Alter Zwölf-Apostel-Kirchhof
Eingangsschild
Erbbegräbnis der Familie Fröhlich, geschaffen von Stephan Walter, der hier ebenfalls beigesetzt wurde
Grabstein für Friedrich von Falz-Fein (1863-1920), Gründer des heute noch bestehenden Naturreservats Askania-Nowa in der Ukraine
Grab des Bildhauers Ernst Herter

Der Alte Zwölf-Apostel-Kirchhof in der Kolonnenstraße 24–25 in Berlin-Schöneberg gehört zu den kunst- und kulturgeschichtlich bedeutendsten Begräbnisplätzen Berlins. Der Friedhof ist ein Gartendenkmal wegen seiner malerischen architektonischen und bildhauerischen Einzelelemente.

Als erster Friedhof der Zwölf-Apostel-Gemeinde entstand der Alte Zwölf-Apostel-Kirchhof ab 1864 weit außerhalb des damals bewohnten Stadtgebietes auf Grundstücken des Militärfiskus. Das etwa rechteckig geschnittene Hauptgelände des Friedhofs wurde sukzessiv bis 1879 erworben und in Nutzung genommen. 1865/66 wurden die erste spätklassizistische Kapelle mit ihren Arkadengängen und die Totenhalle nach einem Entwurf von Bauinspektor Gaertner errichtet. Beide Gebäude stehen heute nicht mehr. Bereits 1882 war der Friedhof erstmals vollständig belegt. Im Jahr 1900 entstand ein neues Hofgebäude im Eingangsbereich.

Die Gestaltung des Zwölf-Apostel-Kirchhofs geht auf einen Entwurf des bekannten königlichen Garteninspektors Carl David Bouché (1809–1881) von 1864 zurück. Bouché war seit 1843 im Botanischen Garten (heutiger Kleistpark) in der Nähe tätig und überwachte vermutlich die Ausführung der Friedhofsanlage. Von dieser Erstgestaltung blieben bis heute die ursprüngliche Gliederung der Anlage sowie das Hauptwegenetz mit den Lindenalleen erhalten. Inzwischen ist der Friedhof mit neuen Befestigungen und Neupflanzungen versehen worden. Anstelle des Totengräberhauses mit seinem Vorgarten sowie der 1944 zerstörten Kapelle und Totenhalle prägen heute die Bauten von 1957 und spätere Neugestaltungen das Erscheinungsbild. Der Zugang von der Kolonnenstraße erfolgt durch die Durchfahrt eines modernen Wohnhauses.

Der Friedhof bietet mit seinen an den Umfassungsmauern aufgereihten repräsentativen Erbbegräbnisanlagen des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts noch immer ein fast geschlossenes künstlerisch gestaltetes Erscheinungsbild nach italienischem Vorbild eines Campo Santo. Dieser einmalige Erhaltungsgrad besitzt im Vergleich zu anderen Berliner Friedhofsanlagen der gleichen Entstehungszeit Seltenheitswert.

Auffallend ist bei den Erbbegräbnisanlagen auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof die Fülle an herausragenden künstlerischen Gestaltungen. Von den hier beigesetzten herausragenden Persönlichkeiten seien exemplarisch der Schriftsteller Ernst Wichert, der Naturwissenschaftler und Wissenschaftshistoriker Ludwig Darmstaedter, die Politiker Bernhard von Bülow und Friedrich Naumann, die Komponisten Moritz Jaffé und Robert Radecke (1830–1911) und der Historiker Johann Gustav Droysen genannt. Insbesondere die bemerkenswerte Anzahl der auf dem Friedhof beigesetzten bedeutenden Künstler des 19. Jahrhunderts, wie die Bildhauer Reinhold Begas und Ernst Herter, deren Grabstätten mit galvanisch bronzierten Figuren bestückt sind, verweisen auf seinen hohen Stellenwert unter den Berliner Begräbnisstätten.

Im Rahmen der Arbeit der Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg fanden zwischen 1996 und 1998 auf dem Friedhof denkmalpflegerische Maßnahmen zur Instandsetzung und Konservierung von historischen Grabanlagen mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie statt. Um die Sicherung und den Erhalt weiterer bedeutender Grabmäler zu gewährleisten, werden auch auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof Grabpatenschaften angeboten.

Gräber bekannter Persönlichkeiten

( ±  =  Ehrengrab )

Siehe auch

Weblinks

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