Alter Markt (Köln)
Alter Markt (2005)
Alter Markt mit Rathaus und Rathausturm. Im Hintergrund der noch unvollendete Kölner Dom. (Stahlstich, um 1850)

Der Alter Markt (Kölsch Alder Maat) ist neben dem Heumarkt der größte Altstadtplatz in Köln.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

In der Römerzeit lag das Gelände des heutigen Platzes vor der Rheinmauer und wurde als Hafen genutzt; im Laufe der Zeit versandete der Hafen jedoch und wurde im Rahmen einer Stadterweiterung endgültig zugeschüttet. In jener Zeit entwickelte sich der Alter Markt zum Hauptplatz des römischen Köln. Erstmals urkundlich erwähnt wird er als mercatus coloniae im Jahre 992 n. Chr. Die gesamte, durch die Stadterweiterung erschlossene Rheinvorstadt hatte in dieser Zeit den Charakter eines einzigen großen, zentralen Marktes für Köln, mit dem Alter Markt in der Mitte. Hier wurde im 11. Jahrhundert die erzbischöfliche Münze erbaut. Eine Unterteilung des großen Marktgeländes durch Buden und Gassen in jener Zeit bewirkte eine Trennung des Platzes, und zu Beginn des 13. Jahrhunderts erhielt die abgeteilte südliche Hälfte des Marktplatzes den Namen „Heumarkt“.

Erstmals 1213 urkundlich erwähnt wird das historische Gebäude (heutiges Gaffel Haus), Alter Markt 20-22, in dem sich seit 1987 der Brauerei-Ausschank der Privatbrauerei Gaffel befindet. Vor dem Haus wurden in jener Zeit Äpfel gehandelt, weshalb es auch „Zur Britzele am Apfelmarkt“ (Zur Bretzel) genannt wurde. Neben seiner Funktion als Marktplatz diente der Alter Markt später auch als Gerichts- und Richtstätte sowie als Turnierplatz; das „Gericht auf dem Kornmarkt“ wurde hier abgehalten, und es gab einen Pranger und ein „Drillhäuschen“, das 1424 erstmals erwähnt wurde. Der spätere Kaiser Maximilian nahm auf dem Alter Markt an einem großen Sportturnier teil: „Im Jahre des Herrn 1486 auf den Abend des dreizehnten Tags nach Weihnachten (d. h. am Vortag des Dreikönigenfestes) kam der Kaiser (Friedrich III.) wiederum aus Aachen nach Köln und sein Sohn mit ihm…“. Gelenius (De adm. magn. Col. p. 243) gibt den 5.–21. Januar 1486 für die Dauer des Aufenthalts an, obwohl der Agathentag auf den 5. Februar fällt. Während des Turniers fiel Maximilian spektakulär aus dem Sattel in den Mist.

Während der französischen Besatzung Kölns trug der Markt den Namen Le grand Marché, „der Große Markt“. Über die Jahrhunderte wurde der Platz oftmals enthusiastisch an anderen berühmten Plätzen gemessen, so verglich ihn etwa Sibylle Mertens-Schaaffhausen mit der Piazza Navona in Rom; im „Beobachter des Rheindepartementes“ 1802 wurde der Alter Markt „Cölnischer Markusplatz“ genannt. Für die Kölner hingegen war er Et jolde Böddemche („der goldene Boden“, „eine Goldgrube“).

Historische Bauwerke

Die großzügigen Renaissance-Bauten, die den Platz säumten, trugen Namen wie „Zum Olvansrucken“ (Elefantenrücken), „Zum Papagei“, „Zum Regenbogen“ oder „Zu den sieben Sternen“. Erhalten geblieben ist das 1580 entstandene Haus „Zur Bretzel“ an der Ostseite. In der Mitte des Alter Markts befindet sich ein 1884 von Wilhelm Albermann erbauter Brunnen mit dem Denkmal für Jan von Werth (1593–1652). Der Sage nach war er ein Bauernbursche vom Kümpchenshof. Weil er der Magd Griet nicht fein genug war und sie ihn deshalb verschmähte, zog er in den Dreißigjährigen Krieg, aus welchem er als siegreicher Reitergeneral in seine Heimatstadt zurückkam. Hier saß Griet als Blumenverkäuferin am Stadttor und musste nun bedauern, ihn nicht geheiratet zu haben. Direkt gegenüber befindet sich die älteste Apotheke Kölns, die „Jan von Werth-Apotheke“ (gegründet 1584). Die Westseite des Platzes wird vom alten Rathaus dominiert, das Elemente der Neorenaissance enthält und im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde. Das Haus „Zum Granen“, das als eines der schönsten gotischen Häuser Deutschlands galt, wurde bereits 1853 abgerissen.

Kallendresser-Skulptur am Haus Nr. 24

Neugestaltung

Zwischen 1970 bis 1972 wurde der Verwaltungstrakt des Rathauses nach Entwürfen des Architekten Karl Band in typischem Stil der damaligen Zeit neu aufgebaut. Die Ostseite wurde nach Plänen von Hans Spiertz modern, aber in alten Proportionen wiedererrichtet. Einige historische Details des alten Platzes wurden von dem Düsseldorfer Kunstprofessor Ewald Mataré neu gestaltet, so etwa die skurrile Plastik des Kallendressers (Hochdeutsch: jemand, der seine Notdurft in die Regenrinne verrichtet)[1], zu deren Entstehung es mehrere Legenden gibt. Eine berichtet, es habe Streit zwischen zwei Bewohnern eines Hauses am Alter Markt gegeben, von denen einer stets laut und bei offenem Fenster seine Tuba geblasen habe — woraufhin der andere, in der Wohnung darüber lebend, sich eines Tages nicht mehr anders zu wehren gewusst habe, als dem Nachbarn „gezielt“ von oben seine Tuba mit Exkrementen zu verstopfen. Eine andere Legende spricht davon, man habe den Politikern im Rathaus, das direkt gegenüber liegt, seine Kritik auf derbe Art zu verstehen gegeben. War die ursprüngliche Plastik ein flaches, etwa 70 cm² großes Relief am Haus Nr. 40 Em Hanen, heute ist es in Dachnähe an dem unauffälligen Haus Nr. 24 an der Ostseite angebracht.

2007 wurde beim Bau der Nord-Süd-Stadtbahn in einer Tiefe von über 11 Metern ein römisches Schiffswrack entdeckt, das wahrscheinlich aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. stammt.[2]

Heutige Nutzung

Der Alter Markt ist insbesondere für drei jährliche Ereignisse das Zentrum des Kölner Karnevals. Hier wird am 11. November um 11.11 Uhr die neue Karnevalsession mit Live-Konzerten eröffnet. Ferner beginnt hier an Weiberfastnacht offiziell der Kölner Straßenkarneval, der das Stadtbild in den Tagen bis Aschermittwoch dominiert. Der Kölner Straßenkarneval eröffnet jedes Jahr an Weiberfastnacht mit dem Historienspiel „Jan und Griet“. Dieser Umzug startet alljährlich seit 1954 an der Severinstorburg am Chlodwigplatz. Die Jecken ziehen von dort durch die Severinstraße bis zum Denkmal Jan von Werth am Alter Markt, wo der Zug endet. Dort wird zu Ehren von Jan und Griet am Brunnen getanzt.

Im Dezember erwachen hier in Form des Weihnachtsmarktes die Heinzelmännchen zum Leben. Millionen Besucher bevölkern die Altstadt, während die Heinzel auf den Dächern der fast 100 rustikalen Hütten aus dunklem Holz sie beobachten. Einzelne Themengassen, wie zum Beispiel die Weihnachtsgasse, lassen den Alter Markt wieder zur „Heimat de Heinzel“ werden.

Straßencafés ermöglichen den Blick auf die historische Kulisse der Altstadt.

Sprachliches

Der heutige Name „Alter Markt“ wird nicht flektiert. Ausgesprochen wird der Name mit Betonung auf Alter und beide Bestandteile wie ein einziges Wort.

Quellen

  1. Werner Schäfke: Dä Kallendresser vum Aldermaat. - In: Le Musée sentimental de Cologne. Entwurf zu einem Lexikon von Reliquien und Relikten aus zwei Jahrtausenden KÖLN INCOGNITO. Katalog zur Ausstellung im Kölnischen Kunstverein 18. März - 29. April 1979. Köln: Kölnischer Kunstverein 1979, S. 100.
  2. Schiffswrack unter dem Alter Markt entdeckt

Weblinks

 Commons: Alter Markt (Köln) – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
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