Altgaul
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Wriezen
Wriezen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wriezen hervorgehoben
52.71666666666714.13611111111110Koordinaten: 52° 43′ N, 14° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Märkisch-Oderland
Höhe: 10 m ü. NN
Fläche: 94,54 km²
Einwohner: 7944 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 84 Einwohner je km²
Postleitzahl: 16269
Vorwahl: 033456
Kfz-Kennzeichen: MOL
Gemeindeschlüssel: 12 0 64 512
Stadtgliederung: 4 Ortsteile
Adresse der Stadtverwaltung: Freienwalder Straße 50
16269 Wriezen
Webpräsenz:
Bürgermeister: Uwe Siebert (parteilos)
Lage der Stadt Wriezen im Landkreis Märkisch-Oderland
Karte

Wriezen ist eine Stadt im Landkreis Märkisch-Oderland, Bundesland Brandenburg, Bundesrepublik Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Die Stadt liegt am westlichen Rand des Oderbruchs an der Alten Oder im Landkreis Märkisch-Oderland.

Stadtgliederung

Zur Stadt gehören die folgenden, ehemals selbständigen Dörfer als Ortsteile:

  • Altwriezen
  • Beauregard
  • Biesdorf
  • Eichwerder
  • Frankenfelde
  • Haselberg
  • Lüdersdorf
  • Rathsdorf
    • Zu Rathsdorf gehört auch das ehemals selbständige Dorf Altgaul. Die erste urkundliche Erwähnung Altgauls stammt von 1689 als Chaule. Dort befindet sich ein flaschenförmiger Ziegelofen, welcher etwa 15 Meter hoch, an der Basis etwa 12 Meter ist und um 1800 errichtet wurde. Er ist damit das älteste Zeugnis der Ziegelherstellung in Brandenburg. Heute wird der Turm von Störchen genutzt und in seinem Inneren befindet sich eine Ausstellung über Weißstörche. Markant für den Ort ist auch noch eine etwa zweibeinige Kiefer. Die ursprünglich zwei Bäume sind etwa 1900 in etwa 2,5 Meter Höhe zusammengewachsen. Ihre Stämme stehen in einem Abstand von etwa 1,50 Meter.[1]
  • Schulzendorf

Geschichte

Kirchenruine in Wriezen

Bereits um das Jahr 150 n. Chr. wird vom alexandrinischen Geografen Claudius Ptolemäus ein Ort namens Viritium erwähnt, welcher sich den alten Karten nach hier an der Oder befunden haben könnte. Wriezen ist also einer der ersten urkundlich erwähnten Orte. Ob es sich dabei wirklich um eine frühe Besiedlung auf dem Gebiete Wriezens handelt, bleibt reine Spekulation.

An der Oder und der Straße nach Stettin gelegen, entstand im 12. Jahrhundert eine mittelalterliche Kaufmannssiedlung. Im Mittelalter wurde Wriezen im Jahr 1247 erstmals erwähnt, als "oppidum wrecene". Die Stadtgründung ist nicht beurkundet, aber Kurfürst Ludwig der Bayer verlieh ihr 1337 das Stadtrecht. Im 14. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zum Handelszentrum des Oderbruchs. Auf Veranlassung Friedrichs II. wurde der Verlauf der Oder völlig verändert und gleichzeitig das Oderbruch urbar gemacht. Dadurch kam es in Wriezen zu großen Veränderungen der Wirtschaftsstruktur. Schon 1730 legten die Juden des Ortes einen eigenen Begräbnisplatz am Siedlungsweg an, der in der NS-Zeit bemerkenswerterweise nicht zerstört wurde und bis heute gepflegt wird. 1806 eröffnete Albrecht Daniel Thaer bei Wriezen seine landwirtschaftliche Lehranstalt. Die Jüdische Gemeinde errichtete 1821 in der Gartenstraße 48 ihre Synagoge, die beim Novemberpogrom 1938 von SA-Männern niedergebrannt wurde. Die 1855 gegründete Feuerwehr des Ortes ist heute die älteste im Lande Brandenburg[2]. 1861 wurde der Schiffahrtsverkehr eingerichtet, wovon die Stadt wirtschaftlich enorm profitierte. 1898 erhielt Wriezen Eisenbahnanschluss, als eine weitere Teilstrecke der Wriezener Bahn eröffnet wurde, die die Stadt später direkt mit Berlin und dem dortigen Wriezener Bahnhof verband. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein wurde die nahe Hauptstadt Berlin von Wriezen aus mit Gemüse und Fisch versorgt.

1940 erhielt der NS-Staatsbildhauer Arno Breker zum 40. Geburtstag das im Ortsteil Eichwerder gelegene ehemalige Rittergut Jäckelsbruch von Adolf Hitler geschenkt. Die Schenkung umfasste nicht nur das Schloss mit Park, sondern auch die gesamte Ausstattung des Hauses sowie ein vom Architekten Friedrich Tamms neu erbautes Atelier. In Wriezen selbst befand sich seit Mitte 1941 ein großes Werksgelände mit Gleisanschluss und Kanalhafen – die Steinbildhauerwerkstätten Arno Breker GmbH. Bei den Steinbildhauerwerkstätten handelte es sich um eine Einrichtung der Generalbauinspektors für Berlin Albert Speer. Aufgabe der Werkstätten war die Ausführung von Bildhauerarbeiten für die Neugestaltung Berlins sowie der Bauten auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Die Werkstätten wurden in den folgenden Jahren mit Millionenbeträgen kontinuierlich ausgebaut. Gegen Ende des Krieges wurden bis zu 50 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter für Arbeiten an den Figuren eingesetzt. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Wriezen bei Kampfhandlungen fast vollständig zerstört und in den folgenden Jahrzehnten unter erheblicher Veränderung des Stadtbildes neu wieder aufgebaut. Das kommunistische Stadtratsmitglied von Wriezen, Fritz Dornbusch, hatte zusammen mit zwei anderen Männern die kampflose Übergabe der Stadt an die Rote Armee versucht, wurde aber von der SS gefasst und am 18. April 1945 durch Kopfschuss hingerichtet. Der Gedenkstein, der im Ortsteil Haselberg an ihn erinnerte, wurde nach 1990 entfernt.[3]

Politik

Stadtrat

Flagge von Wriezen

Die Stadtverordnetenversammlung (Parlament) besteht aus 18 Mitgliedern.

(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008)

Städtepartnerschaft

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Marienkirche

Zur Erinnerung an die so genannte Oderflut wird jährlich das Deichfest gefeiert.

Museum

Stadtmuseum Wriezen

Bauwerke

In der Liste der Baudenkmäler in Wriezen stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburgs eingetragenen Denkmäler.

  • Marienkirche: Die St. Marienkirche, eine spätgotische Hallenkirche mit einem Anbau an der Südseite und niedrigem polygonalen Chorschluss wurde im April 1945 schwer beschädigt und ist seitdem eine Ruine. Der Backsteinbau aus der 2. Hälfte des 15. und dem 1. Viertel des 16. Jahrhunderts wurde unter Verwendung von Teilen eines Vorgängerbaus errichtet.
  • Der Brunnen auf dem Marktplatz: Der Marktbrunnen wurde von dem Bildhauer Horst Engelhardt aus dem Ortsteil Eichwerder geschaffen. Mit seinen vielen provozierenden Details hat der Brunnen für Aufsehen in der Stadt und in weiten Teilen des Landes gesorgt.
  • Denkmal für Albert Mahler (1819-1894): Das Denkmal auf dem Schützenplatz wurde 1895 für den Bürgermeister und Begründer der ersten Freiwilligen Feuerwehr in Brandenburg errichtet.
Marktbrunnen östlich der Marienkirche
  • Jüdischer Friedhof: Der unter Denkmalschutz stehende jüdische Friedhof wurde im Jahre 1730 weit außerhalb der Stadt angelegt. Er ist mit 1630 Quadratmetern die größte noch erhaltenen jüdische Grabstätte im Oderraum mit 132 Grabsteinen. Im Rahmen des Projektes Jüdische Friedhöfe in Brandenburg (Jüdische Studien, Universität Potsdam) wurde der jüdische Friedhof Wriezen in einer frei zugänglichen Online-Datenbank dokumentarisiert.[4]
  • Bergfriedhof mit Grabdenkmälern und Grabsteinen aus dem 18./19. Jahrhundert. Sehenswert ist das monumentale Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges.
  • Galerie „Zur alten Malzfabrik“: Das Gebäude wurde 1858 als Malzfabrik gebaut und beherbergt seit 1997 das Wriezener Stadtmuseum, den Humpensaal und die Galerie.
  • Wildgehege: Auf einer 10 Hektar großen Fläche am nordwestlichen Stadtrand wird seit 1989 Reh-, Dam-, Muffel- und Schwarzwild in Gattern gehalten. Die geringe Stückzahl in den großräumigen Gehegen garantiert einen ungestörten Ablauf der Aktivzeiten des Wildes im natürlichen Umfeld. Der Mittelweg kann mit langsam fahrenden PKWs, auch von Rollstuhlfahrern, befahren werden.
  • Gebäude der Stadtsparkasse: Das imposante Gebäude wurde 1781 von dem Königlichen Kammerrat Friedrich Wilhelm Noeldechen ursprünglich als Seidenbauhaus im Barockstil erbaut und später zum Wohnhaus umgebaut. Es beherbergte den Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. auf der Flucht nach der verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstedt, war während der französischen Besetzung Kommandantur, beherbergte später eine Militärmusikschule und ist seit Anfang Mai 1922 Kreisbankgebäude, auch heute noch Zweigstelle der Sparkasse Märkisch-Oderland.
  • Alter Hafen Wriezen: Der Wriezener Hafen wurde 1902 an der Alten Oder errichtet. Mit einem 300 Meter langen Kai bot er Anlegeplätze für Lastkähne nach Finowmaß. Transportiert wurden Baustoffe, Petroleum, Düngemittel und Getreide sowie Steinkohle und Kalk. Der Hafenbetrieb wurde 1969 eingestellt, das Hafenbecken teilweise zugeschüttet. Seit 2006 bemüht sich eine Interessengemeinschaft Hafen Wriezen das historische Ensemble zu sanieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die historischen Kalköfen auf dem Hafengelände aus den Jahren 1860 (Setzofen) und 1889 (Hochofen) werden zurzeit mit Spenden und ehrenamtlicher Arbeit denkmalgerecht saniert. Besichtigen kann man die Kalköfen an schönen Sommertagen beim geöffneten Kanuverleih am Wriezener Hafen.[5]
  • Gedenkstein aus dem Jahre 1949 von dem Bildhauer Bibach auf dem Friedhof links neben der Kapelle für drei antifaschistische Widerstandskämpfer: Wilhelm Hirchert, Fritz Dornbusch und Bruno Moses, die im KZ Sachsenhausen bzw. im KZ Auschwitz ermordet wurden
  • Gedenktafel für Fritz Dornbusch in der Vorhalle der nach ihm benannten Schule in der Freienwalder Straße 1, die nach 1991 beseitigt wurde wie der Gedenkstein im nahegelegenen Haselberg
  • Die ehemalige Taubstummenanstalt, in der sich heute das Rathaus der Stadt befindet.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Öffentliche Einrichtungen

Die Stadt ist Amtssitz der Amtsverwaltung des Amtes Barnim-Oderbruch und Standort einer Justizvollzugsanstalt.

Bildung

In der Stadt gibt es die Grund- und Oberschule Salvador Allende.

Mit dem Schuljahr 2007/08 wurde das Evangelische Johannitergymnasium eröffnet.[6]

Persönlichkeiten

  • Samuel Bleichröder (* 15. Juli 1779 in Wriezen, † 30. Dezember 1855 in Berlin), Gründer eines bedeutenden Finanzimperiums, das unter seinem Sohn Gerson B. Weltruf erlangte
  • Rudolf Rabe (seit 1825 von Rabe) (* 15. Februar 1805 in Wriezen; † 7. Juli 1883 in Berlin), preußischer Beamter und Staatsminister
  • Leopold Bornitz (* 20. August 1806 in Wriezen, † 23. Mai 1853 in Landsberg/Warthe), Arzt und Schriftsteller, der dem Kreis Heinrich Laubes nahestand
  • August Leopold Crelle (* 11. März 1780 im Wriezener Ortsteil Eichwerder, † 6. Oktober 1856 in Berlin), preußischer Oberbaurat und Mitglied der Oberbaudirektion; Herausgeber zahlreicher mathematischer Lehrbücher und des „Journal für die reine und angewandte Mathematik“
  • Manfred Dambroth (* 19. Juni 1935 in Wriezen, † 12. April 1994 in Peine), Pflanzenbauwissenschaftler
  • Karl Dammköhler (* 1. Dezember 1856 in Wriezen, ermordet am 12. September 1909 in Deutsch- Neuguinea), Forscher und Handelsreisender
  • Michael Moritz Eulenburg (* 15. Juli 1811 in Birnbaum, aufgewachsen ab 1814 in Wriezen , † 7. Dezember 1887 in Berlin), Orthopäde; arbeitete vorwiegend an der Erforschung der Skoliose und errichtete 1851 an der Weidendammer Brücke in Berlin ein Institut für Orthopädie
  • Cornelia Froboess (* 28. Oktober 1943 in Wriezen), deutsche Schauspielerin und Schlagersängerin.
  • Robert Herlth (* 2. Mai 1893 in Wriezen, † 6. Januar 1962 in München), einer der bedeutendsten deutschen Filmarchitekten
  • Ingrid Köppe, Bürgerrechtlerin in der DDR, lebt in Wriezen
  • Konrad Karl Richard Müller (* 1891 in Wriezen, † 1978 in Köln), Maler und Weltenbummler
  • Erwin Ross (* 24. Oktober 1926 in Wriezen), Maler im Amüsierviertel von St. Pauli („der Rubens von St. Pauli“)
  • Rudolf Schmidt (* 1875; † 1943), brandenburgischer Journalist, Heimatforscher und Regionalhistoriker, schrieb 1910 die "Beschreibung der Stadt Wriezen"
  • Emil Steinweg (* 15. Januar 1836 in Wriezen, † 18. August 1921 in Berlin), studierte Geschichte, Philosophie und Philologie; lebte als freier Schriftsteller in Storkow, Sachsen und Berlin. Schrieb zahlreiche Theaterstücke
  • Albrecht Conrad Thaer (* 6. August 1828 im Wriezener Ortsteil Lüdersdorf, † 13. Dezember 1906 in Gießen), Professor der Landwirtschaft in Berlin und ordentlicher Professor in Gießen; Enkel des Begründers der wissenschaftlichen Landwirtschaftskunde
  • Emil Vogel (* 21. Januar 1859 in Wriezen, † 16. Juni 1906 in Nikolassee), Musikgeschichtsforscher, Ehrenmitglied der Königlichen Akademie zu Florenz
  • Holger Wulschner (* 8. Dezember 1963 in Wriezen), Springreiter

Literatur

  • Brigitte Heidenhain: Juden in Wriezen. Ihr Leben in der Stadt von 1677 bis 1940 und ihr Friedhof. Universitätsverlag, Potsdam 2007, ISBN 978-3-939469-39-1 (Volltext)
  • Wolfgang Weißleder: Der Gute Ort. Jüdische Friedhöfe im Land Brandenburg. Potsdam 2002, S. 69

Fußnoten

  1. Märkische Oderzeitung, 8. August 2006, S. 9 und http://www.wriezen.de/index.php?m=7&id=
  2. Märkische Oderzeitung, 19. September 2005, S. 10
  3. Drucksache 1/354 der 1. Wahlperiode des Landtags Brandenburg
  4. Jüdischer Friedhof in Wriezen, Online-Datenbank der Universität Potsdam
  5. Informationen zum Alten Hafen auf der Homepage der Interessengemeinschaft Hafen Wriezen e. V.
  6. Bericht über die Eröffnung des Johanniter Gymnasium

Weblinks


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