Husaren-Regiment „Kaiser Nikolaus II. von Russland“ (1. Westfälisches) Nr. 8
Chef des Regiments - Kaiser Nikolaus von Russland

Das Husaren-Regiment „Kaiser Nikolaus II. von Russland“ (1. Westfälisches) Nr. 8 war eines der Kavallerieregimenter der neupreußischen Armee 1807-1914 innerhalb der Preußischen Armee.

Inhaltsverzeichnis

Verbandszugehörigkeit

Ausrüstung / Uniform

Die Friedensuniform der Husaren bestand aus einer dunkelblauen Attila mit weißer Verschnürung. Dazu gehörte ein dunkelblauer Pelzrock mit weißer Verbrämung (Ein Geschenk von Zar Nikolaus II.) Auf den Achselstücken befand sich ein weißmetallenes N mit russischer Zarenkrone. Das gleiche Abzeichen aus roter Wolle war auf den Achselklappen der Mannschaften und Unteroffiziere angebracht. Die Pelzmütze bestand für Mannschaften und Unteroffiziere aus Seehundfell, für Offiziere aus Opposumfell. Vorn auf der Mütze befand sich das sogenannte Vaterlandsbandeau aus Messing mit der Inschrift „Mit Gott für König und Vaterland“, sowie die als National bezeichnete Kokarde in den preußischen Farben. Der Kolpak war hellblau. Zu Parade konnte hinter dem National ein schwarz-weißer Federbusch eingesteckt werden. Um der Pelzmütze Halt unter dem Kinn zu geben, war sie mit Schuppenketten aus Messing ausgestattet. Diese wurden normalerweise an der Stirnseite der Mütze hochgebunden (sie wurden über dem National eingehängt.) Von der linken Schulter zur rechten Hüfte lief ein weißes Bandelier mit schwarzer Kartusche. An der linken Hüfte hing die sogenannte Säbeltasche deren Deckel mit den Initialen FWR und einer Krone verziert war. Die Reithose war anthrazitfarben.

Bis etwa 1912 wurde diese Uniform auch zum Felddienst getragen. Bereits mit A.K.O. vom 14. Februar 1907 befohlen und ab 1909/1910 schrittweise eingeführt, wurde anlässlich des Kaisermanövers 1913 die bunte Uniform erstmalig durch die feldgraue Felddienstuniform (M 1910) ersetzt. Diese glich vollkommen der Friedensuniform die Verschnürungen waren jedoch in grau gehalten. Das Lederzeug und die Stiefel waren naturbraun, die Pelzmütze wurde durch einen schilffarbig genannten Stoffüberzug bedeckt. Das Bandelier und die Kartusche wurden zu dieser Uniform nicht mehr angelegt.

Geschichte

Aufstellung

Mit Allerhöchster-Kabinetts-Order (A.K.O.) vom 7. März 1815 wurde noch während des Feldzuges gegen Frankreich die Aufstellung eines Husaren-Regiments in der Stärke von zunächst drei Eskadrons befohlen. Die ersten Chef des Regiments(Ehrentitel) waren die bayrischen Könige Maximilian II. und Ludwig II. (bis 1866).

Diese Aufstellung erfolgte in der Nähe von Lüttich.

Dazu mussten abgeben:

Im Januar 1816 wurde eine 4. Eskadron aufgestellt und am 12. Mai 1816 erhielt das Regiment mit der 5. Eskadron seine endgültige Stärke.

Wie in der damaligen Zeit nicht unüblich, wechselte die Einheit häufig den Namen und hieß insgesamt wie folgt:

  • Ab dem 25. März 1815: 8. Husaren-Regiment
  • Ab dem 5. November 1816: 8. Husaren-Regiment (1. Westfälisches)
  • Ab dem 7. Mai 1861: 1. Westfälisches Husaren-Regiment Nr. 8
  • Ab dem 19. Juli 1888: Husaren-Regiment Großfürst Nikolaus von Russland (1. Westfälisches Nr. 8) (nach dem neuen Chef des Regiments)
  • Ab dem 17. November 1897: Husaren-Regiment Kaiser Nikolaus II. von Russland (1. Westfälisches Nr. 8)

Nach der Absetzung des russischen Zaren am 15. März 1917 verlor dieser die Chefstelle des Regiments, das vom 12. Mai 1917 an wieder nur 1. Westfälisches-Husaren-Regiment Nr. 8 hieß.

Im Frühjahr 1918, nach der Rückkehr der Garde-Kavallerie-Division aus Russland wurden die Kavallerie Verbände neu gegliedert. Es entstanden Garde-Kavallerie-Schützen-Korps, Garde-Kavallerie-Schützen-Division, Kavallerie-Schützen-Divisionen, Kavallerie-Schützen-Kommandos, Kavallerie-Schützen-Regimenter und Schützen-Eskadrons wobei der Zusatz -Schützen- in der Bezeichnung der Einheiten bedeutet, dass es sich um sogenannte abgesessene Einheiten handelte. Das Husaren-Regiment 8 unterstand dem Kavallerie-Schützen-Kommando 14.

Das Regiment wurde 1919 in der Garnison Schloss Neuhaus demobilisiert.

Die Tradition übernahm in der Reichswehr die 2. Eskadron des 5. (Preußisches) Reiter-Regiments in der Garnison des Schlosses von Neuhaus (Westfalen).

Einsätze

Der Verband wurde noch 1815 während des Feldzuges gegen Frankreich eingesetzt, kämpfte 1849 und 1864 (Deutsch-Dänischer Krieg) gegen Dänemark, sowie 1866 im Krieg gegen Österreich.

Ebenfalls eingesetzt wurde das Regiment im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges rückte das Husaren-Regiment Nr. 8 am 3. August 1914 mit seinem Schwesterregiment (Husaren-Regiment Nr. 11) mit dem es während des ganzen Krieges im Brigadeverband bleiben sollte, an die Westfront aus. Die Husaren rückten bis vor Meaux, um nach der Marneschlacht und dem damit verbundenen Rückzug am sogenannten Wettlauf zum Meer teilzunehmen. Danach erfolgte der Einsatz bei Arras, Lille und Ypern. Im November 1914 wurde das Regiment an die Ostfront verlegt und nahm an der Durchbruchschlacht bei Brzeziny am 23. und 24. November 1914 teil. Danach erfolgten weitere Einsätze in Russisch-Polen, unter anderem an der Weichsel, in Kurland und bei Wilna. Ab Mitte 1916 wurden die Pferde abgegeben, bis zum Beginn des Jahres 1918 folgten Stellungskämpfe in Wolhynien und in den Rokitno-Sümpfen. Danach wurden die Husaren in den Westen verlegt und im Verband der Kavallerie-Schützen-Division infanteristisch eingesetzt. Bis Kriegsende nahm das Regiment an den großen Abwehrschlachten teil.

Garnisonen

Das Regiment wechselte mehrfach die Garnisonen und war 1816 in Lüben, 1817 in Trier, 1820 in Düsseldorf, 1851 in Neuhaus bei Paderborn, 1851 in Lippstadt und 1858 endgültig in Neuhaus beim Truppenübungsplatz Senne und nahe der Offizier-Reitschule in Paderborn stationiert.

Angehörige des Regiments

1. Regimentskommandeur Rittmeister Peter von Colomb Denkmal bei Zwickau

Die Geschichte des Regiments von 1815 bis 1918 und deren Angehörigen ist für die Zeit ab Gründung des Regiments 1815 bis 1882 zumindest für die Offiziersränge namentlich dokumentiert und Online abrufbar (siehe Weblinks). Nachfolgend die Aufstellung einiger besonders verdienter Persönlichkeiten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Persönlichkeiten des Regiments

  • 1. Regimentskommandeur (1815–?)Rittmeister Peter von Colomb, später General der Kavallerie, (* 19. Juli 1775 Aurich; † 12. November 1854 Berlin)[1]
  • Regimentskommandeur (1875–1883) Oberst Wilhelm von Niesewand (* 25. Oktober 1833 Köln; † 2. März 1916 Dresden)[2] Paderborner Ehrenbürgerschaft
  • Regimentskommandeur Rittmeister Herzog Eugen von Württemberg (Offizierspersonenliste Nr. 125) [3]]
  • Rittmeister Fürst Adolf I. Georg (Schaumburg-Lippe) [4]

Angehörige des Regiments bei den Luftstreitkräften des Kaiserreichs (1914–1918)

  • Franz Hopmann, Reserveoffizier des Regiments, † 1917 verunglückt, Fliegerersatz-Abteilung 10 (FEA 10) [5]
  • Winand Grafe, Reserveoffizier des Regiments, † 1916 gefallen, Jagdstaffel Boelcke (Jasta 2)[6]
  • Rolf Freiherr von Lersner, Offizier des Regiments, † 1917 gefallen, Kampfgeschwader der Obersten Heeresleitung 3 (England Geschwader) (Kagohl 3)[7]
  • Wilhelm Ordelheide, Reserveoffizier des Regiments, † 1918 gefallen, Fliegerabteilung 271 (Artillerie) (FA A 271) [8]
  • Adolf Povel, Reserveoffizier des Regiments, † 1918 gefallen, Fliegerabteilung 260 Lb (Artillerie) (FA A 260 Lb) [9]
  • Franz Rahning, Reserveoffizier des Regiments, † 1917 gefallen, Kampfgeschwader der Obersten Heeresleitung 2 (Kagohl 2)[10]
  • Max Trapp, Reserveoffizier des Regiments, † 1916 gefallen, Feldflieger-Abteilung 69 (FFA 69)[11]

Verweise

Literatur

  • Günther Voigt: Deutschlands Heere bis 1918 Ursprung und Entwicklung der einzelnen Formationen, Hrsg. Hans Bleckwen und Dernot Bradley, Band 7, Biblio Verlag Osnabrück, 1981, ISBN 3-7648-1199-4
  • Hugo F.W. Schulz: Die Preußischen Kavallerie-Regimenter 1913/1914, Weltbild Verlag 1992
  • Jürgen Kraus: Die deutsche Armee im ersten Weltkrieg, Stefan Rest (Hrsg.) Ingolstadt 2004
  • Geschichte des 1. Westfälischen Husaren-Regiments Nr. 8, Königliche Hofbuchhandlung Ernst Siegfried Mittler und Sohn, 1882, Onlinedokument: [1]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Biographie: General der Kavallerie Peter von Colomb
  2. Ehrenbürger Paderborn: Oberst Wilhelm von Niesewand
  3. Regimentskommandeur Rittmeister Herzog Eugen von Württemberg (Offizierspersonenliste Nr. 125)
  4. Otto Zaretzky: Adolf Georg, Fürst zu Schaumburg-Lippe. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 55, Duncker & Humblot, Leipzig 1910, S. 361–663.
  5. Fritz Hopmann, Fliegerersatz-Abteilung 10 (Böblingen)
  6. Winand Grafe, Jagdstaffel Boelcke, Jagdgeschwader Nr. III
  7. Rolf Freiherr von Lersner, Kampfgeschwader der Obersten Heeresleitung 3 (England-Geschwader)
  8. Wilhelm Ordelheide, Fliegerabteilung 271 (Artillerie)
  9. Adolf Povel, Fliegerabteilung 260 Lb (Artillerie)
  10. Franz Rahning, Kampfgeschwader der Obersten Heeresleitung 2 (Kagohl 2)
  11. Max Trapp, Feldflieger-Abteilung 69 (FFA 69)

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