Altes Stadtbad (Heilbronn)
Der Eingangsbereich des alten Heilbronner Stadtbades (1892)
Das Stadtbad um 1902
Standort der Mikwe (sog. "Israelitisches Ritualbad").
Das neue Stadtbad

Das 1891 errichtete Alte Stadtbad in Heilbronn war einer der großen öffentlichen Profanbauten an der damaligen Heilbronner Allee. Zusammen mit der alten Synagoge, dem alten Stadttheater und der Festhalle Harmonie bildete das historische Gebäude im wilhelminischen Barock die Prachtmeile der Allee.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Bau des Stadtbads am Wollhausplatz wurde am 27. Mai 1889 beschlossen. Baubeginn war am 19. Mai 1891, die Einweihung fand am 22. Oktober 1892 statt. Die Baukosten beliefen sich damals auf 280.000 Mark, davon wurden 100.000 Mark aus einer Stiftung des Heilbronner Kaufmanns Ernst Achtung gedeckt. Entworfen wurde das Gebäude von dem Berliner Architekten Peters, nach dessen Plänen das Stadtbauamt Heilbronn den Bau errichtete.[1]

Das Gebäude verfügte auch über eine Mikwe. Das als israelitisches Ritualbad beschriebene Bad befand sich bei den Wannenbädern im ersten Stock.[2]

1900/01 wurde das Bad erweitert, und es bekam ein Schwimmbecken für die weiblichen Gäste. Weiterhin waren dort Dampfbäder, Schwitzräume und Badewannen vorhanden.[3] Am 6. September 1934 wurde ein Zutrittsverbot für jüdische Bürger im Stadtbad verlangt, weil sich dieses zu einer Synagoge-Nebenstelle entwickelt habe.[4] Am 4. Dezember 1944 wurde das Gebäude beim Luftangriff auf Heilbronn zerstört.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Rekonstruktion des Gebäudes im Heimatstil. Das Eingangsportal wurde dabei seines pompösen Tympanons entledigt und durch schlichte quadratische Sandsteinsäulen ersetzt. Die Inneneinrichtung des Stadtbades wurde von bekannten Künstlern aus Heilbronn bereichert. So erhielt das Schwimmbecken einen wasserspeienden Löwenkopf. Der Wasserspeier war eine von dem Flaschner- und Installateurmeister Wilhelm Klagholz geschaffene Kunstschmiedearbeit.[5] Klagholz hatte auch für den Wiederaufbau des Heilbronner Rathauses die beiden Widder, den Hahn und den Stadtadler aus Kupfer angefertigt.

Die Schwimmhalle wurde am 21. Dezember 1950 wieder eröffnet, die Wannen- und Brausebäder am 9. Oktober 1951 und die Heißluft- und Dampfbäder am 13. Februar 1952. Das Schwimmbecken hatte eine Größe von 20 × 8 Meter, die Wannenbäder hatten eine Fläche von 28 Quadratmeter, die Brausebäder waren auf 14 Quadratmetern untergebracht. Es gab 52 Umkleidekabinen für Erwachsene und 100 Umkleidekästen für Jugendliche. Im Dampfbad waren nochmals 23 Umkleidekabinen und ebensoviele Ruhebetten.[6]

Im Jahr 1953 wurde nach Plänen der Keramikerin Maria Fitzen-Wohnsiedler durch den Bildhauer Hermann Wilhelm Brellochs (1899–1979) aus Stuttgart ein Keramikbrunnen in der Eingangshalle geschaffen. Der Brunnen bestand aus einer Säule, auf der sich ein Delphin aufbäumte. Der Delphin stützte sich mit seinem Vorderkörper ähnlich einem Persischen Kapitell bzw. Achämenidischen Kapitell auf die Säule und stemmte dabei seinen Hinterkörper nach oben, wobei sich die Flossen einrollten, so dass der Delphin leicht die Form der Ziffer Acht andeutete. Die Säule selbst war durch zwei Wasserschalen gegliedert, wobei die oberste Schale sich direkt unterhalb des wasserspeienden Delphins befand. Die unterste Schale war am Boden, direkt am Fußende der Säule. Die ganze Arbeit war wie die anderen Arbeiten Fitzen-Wohnsiedlers auch mit Keramik geschmückt. Der Brunnen gelangte später in den Garten der Silcherschule.

Am 19. Februar 1972 wurde das historische Bauwerk gesprengt; heute steht an seiner Stelle das Wollhauszentrum.

Ein neues Stadtbad wurde nach Plänen der Architektengemeinschaft P. Oehlschläger aus Stuttgart und E. Beutinger in vier Jahren Bauzeit für insgesamt 16 Millionen DM am Bollwerksturm errichtet. Bemerkenswert ist bei dem neuen Bad das Badewasser der Mehrzweck-Schwimmhalle, das aus Mineralwasser aus dem Schaeuffelen-Brunnen besteht, welches mit Steinsalz-Sole bereichert wird.[7]

Beschreibung

An der Wand der Männerschwimmhalle war folgendes Gedicht zu lesen:[8]

Nichts trägt den Ruhm der Stadt so weit
als Ordnung, Fleiß und Reinlichkeit.

Gesundheit und ein froher Mut
Geht über Ruhm und Geld und Gut.

Des Wassers Kraft macht wunderbar
die Glieder jung, die Geister klar.

Bring keine Sorge mit herein
Soll dir das Bad von Nutzen sein.

Lern schwimmen du zur rechten Frist,
daß du im Sturm gerüstet bist.

Es lebt sich auch ohne Kleider und Geld
oft ganz vergnügt in dieser Welt.

Das Bad der Kinder nie vergißt,
wer ihres Leibes Wohl ermißt.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Helmut Schmolz, Hubert Weckbach: Heilbronn mit Böckingen, Neckargartach, Sontheim. Die alte Stadt in Wort und Bild. Band 2. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn 1967 (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn, 15). Nr. 42 Stadtbad, Eingang, 1892, S. 30
  2. Heilbronner Einblicke 2009 - Jüdisches Leben in Heilbronn bei stadtarchiv-heilbronn.de
  3. Helmut Schmolz, Hubert Weckbach: Heilbronn – Geschichte und Leben einer Stadt. 2. Auflage. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn 1973, Nr. 580 Sprengung des alten Stadtbades am Wollhausplatz, 19. Februar 1972, Seite 169
  4. Uwe Jacobi: Das war das 20. Jahrhundert in Heilbronn. 1. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2001, ISBN 3-86134-703-2. S. 38
  5. Täglich kräht sein Hahn vom Rathaus. In: Heilbronner Stimme vom 2. April 2002
  6. Die städtischen Bäder in Heilbronn. In: Heilbronn – Heimat und Hausstand, 1970
  7. Helmut Schmolz, Hubert Weckbach: Heilbronn – Geschichte und Leben einer Stadt. 2. Auflage. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn 1973, Nr. 587-588 Neues Stadtbad, 1972, S. 174
  8. Stadtarchiv Heilbronn, Bestand i A034 – Bauakten der Stadt Heilbronn
49.1391666666679.22

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