Altengronau
Altengronau
Gemeinde Sinntal
Koordinaten: 50° 15′ N, 9° 37′ O50.2505555555569.6158333333333223Koordinaten: 50° 15′ 2″ N, 9° 36′ 57″ O
Höhe: 223 m ü. NN
Fläche: 11,87 km²
Einwohner: 1.346 (31. Dez. 2005)
Eingemeindung: 1972
Postleitzahl: 36391
Vorwahl: 06665

Altengronau ist ein Ortsteil der Gemeinde Sinntal, Main-Kinzig-Kreis, Bundesland Hessen, Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Altengronau befindet sich am nordöstlichen Rand des waldreichen Naturparks Spessart, sowie am südwestlichen Rand des Biosphärenreservates Rhön, bzw. der Brückenauer Kuppenrhön. Die Ortslage liegt am rechten Ufer unterhalb der Vereinigung der breiten Sinn und der schmalen Sinn. In Altengronau mündet die Gronau in die Sinn. Altengronau liegt an der hessisch-bayerischen Landesgrenze.

Nachbargemeinden

Gemeinde Neuengronau
Main-Kinzig-Kreis
Gemeinde Mottgers
Main-Kinzig-Kreis
Windrose klein.svg Markt Zeitlofs
Landkreis Bad Kissingen
Gemeinde Jossa
Main-Kinzig-Kreis
Markt Obersinn
Landkreis Main-Spessart

Geschichte

Ursprünge

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Altengronau in einer in lateinischer Sprache verfassten Urkunde, derzufolge ein gewisser Hainradus den Ort Gruona oberhalb des Flusses Gaza (heute: Jossa [1]) zu seinem Seelenheil dem Kloster Echternach vermachte; die Urkunde trägt als einziges Datierungsmerkmal das zehnte Königsjahr Karls des Großen.

Karl wurde im Jahre 771 zum Alleinherrscher des Fränkischen Reiches, nachdem sein Bruder Karlmann am 4. Dezember verstorben war. Gemäß der Ausführungen des luxemburgischen Historikers Henri-Camille Wampach zur Datierung der Echternacher Urkunden wurde die Schenkung des Hainradus auf das Jahr 780 datiert [2]. Dieses Datum ist heute als erstmalige urkundliche Erwähnung Altengronaus allgemein gebräuchlich.

Abweichend hiervon spricht sich die jüngere Forschung für eine Datierung von Karls Regierungsjahren als König bereits ab 768 aus. Nachdem Karls Vater Pippin am 24. September des Jahres 768 verstorben war, wählte eine Versammlung am 9. Oktober dessen Söhne Karl und Karlmann gemeinschaftlich zu Königen im Frankenreich; Karlmann regiert im südöstlichen Reichsteil, Karl den anderen Teil. Folgt man dieser Auslegung, so ist die Schenkungsurkunde des Hainradus und damit die erstmalige urkundliche Erwähnung Altengronaus auf die Jahre 777, bzw. 778 zu datieren [3].

Zeit des Heiligen Römischen Reiches

Am 19. März 907 kam der Ort Altengronau, er wird als locus bezeichnet, durch Gütertausch der Klöster Echternach und Fulda in den Besitz des Klosters Fulda [4] [5]; den Tausch vollzog der ostfränkische König Ludwig das Kind vor dem Reichstag zu Fürth (?)[6]. Altengronau wird damals beschrieben als Gronhaa in Salagowe (Gronau im Saalgau).

Die Geschicke des Ortes wurden im Zeitraum von ca. 1300 bis 1648 maßgeblich durch das alte fränkische Rittergeschlecht der Herren von Hutten bestimmt. Diese bildeten mit dem Gericht Altengronau einen eigenen Gerichtsbezirk, der sich auch auf zahlreiche benachbarte Ortschaften erstreckte.

Als Stammvater der Herren von Hutten zu Gronau gilt Ludwig von Hutten, der in einer am 21. Juni 1300 ausgestellten Urkunde erwähnt wird [7]. Es wird vermutet, dass Ludwig "das alte Haus" bewohnte - die erste Burganlage zu Altengronau, für deren Existenz keine archäologischen Befunde vorliegen, deren Standort jedoch im Wald auf dem Frauenberg vermutet wird. Die von Hutten errichteten in Altengronau insgesamt vier Burganlagen, von denen zwei bis heute erhalten sind.

Im Heiligen Römischen Reich ist die Geschichte Altengronaus durch häufige Wechsel der Eigentumsverhältnisse gekennzeichnet. So gehörte der Ort u.a. zur Herrschaft Hanau und wurde im Jahre 1376 durch Ulrich IV. von Hanau an Ludwig "den Älteren" von Hutten gegen ein Darlehen als Pfand gegeben [8]. Später gehörte Altengronau zur Grafschaft Hanau (folgend zur Grafschaft Hanau-Münzenberg) und wurde im Jahre 1478 durch Philipp I. von Hanau-Münzenberg an Lorenz von Hutten zum Lehen gegeben [9]. Den Grafen von Hanau gelang es jedoch nicht, Altengronau im Rahmen der Territorialisierung ihrer Grafschaft fest in diese einzubinden. Der Einfluss der Herren von Hutten und anderer Adelshäuser wie der von Thüngen blieb hier immer massiv präsent.

Im Jahre 1648 wurden die im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Besitzungen der Herren von Hutten zu Gronau durch Philipp Daniel von Hutten an Amalie Elisabeth von Hanau-Münzenberg, Landgräfin von Hessen-Kassel, verkauft [10] – unter Vorbehalt seiner weiteren Zugehörigkeit zur reichsritterlichen Matrikel. Damit endete die seit dem 13. Jahrhundert währende Herrschaft der Herren von Hutten in Altengronau.

Der Hauptstamm der Herren von Hutten zu Gronau ist mit dem Ableben von Johann Hartmann am 17. Januar 1704 in Sannerz erloschen.

Spätere Territorialentwicklung

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., erbten die Landgrafen von Hessen-Kassel die gesamte Grafschaft Hanau-Münzenberg. Altengronau gehörte so später zum Kurfürstentum Hessen, sowie in napoleonischer Zeit vorübergehend zum Großherzogtum Frankfurt (1810 bis 1813). Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, gehörte Altengronau zum Landkreis Schlüchtern und dem Justizamt Schwarzenfels. Die ehemals selbstständige Gemeinde kam durch die Hessische Gebietsreform am 1. Juli 1974 zum Main-Kinzig-Kreis und wurde ein Ortsteil von Sinntal.

Namensentwicklung

Als historische Namensformen sind überliefert:

  • Gronhaa (907)
  • Grunaha (1166)
  • Grunau (1346)
  • Alten Gronaw (1358)
  • Burggronau

Einwohnerentwicklung

  • Vor 1618: 35 Haushaltungen
  • 1747: 50 Haushaltungen
  • 1895: 891 Einwohner
  • 1939: 1037
  • 1961: 1268
  • 1970: 1711

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

  • Christi-Himmelfahrt-Kirche (evangelisch)
Die Existenz einer Kirche in Altengronau ist für das Jahr 1167 erstmals historisch belegt. Um 1500 erfolgte ein Kirchenneubau durch Friedrich von Hutten, dem die bis dahin vorhandene huttische Kapelle weichen musste. Cyriax Eitel von Hutten soll im Jahre 1579 das in der heutigen Kirche stehende und genealogisch beachtenswerte Taufbecken aus Sandstein gestiftet haben. Die Grafschaft Hanau-Münzenberg wurde im 16. evangelisch und 1593 unter Graf Philipp Ludwig II. explizit reformiert. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Kirche in Schutt und Asche gelegt; Einheimische und andere Spender ermöglichten den Wiederaufbau ab 1668. 1727 wurde die Kirche vergrößert. Einen neuen Turm bekam sie im Jahre 1800. 1904 wurde das Kirchenschiff abgerissen, um einem vergrößerten Neubau zu weichen, wie er heute noch in Altengronau zu bewundern ist. Die Kirche beinhaltet die Grablegen der beiden Stifter der nach Ihnen benannten Linien der Hutten zu Gronau, nämlich Alexander von Hutten und Sebastian von Hutten. Neben weiteren huttischen Grabsteinen an der Außenwand der Kirche beherbergt die Kirche das Grabmal von Sebastians Schwiegertochter Margareta Amalia von Berlichingen, welches die enge Verbindung zum Adelsgeschlecht der Herren von Berlichingen bekundet, zu deren bekanntestem Vertreter Götz von Berlichingen durch Goethes gleichnamiges Schauspiel wurde. Die Christi-Himmelfahrt-Kirche gehörte zur Pfarrei Ramholz, später zu Neuengronau, zuletzt als Filialkirche.
  • Alte Brücke und Zollhaus
Für das Passieren der malerischen alten Brücke über die Sinn, die in ihrer heutigen Form im Jahre 1753 errichtet wurde und das Wappen der Landgrafen von Hessen-Kassel trägt, musste im 18. Jahrhundert ein Brückengeld entrichtet werden; aus dieser Zeit stammt auch das an der Hauptstraße gelegene Zollhaus.
  • Spiegelglashütte
In den Jahren 1765 bis 1791 befand sich in Altengronau eine Spiegelglashütte (als Nebenbetrieb des durch die hessischen Landgrafen erbauten Blaufarbenwerkes Schwarzenfels in Mottgers). Die im Sinntal hergestellten Spiegel waren bedeutend und wurden auch in das benachbarte Ausland exportiert. Das Haus des Verwalters der Altengronauer Glashütte ist bis heute erhalten geblieben; das ca. 30 Meter lange Werksgebäude ist dagegen verschwunden.
  • Mühlen
Innerhalb des Ortes befanden sich im südöstlichen Bereich an einem von der Sinn abzweigenden Betriebsgraben zwei Mühlen: Die sogenannte Mühle Altengronau, eine Getreide-, Säge- und Ölmühle (1975 stillgelegt), sowie eine Papiermühle, die später durch den heute ebenfalls stillgelegten Steinverarbeitungsbetrieb Gerhäuser Marmorwerke weitergenutzt wurde.

Naturdenkmäler

Außerhalb der Ortslage Altengronau finden sich die nachstehenden Naturschutzgebiete, die aufgrund der hier anzutreffenden Arten von überregionaler Bedeutung sind:

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Fastnachtsumzug (abwechselnd im Zwei-Jahres-Rhythmus mit der Nachbargemeinde Zeitlofs)
  • Hoch-Tief Beachparty (jährlich)
  • Schachblumenfest des Landfrauenvereins Altengronau (jährlich zwischen der zweiten April- und ersten Maihälfte)
  • Zeltkirmes (jährlich am Wochenende des ersten Sonntags im September)

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Vereine und Gruppierungen

  • Alegrüner Fosenöchter e. V.
  • ARGE Altengronauer Vereine
  • Förderverein Ev. Kirche Altengronau
  • Fußballverein Viktoria 1928/73 e. V.
  • Hoch-Tief
  • Kirchenchor
  • Landfrauenverein Altengronau
  • Männerchor Sangeslust
  • Modellflug Gronautal
  • Oldtimer- und Schlepperfreunde
  • Quärchstiefel e. V.
  • Schützenverein Altengronau 1924
  • Turn- und Sportverein 1911 e. V.
  • Verkehrs- und Heimatverein e. V. Altengronau

Tourismus

  • Die Sehenswürdigkeiten von Altengronau erschließen sich dem interessierten Besucher besonders anschaulich, wenn er den Stationen des ca. 5 km langen Kulturweges "Im Lande der Ritter von Hutten" folgt, welcher durch das Archäologische Spessartprojekt (ASP) ins Leben gerufen wurde.
  • Altengronau ist Station der folgenden, landschaftlich reizvollen Radwanderwege:

Persönlichkeiten

Einzelnachweise

  1. Hans Elm (Hrsg.): Chronik und Festschrift zur 1200-Jahr-Feier der bis 1970 selbständigen Gemeinde Altengronau 780 bis 1980, Schneider-Druck, Zeitlofs 1980 Seite 19
  2. Camillus Wampach: Geschichte der Grundherrschaft Echternach im Frühmittelalter: Untersuchungen über die Person des Gründers, über die Kloster- und Wirtschaftsgeschichte auf Grund des liber aureus Epternacensis (698-1222) Luxemburger Kunstdruckerei, 1929 Nr. 82
  3. Heinrich Wagner: Zur Gründung der Klöster Weißenburg und Echternach und ihrem Wirken in Mainfranken. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 55 (2003) S. 103-146, hier S. 143
  4. Hessisches Staatsarchiv Marburg: Urkunde vom 19. März 907
  5. Heinrich Reimer: Hessisches Urkundenbuch. Abt. 2, Urkundenbuch zur Geschichte der Herren von Hanau und der ehemaligen Provinz Hanau. Bd. 1 (767-1300) Publikationen aus den königlich-preußischen Staatsarchiven, Hirzel, Leipzig 1891 Nr. 37.
    Theodor Schieffer (Hrsg.): Diplomata 11: Die Urkunden Zwentibolds und Ludwigs des Kindes (Zwentiboldi et Ludowici Infantis Diplomata). Berlin 1960, S. 178–179 (Monumenta Germaniae Historica; Digitalisat)
  6. siehe auch Geschichte der Stadt Fürth
  7. Hoffmann, Hermann (Bearb.): Das älteste Lehenbuch des Hochstifts Würzburg 1303-1345, Würzburg 1972, Nr. 375)
  8. Georg-Wilhelm Hanna: Ministerialität, Macht und Mediatisierung. Die Ritteradligen von Hutten, ihre soziale Stellung in Kirche und Staat bis zum Ende des Alten Reiches = Hanauer Geschichtsblätter 44. Hanau, 2007. ISBN 3-935395-08-6 = Diss. Bamberg 2006, Seite 319 auf dem OPUS-Server, pdf 7.024 kb
  9. StA Marburg, Z 17, Nr. 8898/3: 48
  10. Ledderhose, Konrad Wilhelm: Beyträge zur Beschreibung des Kirchen-Staats der Hessen-Casselischen Lande, Kassel 1780, Seite 468

Literatur

  • Hans Elm (Hrsg.): Chronik und Festschrift zur 1200-Jahr-Feier der bis 1970 selbständigen Gemeinde Altengronau 780 bis 1980, Schneider-Druck, Zeitlofs 1980.
  • G. Landau: Historisch-topographische Beschreibung der wüsten Ortschaften im Kurfürstentum Hessen... = Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, 7. Supplement. Kassel 1858, S. 633-634.
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 14, 1926 S. 184 (mit Amt und Gericht).
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen: 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Aufl. Wartberg-Verlag. Gudensberg-Gleichen 2000. ISBN 3-86134-228-6, S. 366.
  • Willi Klein: Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis = Hanauer Geschichtsblätter 40. Hanau 2003, S. 415-418.

Weblinks


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