Alter Nördlicher Friedhof (München)
Arkadengräber
Im Hintergrund Kirche St. Joseph
Alter Nordfriedhof

Der Alte Nordfriedhof (auch: Alter Nördlicher Friedhof) an der Arcisstraße in München wurde ab 1866 nach Entwürfen von Stadtbaurat Arnold Zenetti errichtet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts verfügte die Stadt München mit dem heutigen Alten Südfriedhof nur über eine einzige Begräbnisstätte. Bald wurde jedoch dieser Friedhof für die schnell wachsende Stadt zu eng, weswegen mit den Planungen eines neuen Friedhofs im nördlichen Teil der Stadt begonnen wurde. Zwischen Juni 1866 und Sommer 1869 wurde deswegen in der Maxvorstadt der Nördliche Friedhof erbaut.

Bereits die Planungen dazu spiegelten den Zwiespalt der Gesellschaft gegenüber Friedhöfen und öffentlichen Bauten allgemein wider: einerseits gibt es den allgemeinen Wunsch, auf dem Friedhof eine möglichst prominente Grabstelle zu haben, andererseits soll der Friedhof nicht vor der eigenen Haustüre liegen. Trotz allen Widrigkeiten konnte der Alte Nördliche Friedhof am 5. Oktober 1868 eröffnet werden. Die erste Beisetzung fand noch am selben Tag statt, als der frühere Stadtpfarrer von St. Ludwig auf den neuen Friedhof umgebettet wurde.

Der Friedhof selbst war ursprünglich in 16 gleichgroße Felder eingeteilt, die Grundform ist rechteckig. Entlang der westlichen Mauer wurden 30 Arkadengrüfte angelegt, in der Mitte des Friedhofs befindet sich ein großes Kreuz. An die rechteckige Form schlossen sich dort noch die Aussegnungshalle und einige weitere Wirtschaftsbauten an. Damit entsprach er in seinen geometrischen Grundmuster und den (zumindest teilweisen) Arkaden an der Mauer dem Campo Santo-Gedanken

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 wurde der Friedhof dann im Ganzen in Frage gestellt: das NS-Regime wollte im Zuge des Umbaus von München als Hauptstadt der Bewegung die Isabellastraße mit der Luisenstraße verbinden um dort eine Prachtallee zu errichten, was die Lage des Alten Nördlichen Friedhofs jedoch nicht gestattete. Außerdem wollte sich Adolf Hitler nach dem Endsieg auf einem Teil des Areals einen Alterswohnsitz einrichten. Aus diesem Grund wurde der Beerdigungsbetrieb 1939 eingestellt. Bis 1944 gab es noch einzelne Beerdigungen in bestehenden Familiengräbern. Als durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg auch der Friedhof stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, kam für den Friedhof die endgültige Schließung. Bei den Angriffen wurden auch viele Arkadengrüfte und die meisten anderen Friedhofsbauten zerstört.

In den Nachkriegsjahren entschloss man sich dazu, den Alten Nordfriedhof nicht mehr zu eröffnen, zum einen waren die meisten Grabfelder ohnehin belegt, zum anderen gab es mit den Anfang des 20. Jahrhunderts unter Hans Grässel entstandenen Großfriedhöfen genügend Kapazitäten, um auf diesen eher kleinen Friedhof zu verzichten. In der Folge wurden viele Gräber abgeräumt, von der Gesamtkapazität von 7272 Grabstätten sind heute nur noch gut 700 erhalten. Insgesamt wurden von 1868 bis 1944/45 circa 62.000 Personen dort bestattet. Die Hälfte der Arkaden wurden nach den Kriegszerstörungen nicht wieder aufgebaut, an Stelle der Aussegnungshalle befindet sich heute ein vom restlichen Friedhof abgetrennter Spielplatz. Die heutige Gestalt erhielt er durch Hans Döllgast.

Gräber bekannter Persönlichkeiten

Literatur

  • Günther Baumann: Der alte Nördliche Friedhof an der Arcisstraße. In: Neuhauser Werkstatt-Nachrichten, H. 7, München, 2001, S. 53-56
  • Elfi Zuber: Der Alte Nördliche Friedhof: ein Kapitel Münchner Kulturgeschichte. 2., überarb. Aufl., München: Zeke, 1984. ISBN 3-924078-01-7
  • Hans-Peter Burchardt (Hrsg.), Marianne Lengfelder: Im Alten Nördlichen Friedhof München. München: Schneekluth, 1985. ISBN 3-7951-0961-2
  • Erich Scheibmayr, Letzte Heimat, München 1985, Eigenverlag
  • Erich Scheibmayr, Wer? Wann? Wo?, München, 3 Teile, 1989, 1997, 2002, Eigenverlag

Weblinks

48.15365555555611.5702194444447Koordinaten: 48° 9′ 13″ N, 11° 34′ 13″ O


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