Altkatholische Kirche Österreichs
Altkatholische Kirche Österreichs

Diözesangebiet
Diözesangebiet

Basisdaten
Kirchengemeinschaft Utrechter Union
Leitung Bischof von Österreich, Synode, Synodalrat[1]
Bischof Johannes Okoro
Bischof emeritus Bernhard Heitz
Priester 15[2]
Kirchengemeinden 14 (11 Pfarreien)
Altkatholiken 14.621 (amtl. 2001)[3]
11.500 (2007)[4]
Kathedralkirche St. Salvator, Wien
Website www.altkatholiken.at

Die Altkatholische Kirche Österreichs ist eine selbstständige Mitgliedskirche der Utrechter Union auf dem Gebiet der Republik Österreich. Sie ist eine eigenständige Anerkannte Kirche, und Mitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen (Weltkirchenrat), der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die altkatholische Kirche entstand in der Donaumonarchie während der Proteste gegen das I. Vatikanische Konzil. Am 30. Juli 1870 löste Kaiser Franz Josef das 1855 mit dem Vatikan geschlossene Konkordat einseitig mit der Begründung auf, dass der Vertragspartner ein anderer – nämlich ein unfehlbarer – geworden sei. Ignaz von Döllinger erhielt auch aus Österreich-Ungarn unzählige zustimmende Zuschriften von Privatpersonen, aber auch von politischen Vereinigungen und Gemeindevertretungen, die so genannten „Döllingeradressen“ verabschiedeten. Meist waren es Liberale, die dem Protest Döllingers beipflichteten. Der österreichische Geistliche Alois Anton, der in der Wiener Konstitutionellen Vorstadtzeitung tätig war, schrieb Artikel, die nicht nur Döllingers Standpunkt vertraten, sondern auch auf Reformen innerhalb der römisch-katholischen Kirche drängten.

Gleichzeitig regte Anton die Errichtung einer „romfreien Kultusgemeinde“ in Wien an. An die 20.000 Menschen interessierten sich in dieser Stadt für diese neue Bewegung innerhalb der römisch-katholischen Kirche, die immer stärker wurde. Die Erzbischöfe von Wien und Prag befürworteten trotz ihres Protestes auf dem Konzil diese neue Bewegung in ihrer Kirche nicht. So war es der Gemeinderat der Stadt Wien, der den Altkatholiken die Kapelle des Alten Rathauses zur Benutzung zur Verfügung stellte.

Darüber hinaus entwickelten sich in Ried im Innkreis in Oberösterreich und in Warnsdorf in Nordböhmen weitere bedeutende Gemeinden. Besonders in der reichen Industriestadt Warnsdorf, mit der heutigen Konkathedrale Verwandlung Christi, blühte die altkatholische Gemeinde sehr rasch auf, und dort entstand der erste Bischofssitz. In Ried sammelte sich die Gemeinde um den Seelsorger Dr. Josef Brader und bekam von der Stadtgemeinde die 300 Jahre alte Heiligen-Geist-Kirche zur Benutzung überlassen.

Nach langen Konflikten und vielen Zugeständnissen auf altkatholischer Seite wurde 1877 die staatliche Anerkennung der Altkatholischen Kirche Österreichs erreicht. Ihre Geschichte im Dritten Reich wurde in den letzten Jahren intensiver erforscht.[5]

Seit 1997 ist Beschluss der Synode in der Altkatholischeen Kirche Österreich die Frauenordination möglich,[6] und so gibt es in der Pfarre Wien-West auch heute (Stand 2011) eine Pfarrerin.

Gegenwart

Kirchengemeinden

Der Schwerpunkt der Altkatholischen Kirche Österreichs liegt mit vier Gemeinden in Wien. Darüber hinaus gibt es über Österreich verteilt noch einige Kirchengemeinden:

  • Altkatholische Kirchengemeinde St. Salvator (Wien-Innen):[W 1] an der Bistumskirche Sankt Salvator; das Seelsorgegebiet umfasst:[7]
    • Wiener Bezirke 1., 4., 5., 6., 7., 8., 9., 16., 17., 18., 19. (mitte und mitte-nord)
    • Niederösterreich: Bezirke Wiener Neustadt, Wiener Neustadt Land, Baden, Mödling, Neunkirchen (Industrieviertel ohne den Osten), mit spezieller Betreuung:
      • Diasporagemeinde Baden St. Annakapelle[W 2]
      • Diasporagemeinde Mödling[W 3] an der Waisenhauskirche St. Josef (Simultankirche mit der Evangelischen Gemeinde)
    • Burgenland: Bezirke Eisenstadt, Eisenstadt-Land, Rust, Mattersburg, Oberpullendorf (Nordburgenland ohne Neusiedl, Mittelburgenland)
  • Altkatholische Kirchengemeinde Heilandskirche Wien-West:[W 4] an der Heilandskirche in Sechshaus; betreut:[8]
    Wiener Bezirke: 10., 12., 13., 14., 15., 23. (west)
  • Altkatholische Kirchengemeinde Wien-Nord Zum Guten Hirten:[W 5] seit 1934, selbständig von Wien-Innen 1943, mit der Kirche zum Guten Hirten Brigittenau[9]
    • Wiener Bezirke: 2., 20., 21.,22. (Donauinsel, Wien-Ost)
    • Niederösterreich: Bezirke Gänserndorf, Mistelbach, Klosterneuburg, Korneuburg und Hollabrunn als Diaspora (Marchfeld, Weinviertel)
  • Altkatholische Kirchengemeinde Wien Ost:[W 6] seit 1934, selbständig von Wien-Innen 1943, an der Christuskapelle (Wien-Simmering) und der Elisabethkapelle (Mautner Markhof'sche Kinderspitalskapelle) in Landstraße; zuständig für:[10]
  • Altkatholische Kirchengemeinde Krems-St. Pölten[W 7] mit der Bürgerspitalkirche (St. Pölten) St. Pölten (ehemalige Filiale Wiens, seit 1923) und der Willibrordkapelle Krems a.d.D., zuständig für:[11]
    Niederösterreich-West: Bezirke St. Pölten, Krems, Scheibbs, Melk, Waidhofen/Y, Amstetten, Zwettl, Gmünd, Waidhofen/T., Tulln, Horn, Lilienfeld
  • Altkatholische Kirchengemeinde Graz für Steiermark und südliches Burgenland:[W 8] seit 1914 in Graz-St. Christophorus; zuständig für:[12]
  • Altkatholische Kirche Oberösterreich Ost/Kirchengemeinde Linz an der Donau:[W 9] in der Linzer Gemeinde mit Sitz an der Prunerstiftskirche[13] ehemalige Filiale von Ried, seit 1920, gibt es ca. 500 Altkatholiken; zuständig für:
    Eferding, Freistadt, Kirchdorf/Krems, Perg, Rohrbach, Steyr, Steyr-Land, Urfahr-Umgebung, Wels und Wels-Land (Oberösterreichischer Zentralraum, Mühlviertel und östliches Traunviertel)[14]
  • Altkatholische Kirchengemeinde Ried im Innkreis:[W 10] oberösterreichische Urpfarre von 1871, mit der altkatholischen Christuskirche in Ried i.I., zuständig für:
    die Bezirke Ried im Innkreis, Schärding, Braunau/Inn (Innviertel), Grieskirchen, Vöcklabruck, Gmunden (oberösterreichisches Salzkammergut und Umland)[15]
  • Altkatholische Kirchengemeinde für Kärnten und Osttirol:[W 11]etwa 100 Jahre alt, Sitz in Klagenfurt-St. Markus, mit altkath. Burgkapelle St. Heinrich und St. Kunigunde in Villach;[16] Seelsorgegebiet:[17]
  • Altkatholische Kirchengemeinde Salzburg:[W 12]; seit 1920 (amtl. genehmigt 1922); Pfarrkirche: Schlosskirche St. Johannes Mirabell in Salzburg seit 1932, für:
  • Altkatholische Gemeinde Horeb Nordtirol:[W 13] am Caritas Integrationshaus in Innsbruck[19] 2003 gegründet, heute zuständig für:
    • Nordtirol (vorher Seelsorgegebiet der Gemeinde Salzburg)
    • Altkatholische Gemeinde Bozen, St. Magdalena:[W 14] in Bozen, Südtirol, eine kleine Gemeinde seit 1998, die sich 2002 dem österreichischen Bistum angeschlossen hat, nachdem sie zuvor zur Chiesa vetero cattolica italiana gehört hatte; Gottesdienst an der Evangelischen Christuskirche

Siehe auch: →Liste altkatholischer Kirchengebäude: Altkatholische Kirche Österreichs, ein Überblick

Bischöfe von Österreich

An der Spitze des Bistums steht zurzeit Bischof Johannes Okoro mit Sitz in Wien. Er ist in Personalunion zudem Pfarrer der Kirchengemeinde Wien-Innen (St. Salvator).

Siehe auch: →Liste der österreichischen altkatholischen Bischöfe

Literatur

  • Christian Halama: Altkatholiken in Österreich, Geschichte und Bestandsaufnahme. Böhlau, Wien 2004, ISBN 3-205-77224-5.
  • Christian Blankenstein-Halama: Christsein, aber wo? Alt-Katholische Positionen. Bautz, Nordhausen 2008, ISBN 978-3-88309-392-5.
  • Christian Blankenstein-Halama: Alt-Katholische Hirtenbriefe (aus Österreich). Bautz, Nordhausen 2010; ISBN 978-3-88309-591-2.
  • Kirche und Kirchengemeinschaft, Bericht der Internationalen Römisch-Katholisch - Altkatholischen Dialogkommission. Bonifatius, Paderborn und Lembeck, Frankfurt/Main 2009; ISBN 978-3-874766012.

Weblinks

 Commons: Altkatholische Kirche Österreichs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Georeferenzierung Karte mit allen verlinkten Seiten: OSM, Google oder Bing

  • Offizielle Homepage (Anm.: Der amtliche Name ist auf der Webseite nicht korrekt wiedergegeben!)
  1. Altkatholische Kirchengemeinde St. Salvator
  2. Altkatholische Kirchengemeinde St. Salvator - Diasporagemeinde Baden
  3. Altkatholische Kirchengemeinde St. Salvator - Diasporagemeinde Mödling
  4. Altkatholische Kirchengemeinde Heilandskirche Wien-West
  5. Zum Guten Hirten Altkatholische Kirchengemeinde Wien-Nord (members.aon.at)
  6. Altkatholische Kirchengemeinde Wien Ost
  7. Altkatholische Kirchengemeinde Krems-St. Pölten dzt. ohne Homepage (9/2011)
  8. Altkatholische Kirchengemeinde Graz für Steiermark und südliches Burgenland
  9. Altkatholische Kirche Oberösterreich Ost
  10. Altkatholische Kirche Ried im Innkreis
  11. Alt-Katholisches Pfarramt für Kärnten und Osttirol
  12. Altkatholische Kirchengemeinde Salzburg
  13. Altkatholische Gemeinde Nordtirol
  14. Altkatholiken in Südtirol

Einzelnachweise

  1. www.altkatholiken.at: Die Kirchenleitung (frameless)
  2. www.altkatholiken.at: Unsere Geistlichen.
  3. Statistik Austria: Bevölkerung nach dem Religionsbekenntnis und Bundesländern 1951 bis 2001. PDF, Tabelle.
  4. ORF, Meldung vom 19. November 2007
  5. Christian Blankenstein-Halama: Die Alt-Katholische Kirche Österreichs im Dritten Reich und das Jahr 1938., eingesehen am 11. März 2011.
  6. Wofür wir stehen: Der lange Weg zur Frauenordination, altkatholiken.at
  7. Kirchengemeinde St. Salvator / Wien - Innen, altkatholiken.at
  8. Kirchengemeinde Heilandskirche / Wien - West, altkatholiken.at
  9. Kirchengemeinde Zum Guten Hirten / Wien - Brigittenau, altkatholiken.at
  10. Kirchengemeinde Christuskapelle / Wien - Ost, altkatholiken.at
  11. Kirchengemeinde Krems / St. Pölten, altkatholiken.at
  12. Kirchengemeinde Steiermark / Graz, altkatholiken.at
  13. Gottesdienste in Linz; altkatholiken-linz.at
  14. Kirchengemeinde Linz an der Donau, altkatholiken.at
  15. Kirchengemeinde Ried / Innkreis, altkatholiken.at
  16. Unsere Adresse:, alt-katholiken.at
  17. Altkatholische Kirchengemeinde für Kärnten und Osttirol, altkatholiken.at
  18. Diasporagemeinde Vorarlberg / Teil der Kirchengemeinde Salzburg, altkatholiken.at
  19. Interreligöse Treffen, caritas-integrationshaus.at

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