Altersstarrsinn

Starrsinn bezeichnet abwertend die Geisteshaltung einer Person, die von Unnachgiebigkeit, Eigensinn oder auch geistiger Unbeweglichkeit gekennzeichnet ist. Ähnliche Bedeutung hat der Begriff Dickkopf.

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Altersstarrsinn

Besonders gebräuchlich ist der Begriff Starrsinn im Zusammenhang mit älteren Menschen, wofür dann das Wort Altersstarrsinn benutzt wird. Damit einher geht oft die Annahme, dieser sei ein krankhafter Zustand (im Sinne von Geisteskrankheit), ein Symptom einer beginnenden Demenz. Dazu hat das Bayerische Oberste Landesgericht festgestellt, dass Altersstarrsinn für sich allein betrachtet keine psychische Krankheit oder geistige oder seelische Behinderung darstellt, die etwa das Einschalten eines Vormundes oder eines Betreuers nötig mache (vgl. BayObLG BtPrax 2002, 37).

Mögliche Ursachen

Hinter vielen vermeintlichen Altersstarrsinnsvorwürfen stecken in zahlreichen Fällen lediglich Interessenkonflikte. Dazu gehört auch die Veränderung der gewohnten Umgebung von älteren Menschen (Altersheim, Pflegestation etc.), die diesen Einschnitt in ihr bisheriges Leben, oft verbunden mit Beschränkungen der persönlichen Freiheiten, als starke seelische Befindlichkeitsstörung wahrnehmen. Die damit einhergehende Orientierungslosigkeit und die aus Ängsten heraus entstehende eigensinnige Haltung wird von Ärzten und Personal sehr oft als starrsinniges Verhalten bewertet.

Bewertung

Insofern sollte man vorsichtig sein, jemanden grundsätzlich für starrsinnig, uneinsichtig oder pauschal für geisteskrank zu halten. Jeder hat unterschiedliche Facetten, und wirklicher Starrsinn zeigt sich eigentlich selten. Selbst vollständige Verschlossenheit und Unzugänglichkeit rechtfertigen nicht die Annahme eines Wahns. Viel wahrscheinlicher ist, dass sich der Betroffene aus Leid und Resignation isoliert. Dabei ist solche Isolation in der Regel unfreiwillige Folge dessen, durch andere ausgegrenzt und nicht anerkannt worden zu sein. Psychiater bezeichnen dies fälschlicherweise manchmal als Endogene Psychose, außer Acht lassend, dass es ein von außen beeinflusster Vorgang sein kann, der durch Wechselwirkung zwischen Intoleranz und Ignoranz anderer Personen einerseits und einem Wechsel zwischen Hoffnung und Verzweiflung des Betroffenen andererseits entsteht. Eine Einbeziehung und Befragung der beteiligten Parteien ist immer anzuraten.

Die landläufige Annahme, Altersstarrsinn sei eine Wiederkehrung der kindlichen Trotzphase, entbehrt jeder psychologischen und medizinischen Grundlage.

Literatur


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