Altlutherische Kirche

Die Evangelisch-lutherische (altlutherische) Kirche war eine lutherische Freikirche. Sie hatte sich ab 1830 unter der Bezeichnung "Evangelisch-Lutherische Kirche in Preußen" (später "in Alt-Preußen") gebildet. Sie gehört heute zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

In der altlutherischen Kirche schlossen sich jene lutherischen Gemeinden in Preußen zu einer vom Landesherrn unabhängigen Kirche zusammen, welche weder die 1817 erfolgte Union zwischen lutherischen und reformierten Gemeinden noch die Agende des Königs noch den Unionsrevers akzeptierten. Der leitende Geistliche der evangelisch-lutherischen Kirche in Preußen war der Breslauer Professor für Theologie Johann Gottfried Scheibel. Zum 300. Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses verschärften sich die Auseinandersetzung 1830 sowohl zwischen dem König Friedrich Wilhelm III. als auch der neu gegründeten unierten evangelischen Kirche in Preußen. Ein Verbleib der lutherischen Gemeinden innerhalb der evangelischen Unionskirche war den lutherischen Pfarrern mit ihren Kirchengemeinden auf Grund der Betonung und des Alleinstellungsmerkmals der Evangelisch-Lutherischen Bekenntnisschriften nicht möglich, so dass unter Billigung der unierten Landeskirche der preußische Staat mit harten Verfolgungsmaßnahmen gegen die Altlutheraner vorging.

Erst 1841 wurde sie staatlich geduldet und 1845 schließlich staatlich anerkannt, so dass sie sich eine eigene kirchliche Ordnung geben konnte. Sie ist damit die älteste lutherische Freikirche Deutschlands. Ihre Glieder wurden von Außenstehenden bald als "Altlutheraner" bezeichnet. Später gehörten ihr auch Gemeinden anderer Länder Deutschlands an, etwa in Nassau (ab 1852), Baden, Hessen und Hannover. In diesen Ländern bildeten sich später zum Teil eigenständige lutherische Kirchen, etwa die Evangelisch-Lutherische Kirche in Baden ab 1865.

Von 1883 bis 1945 unterhielt die Kirche ein theologisches Seminar in Breslau.

1930 wurde die Evangelisch-lutherische Kirche in Alt-Preußen als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) anerkannt. 1955 nannte sie sich in "Evangelisch-lutherische (altlutherische) Kirche" um.

Nachdem Breslau nach dem 2. Weltkrieg unter Verwaltung Polens gestellt worden war, errichtete die Evangelisch-lutherische (altlutherische) Kirche gemeinsam mit der Evangelisch-Lutherischen Freikirche in Oberursel in Hessen eine eigene kirchliche Hochschule, die Lutherische Theologische Hochschule Oberursel.

Die Verwaltung der Freikirche oblag einem Oberkirchenratskollegium. Einer ihrer Kirchenführer war Oberkirchenrat Dr. Walther Günther aus Wuppertal-Elberfeld.

Zusammenschluss zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche

Auf dem Gebiet der (alten) Bundesrepublik Deutschland schloss sich die Evangelisch-lutherische (altlutherische) Kirche 1972 mit anderen lutherischen Kirchen zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) zusammen.

Aufgrund der deutschen Teilung konnten sich die Gemeinden in der DDR an diesem Zusammenschluss nicht beteiligen. Deshalb bestanden sie zunächst als eigenständige Freikirche gleichen Namens fort. Diese bildete ab 1972 mit der Evangelisch-Lutherischen Freikirche, die im Westen ebenfalls am Zusammenschluss zur SELK beteiligt war, die informelle "Vereinigung selbständiger evangelisch-lutherischer Kirchen in der DDR". 1984 kündigte die Evangelisch-Lutherische Freikirche in der DDR diese Zusammenarbeit aufgrund theologischer Differenzen allerdings wieder auf. Nachdem durch die deutsche Wiedervereinigung keine politischen Hindernisse mehr bestanden, schloss sich 1991 die Evangelisch-lutherische (altlutherische) Kirche auch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR der SELK an.

Siehe auch

Literatur

  • Klän, Werner; Roensch, Manfred: Quellen zur Entstehung und Entwicklung selbständiger evangelisch-lutherischer Kirchen in Deutschland. Die Evangelisch-lutherische (altlutherische) Kirche, S. 23-139, in: Europäische Hochschulschriften. Reihe 23. Band 299, Frankfurt/Main 1987.
  • Klän, Werner: Die altlutherische Kirchenbildung in Preußen, S. 153-170, in: Die Lutherische Kirche. Geschichte und Gestalten. Band 13. Das deutsche Luthertum und die Unionsproblematik.
  • Nagel, Gottfried: Der Kampf um die lutherische Kirche in Preußen, Breslau 1930.
  • Nagel, Gottfried: Unsere Heimatkirche. Ein Gruß zum Reformationsjubiläum für Lutheraner in Preußen, Elberfeld 1917.
  • Nagel, Gottfried: Unsere Heimatkirche. Kurze Geschichte der evangelisch-lutherischen Kirche in Preußen, Breslau 1924
  • Schöne, Jobst: Die Anfänge des Aufbaus einer staatsfreien lutherischen Kirche in Preußen, in: ders.: Kirche und Kirchenregiment im Wirken und Denken Georg Philipp Eduard Huschkes, in: Arbeiten zur Geschichte und Theologie des Luthertums, Berlin 1969.

Weblinks


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