2. Burenkrieg
Zweiter Burenkrieg
Burische "Commando"-Kämpfer
Burische "Commando"-Kämpfer
Datum 18991902
Ort Südafrika
Ausgang britischer Sieg
Friedensschluss Frieden von Vereeniging
Konfliktparteien
    

  
British Empire
  
Oranje Freistaat, Südafrikanische Republik
Befehlshaber
Frederick Roberts, später Lord Kitchener Christiaan De Wet, Paul Kruger
Verluste
militärisch:22,000
6,500
Zivilisten (meist Buren): >26,000
Paulus „Ohm“ Kruger
Cecil Rhodes
Buren in einem Schützengraben vor der Stadt Mafikeng um 1899

Der Zweite Burenkrieg (auch Südafrikanischer Krieg) von 1899–1902 war ein Konflikt zwischen Großbritannien und den Burenrepubliken Oranje-Freistaat und Südafrikanische Republik (Transvaal), der mit deren Eingliederung in das Britische Empire endete. Ursachen waren einerseits das Streben Großbritanniens nach den Bodenschätzen der Region und nach einem territorial geschlossenen Kolonialreich in Afrika und andererseits die uitlander-feindliche Gesetzgebung der Burenrepubliken.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Nach der Abtretung der bis dahin niederländischen Kapkolonie an Großbritannien 1806 gerieten die dort lebenden Buren zunehmend in die Minderheit. Um ihre Identität zu wahren, durch die Aufhebung der Sklaverei 1836 ihrer ökonomischen Grundlage beraubt und um sich nicht den britischen Gesetzen beugen zu müssen, wichen 6.000 bis 10.000 Buren im sogenannten Großen Treck von 1836–1844 ins Hinterland aus. Nördlich des Oranje-Flusses gründeten sie 1842 den Oranje Freistaat mit der Hauptstadt Bloemfontein und 1853 nördlich des Vaal die Südafrikanische Republik (Transvaal) mit der Hauptstadt Pretoria.

Von ihrer Gründung an standen die beiden Burenrepubliken dem britischen Expansionsstreben im Wege. Die 1877 erfolgte Annexion der Südafrikanischen Republik durch Großbritannien löste bereits 1880/81 den ersten Burenkrieg aus, in dem die Südafrikanische Republik ihre Unabhängigkeit zurückerlangte.

Auslösende Faktoren

Gold, Diamanten und Uitlanders

Das wichtigste auslösende Moment für den Burenkrieg war die Entdeckung der ertragreichen Diamant- und Gold-Vorkommen 1869 in Kimberley und 1886 in Witwatersrand (Johannesburg) auf dem Gebiet der Burenrepubliken. Die Aussicht auf schnellen Reichtum lockte Tausende von Goldgräbern aus aller Herren Länder an, vor allem natürlich aus den benachbarten britischen Kolonien, der Kapkolonie und Natal. Die Buren sahen sich erneut in ihrer Eigenart bedroht. Unter dem anti-britisch gesinnten Präsidenten von Transvaal, Paulus „Ohm“ Kruger (1825-1904) verweigerten sie den so genannten „Uitlanders“ (niederländisch für Ausländer), die zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Drittel der Bevölkerung stellten, die politische und rechtliche Gleichstellung.

Rhodes und der Kap-Kairo-Plan

Krugers Politik lieferte Großbritannien den Vorwand, sich zum Anwalt der Ausländer in den Burenrepubliken zu machen und erneut gegen deren Unabhängigkeit vorzugehen. Das eigentliche Interesse der britischen Politik galt der Kontrolle der Bodenschätze und der Verwirklichung des so genannten Kap-Kairo-Plans, der ein geschlossenes britisches Kolonialreich von Ägypten bis Südafrika vorsah.

Einer der Protagonisten dieses Plans war der imperialistische Politiker Cecil Rhodes, ein im Diamantengeschäft reich gewordener Unternehmer, der seit 1881 als Abgeordneter im Parlament der Kapkolonie saß. Um die Burenrepubliken einzukreisen, hatte er 1885 die Inbesitznahme von Betschuanaland, dem heutigen Botswana, und 1889 die des späteren – nach ihm benannten – Rhodesien (heute Sambia und Simbabwe) durch die Briten betrieben.

Der Jameson-Raid

Seit 1890 war Rhodes Premierminister der Kapkolonie und setzte seine Einkreisungspolitik fort. 1895 unterstützte er den so genannten Jameson-Raid, einen bewaffneten Überfall unter Führung des Briten Leander Starr Jameson, durch den Präsident Kruger gestürzt werden sollte. Der Regierung der Südafrikanischen Republik gelang es aber, diesen Plan zu vereiteln.

Die erfolgreiche Abwehr dieses Anschlags veranlasste Kaiser Wilhelm II. zu einem Glückwunschtelegramm an Ohm Kruger. Die so genannte Krüger-Depesche löste wiederum in England eine Welle anti-deutscher Empörung aus.

Während der Jameson Raid in den Burenrepubliken die Kriegsbereitschaft weckte, sahen sich die Briten 1897 durch das militärische Bündnis zwischen dem Oranje Freistaat und Transvaal provoziert.

Ultimaten

Die andauernde Benachteiligung (britischer) Uitlanders diente als Begründung zur militärischen Aufrüstung in der Kapprovinz, um so mehr, da führende Kolonialpolitiker wie der Gouverneur der Kapprovinz Alfred Milner und der britische Kolonialminister Joseph Chamberlain die Annexion der Burenrepubliken bereits ins Auge gefasst hatten. Überzeugt von einem schnellen Sieg über die Buren, trieben sie die Kriegsvorbereitungen voran.

Der Präsident des Oranje Freistaates lud Milner und Kruger zu einer Konferenz ein, die ab dem 30. Mai 1899 in Bloemfontein stattfand. Sie wurde bald ergebnislos abgebrochen. Im September 1899 stellte Chamberlain Kruger ein Ultimatum, in dem er volle Gleichberechtigung für alle britischen Einwohner des Transvaals forderte.

Kruger stellte, von der Unvermeidbarkeit des Kriegsausbruches überzeugt, ein Gegenultimatum. Es forderte die Briten auf, innerhalb 48 Stunden alle Truppen von der Grenze Transvaals zurückzuziehen; andernfalls würden Transvaal und der Oranje Freistaat den Krieg erklären.

Der Kriegsverlauf

Nach Ablauf des Kruger-Ultimatums brachen am 12. Oktober 1899 die Kampfhandlungen aus.
Die Burenarmeen zählten bis zu 85.000 Mann, darunter auch einige Offiziere der deutschen
kaiserlichen Armee
, die sich freiwillig anschlossen. Sie waren gut bewaffnet und konnten sich zudem im eigenen Land frei bewegen und verpflegen. Davon standen selten mehr als 40.000 Mann gleichzeitig im Feld. Ihnen standen anfangs nur etwa 10.000 britische Soldaten gegenüber. Die Kämpfe verliefen für die Buren daher zunächst äußerst günstig.

Erste Erfolge der Buren

Unter den Generälen Jan Christiaan Smuts, Louis Botha und James Barry Munnick Hertzog marschierten die Buren in die Kapkolonie und Natal ein und belagerten die britischen Garnisonen Ladysmith, Kimberley und Mafikeng. Der britische Oberbefehlshaber, General Redvers Buller, scheiterte zunächst bei dem Versuch, den Fluss Tugela zu überschreiten, um die belagerten Städte zu entsetzen. Im Dezember 1899 und im Januar 1900 musste er zudem in den Schlachten von Magersfontein, Colenso, Stormberg und Spion Kop vier katastrophale Niederlagen innerhalb von sechs Wochen hinnehmen.

Wende zugunsten der Briten

Das Blatt wendete sich für die Briten erst, als Buller Anfang des Jahres 1900 von Feldmarschall Frederick Sleigh Roberts und dessen Stabschef General Horatio Herbert Kitchener abgelöst wurde und 60.000 Mann Verstärkung in Südafrika eintrafen. Die belagerten Städte wurden freigekämpft, und die Buren bei Paardeberg, Diamond Hill und Belfast geschlagen. Am 13. März fiel die Hauptstadt des Oranje-Freistaates, Bloemfontein, am 5. Juni die Hauptstadt Transvaals, Pretoria. Präsident Kruger floh daraufhin nach Europa. Der Krieg schien für Großbritannien gewonnen zu sein; Roberts kehrte nach England zurück und überließ Kitchener den Oberbefehl.

Guerillakrieg und Verbrannte Erde

Nun aber änderten die Buren ihre Taktik und gingen zu einem für die Briten äußerst verlustreichen Guerilla-Krieg über. Unter ihrem Anführer, General Christiaan De Wet kämpften sie noch volle zwei Jahre lang weiter. In kleinen Trupps führten sie Überraschungsangriffe – zumeist auf die Nachrichtenverbindungen, Nachschub- und Verkehrswege der Briten – durch, um sich dann rasch zurückzuziehen.

Bei einem dieser Überfälle auf einen gepanzerten Zug wurde Winston Churchill, der als britischer Kriegsberichterstatter für die Morning Post auf den Schauplätzen unterwegs war, gefangen genommen. Aus dem Kriegsgefangenenlager in Pretoria gelang ihm eine abenteuerliche Flucht zur über 500 Kilometer entfernten portugiesischen Delago Bay. Seine Kriegsberichte und das Buch über diese Flucht machten ihn in England als Kriegsheld populär, so dass er 1901 ins britische Unterhaus gewählt wurde.

Da ein so operierender Gegner auf konventionelle Weise kaum zu fassen war, wandte Kitchener eine Strategie der „verbrannten Erde“ an: Die Farmen in den Guerillagebieten wurden zerstört und die Ernten vernichtet, um den Gegner auszuhungern. Rund 120.000 Farmbewohner, vor allem Frauen und Kinder, wurden in Konzentrationslagern interniert. Davon starben über 26.000 aufgrund katastrophaler Lebensbedingungen an Hunger und Krankheiten. Der Begriff Konzentrationslager ("Concentration Camp") wurde zum ersten Mal in diesem Krieg verwendet.

Burische Frauen und Kinder in einem britischen Konzentrationslager während des zweiten Burenkriegs
General Louis Botha um 1900

Darüber hinaus schränkte Kitchener die Bewegungsfreiheit der burischen Guerilla immer weiter ein. Dazu legte er zunächst entlang der Bahnlinien und schließlich über das ganze Land ein System von Blockhäusern an, die mit kleinen Garnisonen belegt waren. Die Briten hatten mittlerweile ihre auffälligen Rotröcke gegen der Umgebung besser angepasste Khaki-Uniformen ausgewechselt.

Zum Zeitpunkt des Friedensschlusses standen 250.000 (von insgesamt 450.000 eingesetzten) britischen Soldaten ca. 30.000 Kämpfer auf Seiten der Buren gegenüber.

Friedensschluss

Am 31. Mai 1902 wurde der Burenkrieg mit dem Frieden von Vereeniging beendet. Der Vertrag sah die Eingliederung der beiden Burenrepubliken in das Britische Empire vor, gewährte den Buren aber ansonsten großzügige Friedensbedingungen: Sie erhielten alle Rechte britischer Staatsbürger und Afrikaans wurde als Amtssprache anerkannt.

Versöhnung nach dem Krieg

Trotz der mit äußerster Grausamkeit geführten Kämpfe gelang die Versöhnung zwischen Briten und Buren relativ rasch. Bereits 1907 wurden dem Oranje-Freistaat und Transvaal Selbstverwaltung und eigene Regierungen zugestanden. 1910 bildeten sie mit der Kapkolonie und Natal die Südafrikanische Union. Diese erhielt den Status eines Dominion innerhalb des Britischen Empire, war von da an also de facto ein souveräner Staat. Alle drei Generale der geschlagenen Burenarmee, Botha, Smuts und Hertzog, dienten der Union nacheinander als Premierminister.

Dennoch fanden sich nicht alle Buren mit der Situation ab: So versuchte der ehemalige Guerillaführer De Wet während des Ersten Weltkrieges einen pro-deutschen Aufstand auszulösen, der aber auf Grund der zahlenmäßigen Schwäche der deutschen Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika keine Aussicht auf Erfolg hatte.

Siehe auch

Literatur

  • Winston Churchill: The Boer War. London 1989, ISBN 0-85052-261-7 (engl.).
  • Heinrich Jaenecke: Die weißen Herren. 300 Jahre Krieg und Gewalt in Südafrika. 5. Auflage. Hamburg 1986, ISBN 3-570-03210-8.
  • Johannes Meintjes: Der Burenkrieg 1899-1902. München 1979, ISBN 3-85339-158-3.
  • Thomas Pakenham: The Boer War. London 1979.
  • Ian R. Smith: The Origins of the South African War 1899-1902. London 1996.
  • Andreas Steinsieck: Ein imperialistischer Medienkrieg. Kriegsberichterstatter im Südafrikanischen Krieg (1899-1902). In: Ute Daniel (Hrsg.): Augenzeugen. Kriegsberichterstattung vom 18. zum 21. Jahrhundert. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, S. 87-112, ISBN 3-525-36737-6.
  • Bernard Lugan: La guerre des Boers, 1899-1902. éd. Perrin, 1998
  • Bernard Lugan: Villebois-Mareuil, le La Fayette de l'Afrique du Sud. Editions du Rocher, 1990
  • Bernard Lugan: Robert de Kersauson: le dernier commando boer. Editions du Rocher, 1989

Weblinks


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