Altkastilien
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Kastilien ist eine auf der zentralen Hochebene Spaniens gelegene Landschaft, deren Bezeichnung auf das gleichnamige mittelalterliche Königreich zurückgeht.

Sie umfasst die heutigen Autonomen Regionen Castilla-La Mancha, Madrid und den größten Teil von Castilla y León. Das kastilische Scheidegebirge unmittelbar nördlich von Madrid teilt die Landschaft in das nördliche Altkastilien und das südliche Neukastilien, das auch die Mancha (von arabischالمنشرة‎ al-manschara, „flaches Land“') umfasst.

Nach dieser Landschaft wird die spanische Sprache vor allem zur Abgrenzung von den anderen in Spanien gesprochenen Sprachen häufig als castellano (Kastilisch) bezeichnet. Die in Kastilien verwendete Aussprache hat gegenüber den in anderen Regionen Spaniens (etwa in Andalusien) sowie in Lateinamerika gesprochenen Dialekten einen bevorzugten Status.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Kastilien, das Gebiet des oberen Ebro, hieß bis um 800 Bardulien (nach dem Stamm der dort lebenden Bardulier). Der Name Kastilien ist erstmals in einer lateinischen Urkunde aus dem Jahr 800 bezeugt, wo von einer Kirche in territorio Castelle („im Burgenland“) die Rede ist. Diesen Namen verdankte die Region den vielen Kastellen (lateinisch castella, spanisch castillos), die dort zum Schutz vor Angriffen der Araber errichtet worden waren. Das Land wurde im 8. und 9. Jahrhundert von den Königen von Asturien und später dessen Nachfolgereich León im Kampf gegen die Araber erobert. Sie ließen es durch einheimische Grafen verwalten. Die Grafen von Burgos erhoben sich um 925 gegen den König von León und bauten das Gebiet zu einer selbständigen Herrschaft aus, zunächst als Bündnispartner des Kalifen von Córdoba.

Ferdinand González wird im 10. Jahrhundert als erster Graf von Kastilien. Durch Aufstände gegen die Könige Ramiro II. (931-950), Ordoño III. (950-957) und Sancho I. (957-966) suchte er die Unabhängigkeit seines Landes von León zu erreichen, obwohl vergeblich.

Sein Sohn García Fernandez herrschte auch bis zum Jahr 1000 fast selbständig. Dessen Sohn und Nachfolger Sancho hinterließ die Herrschaft seinem Sohn, dem Grafen García und nach dessen Ermordung 1026 ging sie auf Sanchos Schwiegersohn, den König Sancho Mayor von Navarra über, bei dessen Tod im Jahr 1035 sein Sohn Ferdinand Kastilien erbte.

Dieser besiegte am Río Carrión 1037 seinen Schwager, den König Bermudo III. von León, der in der Schlacht fiel und vereinigte hierauf ganz León mit seiner bisherigen Herrschaft zum Königreich Kastilien, das unter Ferdinands Fürsorge und verständiger Regierung immer mehr zu Glück und Macht emporstieg. Er schlug in der Schlacht von Atapuerta 1054 einen Angriff seines neidischen Bruders Garcias von Navarra zurück; vereinigte das navarresische Gebiet auf dem rechten Ebroufer mit Kastilien und erweiterte durch glückliche Kämpfe mit den Arabern die Grenzen seines Reichs beträchtlich nach Süden.

Bei seinem Tode 1067 teilte er sein Reich unter seine drei Söhne, von denen Sancho II. Kastilien, Alfons León und Asturien sowie García Galicien erhielt. Indes Sancho II. (1067-1072) vertrieb seine Brüder; nach feigem Meuchelmord (nicht bewiesen) bemächtigte sich sein Bruder Alfons VI. (1072-1109) des Reichs und teilte sich 1076 mit Aragonien in das Königreich Navarra. Er regierte mit Weisheit und Kraft und führte siegreiche Kriege gegen die Mauren im Zuge der Reconquista (Rückeroberung). In der unglücklichen Schlacht bei Ucles verlor er 1080 seinen einzigen Sohn Sancho. Unter ihm wurde das römisch-hierarchische Kirchensystem auch in Kastilien begründet.

Seine Tochter Urraca (1109–1126 Königin v. León-Castilla) war Thronfolgerin. Sie vermählte sich auf Wunsch des Vaters mit Alfons I. von Aragonien, doch gereichte die Vereinigung beider Reiche zu einem Königreich Hispanien keinem zum Segen. Nach einem blutigen Bürgerkrieg, aus dem Portugal 1139 als unabhängige Nation hervortritt, trennten sich die Königreiche wieder. Dank der Hilfe des kastilischen Adels konnte die „Königin von Spanien“, Urraca, ihrem Sohn Alfons VII. Raimundez das Königreich erhalten.

Kastilien mit León und Galicien wurde das Gebiet Alfons VII. (1127-1157), welcher den Titel eines „Kaisers von Spanien“ annahm und tapfer gegen die Araber focht. Unter seinen Söhnen und Nachfolgern wurde das kastilische Reich zerrissen, indem León, Galicien, Asturien und Navarra sich unabhängig machten.

In Kastilien folgte auf Alfons VII. Alfons VIII., der Edle (1157-1214). Dieser hinterließ die Krone seinem elfjährigen Sohn Heinrich I., der jedoch schon 1217 tödlich verunglückte.

Nun brachen wieder heftige Bürgerkriege aus, bis 1230 durch einen Vertrag Ferdinand III., Sohn von Heinrichs Schwester Berengaria und dem König Alfons IX. von León, als König von Kastilien und León anerkannt und dabei festgesetzt wurde, dass beide Staaten in Zukunft ein einziges, unteilbares Reich bilden, die Erbfolge auf den ältesten Sohn und in Ermangelung männlicher Erben auf die weibliche Linie übergehen sollte. Ferdinand III., der Heilige (1230-1252), war ein ebenso weiser Regent wie tapferer Feldherr; er eroberte 1236 Córdoba, 1248 Sevilla und brachte das Land bis zur Südküste unter kastilische Herrschaft, ja sogar Granada in Lehnsabhängigkeit von Kastilien.

Ihm folgte 1252-1284 sein ältester Sohn, Alfons X., der Weise, der mit großer Freigebigkeit Künste und Wissenschaften unterstützte. Er bedrückte aber das Land mit neuen Steuern und erregte dadurch, dass er die Söhne seines erstgeborenen Sohns Ferdinand vom Thron ausschloss und seinen zweiten Sohn Sancho zum Nachfolger bestimmte, einen Thronstreit, an dem sich namentlich Frankreich beteiligte und der Kastiliens Macht bedeutend schwächte, das Volk verwilderte und den Adel zu Trotz und Überhebung verleitete. Unter Sancho IV. (1284-1295) brach bereits eine Empörung der mächtigen Edelleute aus. Gegen den minderjährigen Ferdinand IV. (1295-1312), dessen legitime Geburt angezweifelt wurde, erhoben sich mehrere Prätendenten und auch die Nachbarreiche suchten sich auf Kosten Kastiliens zu vergrößern; aber seine Mutter María de Molina, welche die Regentschaft führte, wusste diese Gefahren durch Weisheit und Standhaftigkeit zu überwinden. Neue Streitigkeiten brachen aus, als nach Ferdinands plötzlichem Tode die Krone an dessen zweijährigen Sohn Alfons XI. (1312-1350) fiel; das Reich wurde durch diese inneren Kämpfe völlig zerrüttet.

Erst 1335 gelang es Alfons, durch Grausamkeit und Hinterlist, der Empörungen Herr zu werden und durch die Bewilligung der Alcavala (einer Steuer) eine unabhängige Stellung zu gewinnen. Er eroberte darauf 1344 Algeciras und starb bei der Belagerung von Gibraltar 1350.

Karte Kastiliens von 1360

Ihm folgte Peter der Grausame (1350-1369), der durch seine Greueltaten eine Erhebung seines Halbbruders Heinrich von Trastámara veranlasste und 1369 von diesem bei Montiel geschlagen und getötet wurde.

Heinrich II. (1369-1379) behauptete den Thron gegen Peters Schwiegersohn Johann von Lancaster (John of Gaunt) und erwarb Vizcaya.

Sein Sohn Johann I. (1379–1390) führte Krieg mit Portugal und England, um den Besitz seines Throns, aber 1387 im Vertrag von Bayonne mit dem Haus Lancaster und 1389 mit Portugal. Ihm folgte der elfjährige Heinrich III. (1390–1406), dessen Minderjährigkeit Streitigkeiten über die Reichsverwaltung veranlasste, die das Land furchtbar zerrütteten. Da erklärte sich der junge 14-jährige König 1393 für mündig, vermählte sich mit Katharine von Lancaster und führte die Regierung selbst und dies mit großer Energie. Unter ihm wurden 1402 die Kanarischen Inseln neuentdeckt.

Durch die Heirat von Isabella I. von Kastilien und Fernando II. von Aragón, der Katholischen Könige, im Jahr 1479 wurde Kastilien mit Aragonien politisch vereinigt. In wirtschaftlicher Hinsicht standen die Königreiche aber weiter Rücken an Rücken: Aragón war mehr auf das Mittelmeer ausgerichtet, während für Kastilien bereits der Atlantische Ozean eine größere Bedeutung besaß. Die Entdeckung und Eroberung Amerikas ab 1492 erfolgte daher im Namen der Krone von Kastilien - theoretisch waren die Untertanen der Krone von Aragón in Spanisch-Amerika Ausländer.

Herrscher von Kastilien

Grafen von Kastilien (Haus Kastilien)

  • Paterna, Señora de Castilla; ∞ 842 Ramiro I., König von Asturien (Haus Kantabrien)
  • Rodrigo, † 873, wohl deren Sohn, 852/872 Conde de Castilla
  • Diego Rodríguez Porcelos, † 885, dessen Sohn, 873 bis wohl 885 Conde de Castilla
  • Nuño Núñez el de Castrojeriz, 899/900 Conde de Castilla, wohl ein Schwager von Diego Rodríguez (Haus Kastilien)
  • Gonzalo Téllez, † vor 929, 903 Conde de Castilla, wohl Schwager von Gonzalo Fernández (siehe unten)
  • Gonzalo Fernández de Lara, † 932, Schwiegersohn und Neffe von Nuño Núñez el de Castrojeriz, † 932, 910 Conde de Castilla
  • Nuño Núñez el de Roa, Sohn von Nuño Núñez el de Castrojeriz, 914/915 Conde de Castilla
  • Gonzalo Fernández de Lara, † 932, 916 (erneut) Conde de Castilla
  • Fernando Ansúrez, 916/920 Conde de Castilla, Schwiegersohn von Munio Fernández (siehe unten)
  • Fernando Diaz, † wohl 923, Sohn von Diego Rodríguez, 917/923 Conde de Castilla
  • Munio Fernández de Amaya, † nach 932, desse Bruder, 921/927 Conde de Castilla(um 925 spalten sich die Grafen vom Königreich León ab)
  • Gonzalo Fernández de Lara, † 932, 930/932 erneut Conde de Castilla
  • Fernando Ansúrez, 927/930 (erneut) Conde de Castilla
  • Fernán González, Sohn von Gonzalo Fernández, 929 Conde de Lara, 932/970 Conde de Castilla
  • García Fernández, † 995, dessen Sohn, 970/995 Conde de Castilla
  • Sancho García, † 1017, dessen Sohn, 995/1017 Conde de Castilla
  • García II. Sánchez, † ermordet 1029, dessen Sohn, 1026/29 Conde de Castilla
    • Nach seiner Ermordung fällt Kastilien an den Ehemann seiner Schwester Munia Mayor
  • Sancho el Mayor, † 1035, König von Navarra, Graf von Kastilien (Haus Jiménez)
  • Ferdinand (Fernando) I., † 1065, dessen Sohn, 1029/35 Conde de Castilla, 1035/65 König von Kastilien, 1037/65 König von León

Könige von Kastilien

Zitat

Kastilien hat Spanien gemacht, und Kastilien vernichtet es. - José Ortega y Gasset (Aufbau und Zerfall Spaniens, 1921)

Weblinks

Siehe auch: Kastilier


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