noch teilweise auffindbar, einer wurde bei der Anlage eines neuzeitlichen Waldweges überbaut. Um die Hügel verlaufen Gräben, der Aushub des moorigen Boden wurde innen zu einem Hügel aufgeschichtet. Diverse Vertiefungen für Pfosten belegen, dass sich darauf Holzgebäude befanden. In diesen Gruben und den umlaufenden Gräben wurden nur sehr wenige Funde geborgen, wie im Falle der Altenburg auch. Wolff meinte, darin römische Terra Sigillata und La Tène-zeitliche Keramik zu erkennen. Er beschreibt die Hügel als „Wohnpodien“ und fügt hinzu Auch diese unwirtlichen Wohnstätten scheinen armseligem Volke in vorrömischer und vielleicht spätrömischer Zeit vorübergehend als Zufluchtssstätten gedient zu haben[9].

Datierung

Die Ergebnisse Wolffs müssen aus heutiger Sicht angezweifelt werden. Insbesondere für die angesprochene vorrömische Keramik verwundert die klare Datierung, weil die Verwechselungsgefahr mit späterer völkerwanderungszeitlicher Keramik besonders im Falle der einfachen Gebrauchskeramik groß ist und kaum vergleichbare Typologien existierten.

Die Analyse der Funde hat die Auseinandersetzung über die Datierung nicht einfacher gemacht; auch in der Pflasterung der Altenburg wurden römische Stücke (Terra Sigillata und Ziegel), sowie – wiederum von Wolff – La Tène-zeitliche Keramik gefunden. Demgegenüber stehen fränkische Keramik aus dem Burggraben und merowingerzeitliche Grabfunde aus dem Bereich des Kinzigheimer Hofs. Im Falle der La Tène-Keramik liegt nahe, dass es sich um eine Fehlinterpretation handelt[10]. Römerzeitliche Funde könnten weiterhin auch zufällig von einer der beiden nahe gelegenen Villae rusticae hierher gelangt sein. Eine Überprüfung des Sachverhalts wird kaum noch möglich sein, denn die von Ferdinand Kutsch im Katalog des Museums beschriebenen Fundstücke[11] sind, wie beinahe alle Vorkriegsfunde des Altkreises Hanau, im Zweiten Weltkrieg verbrannt. Für eine Deutung als Kastell würde die Lage nahe eines früheren Limesabschnitts sprechen, der bereits von Wolff vermutet, durch Neufunde zweier römischer Kleinkastelle in Hanau-Mittelbuchen bekannt geworden ist[12]. Doch scheint die Bauweise (Sohlgraben, steinernes Haus in der Nordwestecke) dem zu widersprechen.

Weiterhin verwies Wolff auf den Fund einer römischen Wasserleitung zwischen der Altenburg und dem Kinzigheimer Hof. Neufunde dieser Leitung beim Bau der Autobahn A 66 1980/81 wurden einer Thermolumineszenzanalyse unterzogen, was eine Datierung in das 16. oder 17. Jahrhundert ermöglichte[13]. Die Leitung beförderte wahrscheinlich Wasser von der Anhöhe bei Mittelbuchen in Richtung der Hanauer Altstadt.

Die Fundstücke beschreiben auch die verschiedenen diskutierten zeitlichen Einordnungen der Anlage: Befestigung der La-Tène-Zeit, Römisches Kastell, völkerwanderungszeitliche Fliehburg oder (früh-)mittelalterlicher Adelssitz. Die heutige Forschung tendiert mit aller Vorsicht zum früh- bis hochmittelalterlichen Ursprung[8]. Die Annahme einer Kontinuität von der Vorgeschichte bis in das Mittelalter, wie sie in der älteren Literatur angenommen wurde, ist nicht durch die wenigen und meist unzureichend stratifizierten Funde zu belegen. Genaueren Aufschluss könnten erst neue Grabungen erbringen, mit denen aber vorerst nicht zu rechnen ist.

Denkmalschutz

Das Burggelände und die Bodendenkmäler in der Umgebung sind Kulturdenkmäler nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz. Alle Nachforschungen, seien es Grabungen, Schürfungen, Wühlereien, auch gezielte Fundaufsammlungen und Veränderungen am Bestand sind genehmigungspflichtig. Zufallsfunde sind den Denkmalbehörden zu melden[14].

Siehe auch

Anmerkungen

  1. Worbs 1988 (siehe Literatur) S. 357 u. 360.
  2. So etwa ein Wigand von Kinsheim 1237 als Burgmann zu Hanau, Zimmermann 1919 (siehe Literatur), S. 80.
  3. Angaben nach Zimmermann S. 910.
  4. Die Beschreibung der Anlage folgt im Wesentlichen den Angaben bei Herrmann 1994 (siehe Literatur).
  5. a b c Wolff 1913, Seite 68
  6. a b Herrmann 1994, Seite 5.
  7. Zum Bautyp, Funktion und Datierung solcher Gebäude siehe Dieter Barz:Das „Feste Haus“ – ein früher Bautyp der Adelsburg. In: Burgen und Schlösser. Jg. 34, Nr. 1, 1993, Seite 10–24.
  8. a b Herrmann 1994, S. 7.
  9. Wolff 1913, S. 69.
  10. Jüngling 1988, S. 235, mit weiterer Literatur.
  11. Kutsch 1925, S. 9f.
  12. M. Reuter, Die römischen Kleinkastelle von Hanau-Mittelbuchen und der Verlauf des östlichen Wetteraulimes unter Domitian. In: E. Schallmayer (Hrsg.), Limes Imperii Romani. Beiträge zum Fachkolloquium „Weltkulturerbe Limes“ November 2001 in Lich-Arnsburg. Saalburg-Schriften 6, 2004 (Bad Homburg v.d.H. 2004), S. 97–106. Ebenso Internet-Quelle.
  13. Dietrich 1985.
  14. Herrmann 1994 S.1

Literatur

  • Reinhard Dietrich: Die Wasserleitungen am Kinzigheimer Hof und bei Marköbel. Hanauer Geschichtsblätter 29, 1985, S. 289-298.
  • Fritz-Rudolf Herrmann: Die Altenburg beim Kinzigheimer Hof. Führungsblatt zu der mittelalterlichen Wallanlage bei Hanau-Mittelbuchen, Main-Kinzig-Kreis. Archäologische Denkmäler in Hessen 114, Wiesbaden 1994. ISBN 3-89822-115-6
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage. Wartberg-Verlag. Gudensberg-Gleichen 2000. S. 392. ISBN 3-86134-228-6
  • Peter Jüngling, Zur Völkerwanderungszeit im Hanauer Raum. Hanauer Geschichtsblätter 29, 1985, S. 213ff.
  • Ferdinand Kutsch: Hanau. 1. Teil, Frankfurt a.M., 1923; 2. Teil, Frankfurt a.M. 1926 (Kataloge west- und süddeutscher Altertumssammlungen 5).
  • Georg Wolff: Ausgrabungen auf der „Burg“ am Kinzigheimer Hofe. Bericht der RGK 2, 1905 (1906), S. 80-82.
  • Georg Wolff: Die südliche Wetterau in vor- und frühgeschichtlicher Zeit mit einer archäologischen Fundkarte. Frankfurt a. M. 1913, S. 66-71.
  • Bert Worbs: Buchen–Dorfelden–Windecken. Frühe Burgen in der Grafschaft Hanau. Hanauer Geschichtsblätter 30, 1988, 347-404.
  • Ernst J. Zimmermann: Hanau Stadt und Land. Hanau 1919. 3. Auflage, ND 1978. ISBN 3-87627-243-2

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