Altjahrstag
Feuerwerk der Silvesternacht 2008/2009 in Frankfurt am Main

Als Silvester wird in einigen europäischen Sprachen der 31. Dezember, der letzte Tag des Jahres im gregorianischen Kalender, bezeichnet. Auf Silvester folgt der Neujahrstag, der 1. Januar des folgenden Jahres.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Der Vorname Silvester – von lateinisch silva, deutsch Wald – bedeutet übersetzt Waldmensch.

Die Feuer-Feste am Jahresende haben alte germanische Wurzeln. Das Jahresendfest hatten bereits die Römer gefeiert, erstmals im Januar zu Beginn des Jahres 153 v. Chr., als der Jahresbeginn vom 1. März auf den 1. Januar verschoben wurde.[1]

Die Assoziation des Jahresendes mit dem Namen Silvester geht auf das Jahr 1582 zurück. Damals verlegte die Gregorianische Kalenderreform den letzten Tag des Jahres vom 24. Dezember auf den 31. Dezember, den Todestag des Papstes Silvester I. († 31. Dezember 335). Der Liturgische Kalender führt den Tag seit 813 auch als dessen Namenstag.

In einigen Gegenden Deutschlands heißt der Tag, quasi als Gegenstück zum folgenden Neujahrstag, auch Altjahr, Altjahrsabend oder das Alte Jahr (vgl. das spanische nochevieja = „alte Nacht“), in Österreich ebenso wie in Kroatien und Slowenien auch Altjahrstag, in Kroatien ebenso wie in Slowenien und Serbien als Ausnahme auch Silvestrovo (Tag des Silvester).

Auch im Niederländischen heißt es zumeist Oudejaarsavond, und nur alternativ auch Silvester. Auf Spanisch: 'Nochevieja' und auf Dänisch, Schwedisch, Portugiesisch spricht man wie im Englischen vom Neujahrs(vor)abend: New Year's Eve, Nytårsaften, Nyårsafton, Véspera de Ano-Novo. Der 31. Dezember wird in folgenden Sprachen Silvester genannt: Italienisch notte di San Silvestro, Französisch Reveillon de la Saint-Sylvestre, Polen Sylwester, Tschechien Silvestrovské oslavy, Esperanto Silvestro, Deutsch Silvester. Die Schreibweise Sylvester ist nach Duden keine Schreibalternative.[2]

Feier und Brauchtum

Silvester-Feuerwerk

Im deutschsprachigen Raum beginnt das neue Jahr oft mit Feuerwerk, Böllern, Bleigießen oder Mitternachtsgottesdiensten (Mette). Oft verschenkt man auch Glücksklee (Oxalis). Das Feuerwerk vertrieb früher „böse Geister“ und drückt heute auch Vorfreude auf das neue Jahr aus. Bei privaten Silvesterfeiern sind Bleigießen sowie das Öffnen einer Flasche Sekt zum Jahreswechsel weit verbreitet.

Bei den sogenannten Silvesterläufen machen tausende von Menschen – oft für einen Spendenobolus – bei Volksläufen mit. Der weltweit größte Silvesterlauf findet mit 15.000 Teilnehmern in Madrid in Spanien statt, während der größte deutsche Lauf auf einem 15 km langen Teilstück der Bundesstraße 1 von Werl nach Soest führt. Hier beteiligen sich seit fast 25 Jahren über 7.900 Läufer aller Altersklassen für eine gemeinnützige Sache. Der älteste und zweitgrößte Lauf der Welt startet alljährlich in São Paulo in Brasilien mit 13.000 Teilnehmern.

Aufgrund der seit 1995 bestehenden Zugehörigkeit Caroline Islands (Line Islands/Kiribatis) zur Zeitzone UTC+14 findet dort der Jahreswechsel zuerst statt, nämlich bereits am 31. Dezember um 11:00 mitteleuropäischer Zeit.

Deutschland

Silvester 1951; Foto der DDR-Nachrichtenagentur ADN mit Silvesterfeier-Elementen: alkoholische Getränke (Sekt), Luftschlangen, Lampions, Konfetti, Glückssymbole (vierblättriges Kleeblatt)

In einigen Gebieten von Schleswig-Holstein und Niedersachsen verkleiden sich die Kinder und laufen am Silvesterabend Rummelpott. Vor den Haustüren der Nachbarschaft bringt zu überlieferten plattdeutschen Rummelpottliedern wie Fru mok de Dör op das traditionell inzwischen sehr selten eingesetzte Instrument Rummelpott (auch Brummtopf) – ein mit einer Schweinsblase überspannter Topf – durch Reiben am Schilfrohr in dessen Mitte quäkende Klänge zustande. Die Kinder bekommen an der Haustür Süßigkeiten und Geld, ältere Teilnehmer mitunter auch alkoholische Getränke. Ursprung war ein germanischer Brauch – um die Geister zu vertreiben. Dasselbe Ziel hatten die Perchten- oder Tresterer-Läufe um die Zeit der Jahreswende im Alpenraum – die Silvesternacht ist auch eine Rauhnacht. Der Silvesterzug in Schiltach, eine Art evangelische Prozession, ist eine besonders stimmungsvolle Art, für das alte Jahr zu danken.

In den Betrieben der DDR gab es den Begriff des „Plansilvesters“. Das Datum bezeichnete den Zeitpunkt, zu dem der vorgegebene Volkswirtschaftsplan erreicht war. Danach arbeitete man für die variable Jahresendprämie. „Plansilvester“ konnte durchaus schon im November gefeiert werden. Ein so früher Zeitpunkt war heikel – dann wurden die Pläne für das nächste Jahr angepasst. Vorsichtshalber erfüllte man die Pläne erst in der letzten Dezemberdekade, und „Plansilvester“ fiel praktischerweise mit der Weihnachtsfeier zusammen.

In den letzten Jahren wurde immer wieder dazu aufgerufen, auf das Feuerwerk zu verzichten und das Geld stattdessen für einen wohltätigen Zweck zu spenden. Am bekanntesten war „Brot statt Böller“ bzw. 2004: „Reis statt Böller“. Ende Dezember 2004 rief wegen der Flutkatastrophe die deutsche Bundesregierung auf, statt des Feuerwerks lieber Geld für die Hilfsorganisationen zu spenden.

Pünktlich um 24 Uhr beginnen in den meisten Kirchen alle Kirchenglocken zu läuten. Je nach örtlicher Tradition läutet es zwischen zehn Minuten und einer Stunde.

Silvester im deutschen Fernsehen

In Deutschland hat sich neben dem Klassiker Dinner for One auch die Folge Sylvesterpunsch der Serie Ein Herz und eine Seele einen festen Platz im Fernsehprogramm zu Silvester gesichert.

Das restliche Rahmenprogramm besteht meist aus Sketchsendungen sowie Liveshows.

Seit Silvester 1970 trägt der jeweilige Bundeskanzler die Neujahrsansprache vor. Davor hatte sie der Bundespräsident gehalten.

Silvester im österreichischen Fernsehen

Am Silvesterabend werden traditionell

im staatlichen österreichischen Rundfunk ORF gezeigt.

Um 0.00 Uhr läutet die Pummerin (die große Glocke des Stephansdoms in Wien) das neue Jahr ein, übertragen im ORF, im Anschluss wird der Donauwalzer gespielt. Auch alle Radiosender des ORF (inklusive des alternativen Jugendsenders FM4) spielen um Punkt Mitternacht den Donauwalzer.

Die Live-Übertragung des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker zu Mittag – vom ORF produziert – wird in der ganzen Welt gezeigt.

Gegen Abend hält der Bundespräsident seine jährliche Neujahrsansprache.

Seit 1989 strahlt der ORF jedes Jahr eine ca. 4-stündige Spezialversion des Musikantenstadls aus, den sogenannten „Silvesterstadl“.

Silvester in anderen Ländern

Dänemark

In Dänemark heißt der Silvestertag Neujahrsabend (nytårsaften), wobei der eigentliche Tag auch Neujahrsabendtag (nytårsaftensdag) genannt wird.

Die meisten Dänen feiern Silvester mit Verwandten oder Freunden. Man trifft sich oft gegen 17.30 Uhr und beginnt mit einem Drink. Um 18 Uhr sieht man die Neujahrsansprache von Königin Margrethe II.. In der Ansprache geht es darum, was im vergangenen Jahr sowohl in Dänemark als auch in der königlichen Familie geschehen ist.

Es gibt kein richtig typisches Essen für ganz Dänemark, oft gibt es jedoch Kabeljau, Fondue oder Raclette. Während des Essens werden verschiedene Tischbomben "gezündet".

Um 23.45 Uhr kommt im Fernsehen Dinner for One, und wenn es nur noch 60 Sekunden bis Mitternacht sind, wird die Uhr des Kopenhagener Rathauses eingeblendet. Wenn die Glocken 12 schlagen, springt man ins neue Jahr und stößt dann mit Sekt oder Champagner an. Danach gibt es Feuerwerk.

Die Kinder (und manchmal auch die Erwachsenen) tragen lustige Hüte und machen Neujahrsspäße.

Vereinigte Staaten

In den Vereinigten Staaten ist Silvester (engl. New Year's Eve) ein bedeutendes soziales Ereignis, das in Metropolen wie New York City und Las Vegas, die an diesem Tag einen erheblichen Tourismus erleben, im Rahmen großer Veranstaltungen und Partys gefeiert wird. Ein Höhepunkt, der auch in den Medien eine zentrale Rolle spielt, ist das alljährliche Ritual des Ball Dropping, bei dem in Manhattan der Times Square Ball, eine große beleuchtete Glaskugel, vom One Times Square-Hochhaus langsam herabgelassen wird, bis er um Mitternacht unten ankommt. Ähnliche Veranstaltungen gibt es in vielen anderen Städten. Das populärste Lied, was – zumindest bei offiziellen Anlässen – zum Jahreswechsel gesungen wird, ist Auld Lang Syne.

Auch viele religiöse Gemeinschaften versammeln am Silvesterabend ihre Mitglieder, um den Jahreswechsel als „Nachtwache“ zu begehen, bei dem für das vergangene Jahr gedankt und für ein gutes folgendes Jahr gebetet wird. Besondere Tradition hat dies in der afroamerikanischen Gemeinschaft.

In Städten veranstaltet die örtliche Feuerwehr ein zentrales Feuerwerk. Das individuelle Zünden von Feuerwerkskörpern ist in vielen Bundesstaaten verboten. Illegal ist auch der in vielen Landesteilen übliche Brauch, um Mitternacht mit Schusswaffen in die Luft zu schießen. Weitaus größere Bedeutung als das Silvesterfeuerwerk hat in den USA traditionell das Feuerwerk am Unabhängigkeitstag.

Russland

In Russland wird Jolka gefeiert.

Fußnoten

  1. Dass schon die Römer den Jahresbeginn mit ausschweifenden Festen begingen, bezeugt ein Brief Ciceros (Ad Atticus 16,1,4): Cicero fragt sich, was von den Consuln am 1. Januar zu erwarten wäre und antwortet selber „Ausschlafen der Räusche!“.
  2. Spiegel Online: Fragen an den Zwiebelfisch: Was rutscht da an oder zu S/y/i/lvester? (abgerufen am 26. Dezember 2008)

Siehe auch

Weblinks

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