Alter Bahnhof Lette
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Lette

Der Bahnhof Lette ist ein Gebäude der Eisenbahn im Coesfelder Ortsteil Lette, das seit der Rückstufung des Bahnhofs zum Haltepunkt 1990 in ein ehrenamtlich betriebenes Museum umgewandelt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Bürger von Lette haben sich einst sehr für eine Bahnstation in ihrem Ort eingesetzt. Die Dortmund-Gronau-Enscheder Eisenbahn-Gesellschaft begann 1874 nach langwieriger Projektierung mit dem Bau einer Bahnstrecke von Dortmund über Gronau nach Enschede. Die Strecke sollte am Ende ca. 7 Mio. Taler kosten. Das Teilstück Dülmen-Ost über Lette nach Coesfeld wurde am 1. August 1875 fertig gestellt. Die 95,68 km lange Gesamtstrecke war dann ab 30. September 1875 befahrbar. Für den Bahnbau mussten in Lette Reste eines alten Schlosses weichen. Zunächst war nur ein Bahnwärterhaus in Lette vorgesehen. Dann wären die Züge an Lette vorbeigefahren. Um doch noch in den Genuss einer Haltestelle zu kommen, zahlte die Gemeinde Lette 1.000 Taler und stellte zudem Gelände für den Bahnhof und die Gleisanlagen unentgeltlich zur Verfügung.

Das Empfangsgebäude

Das Empfangsgebäude von Lette wurde im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts aus Backstein im Rundbogenstil als zweiachsiges, giebelständiges Bauwerk unter flach geneigtem Satteldach errichtet. Der Stellwerksraum und Güterabfertigung wurden nach der Jahrhundertwende angebaut. Zunächst war Lette nur eine kleine Haltestelle im bäuerlichen Westmünsterland, hatte dafür aber bereits eine eigene Bahnhofsgaststätte. Diese wurde allerdings bei der Übernahme durch die Preußische Staatseisenbahn wieder geschlossen.

Die Anlagen des Bahnhofs

Die Güterabfertigung des Bahnhofes Lette mit dem musealen Teil eines Schienenbusses

Die Dortmund-Gronau-Enscheder Eisenbahn-Gesellschaft ging am 1. Januar 1903 in das Eigentum der Preußischen Staatsbahn über. Um 1907 wurde die Haltestelle zum Bahnhof aufgewertet und bekam ein zweites Gleis für Zugkreuzungen, erweiterte Signalanlagen sowie ein Ladegleis. Zu jener Zeit war in Lette sogar eine eigene Rotte für die Unterhaltung der Bahnanlagen stationiert. Die Eisenbahn war nicht nur als Verkehrs-, sondern auch als Dienstleistungsunternehmen zu einem wesentlichen Sozial- und Wirtschaftsfaktor des kleinen Ortes geworden. Die Station Lette war von 1908 bis 1959 ein selbständiger Bahnhof mit eigenem Vorsteher, dann wurde sie dem Bahnhof Coesfeld untergeordnet. Das letzte Personal wurde am 23. Oktober 1990 abgezogen, seitdem ist Lette nur noch ein unbesetzter Haltepunkt.

Der Betrieb auf dem Bahnhof in Vergangenheit und Gegenwart

Der erste Fahrplan vom 1. August 1875 wies täglich drei Zugpaare auf. Die Bahnstrecke diente zunächst dem Personenverkehr, der schnellen Beförderung von Arbeitern in das Ruhrgebiet, vor allem nach Dortmund, dann natürlich auch dem langsameren Güterverkehr.

Im Ersten Weltkrieg war der Bahnhof Durchfahrtsstation für Fronttruppen und Versorgungsgüter des kaiserlichen Heeres, dann Ziel von zurückkehrenden Verwundeten und entlassenen Soldaten. Die Reichsbahndirektion Münster bot in der Friedenszeit bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 8 Zugpaare im Personenverkehr mit 2. und 3. Klasse an.

Der Zweite Weltkrieg forderte auch in Lette seine Opfer durch Luftangriffe. Nach der Beseitigung der Kriegsschäden (der Bahnhof zeigt heute noch deutliche Beschussspuren) und Streckenunterbrechungen konnte der Betrieb im Frühjahr 1945 wiederaufgenommen werden. Um die Zeit der Ablösung der Reichsbahn durch die Deutsche Bundesbahn 1949 wurden in beiden Richtungen 15 Personenzüge angeboten.

Bis heute konnte die Stillegungsgefahr von dieser Strecke abgewendet werden. Mitte der fünfziger Jahre beförderte die Bahn noch den Großteil der Güter. So leistete sie ihren wichtigen Beitrag zum Leben auf dem Lande. Seit Juni 1993 gelangen keine Güter mehr als Wagenladung über die Schiene nach Lette. Unter Regie der DB fuhren bis zum 11. Dezember 2004 16 Zugpaare im einprägsamen Stundentakt im Personennahverkehr zwischen Dortmund-Coesfeld-Gronau-Enschede. Bei unverändertem Fahrplan werden die Fahrten nun von der Prignitzer Eisenbahn durchgeführt. Seit der Auflösung der Bundesbahndirektion Münster 1975 gehört der Bahnhof Lette zur BD Essen.

Die Triebfahrzeuge und Sicherheitsmaßnahmen

Der Schrankenposten 43 in der Nähe des Bahnhofs

Während Anfang der sechziger Jahre noch die Dampflokbaureihen 24, 38.10 (preußische P8), 50 und 78 (preußische T18) im Personen- und Güterzugverkehr dominierten, wurde die Strecke Dortmund–Coesfeld Mitte der 60er Jahre ganz von den Dieselloks und Dieseltriebwagen sowie den Akkumulatorentriebwagen übernommen. Die DB setzte zuletzt nur noch die älteren Dieseltriebwagen der Baureihe 624/924 und die moderneren, jedoch weniger Platz bietenden Baureihe 628/928 und Talent-Triebwagen ein. Letztere werden von Prignitzer Eisenbahn ausschließlich zum Einsatz gebracht.

Die Eisenbahn brachte nicht nur Fortschritt, sondern auch Unfallgefahren mit sich. So wurde nicht nur Vieh von den Zügen erfasst, sondern auch Menschen erlitten Verletzungen oder gar den Tod. Um Kollisionen mit dem wachsenden Verkehr auf schienengleichen Überwegen zu vermeiden, mussten Schranken und Wärterhäuschen eingerichtet werden.

Das Eisenbahnmuseum

Die DB hatte bereits dem Abriss des Bahnhofsgebäudes zugestimmt. Damit wäre eines der letzten noch erhaltenen historischen Gebäude des Dorfes und ein Musterbeispiel westfälischer Eisenbahnarchitektur unwiederbringlich verloren gewesen. Ein am 22. Mai 1990 gegründeter Verein von Eisenbahnenthusiasten nahm sich jedoch der Anlagen des Bahnhofs Lette an. Durch großen Einsatz konnte dem Bahnhof mitsamt den technischen Innen- und Außenanlagen und dem in seiner Bauweise einzigartigen Fachwerk-Schrankenposten 43 am 28. Januar 1991 der Denkmal-Status verliehen werden. Das hat die DB AG leider nicht daran gehindert, im November 2000 einen Teil der Gleisanlagen zu entfernen.

In den Räumen des Eisenbahn-Museums finden wechselnde Ausstellungen statt, die neue und alte Aspekte der Bahngeschichte wie auch aktuelle Verkehrsthemen beleuchten. Weiterer Schwerpunkt ist das Leben der Eisenbahner auf einem kleinen Bahnhof wie in Lette.

Die Räume des Museums

Im ehemaligen Empfangsgebäude des Bahnhofs wird in einer Dauerausstellung die original erhaltene Einrichtung gezeigt. Eine Besonderheit stellt die vollständig erhaltene Hebelbank des Stellwerkes mit Blockkasten dar, in ihrer Erhaltung bereits eine kleine Rarität im Münsterland. Sie ist noch voll funktionstüchtig, so dass ein vorbildgerechter Betriebsablauf im Stellwerk demonstriert werden kann. Die Räumlichkeiten sind ausgestattet mit vielen Arbeitsutensilien des täglichen Bedarfs der Eisenbahner. Aus dem originalen Fahrkartenschrank werden heute die Eintrittskarten für das Museum verkauft. In der Mitte des Dienstraumes werden bei Bedarf Stellwände zur Präsentation von Plakaten, Fotos und dergleichen mehr errichtet zur Ergänzung der Ausstellungen im ehemaligen Warteraum.

Die wachsende Sammlung des Museums umfasst Modelle, Eisenbahnschilder, Fotos, Originalakten und Pläne des Bahnhofs Lette, Signallaternen, Schaffnerzangen, Uniformstücke, Dienstmützen, historische Plakate, Lokomotivteile, Werkzeuge und vieles mehr.

Der Außenbereich und der Museumgarten

Das ausgegrabene Rad einer Dampflokomotive

Zu den Besonderheiten gehört ein seltenes Fundstück: Bei Kanalisierungsarbeiten im Coesfelder Gewerbegebiet kam am 7. Januar 1992 unerwartet ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg wieder ans Licht, ein Dampflokkuppelrad. Die 14 Speichen und der Durchmesser von 1,40 Meter lassen darauf schließen, daß es von einer preußischen G 10 (DR/DB-Baureihe 57.10-40), einer fünfachsigen Zweizylinder-Güterzuglok, abgesprengt wurde. Es wurde im Museumsgarten aufgestellt zusammen mit 1998 aus Bombenkratern im Coesfelder Rangierbahnhof geborgenen Radsätzen und Resten eines russischen Güterwagens als umgespurte Kriegsbeute sowie einem französischen Speichenradsatz der Chemin de Fer de l'Est. Hinzu kommen die dem Verein gestifteten Schornsteine der Dampflokomotiven P8 (38 3553) und G8 (55 4647).

Coesfelder Eisenbahner-Pensionäre errichteten das Ehrenmal für die Opfer beider Weltkriege neu. Am 21. Mai 2000 wurde die Ehrenurkunde mit Namen und Daten von 122 gefallenen Eisenbahnern darin eingemauert.

Die erhaltenen großen Haupt- und Vorsignale wurden im Museumsgarten aufgebaut, die unsere Besucher vom Stellwerksraum aus bedienen können. Im Bahnhofskeller wird eine große Märklin-Modellbahnanlage im Maßstab HO vorgeführt. Sie zeigt einen Abzweigbahnhof an einer zweigleisigen Strecke mit Bw in einer Vorgebirgslandschaft. Vom Bahnhof aus führt eine Schmalspurbahn zu einem höhergelegenen Steinbruch. Über ein Schienenwendel wird der Schattenbahnhof unter der Hauptplatte erreicht.

Nur ein einziger der vier Letteraner Schrankenposten ist als Posten 43 vom Abriss verschont geblieben und dient als Beispiel für die in Westfalen selten gewordene Anlage einer ehemals typischen mechanischen Schrankenanlage mit äußerem Kurbelgehäuse. Der im Museumsgarten originalgetreu neu errichtete Fachwerkbau legt Zeugnis ab für die verkehrsgeschichtliche Entwicklung der Eisenbahn-Sicherungsanlagen und für die Arbeitsbedingungen der Eisenbahner verschiedener Epochen. Hinzu kommen einige Masten für Telegraphenleitungen und ein kleines Fernsprechhäuschen.

In weiteren Kellerräumen entsteht das große Vereinsarchiv mit Originalunterlagen, Dienstvorschriften, Plänen etc. Neben dem Schienenbusbeiwagen VB 142 526 (995 526-1, erbaut 1955, von der Almetal-Bahn erworben und am 25. Oktober 1993 nach Lette transportiert) dienen ein historischer G10 als Werkstattwagen (umgebaut als Bauzugwagen der ehemaligen Fahrleitungsmeisterei Krefeld, am 20. November 1998 aus Bocholt nach Lette transportiert) und ein weiterer Güterwagen zur Aufbewahrung von Sammlungsstücken, ein Gms-Güterwagen steht dem Fahrradverleih des Heimatvereins Lette zur Verfügung. Ein Kleinlokschuppen vor dem Bahnhof bietet dem originellen Schienenfahrrad Schutz. Dank eines großzügigen Sponsors wurde 2004 die Güterabfertigung komplett restauriert, mit Küche und Sanitäreinrichtungen versehen und in einen stilvollen Begegnungs- und Ausstellungsraum umgewandelt. Der Bahnhofsvorplatz wurde im August-September 1998 neu gepflastert; ein Coesfelder Ratsmitglied stiftete eine Silberlinde für dessen Mittelpunkt. Im Zuge der Pflasterungsarbeiten wurde der Museumsgarten angelegt und bepflanzt.

Das Museumskonzept

Wechselnde Ausstellungen im Bahnhof zeigen immer neue Einblicke in die Eisenbahngeschichte:

  • „Querschnitt durch die Eisenbahngeschichte“,
  • „Faszination: Kinder und die Eisenbahn“,
  • „Vom Glück des Reisens mit der Eisenbahn“,
  • „Krieg auf Schienen. Die Eisenbahn als Handlanger und als Opfer im Kriege“,
  • „Es werde Licht! – Die Eisenbahn im Kampf gegen das Dunkel“,
  • „Coesfeld – seine Eisenbahnen und seine Eisenbahner“,
  • „Züge, die nie ankamen...- Unfälle und Unfallverhütung bei der Eisenbahn“,
  • „Der Fahrplan – Geschichtliches und Interessantes über Fahrpläne und Kursbücher der Deutschen Bahnen 1835–1998“,
  • „Züge ziehen an – Große Uniformmodenschau am Bahnhof“,
  • „Als den Zigarettenschachteln noch Bildchen beilagen... Die Eisenbahn auf Sammelbildern“,
  • „Aus dem Mutterland der Eisenbahn: Englische Lokomotivmodelle“,
  • „Die Eisenbahn im Kinder- und Jugendbuch – Henriette Bimmelbahn, Thomas die Tenderlok und ihre Gefährten“,
  • „Kuriositäten rund um die Eisenbahn“,
  • „Die Welt der Modellbahn“,
  • „Gezähnte Schätze – Die Eisenbahn auf Briefmarken und Motivstempeln“
  • „Bella Figura“ : Miniaturmenschen und –tiere rund um die Modellbahn

Weblinks

51.89257.18694444444447Koordinaten: 51° 54′ N, 7° 11′ O


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