Altkreis Wittenberg
Der alte Kreis Wittenberg

Der Landkreis Wittenberg befand sich innerhalb der preußischen Provinz Sachsen und des 1952 aufgelösten Landes Sachsen-Anhalt. Er lag im nordöstlichen Teil des Regierungsbezirks Merseburg. Seine größte Länge war 45 Kilometer (6 Meilen), und die größte Breite betrug 26 Kilometer (3 ½ Meilen). Er wurde im Norden begrenzt von den Kreisen Zauch-Belzig und Jüterbog-Luckenwalde der Provinz Brandenburg, im Osten vom alten Kreis Schweinitz (seit 1950: Herzberg), im Süden von den alten Kreisen Torgau und Bitterfeld sowie im Westen von den anhaltischen Kreisen Dessau und Zerbst. Sitz der Kreisverwaltung war die Stadt Wittenberg.

Geschichte

Nachdem die vereinigte preußisch–sächsische Armee in der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 vom Kaiser Napoleon besiegt worden war, huldigte und unterwarf sich der sächsische Kurfürst Friedrich August Napoleon. Er schloss mit Napoleon am 11. Dezember 1806 Frieden und trat dem Rheinbund bei. Daraufhin erhob Napoleon Friedrich August zum König von Sachsen und Polen und erweiterte dessen Territorium um den preußischen Kreis Cottbus. Von nun an war der sächsische König Friedrich August Verbündeter Napoleons und unterstützte den französischen Kaiser militärisch.

Als der Befreiungskrieg durch die Völkerschlacht bei Leipzig entschieden war, wurde Friedrich August gefangen genommen. Das Königreich Sachsen wurde ab 8. November 1813 von den Preußen verwaltet. Nachdem Napoleon endgültig besiegt war, forderten Preußen und die anderen verbündeten Mächte ihre Entschädigung für die Kriegsopfer. Auf dem Wiener Kongress wurden die Grenzen Europas neu geordnet. Preußen wurden im Ergebnis dieses Kongresses 378 Quadratmeilen mit 864.404 Einwohnern zugesprochen, Sachsen behielt 272 Quadratmeilen mit 1.182.744 Einwohnern.

Der Kurkreis ging damit an Preußen über. Preußen teilte den neuerworbenen Landesteil nach der Verordnung wegen „verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden“ vom 30. April 1815 neu auf. Der preußische Staat sollte aus zehn, jeweils in zwei oder mehrere Regierungsbezirke geteilten Provinzen bestehen. Das Gebiet um Wittenberg wurde der Provinz Sachsen zugeordnet und zählte zu dessen Regierungsbezirk Merseburg. Zum 1. Oktober 1816 wurde eine Einteilung in Kreise anbefohlen, und es entstand damit der Landkreis Wittenberg. Der Landkreis Wittenberg wurde aus den bis dahin zum Kurkreis gehörenden Ämtern Wittenberg und Pretzsch gebildet und umfasste eine Gesamtgröße von 15 ¼ Meilen, 5 Städte und 102 Dörfer. Die Bevölkerungszahl belief sich auf 26.757 Einwohner.

  • 1819 erfolgte eine Korrektur der Gebietszuordnung, wobei der Kreis Wittenberg die wüste Mark Gablenz erhielt.
  • 1827 schaffte man 15 Kreisstände, deren Deputierte aus den Reihen der Städte und Gemeinden waren und deren Sitzungen im Wittenberger Rathaus stattfanden.
  • 1872 erfolgte eine Einteilung des Kreises in 12 Amtsbezirke.
  • 1873 trat der erste Kreistag mit 29 Mitgliedern im Wittenberger Rathaus zusammen. Am 1. Januar 1874 nahm der neu gewählte Kreisausschuss und Kreistag die Tätigkeit auf, dessen Sitzungen im Sitzungssaal des Kreislokals stattfanden.
  • 1878 baute man an der damaligen Grünstraße/Ecke Lindenstraße (heute Melanchthonstraße/Ecke Breitscheidstraße) das Kreisständehaus.
  • 1902 war der alte Kreis Wittenberg circa 15 Quadratmeilen groß, in dem 60.700 Einwohner in 5 Städten und 101 Landgemeinden in 22 Gutsbezirken lebten.
  • 1922 wurde die Stadt Wittenberg zu einem eigenen Stadtkreis und damit aus dem Kreis Wittenberg ausgegliedert, der seither Landkreis genannt wurde.
  • 1934 erwarb der Kreis 400 Morgen Wald in der Gemeinde Leetza.
  • 1937 kam es zu einer Grenzkorrektur der einstigen Gemeinde Trajuhn.
  • 1939 erfolgte ein Gebietsaustausch beim Gutsbezirk Trajuhn. Durch den Erlass des preußischen Staatsministeriums erhielt der alte Landkreis Wittenberg das Wappen mit den zwei roten gekreuzten Schwertern auf einem schwarz–silber geteilten Schild.
  • 1944 am 1. Juli wurde die Provinz Sachsen aufgelöst und der alte Kreis Wittenberg der Provinz Halle-Merseburg zugeordnet.
  • 1945 am 23. Juli erfolgte der Zusammenschluss der Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg zur Provinz Sachsen.
  • 1947 wurde aus der Provinz Sachsen und dem Land Anhalt das Land Sachsen-Anhalt gebildet.
  • 1949 am 10. Oktober übergab die sowjetische Militäradministration unter General Tschuikow die ausgeübten Verwaltungsfunktionen an die Organe der am 7. Oktober 1949 gegründeten DDR.
  • 1950 Mit der „Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über Änderung von Grenzen der Länder“ vom 13. Juli kam die Gemeinde Boßdorf vom Land Brandenburg aus dem Kreis Zauch-Belzig an das Land Sachsen-Anhalt im Altkreis Wittenberg. Mit dem Gesetz zur Änderung der Kreis- und Gemeindegrenzen vom 27. April 1950 wurde der Stadtkreis Wittenberg am 1. August 1950 aufgelöst und in den Altkreis Wittenberg eingegliedert.

Mit der Kreisbildung nach dem „Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe in den Ländern der DDR“ von 1952 wurden statt der 5 Länder der DDR 14 Bezirke mit 217 Kreisen gebildet. Das Land Sachsen-Anhalt wurde in die Bezirke Halle und Magdeburg aufgeteilt. Der alte Kreis wurde um 17 Gemeinden verkleinert und dem Bezirk Halle als Kreis Wittenberg zugeordnet.

Die Landräte des Kreises Wittenberg 1816–1952

  • 18161821 Friedrich Wilhelm Kurt von Leipziger auf Kropstädt
  • 18211840 Karl Friedrich Wilhelm Theodor Gustav von Jasmund
  • 18411873 Otto Heinrich von Jagow auf Wachsdorf
  • 18741889 Dr. jur. Kurt von Koseritz
  • 18901911 Bodo Freiherr von Bodenhausen Freiherr von Radis
  • 19111916 Wolf Dietrich von Trotha
  • 19161932 Kurt Ulrich Hans von Trebra
  • 19321945 Otto Holtz
  • 1945 Peter Florin
  • 19451948 Franz Stammer
  • 19481950 Otto Plättner
  • 19501952 Albrecht Holzschuh
  • 1952 Albin Fleischmann

Literatur

  • „Heimatkunde des Kreises Wittenberg“ von Richard Erfurth, erschienen im Herrose Verlag Wittenberg 1902
  • „Perspektiven an historischer Adresse – Festschrift zur Einweihung des neuen Kreishauses“, herausgegeben vom Landkreis Wittenberg 29. April 2005
  • „Die Teilung des sächsischen Landes und Heeres nach den Befreiungskriegen“, Beitrag in den Blättern für Heimatgeschichte im März 1935, Beilage der Wittenberger Zeitung

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