Altes Österreich

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Geschichte Österreichs von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Die einzelnen Epochen der Geschichte Österreichs werden in den jeweiligen Hauptartikeln ausführlicher dargestellt.

Inhaltsverzeichnis

Erdgeschichte

Hauptartikel: Erdgeschichte Niederösterreichs

Die Erdgeschichte des Alpenraums und des Granit- und Gneisplateaus der böhmischen Masse und deren Vorländer lässt sich heute bis in das Zeitalter des Proterozoikums zurückverfolgen. Wesentlich für die Geologie und heutige Geographie Österreichs war die Alpidische Gebirgsbildung und die Entwicklung des Randmeers Paratethys seit der Kreidezeit.

Ur- und Frühgeschichte des heutigen Österreichs

Die Venus von Willendorf, entstanden um 25.000 v. Chr.

Hauptartikel: Urgeschichte Österreichs

Die ersten vorgeschichtlichen Menschenarten wie der Homo habilis, der 2,5 bis ca. 2,0 mya in Ostafrika lebte, verbreiteten sich nicht bis nach Europa, erst vom Homo erectus lassen sich erste Funde, die nicht älter als 700.000 Jahre sind, in Europa – u. a. in Ungarn – nachweisen.

Paläolithikum

Während der Eiszeiten waren die Alpen vergletschert und wenig bis gar nicht zugänglich. Die ältesten Spuren der Anwesenheit von Menschen in Österreich gehören dem Mittelpaläolithikum, der Zeit des Neandertalers, an. Etwa 70.000 Jahre alte Spuren des Neandertalers sind aus der Gudenushöhle im nordwestlichen Niederösterreich bekannt. Auch viele Fundstellen des Jungpaläolithikums liegen in Niederösterreich, die bekanntesten befinden sich in der Wachau. Darunter auch Fundorte der beiden ältesten österreichischen Kunstwerke, die figürlichen Frauendarstellungen der sogenannten „Venus vom Galgenberg“ von Stratzing/Krems-Rehberg (32.000 Jahre alt, Reliefplastik, 7,2 cm, Amphibolit-Schiefer) und der Venus von Willendorf (26.000 Jahre alt, 11 cm, Kalkstein). Eine 2005 entdeckte in Rötel gebettete und unter einem Mammutschulterblatt befindliche Säuglings-Doppelbestattung vom Wachtberg in Krems an der Donau aus der Zeit des Gravettiens ist mit einem Alter von ca. 27.000 Jahren (Radiokohlenstoffdatierung) die älteste Bestattung Österreichs.

Mesolithikum

Abris aus dem Bodensee-Rheintal, eine Bestattung von Elsbethen und wenige weitere Fundstellen mit mikrolithischen Artefakten sind spärliche Zeugen der Übergangszeit zwischen jägerisch-sammlerisch lebenden Gruppen und sesshaften Ackerbauern und Viehzüchtern.

Neolithikum

Während der Jungsteinzeit werden nach und nach alle Regionen Österreichs, in denen Landwirtschaft möglich ist oder Rohstoffe vorhanden sind, besiedelt. Die erste nachgewiesene bäuerliche Siedlung aus der Zeit der ältesten Linienbandkeramik stammt aus Brunn am Gebirge. Das älteste Industriedenkmal Österreichs, das Hornsteinbergwerk von Mauer-Antonshöhe, stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Nachfolgend ist eine dichte Besiedlung der Lengyel-Kultur nachgewiesen, während der in Niederösterreich eine Reihe von sog. Kreisgrabenanlagen errichtet wurde.

Kupferzeit

Die ältesten Kupferobjekte haben ihren Ursprung im Karpatenbecken, unter anderen das Depot von Stollhof (Niederösterreich). Höhensiedlungen sind im Osten Österreichs verbreitet. Im Laufe der Kupferzeit werden auch die inneralpinen Gebiete vollständig auf der Suche nach Rohstoffen – insbesondere Kupfer – erschlossen. Der wichtigste Fund ist die Gletschermumie Ötzi (Mann vom Hauslabjoch), der etwa 3300 v. Chr. lebte. Die Mondseekultur ist durch Pfahlbauten um die Alpenseen gekennzeichnet.

Bronzezeit

Die vermehrt entstehenden Wallanlagen, bereits zu Beginn der Bronzezeit, scheinen als Macht- und Handelszentren Abbau, Verarbeitung und Handel von Kupfer und Zinn überwacht zu haben. Der florierende Handel mit Rohmaterial und Halbprodukten spiegelt sich in den Ausstattungen der Gräber (Pitten, Franzhausen, Niederösterreich). In der Urnenfelderzeit wird mit dem Salzabbau in der Nordgruppe des Salzbergwerks von Hallstatt begonnen.

Eisenzeit

Die Eisenzeit Österreichs ist durch die Einflüsse der mediterranen Hochkulturen und der Steppenvölker geprägt. Der Übergang zwischen der älteren Hallstattkultur und der jüngeren – keltischen – Latène-Kultur erfolgte fließend.

Hallstattkultur

Lederschuh aus der Hallstattkultur, 800-400 v. Chr.

Die ältere Eisenzeit wird nach dem berühmten Fundort Hallstatt, (Oberösterreich), Hallstattzeit genannt. Der West- und Osthallstattkreis werden durch die Flüsse Enns, Ybbs und Inn getrennt. Der Westhallstattkreis stand in Kontakt mit den griechischen Kolonien an der ligurischen Küste. In den Alpen werden Kontakte zu den Etruskern und den unter griechischem Einfluss stehenden Regionen in Italien gepflogen. Der Osten hatte enge Verbindungen zu den Steppenvölkern, die vom Karpatenbecken bis zu den südrussischen Steppengebieten beheimatet waren. Die Bevölkerung von Hallstatt wird durch das Salz reich. Importe von Luxusgütern aus dem Nord- und Ostseeraum bis Afrika sind im Gräberfeld von Hallstatt entdeckt worden. Der älteste Nachweis für österreichischen Wein wurde in Zagersdorf (Burgenland) in einem Hügelgrab entdeckt. Der Kultwagen von Strettweg (Steiermark) ist ein Beleg des religiösen Lebens.

Latène-Kultur

Die jüngere Eisenzeit, Latène-Kultur, ist die Zeit der Kelten. Erstmals können Bevölkerungsgruppen mit Namen benannt werden. Es entsteht mit dem Regnum Noricum (kelt. Norig) – einem Zusammenschluss mehrerer keltischer Stämme – unter der Führung der Noriker das erste Staatsgebilde auf österreichischem Boden. Es beschränkte sich auf den Süden und Osten des heutigen Österreich. Der Westen war von verschiedenen rätischen Stämmen besiedelt.

Dürrnberg und Hallein (Salzburg) werden keltische Salzmetropolen. Im Osten Österreichs gewinnt eine blühende Eisenindustrie in der Oberpullendorfer Bucht (Burgenland) das bei den Römern so begehrte, hochwertige Ferrum Noricum (Norisches Eisen). Befestigte Höhensiedlungen (Oppida) wie auf dem Magdalensberg (Kärnten), bei Schwarzenbach oder am Braunsberg bei Hainburg unweit von Carnuntum werden zu Zentren des öffentlich-rechtlichen Lebens.

Römisches Reich

Römische Provinzen und Orte auf dem Gebiet des heutigen Österreichs
Das römische Heidentor in Carnuntum

Der größte Teil des heutigen Österreich wurde um 15 v. Chr. vom Römischen Reich besetzt. Der römische Kaiser Claudius richtete während seiner Herrschaft (41–54 n. Chr.) die römische Provinz Noricum ein, deren Grenzen im Norden bis zur Donau, im Nordosten bis zum Wienerwald, im Osten etwa entlang der heutigen steirischen Ostgrenze sowie im Südosten und Süden jenseits von Eisack und Drau verliefen. Später, unter Diokletian (284–305), wurde die Provinz entlang des Alpenhauptkamms in eine nördliche (Noricum ripense, „Ufernoricum“) und eine südliche (Noricum mediterraneum, „Binnennoricum“) Provinz aufgeteilt. Das am Ziller westlich an das Noricum angrenzende Gebiet der heutigen Bundesländer Vorarlberg und Tirol kam zur Provinz Raetia, im Osten schloss sich Pannonia mit dem heutigen Burgenland an Noricum an. Die Donau bildete mit dem Donaulimes die Grenze zu den nördlichen Teilen Ober- und Niederösterreichs, die von den Germanen (Markomannen und Quaden) besiedelt wurden.

Einige Städte und Orte Österreichs gehen noch auf die Kelten zurück wie z. B. Linz (Lentos). Zahlreiche weitere Siedlungen entstanden durch die Römer. Die östlich von Wien gelegene Stadt Carnuntum war die größte römische Stadt, weitere wichtige Orte waren Virunum (nördlich des heutigen Klagenfurt) und Teurnia (nahe Spittal an der Drau). Bedeutende Ausgrabungsstätten für die Römerzeit sind heute unter anderem Kleinklein (Steiermark) und das Zollfeld (Magdalensberg).

Im 2. Jahrhundert n. Chr. begann sich das Christentum auszubreiten; die damalige kirchliche Organisation des Landes geht auf das 4. Jahrhundert n. Chr. zurück. Nach der Besiedelung durch die Bajuwaren wurde das Land allerdings neu missioniert, vor allem durch Rupert und Virgil (Iroschottische Mission).

Völkerwanderung

Die Völkerwanderung besiegelte den Niedergang der römischen Macht. Ab dem 5. Jahrhundert wurde das Römische Reich von germanischen Stämmen bedrängt. Nach mehreren Einfällen in Italien drangen die Goten im Jahr 408 unter Alarich I., von Emona (dem heutigen Ljubljana) über die Karnischen Alpen kommend, erstmals in das durch den römischen Heerführer Stilicho befehligte Noricum ein. Ab 472 kamen Ostgoten und Alemannen durch das Land, ohne es erobern zu können. Selbst nachdem Odoaker 476 den letzten römischen Kaiser abgesetzt hatte, blieb in den Provinzen die römische Verwaltung erhalten. Mit dem Tod des Königs Theoderich zerbrach das Reich der Goten schließlich, ohne dass diese die Kontrolle über Noricum erlangt hätten.

Ab dem 6. Jahrhundert begann eine kontinuierliche Besiedlung durch die Bajuwaren und im heutigen Vorarlberg durch die Alemannen. Ende des 6. Jahrhunderts zerbrach das römische Reich schließlich. Von Osten zogen die Slawen, durch die Awaren bedrängt, ein und zogen, da sie von der noch verbliebenen keltoromanischen Bevölkerung daran nicht gehindert wurden, entlang der Drau immer weiter nach Westen ein, bis sie um 610 von den Bajuwaren, die zu dieser Zeit von Norden kommend bis ins Pustertal vorgedrungen waren, aufgehalten wurden. Die Besiedlungsgrenze zwischen Slawen und Bajuwaren entspricht in etwa der Linie Freistadt, Linz, Salzburg (Lungau), Osttirol (Lesachtal).

Mittelalter

Frühmittelalter (bis 976)

Awarenmark und Mark Karantanien zur Zeit Karls des Großen

Im Süden des heutigen Österreichs bildeten die slawischen Volksstämme, die sich in den Tälern von Drau, Mur und Save niedergelassen hatten, um das Jahr 600 das erste unabhängige slawische Staatsgebilde Europas, Karantanien; Zentrum Karantaniens war das Zollfeld. Mit den verbliebenen Resten der einheimischen keltoromanischen Bevölkerung verband sie der Wille zum Widerstand gegen ein weiteres Vordringen der benachbarten Franken und Awaren in den südöstlichen Alpenraum.

Im nördlichen Alpenraum hatte sich ab Mitte des 6. Jahrhunderts das bairische Stammesherzogtum gebildet, deren Herrscher aus dem Geschlecht der Agilolfinger stammten und unter fränkischer Oberhoheit standen. Das Siedlungsgebiet der Baiern wurde in diesem Zeitraum nach Süden bis ins heutige Südtirol und nach Osten bis zur Enns erweitert. Östlich davon und auf dem Gebiet des heutigen Böhmens ließen sich Awaren und später Slawen nieder. Sitz der lange weitgehend unabhängig regierenden baierischen Herzöge war Regensburg.

Unter den Karolingern kam es zu einem Erstarken des Frankenreichs, wodurch 788 das ältere baierische Stammesherzogtum, zu dem weite Gebiete des heutigen Österreich gehörten, beseitigt wurde. Der letzte weitgehend unabhängige Herzog der Baiern war Tassilo III.. Ebenfalls in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts zerbrach das Slawenreich Karantanien und kam unter fränkische Oberhoheit.

Nach Eroberung des Reichs der Awaren errichtete der fränkische Herrscher Karl der Große um 800 eine Grenzmark in der Region des heutigen Niederösterreichs, zwischen den Flüssen Enns, Raab und Drau, die auch als Awarenmark bezeichnet wurde, und südlich davon die Mark Karantanien.

Herzogtum Bayern im 10. Jahrhundert

Die Grenzmark gegen die Awaren wurde durch die Einfälle der Ungarn vernichtet. Nach den drei Schlachten von Pressburg im Sommer 907 wurde die Grenze des nachfolgenden Ostfrankenreiches bis an die Enns zurückgenommen. Der anschließende Antritt Arnulfs I. als Herzog von Baiern wird gleichzeitig als Beginn des jüngeren baierischen Stammesherzogtums gesehen, zu dem der gesamte östliche Alpenraum zählte. Nach dem Sieg in der Schlacht auf dem Lechfeld unter dem ostfränkischen König Otto I. war die Bedrohung durch die Ungarn gebannt. Diese wurden danach sesshaft. Anschließend erfolgte eine zweite Welle baierischer Ostansiedlungen mit Gewinn von Gebieten im heutigen Niederösterreich, in Istrien und der Krain. In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts entstand erneut eine dem Herzog von Baiern unterstellte Markgrafschaft östlich der Enns, die Marchia orientalis genannt wurde.

Markgrafschaft Österreich (976–1156)

976 wurde Liutpold (Leopold) aus dem Geschlecht der Babenberger mit dieser Mark belehnt. 996 wird hierfür erstmals urkundlich der Name Ostarrîchi verwendet; daraus entwickelte sich später die Schreibweise Österreich. Daneben ist auch noch sehr lange die Namensform Osterlant (Ostland bzw. Land im Osten) gebräuchlich, die Einwohner sind der Ostermann und die Osterfrau. Die latinisierte Form Austria für dieses Gebiet taucht in den Schriften erst im 13. Jahrhundert auf (siehe auch Austrien als östlicher Teil des Frankenreiches).

Die Babenberger trieben eine zielbewusste Rodungs- und Kolonisierungspolitik und errichteten – in Zusammenarbeit mit anderen Häusern, etwa den Kuenringern – eine gefestigte Landesherrschaft. Die Residenz befand sich anfangs in Pöchlarn, später in Melk. Markgraf Leopold III. gelang es, ins Kaiserhaus einzuheiraten; im Machtkampf zwischen Kaiser Heinrich IV. und König Heinrich V. wechselte er zu Heinrich V. und trug so wesentlich zu dessen Sieg bei. Als Lohn erhielt er die Hand von Heinrichs Schwester Agnes von Waiblingen. Er wurde wegen seiner Klostergründungen – vor allem Klosterneuburg – nach seinem Tod heilig gesprochen.

Herzogtum Österreich unter den Babenbergern (1156–1246)

Im Zuge des Konfliktes zwischen den Staufern und den Welfen kam 1139 das Herzogtum Baiern an die Babenberger. Als Friedrich I. diesen Streit beenden wollte, gab er den Welfen das Herzogtum Baiern zurück – als „Trostpreis“ wurde mit dem Privilegium minus 1156 Österreich zum Herzogtum erhoben. Mit der Unabhängigkeit vom bairischen Mutterland beginnt für Österreich die Geschichte als unabhängiges Herrschaftsgebiet innerhalb des Heiligen Römischen Reiches. Erster Herzog war Heinrich Jasomirgott, der auch 1156 Wien zur Residenzstadt erhob. Auf Grund der Georgenberger Handfeste (1186) fiel auch das Herzogtum Steiermark, das den Traungau, den zentralen Teil des heutigen Oberösterreichs, und die Grafschaft Pitten im südlichen Niederösterreich sowie große Gebiete im heutigen Slowenien umfasste, mit dem Erlöschen der Traungauer 1192 an die Babenberger.

Rudolf von Habsburg

Mit Leopold VI. erreichte das hochmittelalterliche Österreich einen kulturellen Höhepunkt – unter ihm wurde auch die damals revolutionäre Kunst der Gotik eingeführt. Mit seinem Sohn Friedrich II. starb 1246 die männliche Linie der Babenberger aus.

Herzogtum Österreich zwischen Babenbergern und Habsburgern (1246–1282)

Unter den vielen Nachfolgekandidaten konnte sich der König von Böhmen, Ottokar Přemysl, durchsetzen, der 1256 von den Ständen ins Land gerufen worden war, um die Wirren zu beenden. Seine Politik war aber dennoch darauf ausgerichtet, den Adel zurückzudrängen und das städtische Bürgertum zu fördern, weswegen er den Wienern bis tief in die Habsburger-Zeit in guter Erinnerung blieb. Seinem Griff nach der königlichen Macht im Heiligen Römischen Reich wurde von Rudolf von Habsburg begegnet, der ihn 1278 in der Schlacht auf dem Marchfeld besiegte. Die Habsburger konnten sich daraufhin als Herzöge von Österreich und der Steiermark etablieren.

Herzogtum Österreich unter den Habsburgern (1282–1452)

Ab Mitte des 13. bis Ende des 14. Jahrhunderts war Österreich Schauplatz intensiver Ketzerverfolgungen durch die Inquisition. Eine erste große Verfolgungswelle um 1260 in über vierzig Pfarren im südlichen Donauraum zwischen dem Salzkammergut und dem Wienerwald war hauptsächlich gegen Waldenser gerichtet. Weitere Inquisitionen fanden 1311–1315 in Steyr, Krems, St. Pölten, und Wien statt. Unter dem Inquisitor Petrus Zwicker kam es von 1391 bis 1402 neuerlich zu schweren Verfolgungen, u.a. in Steyr, Enns, Hartberg, Ödenburg und Wien. Im Jahr 1397 wurden dabei allein in Steyr zwischen 80 und 100 Waldenser verbrannt, woran dort ein 1997 errichtetes Denkmal erinnert.

1335 konnten die Habsburger die Meinhardiner in Kärnten und Krain beerben und 1363 fiel auch Tirol von Margarete von Tirol an Herzog Rudolf IV. Dadurch entstand ein Länderkomplex in den Ostalpen, der Herrschaft zu Österreich genannt wurde.

Rudolf IV. war der umtriebigste Herrscher des Spätmittelalters. Er initiierte vielerlei Maßnahmen, die vor allem die Bedeutung der Stadt Wien heben sollten. Er ließ das Privilegium maius fälschen, das Österreich zum Erzherzogtum erhob und ihm innerhalb des Reiches eine Anzahl von Privilegien sicherte. Anerkannt wurde dies erst von dem Habsburger Friedrich III.

1379 wurde im Vertrag von Neuberg die habsburgische Herrschaft zum ersten Mal geteilt. Danach gab es noch 1406 und 1411 weitere Teilungen. Daraus entstanden drei Länderkomplexe:

  • Die Niederösterreichischen Länder (Ober- und Niederösterreich)
  • die Innerösterreichischen Länder (Steiermark, Kärnten, Krain und Inner-Istrien sowie Triest)
  • die Vorderösterreichischen Länder (Tirol, Vorarlberg und die schwäbischen und elsässischen Vorlande)

Fast das gesamte 15. Jahrhundert ist eine Phase wirrer Erbteilungen und Familienstreitigkeiten, die die politische und wirtschaftliche Bedeutung der Habsburgischen Länder weitgehend schwächten. Friedrich V. († 1493) gelang es schließlich die Länder wieder zu einen, indem er alle seine Gegner überlebte und beerbte. Schon Albrecht V. war als Erbe der Luxemburger zum römisch-deutschen König gewählt worden. Diese Position ging in der Folge an Friedrich über, der 1452 zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt wurde und sich fortan Friedrich III. nannte.

Das Erzherzogtum Österreich seit 1453

Die Erhebung des Herzogtums Österreich zum Erzherzogtum geht auf das im Auftrag von Rudolf IV. gefälschte Privilegium Maius zurück und wurde im Jahre 1453 von Kaiser Friedrich anerkannt. Die habsburgischen Prinzen bezeichneten sich fortan als Erzherzöge, womit man Bezug auf die auch als Erzfürsten bekannten Kurfürsten nahm. Das Herzogtum war fortan ein Erzherzogtum des Heiligen Römischen Reiches um dieses den Kurfürstentümern rechtlich gleichzustellen – nur deren Herren, die Kurfürsten waren an der Wahl des römisch-deutschen Kaisers beteiligt. Als den Kurfürstentümern de facto gleichrangiges Herzogtum galt für Österreich die Primogenitur und die Unteilbarkeit. Später wurde es offiziell Erzherzogtum Österreich ob und unter der Enns bezeichnet und schließlich als Erzherzogtum Österreich ob der Enns und Erzherzogtum Österreich unter der Enns.

Frühe Neuzeit bis 1804

Der Aufstieg Österreichs zur Großmacht

tu felix austria nube. Maximilian I. (links) im Kreise seiner Familie

Die Hausmacht des Kaisers im Reich war nicht besonders groß. Die vielen adligen Herrscherhäuser strebten innerhalb und außerhalb des Reiches nach eigener politischer Macht. So hinterließ die glanzlose, aber zähe Politik Friedrichs III. eine gefestigte Herrschaft. Deren Bedeutung wurde erhöht durch die Heirat (1477) seines Sohnes Maximilian mit Maria, der Erbin des burgundischen Länderkomplexes zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Frankreich. Nach dem frühen Tod Marias heiratete Maximilian die bretonische Prinzessin Anna von Bretagne, die einen Erbanspruch auf die Bretagne besaß. Eine Intervention Frankreichs verhinderte jedoch die Machtübernahme der Habsburger in der Bretagne. 1496 verheiratete Kaiser Maximilian seinen Sohn Philipp mit der Prinzessin Johanna von Kastilien und Aragon. Er sicherte den Habsburgern damit nicht nur die Erbrechte auf Spanien, Neapel, Sizilien und Sardinien, sondern auch auf die spanischen Kolonien. Die Heiratspolitik der Habsburger wird im berühmten Spruch ausgedrückt: Bella gerant alii – tu felix austria nube („Kriege mögen andere führen – Du glückliches Österreich heirate“). Im Jahre 1499 endete der Schwabenkrieg. Die Habsburger mussten im Frieden zu Basel ihr Stammland mit der Habichtsburg aufgeben. Damit begann die Ablösung der Schweiz vom Heiligen Römischen Reich, die im Westfälischen Frieden von 1648 endgültig besiegelt wurde. Im Jahr 1500 erbte Maximilian die Grafschaft Görz. Da sein Sohn Philipp der Schöne gleichfalls durch Heirat zum König von Spanien (mit seinen neu eroberten Kolonien) werden konnte, standen die Habsburger kurz davor, nach der Weltmacht zu greifen. Der 1519 gekrönte Karl V. verfehlte dieses Ziel, gilt aber bis heute als mächtigster Habsburger aller Zeiten.

Karl V. Zitat: In seinem Reich ging die Sonne nie unter

Schon 1521 wurden die österreichischen Länder von Kaiser Karl V. an seinen Bruder Ferdinand I. übergeben, der die Anfänge zentraler Verwaltungsstrukturen etablierte. Ferdinand I. heiratete im gleichen Jahr Anna, die Erbfolgerechte in Böhmen und Ungarn besaß. Diese Erbrechte wurden 1526 wirksam. 1524 fügte Karl V. Friesland dem Reich hinzu. 1526 nach der unglücklich verlaufenen Schlacht von Mohács erbte Ferdinand nicht nur die Königreiche Ungarn und Böhmen (mit den Nebenländern Mähren, Schlesien und Lausitz), sondern auch die Bedrohung durch das Osmanische Reich, gegen das Ungarn vorher ein Schutzschild gewesen war. Zudem gerieten die Habsburger zum ersten Mal mit dem ungarischen Adel in Konflikt, der damals den alternativen König Johann Zápolya unterstützte. 1528 gerieten Overijssel und Utrecht unter habsburgische Herrschaft. 1531 wurde mit Hilfe von Bestechungsgeldern Ferdinand I. zum römisch-deutschen König gewählt. Das Herzogtum Mailand wurde von Karl V. annektiert. 1538 war das Königreich Ungarn dreigeteilt:

  • Das Königliche Ungarn (die heutige Slowakei, Westkroatien und Teile des heutigen Ungarns) blieb bei Habsburg.
  • Die Mitte des Landes fiel an die Türken.
  • Siebenbürgen kam unter die Kontrolle rivalisierender ungarischer Adeliger.

1555/56 dankte Karl V. nach dem Augsburger Religionsfrieden ab. Dies führte zur Teilung der Habsburger in eine spanische und in eine österreichische Linie. Die österreichische Linie stellte bis 1806 fast ununterbrochen den römisch-deutschen Kaiser.

Reformation, Gegenreformation und katholische Reform in den habsburgischen Ländern

In den österreichischen Ländern (mit Ausnahme Tirols) trat die Bevölkerung fast geschlossen zum Protestantismus über. Die Rekatholisierung setzte erst gegen 1600 ein (siehe auch Gegenreformation), dafür aber mit umso größerer Heftigkeit und Gewalttätigkeit. In diesem Prozess taten sich die Jesuiten und der Kardinal Melchior Khlesl, der Kanzler von Erzherzog Matthias, hervor. Ein führender Betreiber dieser Politik war Ferdinand II., von dem der Ausspruch stammt, er wolle lieber eine Wüste regieren als ein Land voller Ketzer.

Aufgrund dieser Politik wurden die österreichischen Länder auch in den Dreißigjährigen Krieg verwickelt, der durch den böhmischen Aufstand herbeigeführt wurde. Eine Zeit lang sah es so aus, als könnten die Habsburger das Heilige Römische Reich in eine absolutistische Monarchie umwandeln (siehe auch Schlacht am Weißen Berg); am Ende dieses Krieges waren sie jedoch auf die österreichischen und böhmischen Länder zurückgeworfen. So versuchten sie, aus diesen ein sinnvolles Staatsgebilde zu machen. Schon in den 1680er Jahren gab es ökonomische Theoretiker wie Philipp von Hörnigk oder Johann von Justi, die in diese Richtung drängten.

Das Habsburgerreich und die osmanische Bedrohung

Nachdem es schon seit dem späten 15. Jahrhundert zu Einfällen von türkischen Marodeuren gekommen war, wurde Wien 1529 von der regulären Streitmacht der Osmanen belagert. Nur die Tatsache, dass sie zu spät im Jahr auftauchten, konnte die Stadt damals retten. In der Folge kam es zu einem fast 200-jährigen permanenten Kleinkrieg zwischen kaiserlichen und türkischen Truppen, der nur durch Phasen regulären Krieges unterbrochen wurde.

1683, Zweite Belagerung von Wien durch die Osmanen

Die Osmanen belagerten 1683 Wien ein zweites Mal erfolglos. Einen entscheidenden Ausschlag gab das von Herzog Karl von Lothringen geführte Entsatzheer unter dem Oberbefehl des Königs von Polen, Johann III. Sobieski, das mit seinen Husaren vom Kahlenberg aus den Belagerern in den Rücken fiel. In den Jahren darauf gelang endlich der Befreiungsschlag gegen die osmanische Bedrohung. Mit Hilfe von fähigen Feldherren wie Karl von Lothringen und Prinz Eugen von Savoyen konnten die Osmanen während des Großen Türkenkrieges 1683–1699 und in einem weiteren Türkenkrieg 1716–1718 bis hinter Belgrad zurückgeworfen werden. Die Gebietsgewinne aus dem Frieden von Karlowitz (1699) und dem Frieden von Passarowitz (1718) wurden im Frieden von Belgrad (1739) allerdings größtenteils wieder rückgängig gemacht.

Dies ermöglichte nun ein beispielloses Aufblühen der Barockkultur, die eine spezifisch österreichische Ausformung entwickelte und Stadt („Vienna gloriosa“) und Land zutiefst prägte.

Erbfolgekriege

Nach dem Aussterben der spanischen Habsburger 1700 kämpften die österreichischen Habsburger gegen Ludwig XIV. im Spanischen Erbfolgekrieg um das spanische Erbe. Der Krieg wurde vor allem von Kaiser Joseph I. mit Verve und Erfolg geführt – nach seinem Tod brach jedoch alles zusammen. Sein Bruder Karl war der letzte lebende männliche Habsburger; er hätte ein Weltreich geerbt, was die anderen europäischen Mächte verhindern wollten. Immerhin kamen mit dem Frieden von Utrecht 1713 aus der Erbmasse alle europäischen Nebenlande Spaniens (Spanische Niederlande, Neapel, die Lombardei) an die Habsburger.

Im selben Jahr wurde von Karl VI. auch die Pragmatische Sanktion erlassen, die als erstes Grundgesetz für die Habsburgermonarchie angesehen werden kann. Die Pragmatische Sanktion bestimmte die Unteilbarkeit und Untrennbarkeit der Monarchie und führte zu diesem Zweck eine einheitliche Thronfolge nach dem Prinzip der Primogenitur und subsidiärer weiblicher Erbfolge ein. Diese Regelung hatte bis zum Ende der Habsburgermonarchie 1918 Bestand, sie wurde von Ungarn im Ausgleich 1867 explizit bestätigt.

In der Geschichtsschreibung wird oft angeführt, Karl VI. habe die weibliche Thronfolge unter dem Blickwinkel ermöglicht, dass er nur zwei Töchter, die 1717 geborene Maria Theresia (1740–80) und Maria Anna, hinterließ. Dies entspricht nicht den Tatsachen, da zum Zeitpunkt der Erlassung der Pragmatischen Sanktion 1713 noch keines der vier Kinder des Kaisers (ein Sohn, drei Töchter) geboren war und selbstverständlich nicht vorausgesehen werden konnte, dass sein Erstgeborener das Geburtsjahr 1716 nicht überleben würde.

Nach dem erfolgreichen Türkenkrieg von 1714–18 erhielten die Habsburger Nordbosnien, Nordserbien (ungefähr das Gebiet der heutigen Vojvodina), das Banat und die kleine Walachei. Mit dem Tausch von Sardinien gegen Sizilien erzielte das Habsburger-Reich seine größte territoriale Ausdehnung.

Mit dem Tod Karls VI. 1740 waren die Habsburger im Mannesstamm ausgestorben. Daher trat auf Grund der Pragmatischen Sanktion seine Tochter Maria Theresia die Herrschaft in den österreichischen Ländern an. Mit ihrem Ehemann Franz Stephan von Lothringen wurde sie Begründerin der neuen Dynastie Habsburg-Lothringen. Ihr Erbe konnte sie im Österreichischen Erbfolgekrieg (1740-48) überwiegend verteidigen. Im Vorfrieden von Breslau, der im Frieden von Berlin 1742 bestätigt wurde, fiel jedoch der Großteil Schlesiens, mit Ausnahme von Österreichisch-Schlesien, an Preußen und konnte trotz vieler Bemühungen und zweier weiterer Kriege (unter anderem 1756-63) nicht wiedergewonnen werden.

Die Reformen Maria Theresias

In den darauffolgenden Jahren wurden von Maria Theresia einige Änderungen für die Erblande in Österreich und Böhmen durchgeführt:

  • Sonderrechte in der Monarchie wurden eingeschränkt.
  • Die Nebenländer verloren das Recht auf eine eigene Verwaltung.
  • Die Stände verloren ihr Mitspracherecht bei Entscheidungen der Regierung.
  • Justiz und Verwaltung wurden getrennt.
  • Die Hofkammern der österreichischen und der böhmischen Länder wurden zu einer zentralen Finanz- und Militärbehörde vereint.
  • Der Adel wurde zum Dienst für die Monarchie verpflichtet.
  • Die Schulpflicht wurde eingeführt.

Der ungarische Adel, der Maria Theresia im Machtkampf am Beginn ihrer Herrschaft unterstützt hatte, behielt seine Privilegien. Es entstand somit ein österreichisch-ungarischer Dualismus.

Unter Maria Theresia begann man die damals sehr dünn besiedelten Gebiete in Galizien und Lodomerien, dem Banat und Siebenbürgen zu besiedeln. Die prägendste Einwanderergruppe waren die Donauschwaben. Diese Siedlungspolitik wurde bis zum Zerfall der Monarchie weitergeführt und führte unter anderem auch zur Ansiedlung von Juden in der Bukowina, die im späten 19. Jahrhundert die dortige Kultur stark prägten.

Der aufgeklärte Absolutismus

1765 wurde ihr Sohn Joseph II. zum Mitregenten ernannt. Er sollte die Amtsgeschäfte in den Jahren 1780-90 komplett übernehmen. Joseph II. führte viele Reformen durch; seine Regierungsform (Josephinismus) wurde später als aufgeklärter Absolutismus bezeichnet (Alles für das Volk, nichts durch das Volk.) Er öffnete ab 1766 bisherige Privatparks des Kaiserhofes für jedermann. Er schaffte 1781 die Leibeigenschaft ab und schloss Klöster, die nur kontemplativ tätig waren und keine Leistungen für die Allgemeinheit erbrachten. Nachdem 1779 im Frieden von Teschen das Innviertel für Österreich gewonnen wurde, scheiterte 1785 der Versuch, Bayern gegen die österreichischen Niederlande zu tauschen. Weitere Reformen wurden vor allem durch den Widerstand Ungarns und der österreichischen Niederlande verhindert, wo 1789 die Brabanter Revolution ausbrach. Trotzdem gilt Joseph als wichtiger Aufklärer und entscheidender Wegbereiter der bürgerlichen Gesellschaft.

Österreich wirkte 1773 an der ersten und in der Folge 1795 an der dritten Teilung Polens mit. (Maria Theresia wollte 1773 dem Gebietsgewinn von Preußen und Russland nicht untätig zuschauen.) Bei der ersten Teilung erhielt Österreich Galizien mit dem Gebiet um Lemberg und gründete das Königreich Galizien und Lodomerien. Bei der dritten Teilung konnte Österreich das später Westgalizien genannte Gebiet mit Kleinpolen bis südöstlich von Warschau für sich gewinnen.

Josephs Nachfolger wurde sein jüngerer Bruder Leopold II. Seine Hilfe – gemeinsam mit Preußens Friedrich Wilhelm II. – für den französischen König Ludwig XVI. kam nicht mehr zustande, Leopold II. starb völlig überraschend im März 1792 mit 44 Jahren.

Die aufklärerischen Ansätze wurden nach dem Schock der Französischen Revolution schnell eingefroren: Leopolds Sohn Franz II. (als römisch-deutscher Kaiser, später Franz I. von Österreich) trieb eine „geradezu starrköpfige Reaktionspolitik“, die vor allem mit dem Namen des Staatskanzlers Metternich verbunden ist. Diese politische Stagnation sollte die gesamte erste Hälfte des 19. Jahrhunderts andauern. Durch sie geriet Österreich in seiner gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung gegenüber Preußen, Frankreich und England ins Hintertreffen.

Nach der Französischen Revolution wurde auch Österreich in die Napoleonischen Kriege verwickelt. Die Kaiserkrönung Napoleons 1804 wurde von Franz II. mit der Ausrufung des Kaisertums Österreich beantwortet; Kaiser Franz II. (HRR) war nun als Franz I. auch Kaiser von Österreich. Im Frieden von Pressburg musste Österreich 1805 große Gebiete abtreten, unter anderem Venetien, aber auch Tirol und Vorarlberg an das mit Napoleon verbündete Bayern, dafür kam Salzburg zu Österreich. Auf Drängen Napoleons legte Franz II. 1806 die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches nieder, das damit aufhörte zu existieren.

Kaisertum Österreich (1804–1866)

Hauptartikel: Kaisertum Österreich

Gleichzeitig gründeten deutsche Fürsten auf Bestreben Napoleons den ihm zur Heerfolge verpflichteten Rheinbund. Auf Drängen des mittlerweile zum Außenminister aufgerückten Metternich wurde Marie Louise, die Tochter von Kaiser Franz I., 1810 mit Napoleon I. verheiratet. Napoleon wurde von den vereinigten österreichischen, russischen und preußischen Truppen im Oktober 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig vernichtend geschlagen. Im April 1814 dankte Napoleon ab, im September begann der Wiener Kongress zur Neuordnung Europas. Hier erhielt Österreich viele an Napoleon verlorene Gebiete zurück und tauschte die schwäbischen Vorlande gegen das Erzbistum Salzburg. Durch Nebenlinien beherrschten die Habsburger nun auch weite Teile Mittelitaliens.

Im März 1815 kehrte Napoleon aus seinem Exil in Elba nach Frankreich zurück, sein Ende war die Niederlage bei Waterloo im Juni 1815. 1815 wurde der Deutsche Bund mit dem Bundestag in Frankfurt unter dem ständigen Vorsitz Österreichs als Nachfolger des Heiligen Römischen Reiches gegründet. Gleichzeitig wurde zwischen Preußen, Österreich und Russland die so genannte Heilige Allianz geschlossen, welche die politische Stabilität in Europa garantieren sollte.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einem Erstarken nationalistischer Bewegungen. Die verschiedenen Nationalitäten im Vielvölkerstaat Österreich arbeiteten vehement gegeneinander und konnten so vom Kaiserhaus gegeneinander ausgespielt werden. Diese Uneinigkeit der Nationalitäten und die Hilfe Russlands retteten in der Revolution von 1848 das Kaisertum vor dem Auseinanderfallen.

Am 13. März 1848 verlangten verschiedene Gruppen in Petitionen Pressefreiheit, Geschworenengerichte und akademische Freiheiten. Die anschließenden Demonstrationen wurden jedoch blutig niedergeschlagen. In Wien kam es daraufhin zu heftigen Aufständen, Metternich wurde entlassen und floh nach England. Die Zensur wurde aufgehoben, Pressefreiheit und eine Verfassung im formellen Sinn versprochen. Die Pillersdorfsche Verfassung wurde am 25. April 1848 verkündet, trat jedoch nie in Kraft. Sie stieß vor allem wegen der Bestimmungen über die Zusammensetzung des Reichstages auf Ablehnung, weshalb sie am 16. Mai als provisorisch erklärt (mit Zusage des allgemeinen und gleichen Wahlrechts) und im Juli schließlich ganz zurückgenommen wurde. Auf dieser Grundlage trat am 22. Juli 1848 der Reichstag, das erste österreichische Parlament im modernen Sinne, in Wien zusammen. Da es noch kein Parlamentsgebäude gab, bediente man sich der Winterreitschule als provisorischer Unterkunft.

Inzwischen griff die Revolution auf andere Teile der Monarchie (Ungarn, Mailand, Venetien und Prag) über. Der Aufstand in Mailand wurde von Radetzky niedergeschlagen, der Prager Pfingstaufstand im Juni von Windischgrätz. Im September übernahm in Ungarn Lajos Kossuth die Macht und stellte eine Armee auf. Als sich in Wien kaiserliche Truppen weigerten, nach Ungarn abzumarschieren, und von Bürgern unterstützt wurden, brachen heftige Kämpfe aus. Ungarn konnte nur mit Hilfe Russlands zurückerobert werden.

Der Hof floh nach Olmütz und verlegte den Reichstag in das benachbarte Städtchen Kremsier. Am Ende des Wiener Oktoberaufstandes wurde Wien am 1. November von kaisertreuen Truppen unter Führung von Windischgrätz und Joseph Jelačić von Bužim erobert, 24 Revolutionäre wurden hingerichtet, die Revolution war gescheitert.

In Olmütz dankte Kaiser Ferdinand I. zugunsten seines Neffen Franz Joseph Karl ab, der im Dezember 1848 als Franz Joseph I. den Thron bestieg. Der Reichstag von Kremsier wurde am 4. März 1849 aufgelöst und am selben Tag eine neue Verfassung vom Kaiser oktroyiert (Oktroyierte Märzverfassung), die jedoch nur zu einem geringen Teil wirksam wurde, insbesondere wurde kein neuer Reichstag einberufen. Nachdem die Aufstände in Italien und in Ungarn vollständig niedergeschlagen worden waren, hob Franz Joseph mit den Silvesterpatenten vom 31. Dezember 1851 auch die Oktroyierte Märzverfassung von 1849 wieder auf und leitete eine Phase des Neoabsolutismus ein.

1853 wurde das Bündnis mit Russland schwer erschüttert, weil weder Preußen noch Österreich in den Krimkrieg eingriffen. Von da an datiert der österreichisch-russische Gegensatz, der sich durch die Balkankrisen der nachfolgenden Jahrzehnte wesentlich verschärfte.

Die Zeit des Neoabsolutismus neigte sich mit den Niederlagen der kaiserlichen Truppen in Italien 1859 gegen die italienische Einigungsbewegung (Risorgimento) dem Ende zu: Die Direktregierung durch den Kaiser und seine Minister ohne jedes Parlament hatte selbst im Großbürgertum keine Anhänger mehr und konnte sich auch nicht durch Erfolge legitimieren. Das Oktoberdiplom 1860 und das Februarpatent 1861 waren kurzlebige Verfassungsexperimente.

Die Niederlage von Königgrätz im Deutschen Krieg von 1866 (Deutscher Bund unter Vorsitz Österreichs gegen Preußen) führte zur Auflösung des Deutschen Bundes. Hintergrund des Krieges war, dass Bismarck ein deutsches Bündnissystem unter der Hegemonie Preußens anstrebte. Eine solche Hegemonie war nach Einschätzung Bismarcks nur ohne Österreich möglich, da Österreich als bisherige Hegemonialmacht des Deutschen Bundes wirtschaftlich und militärisch zu bedeutend war. Nach dem preußischen Sieg, der durch technisch überlegene Waffen erreicht wurde, konnte Bismarck gegen den Willen Österreichs die Gründung eines Norddeutschen Bundes ohne Österreich durchsetzen. Da im Krieg 1866 Venetien trotz der für Österreich erfolgreichen Seeschlacht von Lissa unter Admiral Wilhelm von Tegethoff verloren ging, war das Ansehen des Monarchen auf einem Tiefpunkt angelangt.

Österreich in der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn (1867–1918)

Hauptartikel: Österreich-Ungarn

Die Österreichisch-Ungarische Monarchie, auch als k.u.k. Monarchie oder inoffiziell als Donaumonarchie bezeichnet, wurde am 8. Juni 1867 infolge des Ausgleichs mit dem Königreich Ungarn gegründet. An diesem Tag wurde Kaiser Franz Joseph I. von Österreich in Budapest (Pest-Buda) zum Apostolischen König von Ungarn gekrönt. Ungarn schied aus dem Kaisertum aus und wurde gleichberechtigter Teilstaat in einer Realunion mit Österreich.

Die nicht-ungarischen Kronländer (Cisleithanien), die im Kaisertum verblieben waren, erhielten am 21. Dezember 1867 die Dezemberverfassung, die im Wesentlichen bis zum Ende der Monarchie Bestand hatte. Die Außenpolitik wurde zuerst durch das Dreikaiserbündnis und in späterer Zeit durch den Zwei- bzw. Dreibund geprägt.

In dieser Zeit begann der – bisher von den Herrscherhäusern unterdrückte – Nationalismus seinen Siegeszug durch die Länder Europas und insbesondere der Habsburger Monarchie. Zur Abschwächung des ungarischen Nationalismus gedacht, verschärfte der Ausgleich von 1867 die Spannungen mehr als er sie kalmierte. Dieser Ausgleich schuf nämlich die Situation, dass die nationalitären Konflikte durch die Magyarisierungspolitik der ungarischen Regierung zusätzlich angeheizt wurden. Die Polen in Galizien kooperierten oft mit der Wiener Regierung und erhielten für Galizien bedeutende Infrastrukturinvestitionen aus dem Staatsbudget. Die anderen slawischen Nationalitäten Altösterreichs fühlten sich mit den Deutschsprachigen, die die Staatsbürokratie dominierten, nicht gleichberechtigt. Die vergeblichen Bemühungen der Tschechischen Nationalbewegung in Böhmen und Mähren um einen Österreichisch-Tschechischen Ausgleich konkurrierten mit den Bestrebungen der dortigen deutschsprachigen Minderheit und der deutsch-nationalistischen Arbeiterpartei. Hier konnte die Einführung der Zweisprachigkeit 1880 in Böhmen und Mähren, 1882 in den slowenischen Gebieten und in Österreichisch-Schlesien auch nicht weiterhelfen. Der Mährische Ausgleich 1905 nahm dem Nationalitätenkonflikt zwar in diesem Kronland einiges an Schärfe, für Böhmen konnte eine ahnlich ausgewogene Lösung aber nicht erreicht werden. Auch in Kärnten, der Steiermark und Tirol wurden Autonomiewünsche der nationalen Minderheiten von den deutschsprachigen Mehrheiten in den Landtagen schroff abgelehnt.

Böhmen und Mähren wuchsen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den industriellen Zentren Altösterreichs heran. Hier war die Betriebsansiedlung einfacher als im gebirgigen Alpenraum, die verkehrsgeografische Lage (Nähe zu den Ballungszentren Berlin und Wien und zum oberschlesischen Industriegebiet des Deutschen Reiches) günstig, es standen ausreichend Arbeitskräfte zur Verfügung. Die Österreichische Wirtschaft und die Österreichische Kultur erreichten um 1900 eine große Blütezeit, während sich der Staat auf Grund des Nationalitätenhaders oft nur durch Fortfretten und Fortwurschteln (wienerische Ausdrücke für „mühsam weiterkommen“) weiterentwickeln konnte.

1878 erhielt Österreich-Ungarn beim Berliner Kongress das Recht zugesprochen, die osmanische Provinz Bosnien-Herzegowina, bis dahin von Istanbul aus regiert, zu besetzen und zu verwalten. Die Doppelmonarchie investierte kräftig in die Modernisierung des Landes. Als sie die Provinz aber 1908 annektierte, führte dies zu starken Spannungen mit dem Königreich Serbien und war auch ein Grund für das Attentat in Sarajewo. 1879 wurde mit Deutschland der Zweibund und 1882 mit Italien der Dreibund geschlossen. Er sollte noch für den Ersten Weltkrieg ausschlaggebend sein. Der Dreibund hatte von Anfang an mit der italienischen Irredenta zu kämpfen, was vor allem die Beziehungen mit Österreich belastete.

Um 1880 wurde der Wahlzensus (Mindeststeuerleistung als Bedingung für das Wahlrecht der Männer; Frauen weiterhin nicht wahlberechtigt, wenn nicht Großgrundbesitzerin) gelockert, was die Bildung von neuen Parteien ermöglichte:

Um 1900, zum fin de siecle, lebten Johann Strauß, Gustav Mahler, Sigmund Freud, Ernst Mach, Otto Wagner, Gustav Klimt, Karl Kraus, Arthur Schnitzler und viele andere Künstler und Wissenschaftler in Wien. Diese etwa zwei Jahrzehnte, in denen Wien eine nie zuvor und danach erreichte Vielzahl an kulturellen und wissenschaftlichen Persönlichkeiten hervorbrachte, wird auch als Wiener Moderne bezeichnet.

1903 gab Serbien nach einem ungarischen Importstopp für serbisches Schweinefleisch (der Fleischexport war eine Haupteinnahmequelle der serbischen Landwirtschaft) die Anlehnung an Österreich-Ungarn auf und begann auf die Abtrennung der südslawischen Gebiete der Doppelmonarchie hinzuarbeiten (es handelte sich um slowenisch, kroatisch, serbisch und bosniakisch besiedelte Gebiete in beiden Reichshälften). Dieses Ziel wurde vor allem von Russland unterstützt.

1905 begannen Verhandlungen der Sozialdemokratie mit der k.k. Regierung, die – wie Historiker das Ergebnis einschätzen – mit einem historischen Kompromiss endeten: 1907 fanden die ersten Reichsratswahlen statt, bei denen jeder erwachsene männliche Staatsbürger wahlberechtigt war und jede Stimme gleich viel zählte. Das Frauenwahlrecht wurde erst 1919 in der Republik eingeführt. Die Christlichsozialen gewannen 1907 vor den Sozialdemokraten und den liberalen Parteien. 1911 erreichten die Sozialdemokraten die meisten Mandate.

In den letzten Jahrzehnten der Doppelmonarchie befand sich Altösterreich – abgesehen von seinen Nationalitätenfragen – in der Situation, dass Altungarn nur etwa ein Drittel der gemeinsamen Ausgaben für Armee, Kriegsflotte und diplomatischen Dienst deckte, ohne Zustimmung der Budapester Regierung aber keine wesentliche außen-, wirtschafts- oder militärpolitische Entscheidung getroffen werden konnte. Der Reichsrat als Parlament war oft durch tschechische Obstruktionspolitik lahmgelegt; viele erforderliche Regelungen erfolgten daher auf Vorschlag der k.k. Regierung durch kaiserliche Verordnung statt durch Parlamentsbeschluss. Der Staat wurde im Wesentlichen von der k.k. Bürokratie und der k.u.k. Armee, beide übernational auf die Person des Monarchen eingeschworen, zusammengehalten. Man besprach in politischen Kreisen, so lange er lebt (gemeint war der greise Kaiser Franz Joseph I., 1910 bereits achtzig Jahre alt), werde es keine wesentlichen Veränderungen geben, sah diese aber für die Regierungszeit seines Nachfolgers voraus.

Das am 28. Juni 1914 vom serbischen Nationalisten Gavrilo Princip verübte Attentat von Sarajevo auf Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand, der Bosnien-Herzegowina einen offiziellen Besuch abstattete, veränderte die Lage aber völlig. Hatten einzelne Spitzenfunktionäre der Gesamtmonarchie wie Generalstabschef Franz Conrad von Hötzendorf schon Jahre zuvor einen Krieg gegen Serbien befürwortet, so setzte sich nun in Wien und Budapest die so genannte Kriegspartei durch. Ohne den Reichsrat auch nur zu fragen, wurde dem Monarchen suggeriert, nun sei der Krieg gegen Serbien unausweichlich und eine Frage der Ehre der Monarchie. (Zuvor war Franz Joseph I. nach dem Attentat noch wie üblich nach Bad Ischl auf Sommerfrische gefahren; seinem Neffen Franz Ferdinand weinte er keine Träne nach, weil dieser nicht standesgemäß geheiratet hatte.) Das mit Zustimmung Franz Josephs vom k.u.k. Außenminister Leopold Berchtold mit Rückendeckung des deutschen Kaisers an Serbien gestellte Ultimatum bewirkte die Aktivierung der europaweit bestehenden Bündnissysteme und Beistandsverpflichtungen und führte so zum Ersten Weltkrieg.

Österreich im Ersten Weltkrieg

Hauptartikel: Erster Weltkrieg
Hauptartikel: Österreich-Ungarns Armee im Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg war für Österreich-Ungarn ein Desaster, da die veraltete k.u.k. Armee auf einen Krieg in dieser Größenordnung nicht vorbereitet war. Besonders nach dem Kriegseintritt Italiens (1915) und Rumäniens (1916) war Österreich-Ungarn an einem großen Teil seiner Grenzen von Gegnern umgeben. Die Eroberung des Königreichs Serbien – man hatte sich ursprünglich eine auf Grund eigener Überlegenheit unschwierige „Strafexpedition“ vorgestellt – gelang erst mit deutscher und bulgarischer Unterstützung. Im Krieg gegen Russland war Österreich lange unterlegen und musste einen Großteil Galiziens räumen. Erst später wurde Galizien mit deutscher Hilfe wieder besetzt. Dasselbe galt für den rumänischen Kriegsschauplatz, wo die Initiative von Anfang an bei den deutschen Truppen lag. Im Krieg gegen Italien war Österreich erfolgreicher und konnte in zwölf Isonzoschlachten das Eindringen der italienischen Armee in die Monarchie verhindern und zuletzt tief ins Friaul eindringen. Allerdings brach hier, infolge Materialmangels, Kriegsmüdigkeit und Auflösungserscheinungen von Armee und Gesamtmonarchie, die Front Ende Oktober 1918 zusammen. Am Krieg an der Westfront war die österreichische Armee kaum beteiligt.

Die Versorgung der altösterreichischen Bevölkerung war speziell in den letzten Kriegsjahren sehr schlecht und es kam zu großen Hungersnöten. Im November 1916 starb Kaiser Franz Joseph I. und Karl I. wurde sein Nachfolger. Seine Chancen auf baldigen Friedensschluss und Erhalt der Doppelmonarchie waren gering. Als der Reichsrat, das altösterreichische Parlament, vom neuen Monarchen 1917 erstmals seit Frühjahr 1914 einberufen wurde, teilten die Abgeordneten der Nationalitäten mit, welche Absichten sie nach Kriegsende verfolgen würden. Der Erhalt des Gesamtstaates und der Monarchie gehörte nicht dazu. Es war daher bereits 1917 klar, dass Altösterreich zerfallen würde.

Kaiser Karl I. unternahm am 16. Oktober 1918 den Versuch, das kaiserliche Österreich als Föderation zu erhalten. Er forderte die Nationalitäten in einem Manifest auf, eigene Nationalräte zu gründen, und sah seine Regierung quasi als Schiedsrichter für eine friedliche Neuordnung der Monarchie: Österreich soll dem Willen seiner Völker gemäß zu einem Bundesstaat werden, in dem jeder Volksstamm auf seinem Siedlungsgebiet sein eigenes Gemeinwesen bildet.

Von der Nationalversammlung beanspruchtes Staatsgebiet der Republik Deutschösterreich (1918–1919)

Die Nationalitäten nahmen die Einladung, Nationalräte einzurichten, an, waren doch damit ihre bisher aus Sicht des Gesamtstaates separatistischen Planungen legalisiert. Von ihren Völkern nicht gewählte Schiedsrichter ignorierten sie aber: Sie beschlossen, eigene Staaten zu gründen, und hatten an einem monarchischen Bundesstaat kein Interesse. Die provisorische Nationalversammlung von Deutschösterreich – bestehend aus den 1911 gewählten Reichsratsabgeordneten der deutschen Gebiete Altösterreichs – bestellte am 30. Oktober 1918 ihre eigene Regierung und notifizierte dies am 6. November dem US-Präsidenten Woodrow Wilson; beim Kaiser stellte sich die deutschösterreichische Regierung nicht vor. Am 11. November 1918 entließ der Kaiser seine k.k. Regierung und verzichtete auf dringendes Anraten seiner letzten Minister und des deutschösterreichischen Staatsrates auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften. Die Nationalversammlung rief am 12. November 1918 die Republik aus.

Der Kaiser hatte allerdings nicht abgedankt. Der Staat Deutschösterreich stellte ihn daher vor die Alternative, formell abzudanken oder das Land zu verlassen. Im März 1919 verließ Ex-Kaiser Karl I. Deutschösterreich, im April 1919 wurden das Habsburgergesetz und das Adelsaufhebungsgesetz beschlossen.

Die Erste Republik (1918–1938)

Deutschösterreich (1918–1919)

Karl Renner (1905)

Die provisorische Nationalversammlung beschloss am 12. November für den vorerst „Deutschösterreich“ genannten Staat die Form der demokratischen Republik. Zugleich wurde in Artikel Zwei des Gesetzes festgehalten, dass das Land Teil der drei Tage zuvor ausgerufenen deutschen Republik sein sollte. Erster Staatskanzler wurde Karl Renner. Beansprucht, aber für den neuen Staat nicht gewonnen, wurden Teile der neu bzw. wieder entstandenen Staaten Tschechoslowakei (Deutschböhmen, Teile Mährens) und Polen (Schlesien) sowie das von Italien annektierte Südtirol.

Weite Teile der Bevölkerung und die meisten Vertreter der politischen Parteien waren der Auffassung, dieser „Rest-“ bzw. „Rumpfstaat“ – ohne die ungarische Agrarwirtschaft und die böhmische Industrie – sei allein nicht lebensfähig. Der Publizist Hellmut Andics drückte das später mit dem Buchtitel Der Staat, den keiner wollte aus.

Der Zusammenschluss mit dem Deutschen Reich bzw. der Deutschen Republik wurde von den alliierten Siegermächten im Vertrag von Saint-Germain ausgeschlossen. Gemäß des Vertrages wurde auch der Staatsname Republik Österreich festgelegt. Am 21. Oktober 1919, mit der Ratifizierung des Friedensvertrages durch das Parlament, wurde dieser Name verbindlich (er wurde bis 1934 und wird seit 1945 geführt). Als Bundeskanzler Ignaz Seipel mit dem Völkerbund später die so genannte „Genfer Sanierung“ zur Stützung des inflationsgeschüttelten Staatshaushaltes vereinbarte, wurde das später so genannte Anschlussverbot bekräftigt. 1931 wurden Pläne Österreichs für eine Zollunion mit dem Deutschen Reich unter Hinweis auf die Bestimmungen des Friedensvertrages verboten.

In Salzburg gab es Bestrebungen, sich unabhängig von anderen Teilen Österreichs Deutschland anzuschließen. Dies wurde von Deutschland abgelehnt. In Tirol gab es bei Wenigen die Überlegung, sich Italien anzuschließen, um die Einheit Tirols zu wahren. Eine andere politische Linie strebte den Anschluss an Deutschland an. In Vorarlberg bestand der Wunsch, sich der Schweiz anzuschließen. In einer Volksabstimmung erhielt diese Idee in Vorarlberg eine große Mehrheit. Die Schweizer Bundesregierung legte aber auf den „Kanton Übrig“, der die Balance zwischen protestantischen und katholischen Kantonen verändert hätte, keinen Wert.

Republik Österreich (1919–1934)

Staat und Wirtschaft

Die 1920 beschlossene Verfassung ist inhaltlich vor allem von Hans Kelsen, einem angesehenen Staatsrechtsexperten, geprägt. Er musste darin auf Grund der politischen Wünsche (Sozialdemokraten: Zentralismus; Konservative: Föderalismus) bundesstaatliche Grundsätze mit einer starken Position von Nationalrat und Bundesregierung verbinden. Die Funktion des Bundespräsidenten war vorerst schwach ausgeprägt; auf Wunsch der Sozialdemokraten war das Parlament das zentrale Organ der Republik (eine Reaktion auf die vorangegangene Monarchie).

Konflikte zwischen den Prinzipien Landeseinheit und Selbstbestimmungsrecht gab es ab 1918 in Kärnten, weil die slowenische Bevölkerung Südkärntens teilweise zum Anschluss an den neuen südslawischen Staat neigte und das Königreich SHS, um Fakten zu schaffen, Südkärnten militärisch besetzte. Der Kärntner Abwehrkampf gegen die südslawischen Truppen war zwar militärisch aussichtslos, mobilisierte aber die internationale Öffentlichkeit und führte auf Wunsch der Siegermächte zur Volksabstimmung in Südkärnten am 10. Oktober 1920, die eindeutig für die Zugehörigkeit des Abstimmungsgebietes südlich der Drau zur Republik Österreich ausging.

Die Verträge von St. Germain 1919 mit Österreich und von Trianon 1920 mit Ungarn sahen vor, das seit Jahrhunderten deutsch besiedelte Westungarn an Österreich anzuschließen. (Damit wurden Überlegungen, einen slawischen Korridor von der Slowakei nach Slowenien zu errichten, durch den die Kriegsverlierer Österreich und Ungarn getrennt würden, ad acta gelegt.) Deutsch-Westungarn wurde 1921 mit dem Namen Burgenland das achte Bundesland der neuen Republik, nachdem ungarische Freischärler versucht hatten, dies zu verhindern. Für die natürliche Hauptstadt des Gebietes, Ödenburg (Sopron), wurde auf ungarischen Wunsch, der von Italien unterstützt wurde, die Volksabstimmung 1921 im Burgenland durchgeführt, wobei sich die Mehrheit für Ungarn entschied. In den zeitgenössischen österreichischen und ungarischen Darstellungen dieser Volksabstimmung waren zahlreiche Divergenzen zu bemerken.

Niederösterreich war 1918 mit über 3 Millionen Einwohnern das bei weitem bevölkerungsstärkste (und das flächengrößte) Bundesland Österreichs. Die politischen Absichten der im ländlichen Raum stark vertretenen Konservativen und der vor allem in Wien sehr starken Sozialdemokraten waren schwer zu harmonisieren, außerdem bedrückte das niederösterreichische Übergewicht die anderen Bundesländer. Daher wurden die verfassungsmäßigen Bestimmungen dazu geschaffen, dass Wien per 1. Jänner 1922 aus dem Land Niederösterreich ausschied und als eigenes (neuntes) Bundesland konstutiiert wurde.

Arbeitslosenrate Österreichs zwischen 1919 und 1955

Die Wirtschaft des neuen Staates lag aufgrund der Kriegsfolgen (Reparationen, Gebietsverluste, neue Zollgrenzen) darnieder. Die damit zusammenhängende Hyperinflation („galoppierende Inflation“) konnte erst durch eine Währungsreform mit Einführung des im November 1924 beschlossenen Schillings ab 1. März 1925 statt der Kronenwährung beendet werden; Voraussetzung war eine von Ignaz Seipel verhandelte Anleihe des Völkerbundes. Für 10.000 Kronen hätte man 1914 noch einen Häuserblock kaufen können, im Dezember 1922 nur noch einen Laib Brot. Mit Einführung der Schillingwährung betrieb die Regierung konsequente Hartwährungspolitik, was dem Schilling bald den Spitznamen Alpendollar eintrug, die wirtschaftlichen Gestaltungsmöglichkeiten in Krisenzeiten aber stark einschränken sollte.

Der folgende zaghafte wirtschaftliche Aufschwung ging mit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 auch schon wieder zu Ende. Zur latenten Strukturkrise, versinnbildlicht durch den Postsparkassenskandal von 1926, war die große Konjunkturkrise gekommen. Der 1931 drohende Zusammenbruch der Creditanstalt, die damals die größte Bank Mitteleuropas war, erforderte das Eingreifen der Regierung; dies bedrohte aber die Währung. 1932 erhielt Österreich daher neuerlich eine Völkerbundanleihe (300 Millionen Schilling). Als Gegenleistung wurde bei der Konferenz von Lausanne das Anschlussverbot für die nächsten 20 Jahre bekräftigt. 1933 war etwa ein Drittel der Arbeitskräfte ohne Arbeit.

Das Erstarken der Konservativen veranlasste die Sozialdemokraten, 1929 einer Verfassungsnovelle zuzustimmen, die wieder ein herausgehobenes Staatsoberhaupt schuf: Der Bundespräsident wurde nicht mehr vom Parlament, sondern vom Volk gewählt. Er bestellte die Regierung und konnte auf deren Vorschlag das Parlament zwecks Neuwahlen auflösen (bis 1929 war dies nur durch Parlamentsbeschluss möglich). Die meisten Befugnisse des Bundespräsidenten waren aber an einen Vorschlag der Bundesregierung gebunden, diese dem Nationalrat verantwortlich. Das Bundes-Verfassungsgesetz in der Fassung von 1929 war bis 1934 und ist seit 1945 in Kraft.

Politische Polarisierung

Antisemitisches Wahlplakat der Christlichsozialen Partei bei der Nationalratswahl 1920.

1918–1920 hatte eine große Koalition regiert. 1920–1934 befand sich die Sozialdemokratie in der Bundespolitik in Opposition zur konservativen Regierung und schuf im Roten Wien ihr politisches Gegenmodell. Mit zunehmendem Abstand vom entscheidenden Jahr 1918 formierten sich auf dem rechten Flügel des Parteienspektrums immer mehr Gegner der Demokratie. Die Sozialdemokraten gaben deren Furcht vor dem Bolschewismus dadurch Nahrung, dass sie in ihrem Parteiprogramm reichlich missverständlich von der Diktatur des Proletariats schrieben und den Marxismus im Munde führten, obwohl sie de facto eine gemäßigte sozialdemokratische Politik betrieben.

Die beiden großen politischen Lager legten sich bald paramilitärische Einheiten zu: Die Heimwehr (den Christlichsozialen nahestehend, aber ohne klare Parteibindung) sollte, teilweise von heimgekehrten Soldaten des ersten Weltkriegs gebildet, die Heimat vor unerwünschten Veränderungen schützen. Der Republikanische Schutzbund der Sozialdemokraten sollte die Demokratie gegen Rechtsradikalismus schützen.

1927 demonstrierte der Republikanische Schutzbund in Schattendorf (Burgenland) gegen die Heimwehr. Mitglieder rechtsstehender „Frontkämpfer“ schossen auf die friedlichen, unbewaffneten Demonstranten. Dabei töteten sie ein Kind und einen Kriegsinvaliden. Mit dem Schattendorfer Urteil wurden die mutmaßlichen Täter im Juli 1927 von einem Geschworenengericht freigesprochen: nach Auffassung der „Arbeiter-Zeitung“ ein unverzeihlicher Justizskandal. Die am 15. Juli 1927 vor dem Justizpalast in Wien stattfindende Großdemonstration gegen das Urteil „entgleiste“ allerdings doppelt: Radikale Elemente unter den Demonstranten stürmten den Justizpalast und setzten ihn in Brand (die Regierung bezeichnete den Vorfall als Julirevolte).

Nachdem auch Polizeiwachzimmer gestürmt worden waren, bekam die Polizei von ihrem Präsidenten Johann Schober den Befehl, die Demonstration mit Waffengewalt aufzulösen, und schoss dabei auf viele an Ausschreitungen völlig Unbeteiligte, auch auf Menschen, die gerade auf der Flucht vor den Unruhen waren. Die Bilanz: 89 Tote (davon 84 Demonstranten), 1.057 Verwundete. Der Publizist Karl Kraus nahm die verhängnisvolle Überreaktion zum Anlass, den Polizeipräsidenten durch Plakate öffentlich anzusprechen: „Ich fordere Sie auf abzutreten.“

In den Wochen danach kam es zu 1.000 Neubeitritten zu den austrofaschistisch ausgerichteten Heimwehren unter ihrem Führer Ernst Rüdiger Starhemberg. Weil Bundeskanzler Prälat Ignaz Seipel bei der Nationalratsdebatte über das Ereignis sagte, man könne von ihm „keine Milde“ verlangen, traten bis Jahresende 1927 28.000 Personen aus der römisch-katholischen Kirche aus; die Sozialdemokraten bezeichneten den Kanzler von da an stets als „Prälaten ohne Milde“. Die Sozialdemokratie fühlte sich durch die Ereignisse geschwächt; sie sah es als Niederlage, dass die Staatsmacht rücksichtslos Jagd auf Arbeiter gemacht hatte. Bei den letzten Nationalratswahlen der ersten Republik wurde die SDAP 1930 aber stimmenstärkste Fraktion.

Gegner der beiden großen Parteien waren die österreichischen Nationalsozialisten, die vor allem außerhalb Wiens (etwa in der Steiermark) Anhängerschaft hatten. Zeitweise gab es Kooperationen zwischen christlichsozialen und nationalsozialistischen Politikern. Bei den Nationalratswahlen 1927 bildeten Christlichsoziale, Großdeutsche, die nationalsozialistische Riehl- und Schulzgruppe und andere Gruppierungen eine Einheitsliste.

1930 organisierten die Heimwehren den so genannten Korneuburger Eid, eine Versammlung in Korneuburg bei Wien, bei der die Teilnehmer dem „westlichen, demokratischen Parteienstaat“ abschworen und unter der Führerschaft Starhembergs einer autoritären Politik huldigten. Julius Raab, Bundeskanzler der zweiten Republik, soll sich unter den Teilnehmern befunden haben.

Diskutierenswert bleibt, warum die Sozialdemokraten 1932 das Angebot der Christlichsozialen zu einer großen Koalition abgelehnt haben. Einzelne sozialdemokratische Stimmen bezeichnen dies heute als schweren Fehler der Partei.

Anfang der 1930er Jahre begannen sich in einer Reihe von Staaten Europas faschistische Bewegungen durchzusetzen. Auch Österreich blieb von dieser Entwicklung nicht verschont. Vor allem die Heimwehr vertrat faschistische Ideen nach dem Vorbild Italiens. Mussolini wurde von der im Ausland isolierten österreichischen Regierung als wichtigste Stütze gesehen.

Eine am 4. März 1933 patt ausgegangene Abstimmung über die Eisenbahnergehälter und taktisch bedingte Rücktritte der drei Parlamentspräsidenten nützte der christlichsoziale Bundeskanzler Engelbert Dollfuß, um die „Selbstausschaltung des Parlaments“ zu verkünden. Den Wiederzusammentritt des Nationalrates am 15. März verhinderte Polizei, die das Parlamentsgebäude umstellt hatte.

Dollfuß nützte das Kriegswirtschaftliche Ermächtigungsgesetz von 1917 dazu, ohne das Parlament zu regieren. Am 7. März 1933 erließ der Ministerrat ein Versammlungs- und Aufmarschverbot und führte die Zensur für österreichische Zeitungen wieder ein. Durch den Rückzug der christlichsozialen Mitglieder legte Dollfuß auch den Verfassungsgerichtshof lahm. Bundespräsident Wilhelm Miklas griff nicht ein, obwohl ihm – eigenen privaten Aufzeichnungen zufolge – die Verfassungswidrigkeit bewusst war. Er ließ eine Petition von über einer Million Stimmberechtigter, die die Wiedereinberufung des Parlaments verlangten, unberücksichtigt.

Der Weg in einen autoritären Ständestaat nach dem Vorbild des faschistischen Italien war damit beschritten. Als politisches Sammelbecken gründete Dollfuß die Vaterländische Front, eine Vereinigung der Christlichsozialen mit der Heimwehr, dem Landbund und einigen anderen Wehrverbänden. Es kam zur Verhaftung politischer Gegner. Mit dem 31. März 1933 löste die Regierung den Republikanischen Schutzbund auf. Am 10. Mai 1933 verordnete die Regierung die Aussetzung aller Wahlen auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene. Am 26. Mai wurde die Kommunistische Partei Österreichs aufgelöst, am 19. Juni schließlich auch die NSDAP. Die Sozialdemokratie konnte sich lange nicht zum Widerstand gegen diese Politik entschließen; sie war unschlüssig, wie dem undemokratischen Vorgehen Dollfuß' zu begegnen sei. Da die Landtage der neun Bundesländer weiter funktionsfähig blieben, schien die Situation noch offen.

Austrofaschismus und Bundesstaat Österreich (1934–1938)

Hauptartikel: Ständestaat (Österreich)

Hauptartikel: Österreichischer Bürgerkrieg

In Folge einer Hausdurchsuchung nach Waffen im Hotel Schiff, einem Parteiheim der Sozialdemokraten in Linz, kam es am 12. Februar 1934 zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten und Heimwehr bzw. Bundesheer. Diese weiteten sich zu einem Bürgerkrieg aus, den die Regierung als „Februaraufstand“ bezeichnete. Die Vorgänge waren von der sozialdemokratischen Parteileitung in Wien nicht geplant worden; die Spitzenfunktionäre wurden vom Aufstand der Basis überrascht. Dementsprechend fanden Kämpfe auch nur sehr punktuell und keineswegs im ganzen Land statt. Man kann diese Kämpfe als Verzweiflungstaten bezeichnen, da sehr bald klar war, dass es nicht zu einem Volksaufstand kommen und daher die Diktatur siegen würde.

Insbesondere in Wien und den Industriezentren (Steyr, Obersteiermark, Linz) wurde zwei bis drei Tage lang heftig gekämpft. Polizei, Bundesheer und die sie unterstützenden Heimwehrabteilungen konnten den verzweifelt kämpfenden Republikanischen Schutzbund relativ leicht niederkämpfen. Die sozialdemokratische Parteileitung unter Dr. Otto Bauer, Julius Deutsch u.a. flüchtete in die Tschechoslowakei. Der Wiener Bürgermeister Karl Seitz wurde gewaltsam aus dem Rathaus entfernt. Die Sozialdemokratische Partei wurde verboten, ihr Vermögen eingezogen. Einige Februarkämpfer, unter ihnen Koloman Wallisch und Karl Münichreiter, wurden standgerichtlich zum Tod verurteilt und hingerichtet. (Dollfuß wurde daher von der Sozialdemokratie oft als Arbeitermörder bezeichnet.) In die Geschichte ist der Bürgerkrieg als erster bewaffneter Kampf gegen den Faschismus eingegangen. Deshalb lagen die Sympathien etwa in England eindeutig auf Seiten der Verlierer[1].

Nachdem die Mandate der Sozialdemokraten für erloschen erklärt worden waren, wurde der Nationalrat für den 30. April 1934 noch einmal einberufen. Von den Abgeordneten der Vaterländischen Front wurde dabei beschlossen, die Regierung mit allen Befugnissen auszustatten, die zuvor Nationalrat und Bundesrat oblagen. Am 1. Mai 1934 trat die autoritäre Maiverfassung in Kraft. Wien wurde zur bundesunmittelbaren Stadt erklärt, die Republik erhielt den Namen Bundesstaat Österreich. Eine wichtige Rolle bei der Konstruktion des Ständestaates hatte der Einfluss Mussolinis gespielt.

Am 25. Juli 1934 kam es zu einem nationalsozialistischen Putschversuch, dem so genannten Juliputsch. 154 als Soldaten und Polizisten verkleidete österreichische SS-Männer stürmten das Bundeskanzleramt, Engelbert Dollfuß wurde angeschossen und verblutete (ärztliche Hilfe wurde nicht zugelassen) Stunden später an den Folgen der Schussverletzungen. Eine zweite Gruppe der Putschisten besetzte die Rundfunkstudios der RAVAG und verbreitete die Falschnachricht, Dollfuß habe die Regierungsgeschäfte Anton Rintelen übergeben. Dies war das vereinbarte Zeichen für einen nationalsozialistischen Aufstand in ganz Österreich, insbesondere in der Steiermark, der allerdings nach wenigen Tagen von Polizei und Bundesheer niedergeschlagen werden konnte. Bundespräsident Miklas betraute unmittelbar nach dem Mord an Dollfuß den bisherigen Unterrichtsminister Kurt Schuschnigg mit dem Amt des Bundeskanzlers.

Unterstützung bekam Schuschnigg von Mussolinis Italien, das Österreich wie auch Ungarn an sich binden wollte und so gegen das Deutsche Reich auszuspielen versuchte. Drohend marschierten italienische Truppen am Brenner auf, worauf Adolf Hitler, der in Österreich geborene Diktator des Deutschen Reiches, jeden Einfluss auf die Vorgänge in Österreich energisch bestritt.

Schuschnigg orientierte sich zwar an der Selbstständigkeit eines „freien und deutschen Österreichs”, stieß aber auf wachsenden Widerstand, zumal Italiens Diktator Benito Mussolini zunehmend in Abhängigkeit vom Deutschen Reich geriet und daher immer weniger in der Lage war, seine auf die Selbstständigkeit Österreichs ausgerichtete Politik aufrechtzuerhalten. Schuschniggs Basis im Volk war schmal: Sozialdemokraten und Nationalsozialisten wirkten im Untergrund gegen sein Regime. Im späten 20. Jahrhundert wurde seine Politik als „Konkurrenzfaschismus“ bezeichnet, da er danach strebte, die Nationalsozialisten zu „überhitlern“ und Österreich als den „besseren deutschen Staat“ erscheinen zu lassen.

Die österreichische Diktatur war aber im Vergleich zur deutschen nicht so extrem. Deshalb flüchteten viele Künstler und Intellektuelle aus dem von Jahr zu Jahr unerträglicher werdenden Deutschen Reich nach Österreich, wo sie – wie etwa Carl Zuckmayer und Max Reinhardt – bis März 1938 Auftritts- und Arbeitsmöglichkeiten fanden.

1936 wurde die Achse Rom–Berlin geschmiedet. Kurt Schuschnigg war dadurch gezwungen, sich mit Hitler zu arrangieren. Er schloss im Juli 1936 ein Abkommen mit dem Deutschen Reich, in dessen Folge 17.000 österreichische Nationalsozialisten amnestiert wurden. Als Vertrauensleute der Nationalsozialisten wurden Edmund Glaise von Horstenau und Guido Schmidt in das austrofaschistische Regierungskabinett aufgenommen. Weiters wurde ein „Volkspolitisches Referat“ als Teilorganisation der Vaterländischen Front geschaffen, mit dem man die illegale nationalsozialistische Opposition in die Partei eingliedern wollte. Zahlreiche zuvor verbotene nationalsozialistische Zeitungen wurden legalisiert. Die alten großdeutschen Ideen gewannen zusehends an Gewicht. Viele Menschen erhofften sich durch den 1918 von ganz Deutschösterreich angestrebten Anschluss – den die Sozialdemokraten nach Hitlers Machtantritt 1933 aus ihrem Programm gestrichen hatten – eine wirtschaftlich bessere Zukunft, da Österreich weiterhin unter hoher Arbeitslosigkeit und einer Wirtschaftskrise litt. So bekamen die – freilich weiterhin illegalen – österreichischen Nationalsozialisten Zulauf und einen größeren Rückhalt bei den Bürgern.

„Anschluss“ an das Deutsche Reich 1938

Hauptartikel: Anschluss (Österreich)

Seit der von der NS-Propaganda als Machtergreifung bezeichneten Betrauung Hitlers mit der Kanzlerschaft am 30. Jänner 1933 durch Reichspräsident Hindenburg betrieb Hitler mit der NSDAP teils offen, teils verdeckt die Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich (siehe auch Zeit des Nationalsozialismus). Er bezeichnete Österreich als seine Heimat, obwohl er die österreichische Staatsbürgerschaft abgelegt und die deutsche angenommen hatte.

Der Anschlussgedanke war in Österreich, dessen Einwohner sich damals größtenteils als Deutsche verstanden, seit 1918 populär. Deutschösterreich hatte am 12. November 1918 durch sein provisorisches Parlament beschlossen, von diesem Tag an Republik und Bestandteil der deutschen Republik zu sein. Die Sozialdemokraten strichen den Anschlusswunsch 1933 aus ihrem Parteiprogramm, die Christlichsozialen machten sich daran, ihre eigene Spielart der Diktatur einzuführen (siehe Ständestaat (Österreich), Austrofaschismus). Man sprach sich nun für die Selbstständigkeit Österreichs aus und verbot nationalsozialistische Organisationen, wurde aber von Hitler immer mehr unter Druck gesetzt. NS-Gedankengut gewann in Österreich immer mehr Befürworter; insbesondere der Unterschied zwischen der bald florierenden Konjunktur in Deutschland und der hohen Arbeitslosigkeit in Österreich wurde hervorragende Werbung für Hitler.

Der Führer und Reichskanzler forderte im Februar 1938 – unter Androhung des Einmarsches der Wehrmacht – die Aufhebung des NSDAP-Verbots und die Beteiligung der österreichischen Nationalsozialisten an der Regierung. Bundeskanzler Kurt Schuschnigg beugte sich dem Diktat. Wenig später versuchte er aber doch noch, den baldigen Anschluss an Deutschland zu verhindern: mit einer überraschend angekündigten Volksabstimmung für ein freies, unabhängiges, deutsches und christliches Österreich, angesetzt für den 13. März 1938.

Dieser Provokation kam Hitler zuvor: Bundespräsident Miklas wurde durch Drohungen aus Berlin veranlasst, am Abend des 11. März den Nationalsozialisten Arthur Seyß-Inquart, seit Februar Innenminister, zum neuen Bundeskanzler zu bestellen. Parallel dazu übernahmen NSDAP-Anhänger in den Landeshauptstädten die Macht, die ersten Gestapoführer flogen noch am 11. März nach Wien. Am 12. März ließ Hitler die Wehrmacht in Österreich einmarschieren. Die Soldaten wurden von einem Teil der österreichischen Bevölkerung begeistert empfangen.

Hitler hatte vorerst geplant, in einer Übergangszeit Staatsoberhaupt von Deutschland und Österreich zu sein. Die völlig reibungslose, zum Teil bejubelte Machtübernahme veranlasste ihn aber noch am 12. März, am 13. März den sofortigen Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich zu verkünden. In Österreich wurde das Anschlussgesetz vom 13. März 1938 von der NS-Bundesregierung beschlossen. Gleichzeitig begannen mit der so genannten wilden Arisierung bereits Terror und Raub an jüdischen Österreichern. Der abgetretene Bundeskanzler Schuschnigg wurde in Schutzhaft genommen, in der er bis 1945 verblieb.

Am 15. März 1938 wurde in vielen Betrieben arbeitsfrei gegeben, damit die Mitarbeiter auf dem Wiener Heldenplatz Hitler zujubeln konnten. Während NS-Gegner bereits in Massen verhaftet wurden und Juden als Untermenschen vom deutschen Herrenvolk nach Belieben schikaniert wurden, erklärte Hitler den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich. Den Begriff Österreich verwendete er dabei nicht und vermied ihn auch sonst.

Den Anschluss ließ er nachträglich, am 10. April, durch eine Volksabstimmung bestätigen (offizielles Ergebnis: 99,73 % dafür). Bis dahin waren rund 8 % der Wahlberechtigten bereits von der Wahl ausgeschlossen worden (Juden, „Mischlinge“, verhaftete Gegner der Nationalsozialisten).

Hitler ließ Österreich durch die vom mittelalterlichen marcha orientalis hergeleitete Bezeichnung „Ostmark“ ersetzen, später durch „Donau- und Alpenreichsgaue“, und das vergrößerte Deutsche Reich später als „Großdeutsches Reich“ bezeichnen. Das Ostmarkgesetz vom 1. Mai 1939 bestimmte die komplette Auflösung österreichischer Zentralstellen; sein Vollzug war am 31. März 1940 beendet.

Sieben Reichsgaue (Vorarlberg wurde an Tirol angeschlossen, das Burgenland zwischen den Reichsgauen Niederdonau und Steiermark aufgeteilt), von Berlin direkt regiert, traten die Nachfolge Österreichs an. Wenn Österreicher in dieser Zeit von Deutschland in seinen Grenzen vor dem Anschluss sprachen, nannten sie das Gebiet inoffiziell „Altreich“.

Österreich im Deutschen Reich (1938–1945)

Hauptartikel: Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

1938/39 wurde Österreich staatlich, militärisch, wirtschaftlich, kulturell und sozial nach reichsdeutschem Muster neu organisiert. Alle Reichsgaue auf österreichischem Gebiet unterstanden direkt den Berliner Zentralbehörden, der Begriff Österreich verschwand sehr bald aus der offiziellen Kommunikation. Zu Unterscheidungszwecken sprach man vom Altreich und der Ostmark. Später musste der Begriff Donau- und Alpenreichsgaue genügen.

Diskriminierung, Entrechtung und Beraubung der Einwohner jüdischer Religion, die in Deutschland fünf Jahre lang Schritt für Schritt durchgeführt worden waren, wurden in der Ostmark in wenigen Wochen nachgeholt und überholt. Private Rache- und Raubgelüste spielten dabei eine große Rolle.

Krieg und NS-Ideologie forderten in Österreich rund 380.000 Todesopfer, davon 247.000 Tote oder für tot Erklärte (dauerhaft Vermisste) in Wehrmacht und Waffen-SS, 65.500 ermordete Juden, 16.000 weitere in Konzentrationslagern Ermordete, davon 8.000 „Zigeuner“, 10.000 in Gestapo-Haft und mehr als 6.000 in Gefängnissen in vom Deutschen Reich besetzten Ländern getötete Österreicher, 2.700 als Widerstandskämpfer zum Tod Verurteilte und etwa 35.000 tote Zivilisten in Folge von Kampfhandlungen und Bombardements. 140.000 jüdische Österreicher konnten flüchten bzw. wurden vertrieben und kehrten größtenteils nach dem Krieg nicht mehr ins Land zurück.

Österreicher wie etwa Arthur Seyß-Inquart, Alexander Löhr, Irmfried Eberl, Franz Stangl, Odilo Globocnik, Adolf Eichmann und Ernst Kaltenbrunner waren an Kriegsverbrechen beteiligt; der Anteil der Österreicher in leitenden Positionen des Regimes war überproportional. Die von Österreichern begangenen NS-Verbrechen hatten zum Teil auch schwerwiegende Auswirkungen auf die Zweite Republik.

Aus der NS-Zeit sind noch viele Gebäude erhalten, darunter ganze Stadtteile in Linz, die im Zuge der Errichtung der Hermann-Göring-Werke, der heutigen Voestalpine, und der Stickstoffwerke Ostmark als Unterkunft für zehntausende Arbeiter notwendig wurden, und sechs Flaktürme in Wien. In Linz befinden sich darüber hinaus mit der Nibelungenbrücke samt Brückenkopfgebäuden besonders markante Zeugnisse nationalsozialistischer Bautätigkeit. Manche Bauwerke aus dieser Zeit stehen heute unter Denkmalschutz, wie etwa das Hitlerzimmer im Wiener Volkstheater.

1938 wurde das Doppellagersystem Mauthausen/Gusen errichtet, welches das KZ Mauthausen und KZ Gusen umfasste. Im Laufe der Jahre wurde diesem Lagersystem ein Netz von Außenstellen angeschlossen, das sich über ganz Österreich erstreckte (KZ Loibl, KZ-Nebenlager Klagenfurt-Lendorf, KZ-Nebenlager Bretstein, KZ-Nebenlager Redl-Zipf, KZ-Nebenlager Steyr-Münichholz, KZ Ebensee, Raxwerke u. a.). Aus ganz Europa wurden in diesen Konzentrationslagern Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen u.a. in der Rüstungsproduktion und im Straßenbau eingesetzt. Allein in Mauthausen kamen etwa 100.000 Häftlinge ums Leben.

In der Moskauer Deklaration erklärten die Kriegsgegner des Dritten Reiches 1943, nach Kriegsende werde Österreich wieder als eigenständiger, von Deutschland unabhängiger Staat errichtet werden. Sie nannten Österreich erstes Opfer der Aggression Hitlers gegen andere Staaten, verwiesen aber auch auf die Mitverantwortung vieler Österreicher für die Untaten des Regimes.

Luftangriffe fanden in Österreich erst ab August 1943 statt, da es aufgrund seiner weiten Entfernung von der Front mit den damaligen Flugzeugen schwer zu erreichen war. Der Zweite Weltkrieg war in Wien und Umgebung nach der Schlacht um Wien am 23. April 1945 zu Ende. In anderen Landesteilen marschierten die Alliierten erst Anfang Mai 1945 ein.

Die Zweite Republik (seit 1945)

Österreich unter alliierter Besatzung (1945–1955)

Hauptartikel: Besetztes Nachkriegsösterreich

Als am 8. Mai 1945 die Bedingungslose Gesamtkapitulation der Wehrmacht in Kraft trat und der Zweite Weltkrieg in Europa damit sein Ende fand, waren alliierte Truppen bereits weit in die so genannten „Donau- und Alpenreichsgaue“ vorgedrungen. Am 13. April 1945 hatten die sowjetischen Truppen den Kampf um Wien, der rund 19.000 deutsche und 18.000 sowjetische Soldaten das Leben gekostet hatte, für sich entschieden. Im späten April und Anfang Mai drangen die Westalliierten von Westen her vor.

Bereits am 1. April hatte Karl Renner, der erste Staatskanzler der 1. Republik, Kontakt mit den sowjetischen Truppen aufgenommen, die in das Burgenland vorgedrungen waren. Schon seit 1941 gab es sowjetische Pläne, nach Kriegsende den Staat Österreich wieder herzustellen. 1943 stellten die Alliierten (USA, Großbritannien, Sowjetunion, wenig später auch das „Französisches Komitee für die Nationale Befreiung“) in der Moskauer Deklaration fest, dass sie den Anschluss Österreichs und des Sudetenlandes 1938 an das Deutsche Reich Hitlers für null und nichtig ansehen und die Befreiung Österreichs eines ihrer Kriegsziele sei. Zuvor hatte es, vor allem in Großbritannien, auch andere Denkmodelle gegeben, die neben einem eigenen Staat auch einen föderalistischen „Alpenstaat“ mit Bayern oder eine „Donaukonföderation“, ähnlich der ehemaligen Donaumonarchie, beinhalteten.

Renner wurde von den Sowjets mit der Bildung einer provisorischen Staatsregierung beauftragt. Ursprünglich wollte Renner nur behilflich sein, eine Regierung zu bilden. Von Stalin wurde er aber direkt beauftragt, einer Regierung vorzustehen. Daher stand er bei den West-Alliierten im Verdacht mit den Sowjets zu kollaborieren. In der Folge kam es am 14. April zur Gründung der SPÖ (aus Sozialdemokraten und „Revolutionären Sozialisten“) sowie am 17. April der ÖVP (Christlichsoziale und Landbund) und der KPÖ. Am 27. April 1945 – also noch vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges – wurde die Unabhängigkeit Österreichs erklärt. Am 29. April trat die provisorische österreichische Staatsregierung zusammen (zehn Vertreter der SPÖ, neun ÖVP, sieben KPÖ und drei unabhängige). Die Abgeordneten der KPÖ kamen zumeist direkt aus Moskau, wo sie im Exil gelebt hatten. Anfangs war die Regierung nur von der Sowjetunion anerkannt; die USA, Großbritannien und Frankreich folgten aber im Verlauf des Jahres. Ziel der Regierung war die Wiederherstellung der österreichischen Republik auf der Grundlage der Verfassung von 1920 und der Novelle von 1929. Am 25. November 1945 fanden die ersten Nationalratswahlen statt.

Besatzungszonen in Österreich

Als vormaliger Teil des Deutschen Reiches war Österreich in vier Besatzungszonen aufgeteilt: Vorarlberg und Tirol gehörten zur französischen Zone, Kärnten, die Steiermark und Osttirol zur britischen, Salzburg und der südlich der Donau gelegene Teil Oberösterreichs zur US-amerikanischen und Oberösterreich nördlich der Donau, Niederösterreich und das Burgenland zur sowjetischen Zone. Wien wurde, wie Berlin, in vier Besatzungszonen aufgeteilt, wobei die „Innere Stadt” (der erste Bezirk) von den Alliierten gemeinsam verwaltet wurde.

Die sowjetische Besatzungsmacht demontierte in ihrer Zone Industriekomplexe und vieles, was als „Deutsches Eigentum” deklariert worden war, wurde unter dem Namen USIA beschlagnahmt. In den westlichen Besatzungszonen der USA, Großbritanniens und Frankreichs wurde hingegen der so genannte Marshall-Plan aufgelegt. Um an die finanziellen Mittel zu gelangen war eine Währungsreform notwendig. Nicht zuletzt deshalb kam es in der Folge zu den Oktoberstreiks 1950. Wegen der ungleichen Mittelverteilung kam es im Westen des Landes erstmals zu einer eigenständigen Industrieentwicklung.

Mit dem Niedergang und der Auflösung des Deutschen Reiches verbunden war die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus ihren Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa und deren Zuzug auch nach Österreich.

Österreich vom Staatsvertrag bis zum EU-Beitritt (1955–1995)

Außenpolitik

Leopold Figl in seiner Zeit als Landeshauptmann. Er sprach die drei legendären Worte „Österreich ist frei“

1955 erhielt die Republik Österreich durch den Staatsvertrag mit den vier Besatzungsmächten – anders als die BRD und die DDR – ihre volle staatliche Souveränität zurück. Als Gegenleistung dafür musste die Zweite Republik ihre „Immerwährende Neutralität“ erklären und per Verfassungsgesetz festschreiben. Im September 1955 verließen die letzten sowjetischen Soldaten das Staatsgebiet, diejenigen der Westalliierten folgten am 25. Oktober. Am 26. Oktober 1955 beschloss der Nationalrat das Neutralitätsgesetz. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die österreichische Wirtschaft ähnlich wie die bundesdeutsche, wobei die Wirtschaft in der ehemaligen Sowjetzone einen großen Nachholbedarf gegenüber den westlichen Bundesländern hatte und sich dieses Ost-West-Gefälle erst nach Jahrzehnten ausglich (siehe auch Wirtschaftswunder).

Österreich versuchte in seiner Neutralitätspolitik auch eine Brückenfunktion zwischen den Blöcken im Kalten Krieg einzunehmen. So kam es am 3. und 4. Juni 1961 in Wien zu einem historischen Gipfeltreffen zwischen Kennedy und Chruschtschow. Unter anderem durch die Beitritte zu den Vereinten Nationen am 14. Dezember 1955 und zum Europarat am 16. April 1956 integrierte sich Österreich schon kurz nach der Wiederherstellung der Souveränität in die internationale Staatengemeinschaft. Durch seine politisch neutrale Position wurde Österreich ein wichtiger Zufluchtsort für Beteiligte des Aufstandes in Ungarn (1956) und für viele Mitwirkende des Prager Frühlings (1968). Besonders im Jahr 1956, wo vor allem Ostösterreich noch stark durch die Besatzung in Mitleidenschaft gezogen war, war die humanitäre Hilfe für das Nachbarland sehr groß. Ganze Siedlungen wurden für Flüchtlinge aus dem Boden gestampft. Obwohl ein großer Teil der Flüchtlinge vor allem von Überseeländern aufgenommen wurde, blieben doch auch sehr viele in Österreich. Auch das Bundesheer, das erst neu aufgestellt worden war, hatte seine erste Bewährungsprobe. In beiden Fällen spielte auch der ORF eine große Rolle, die Bevölkerung in den jeweils betroffenen Nachbarländern als Staatsrundfunk möglichst neutral zu informieren.

Bundeskanzler Bruno Kreisky, der als einer der ersten westlichen Politiker mit Arafat und Gaddafi Gespräche führte, beteiligte sich an der internationalen Diskussion zur Lösung des Nahostkonflikts. Wien wurde Sitz vieler internationaler Organisationen wie der UNO (Vienna International Centre), der IAEO und der OPEC.

Mit dem Zusammenbruch der kommunistischen Regimes in den Ostblockländern und dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 (Öffnung der Grenzen zu Westeuropa) verlor das Land seinen speziellen Charakter als neutraler Pufferstaat zwischen den verfeindeten Blöcken. Konsequenterweise trat Österreich daher 1995 der Europäischen Union bei, was lange Zeit aufgrund des Neutralitätsgesetzes für undenkbar galt, und unterzeichnete in der Folge auch das Schengener Abkommen zur Grenzöffnung. Dadurch wurden die Grenzkontrolle nun auch für den Personenverkehr abgeschafft, zuerst an Österreichs Grenzen zu Deutschland und Italien (1. Dezember 1997), 10 Jahre später auch an der Grenze zu den Nachbarländern Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien (21. Dezember 2007).

Innenpolitik

Die Innenpolitik war vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren stark von den Folgen des österreichischen Bürgerkrieges geprägt. So wurde auf eine gleichmäßige Machtverteilung zwischen ÖVP und SPÖ geachtet („Proporz“). Nachdem 1965 der von der SPÖ ausgeschlossene Innenminister Franz Olah eine eigene Partei (DFP) gründete und bei der Nationalratswahl 1966 antrat, dort rund 3 Prozent der Stimmen gewann, die hauptsächlich von der SPÖ kamen, war der Weg für eine ÖVP Alleinregierung (Bundeskanzler Josef Klaus) frei.

1970 gewann die SPÖ unter Bruno Kreisky die Nationalratswahl und bildete mit Duldung der FPÖ eine Minderheitsregierung. Mit der vorgezogenen Wahl 1971 erlangte die SPÖ die absolute Stimmen- und Mandatsmehrheit. In 13 Jahren Alleinregierung und in den Koalitionen danach konnte die SPÖ ihre Konzepte und Ideen weitgehend verwirklichen und Österreich zu einem sozialen, modernen und wirtschaftlich leistungsstarken Staat ausbauen. Bundeskanzler Kreisky wurde in der Aufbruchsphase der 1970er Jahre für eine ganze Generation zum Symbol der Modernisierung und Weltoffenheit. So schuf er mithilfe der absoluten SPÖ-Mehrheit im Nationalrat einen modernen Sozialstaat. Er bekämpfte gleichzeitig die Arbeitslosigkeit, so blieb Österreich in den 1970er Jahren das einzige OECD-Land mit durchgehend positivem Wirtschaftswachstum. 1976 kam es zur Bindung des Schillings an die D-Mark, nachdem der Dollarkurs eingebrochen war.

Weiters wurden wichtige gesellschaftliche Modernisierungsschritte vorgenommen, z. B. Einführung der Fristenlösung, Abschaffung der Studiengebühren, Einführung eines Umwelt- und Gesundheitsministeriums, Schaffung der Volksanwaltschaft, Verringerung der Wochenarbeitszeit (40-Stunden-Woche), mehr Mindesturlaub, Einführung des Zivildienstes, die rechtliche Gleichstellung der Frau in der Ehe, der Mutter-Kind-Pass, Mitbestimmung an Schulen und Universitäten. Des Weiteren vertrat Kreisky eine sehr liberale Einwanderungspolitik, Österreich diente vielen jüdischen Auswanderern aus der Sowjetunion als Durchgangsstation. Das österreichische Strafrecht wurde modernisiert (Christian Broda).

1978 sorgte die Volksabstimmung über das Kernkraftwerk Zwentendorf (die Inbetriebnahme wurde mit knapper Mehrheit abgelehnt) für Aufregung, trotzdem erhielt die SPÖ mit Kreisky 1979 wieder die absolute Mehrheit. Die Stimmenverluste 1983 – die SPÖ hatte die absolute Mehrheit verloren – hatten zur Folge, dass Bundeskanzler Kreisky zurücktrat. Die Regierungsgeschäfte übernahm Fred Sinowatz. Es wurde eine „rot-blaue“ (kleine) Koalition (SPÖ/FPÖ) mit Norbert Steger als Vizekanzler geschlossen. Diese fand 1986 nach der Wahl Jörg Haiders zum Parteiobmann der FPÖ ein jähes Ende, da der neue SPÖ-Bundeskanzler Franz Vranitzky eine Koalition mit Haider kategorisch ablehnte. In den folgenden Jahren vertrat die FPÖ offensiv eine rechtspopulistische Politik. Dies hatte neben einem enormen Stimmenzuwachs (von ca. 5 % im Jahr 1983 auf 27 % 1999) 1993 den Bruch mit dem liberalen Flügel der Partei zur Folge: Es entstand als Abspaltung das Liberale Forum (LIF), das bis 1999 im Nationalrat vertreten war. In den Folgejahren wurden einige Sozialleistungen und Steuern wieder abgeschafft, das Budget unter Finanzminister Ferdinand Lacina (SPÖ) teilweise saniert und die Ausländergesetze unter Innenminister Franz Löschnak (SPÖ) schrittweise deutlich verschärft.

Eines der wichtigsten österreichischen Themen der 1990er-Jahre waren die jugoslawischen Bürgerkriege. Aufsehen erregten vor allem Schießereien zwischen jugoslawischen Truppen und der slowenischen Territorialverteidigung an der österreichischen Grenze 1991 sowie mehrere Grenzüberschreitungen der jugoslawischen Luftwaffe auf österreichischen Luftraum. Die folgenden Kriege in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und im Kosovo führten dazu, dass viele Menschen aus diesen Ländern als Flüchtlinge nach Österreich kamen. Österreicher leisteten auch mit Spendenaktionen wie „Nachbar in Not“ und mit Aufbauprojekten während und nach dem Krieg Hilfe.

Ein Aufsehen erregender, rechtsextrem motivierter Kriminalfall erschütterte Österreich für mehrere Jahre: Es waren die Anschläge von Franz Fuchs und seiner „Bajuwarischen Befreiungsarmee“. Er führte drei Briefbombenserien durch und legte auch mehrere Rohrbomben, bei denen mehrere Menschen ums Leben kamen: Beim Anschlag von Oberwart starben vier Roma. Das prominenteste Opfer war Helmut Zilk, der Bürgermeister von Wien, der durch eine Briefbombe schwer verletzt wurde.

Nationale Identität

Hauptartikel: Österreichische Nation

Als Folge der jüngeren Geschichte, der Erfahrungen nach dem „Anschluss”, der Verbrechen der Nationalsozialisten und der vollständigen Niederlage des Hitlerreiches im Zweiten Weltkrieg, wandelte sich auch das Verständnis der staatlichen Identität. War das Selbstverständnis und das Verhältnis zum Staat in der Ersten Republik noch in weiten Teilen durch deutschnationale Gedanken geprägt, trat dieser Gedanke nun zunehmend in den Hintergrund. Dieses österreichische Nationalbewusstsein, das sich auch mit einer Abgrenzung zur neuen Bundesrepublik Deutschland verband, hatte allerdings auch zur Folge, dass sich viele Österreicher, „Normalbürger“ wie Politiker, jetzt als erstes Opfer des Nationalsozialismus sehen wollten (auch als „Opfermythos” bezeichnet), obwohl Hitler unter dem Jubel und mit Zustimmung weiter Teile der Bevölkerung den „Anschluss“ herbeigeführt hatte. Die Beteiligung an den Verbrechen des Dritten Reiches wurde auch deshalb lange Zeit kaum aufgearbeitet. Dieser „blinde Fleck” im Geschichtsbewusstsein fand im Bundespräsidentschaftswahlkampf 1986 besonderen Ausdruck, als Kurt Waldheim seine SA-Mitgliedschaft bzw. seine Rolle in der Wehrmacht verschwieg. Trotz weltweiter Empörung gewann er die Präsidentenwahl im zweiten Wahlgang. Erst unter der Regierung von Bundeskanzler Franz Vranitzky kam es zu einem ausdrücklichen Bekenntnis zur Mitverantwortung der Österreicher an den Verbrechen des Nationalsozialismus.

Österreich in der Europäischen Union (seit 1995)

Außenpolitik

Design der Euro-Banknoten von dem Österreicher Robert Kalina
EU-Beitritt 1995 gleichzeitig mit Finnland und Schweden

Auf die Bildung einer Koalition der bürgerlich-konservativen ÖVP mit der rechtspopulistischen FPÖ am 4. Februar 2000 reagierten die übrigen 14 EU-Staaten mit so genannten „Sanktionen“ (einem symbolischen Einfrieren diplomatischer Beziehungen). Insbesondere die französische und belgische Regierung erklärten diese Maßnahmen als Zeichen gegen den Rechtspopulismus in Europa. Die Sanktionen wurden aufgrund des „Weisenberichts“ wieder aufgehoben, da schnell klar war, dass Bürgerrechte in Österreich durch die neue Regierung nicht eingeschränkt würden. Der Versuch, aus dem Ausland politischen Druck auf Österreich auszuüben, hatte die ÖVP-FPÖ-Regierung eher gestärkt, als geschwächt, da diese innenpolitisch patriotische Gefühle ansprechen konnte.

Am 1. Jänner 1999 wird in Österreich die neue EU-Währung Euro als Buchgeld eingeführt, ab 1. Jänner 2002 löst der Euro auch als Zahlungsmittel die Schillingwährung ab. Österreich unterstützt die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) der EU. Das Parlament ratifiziert 2006 die später am Nein Frankreichs und der Niederlande gescheiterte EU-Verfassung. 2008 beteiligt sich Österreich an einer militärischen EU-Mission im Tschad.

Die aktive politische Mitarbeit Österreichs in der EU steht in Kontrast zur Akzeptanz der EU in der Bevölkerung, die mit der der Briten unter den 27 EU-Mitgliedstaaten am geringsten ist, obwohl 1994 zwei Drittel des Volkes für den EU-Beitritt gestimmt haben. (Die „ferne“ EU dient auch vielen Politikern als Sündenbock für eigene Versäumnisse.)

2008 erkannte Österreich den neuen Staat Kosovo sehr rasch an.

Innenpolitik

Nachdem die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP bei der Nationalratswahl am 3. Oktober 1999 schwere Verluste hinnehmen mussten – die ÖVP fiel in der Stimmenzahl knapp hinter die FPÖ zurück – und langwierige Koalitionsgespräche im Jänner 2000 endgültig gescheitert waren, kam es nach 13 Jahren großer Koalition (1987-2000) gegen den Willen von Bundespräsident Thomas Klestil zu einem Regierungswechsel. Es begann die ÖVP-FPÖ-Koalition unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, auf die – wegen der FPÖ-Regierungsbeteiligung – große Teile der österreichischen Bevölkerung mit Empörung reagierten und gegen die es auch eine Zeit lang regelmäßige Demonstrationen (die „Donnerstagsdemonstrationen“) gab.

Ein innerparteilicher Bruch in der FPÖ (Knittelfelder FPÖ-Versammlung 2002) führte zum Rücktritt eines Großteils der FPÖ-Regierungsmitglieder und in Folge zu Neuwahlen im Jahr 2002. Bei diesen konnte die ÖVP ihren Stimmenanteil von 26,9 % auf 42,3 % steigern und wurde somit erstmals seit 1966 wieder stimmenstärkste Partei, während die FPÖ von vormals 26,9 % Stimmenanteil auf nunmehr 10,0 % abrutschte (SPÖ: 36,5 %, Grüne: 9,5 %). Erneut kam es zur Bildung einer „schwarz-blauen“ Koalition, allerdings diesmal mit einer weitaus schwächeren FPÖ. Unter dieser Koalition wurde der Liberalisierungs- und Sparkurs, der bereits von der SPÖ/ÖVP-Koalition begonnen wurde, fortgeführt.

Im April 2005 kam es durch ein erneutes Zerwürfnis innerhalb der FPÖ zu einer Änderung der Parteienlandschaft: die bisherigen Regierungsmitglieder und ein Großteil der Parlamentarier der FPÖ traten aus der Partei aus und einem vom Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider neu gegründeten „Bündnis Zukunft Österreich“ (BZÖ) bei. Die Regierungsarbeit wurde in einer „schwarz-orangen“ Koalition fortgesetzt.

Nach der Nationalratswahl am 1. Oktober 2006, in der die SPÖ eine relative Mehrheit erreichte, wurde im Jänner 2007 eine Große Koalition unter Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) und Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖVP) gebildet. Diese Regierung hielt aber nicht zuletzt aufgrund des wechselseitigen Misstrauens nur etwa anderthalb Jahre. Aus den Neuwahlen am 28. September 2008 ging die SPÖ trotz kräftiger Verluste als stimmenstärkste Partei hervor. Die ÖVP verlor massiv, FPÖ und BZÖ erzielten starke Gewinne, die Grünen stagnierten. Bundespräsident Heinz Fischer erteilte dem neuen Bundesparteivorsitzenden der SPÖ Werner Faymann den Regierungsauftrag. Am 23. November 2008 erklärten Werner Faymann und der neue geschäftsführender Bundesparteivorsitzende der ÖVP, Josef Pröll, dass sie sich auf eine erneute Große Koalition mit Werner Faymann als Bundeskanzler geeinigt haben.[2]

Siehe auch

    Die Jahre 1918 bis 1920 sind in verfassungsrechtlicher Hinsicht
    eine bedeutende Zäsur: Die konstitutionelle Monarchie
    Österreich-Ungarn wird zur Republik "Österreich".

Einzelnachweise

  1. siehe John Gunter: The Lost City; deutsch: Die verlorene Stadt, Molden, Wien
  2. NZZ: SPÖ und ÖVP einigen sich auf grosse Koalition in Österreich - Werner Faymann wird neuer Bundeskanzler, 23. November 2008

Literatur

  • Richard und Maria Bamberger, Ernst Bruckmüller, Karl Gutkas (Hrsg.): Österreich-Lexikon. Wien: Verlagsgemeinschaft Österreich-Lexikon, 2004, ISBN 3-85498-385-9
  • Peter Berger: Kurze Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert, Wien: Facultas Universitätsverlag, 2. verb. Auflage 2008, ISBN 3708903544
  • Ernst Bruckmüller: Sozialgeschichte Österreichs. - Wien : Verl. für Geschichte und Politik, 2. Aufl. 2001, ISBN 3-7028-0361-0
  • Walter Kleindel (Hrg.): Die Chronik Österreichs. Bertelsmann Lexikon Institut, 4., erg. u. aktualis. A. 1999
  • Stefan Karner, Lorenz Mikoletzky (Hrsg.): Österreich. 90 Jahre Republik. Beitragsband der Ausstellung im Parlament. Innsbruck 2008, ISBN 978-3-7065-4664-5
  • Helmut Konrad, Wolfgang Maderthaner (Hrsg.): "Das Werden der Ersten Republik. ...der Rest ist Österreich". Wien 2008, ISBN 978-3-9502631-0-7
  • Manfred Scheuch: Österreich im 20. Jahrhundert (Von der Monarchie zur Zweiten Republik). Wien: Verlag Christian Brandstätter, 2000, ISBN 3-85498-029-9.
  • Stephan Vajda: Felix Austria (Eine Geschichte Österreichs). Wien [u.a.] : Ueberreuter, 1980
  • Karl Vocelka: Geschichte Österreichs (Kultur – Gesellschaft – Politik). Verlag Styria, Graz/Wien/Köln 2002, ISBN 3-453-21622-9.
  • Herwig Wolfram (Hrsg.): Österreichische Geschichte. Wien 1994 ff.:
    • Bis 15 v. Chr.: Otto H. Urban: Der lange Weg zur Geschichte. Die Urgeschichte Österreichs. Wien 2000.
    • 15 v. Chr.–378 n. Chr.: Verena Gassner, Sonja Jilek, Sabine Ladstätter: Am Rande des Reiches. Die Römer in Österreich. Wien 2002.
    • 378–907: Herwig Wolfram: Grenzen und Räume. Geschichte Österreichs vor seiner Entstehung. Wien 1995.
    • 907–1156: Karl Brunner: Herzogtümer und Marken. Vom Ungarnsturm bis ins 12. Jahrhundert. Wien 1994.
    • 1122–1278: Heinz Dopsch, Karl Brunner, Maximilian Weltin: Die Länder und das Reich. Der Ostalpenraum im Mittelalter. Wien 1999.
    • 1278–1411: Alois Niederstätter: Die Herrschaft Österreich. Fürst und Land im Spätmittelalter. Wien 2001.
    • 1400–1522: Alois Niederstätter: Das Jahrhundert der Mitte. An der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit. Wien 1996.
    • 1522–1699: Thomas Winkelbauer: Ständefreiheit und Fürstenmacht. Länder und Untertanen des Hauses Habsburg im konfessionellen Zeitalter. 2 Teilbände, Wien 2003.
    • 1699–1815: Karl Vocelka: Glanz und Untergang der höfischen Welt. Repräsentation, Reform und Reaktion im habsburgischen Vielvölkerstaat. Wien 2001.
    • 1804–1914: Helmut Rumpler: Eine Chance für Mitteleuropa. Bürgerliche Emanzipation und Staatsverfall in der Habsburgermonarchie. Wien 1997.
    • 1890–1990: Ernst Hanisch: Der lange Schatten des Staates. Österreichische Gesellschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert. Wien 1994.
    • Roman Sandgruber: Ökonomie und Politik. Österreichische Wirtschaftsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Wien 1995.
    • Rudolf Leeb, Maximilian Liebmann, Georg Scheibelreiter, Peter Tropper: Geschichte des Christentums in Österreich. Von der Spätantike bis zur Gegenwart. Wien 2003.
    • Eveline Brugger; Martha Keil; Albert Lichtblau; Christoph Lind; Barbara Staudinger: Geschichte der Juden in Österreich, Wien 2006.
  • Erich Zöllner: Geschichte Österreichs. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien: Verlag für Geschichte und Politik, 7. Auflage 1984, ISBN 3-7028-0222-3.

Weblinks


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