Altlicht
Altlicht-Mondsichel

Das Altlicht oder Neulicht bezeichnet den Zeitpunkt, zu dem vor und nach einem Neumond letztmals beziehungsweise erstmals die schmale Mondsichel über dem Horizont sichtbar ist.

Zwischen zwei Neulicht/Altlicht-Zeitpunkten liegen mindestens 29,26 Tage und maximal 29,8 Tage; der Mittelwert beträgt 29,53059 Tage. Dieses Intervall ist unter den Begriffen Lunation oder synodischer Monat bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen

Sichtbarkeiten

Am Morgen der letzten Sichtbarkeit des abnehmenden Mondes geht die Altlichtsichel am Osthimmel auf. Die nachfolgende Konjunktion (Neumond) kann zu jeder Tages- und Nachtzeit stattfinden.

Am Abend nach der Konjunktion kann sich der Mond schon soweit von der Sonne entfernt haben, dass die Neumondsichel bereits kurz vor ihrem Untergang am Westhimmel sichtbar wird.

Die Sichtbarkeits-Faktoren Anomalie und Breite des Mondes bleiben zwischen Alt- und Neulicht meist konstant, wobei beide Situationen im Regelfall jedoch nicht spiegelbildlich sind.

In der Region vom 29. bis 32. nördlichen Breitengrad tritt das Neulicht, je nach Jahreszeit, zwischen 18 und 42 Stunden nach Neumond ein. Gleiche Grundlagen gelten umgekehrt für die letzte Sichtbarkeit des Altlichts vor dem Neumond. Generell gilt: Je weiter der Beobachtungsort vom Äquator entfernt liegt, desto größer werden die Differenzen der erstmaligen beziehungsweise der letztmaligen Sichtbarkeit. Im Bereich des Äquators dauert es nur 16 bis 24 Stunden, während am 60. nördlichen Breitengrad die Verzögerung bis zu 59 Stunden betragen kann. In Abhängigkeit an die Monduntergangsdaten ist durch die genaue zeitliche Bestimmung des Neumondes die erste und letzte Sichtbarkeit der Mondsichel bis zurück in das Altertum exakt berechenbar.

Einflüsse auf die Sichtbarkeiten

Drei Faktoren wirken sich auf die örtliche und zeitliche Sichtbarkeit aus:

  • Anomalie des Mondes: Die sich fortwährend ändernde Distanz des Mondes zur Erde verursacht für den irdischen Beobachter bei gleichen Zeitintervallen verschiedene Winkeldistanzen Sonne-Mond.
  • Breite des Mondes: Da die Mondbahn gegen die Ekliptik geneigt ist, kann sich der Mond 5,3° über oder unter der Ekliptik bewegen. Mond- und Sonnenbahn bewegen sich entgegengesetzt zu der Mondbewegung. Daher variieren die maximalen Abstände des Mondes von der Ekliptik.
  • Lage der Ekliptik: Der Winkel zwischen Ekliptik und Osthorizont verändert sich in der Zeit vom Herbst- zum Frühjahrsäquinoktium und umgekehrt. Für den 29. bis 31. nördlichen Breitengrad ergibt sich dadurch beginnend mit dem Frühjahrsaqinoktium ein Intervall von 36,3° bis 83,7°und zurück auf 36,3°.

Je flacher die Ekliptik, desto früher erreicht der Mond die Mindesthöhe und wird unsichtbar. Entsprechend entgegengesetzt ist die Wirkung bei steilem Verlauf der Ekliptik und Mondbahn. Die Sichtbarkeiten sind deshalb auch von der Jahreszeit abhängig.

Kalenderformen

In vielen Lunar- und Lunisolarkalendern markiert das Neulicht den Beginn eines neuen Monats. Heute, wie auch schon im Altertum, wird meist jener berechnete Zeitpunkt zugrunde gelegt, an dem - unabhängig von eventuellen Witterungseinflüssen - das Neulicht theoretisch sichtbar sein müsste.

Bis zum 2. Jahrtausend v. Chr. wurde hingegen zumeist der Beginn eines neuen Monats erst verkündet, nachdem die Sichel des neuen Mondes tatsächlich gesichtet wurde. Einige wenige Kalender, zum Beispiel die nichtzyklische Variante des islamischen Kalenders, basieren auch heute noch ausschließlich auf Beobachtung.

Siehe auch

Literatur

  • Rolf Krauss: Sothis- und Monddaten, Gerstenberg, Hildesheim 1985, ISBN 3-8067-8086-X (formal falsche ISBN)

Weblinks


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